Lavendelblüten (Lavandula angustifolia) werden beim Pferd bei Unruhe und Angst eingesetzt – und bei Magen-Darm-Störungen, die aus der Angst kommen. Die Veterinärphytotherapie nennt dafür einen Anlass, der beim Pferd häufiger ist als alle anderen: den Transport. Dazu kommen die Situationen, die jeder Reiter kennt – das junge Pferd beim Ausreiten, der Stallwechsel, die laute Woche im Betrieb. Wertgebend ist das ätherische Öl, und damit ist Lavendel die einzige Pflanze in unserem Sortiment, deren Qualität man riechen kann.
Auf einen Blick
- Die Droge sind die Blüten – Lavandulae flos, nicht das Kraut
- Eingesetzt bei Unruhe, Angst und angstbedingten Magen-Darm-Störungen
- Wertgebend ist das ätherische Öl – das Arzneibuch fordert mindestens 1,3 % davon
- Der wertgebende Stoff ist flüchtig – Lagerung und Zerkleinerungsgrad entscheiden mit
- Der Anlass beim Pferd: der Transport – und der ist vorhersehbar
- Vier Gremien führen dieselbe Richtung – Unruhe, Erregung und Einschlafstörungen, dazu der Reizmagen
- Vor Narkose, Sedierung und Operationen gehört die Fütterung der Praxis gesagt – das ist der wichtigste praktische Punkt
- Die Art entscheidet – Gartenlavendel ist häufig ein Lavandin, nicht die Arzneidroge
- In NERVENSTARK und im BOXENRUHE-BUNDLE
Steckbrief
| Drogenbezeichnung | Lavandulae flos – die Blüten |
|---|---|
| Familie | Lippenblütler (Lamiaceae) |
| Weitere Namen | Lavendelkraut, Narden, Speik, Zöpfli |
| Name | Von lateinisch lavare – waschen; die Römer parfümierten ihre Bäder damit |
| Heimat | Westliches Mittelmeergebiet – eine Wärme- und Trockenpflanze |
| Charakteristisch | Ätherisches Öl – vor allem Linalool und Linalylacetat; dazu Flavonoide, Phytosterole und Cumarine |
| Arzneibuchprüfung | Ja – auf Identität, Reinheit und Gehalt: mindestens 1,3 % ätherisches Öl nach Ph. Eur., chargenweise |
| Blütezeit | Juli bis August; geerntet wird kurz nach dem Aufblühen |
| Nicht verwechseln | Lavandin (Lavandula × intermedia) – der ertragreiche Hybrid der Duftstoffindustrie, mit anderer Ölzusammensetzung |
| Verwendung beim Pferd | Bei Unruhe und Angst; anlassbezogen vor vorhersehbaren Belastungen |
Die Lavendelpflanze und ihr Ölgehalt
Der Lavendel ist ein Halbstrauch und bleibt unter einem halben Meter. Seine Blüten sitzen zu sechs bis zehn in kleinen Scheinquirlen, die sich zu einer ährenähnlichen Spitze schichten – die Scheinähre, die weit über dem Laub schwebt. Die Blätter sind schmal, am Rand eingerollt und weich behaart, und sie duften schon, wenn man nur mit der Hand darüberfährt.
Er kommt aus dem westlichen Mittelmeergebiet, von trockenen, kalkhaltigen, mageren Hängen – und genau daraus erklärt sich das Öl. Ätherische Öle sind für solche Pflanzen Schutz: Sie liegen als Dunstschicht über den Blättern und bremsen die Verdunstung in der Mittagshitze.
Deshalb schwankt der Gehalt
Eine Pflanze, die ihr Öl gegen Hitze und Trockenheit bildet, bildet in einem kühlen, nassen Sommer weniger davon. Standort, Jahr und Erntezeitpunkt gehen also direkt in den Gehalt ein – und das ist der Grund, warum das Arzneibuch für diese Droge eine Gehaltsbestimmung vorsieht und nicht nur eine Beschreibung. Bei einer Duftpflanze kann man den Gehalt nicht aus der Herkunft ableiten. Man muss ihn messen (Arzneibuchqualität bei Kräutern).
Die Art entscheidet – und der Pflanzenteil
Arzneilich verwendet wird Lavandula angustifolia, der Echte Lavendel. Der großflächig angebaute Lavandin ist etwas anderes: ein Hybrid aus Echtem Lavendel und Speiklavendel, ertragreicher, für Seifen und Waschmittel gezüchtet – mit deutlich mehr Campher im Öl. Er riecht kräftiger und ist nicht die Arzneidroge.
Dazu die zweite Unterscheidung: „Lavendelkraut“ ist ein Volksname für die ganze Pflanze, die Arzneidroge sind allein die Blüten. „Lavendel“ auf einer Zutatenliste sagt also zweimal nicht, was geliefert wurde: nicht, welche Art, und nicht, welcher Pflanzenteil.
Von lavare bis zum Magdalenenöl
Der Name kommt vom lateinischen lavare, waschen. Die Römer parfümierten ihre Bäder mit Lavendel, und von ihnen stammt auch der Brauch, getrocknete Blüten zwischen die frische Wäsche zu legen – gegen Motten. Bei den Hebräern gehörte er zum Räucherwerk, in mitteleuropäischen Klostergärten erscheint er im 11. Jahrhundert.
Der Mottenbrauch ist eigentlich eine Lagerungsanweisung
Was die Motten fernhält, ist das ätherische Öl – dasselbe, auf das die Droge geprüft wird. Und jeder, der schon einmal ein alt gewordenes Lavendelsäckchen aus dem Schrank geholt hat, kennt den Rest der Geschichte: Es riecht nach nichts mehr. Ein offener Beutel verliert genau das, wofür man ihn gekauft hat.
Und die älteste Produktwerbung in diesem Sortiment
Im Mittelalter verbreitete sich der Glaube, Maria Magdalena habe das Haupt Jesu mit Lavendelöl gesalbt. Ende des 15. Jahrhunderts wurde daraufhin ein Öl beworben, das nach Art des Magdalenenöls zusammengesetzt sei – und dem man „mannigfaltige Wirkungen“ zuschrieb. Werbung mit einem großen Namen und einer langen Liste ist also keine Erfindung des Internets.
Man sieht das Ergebnis bis heute an den volksmedizinischen Indikationslisten zum Lavendel, auf denen neben Blähungen und Kopfschmerzen auch Gelbsucht, Wassersucht und Schlaganfall stehen. Solche Listen sind historische Dokumente, keine Anwendungsgebiete – und sie sind der Grund, warum in diesem Artikel hinter jeder Verwendung steht, woher sie kommt (was Belege in der Phytotherapie bedeuten).
Welche Stoffe die Lavendelblüten mitbringen
Der wertgebende Bestandteil ist das ätherische Öl, und seine Hauptkomponenten sind Linalool und Linalylacetat. Dazu kommen Flavonoide, Phytosterole und Cumarine. Das Arzneibuch fordert mindestens 1,3 % ätherisches Öl – bei dieser Droge ist der Gehalt also eine Prüfgröße und keine Werbeangabe. Die Zahl ordnet die Droge ein: Für die Baldrianwurzel verlangt dasselbe Arzneibuch 0,4 %. Lavendel ist in dieser Mischung also der Ölträger, und das erklärt beides – den Geruch und die Empfindlichkeit bei der Lagerung.
Ein flüchtiger Wirkstoff macht die Verarbeitung zum Thema
Ätherisches Öl verflüchtigt sich – bei Wärme, bei Licht, an der Luft und beim Zerkleinern. Daraus folgen drei Dinge, die bei anderen Drogen nicht so eng zusammenhängen: Sie muss schonend getrocknet werden, ganz bleiben und dicht verpackt sein.
Feines, staubiges Material hat das Öl größtenteils verloren, und man erkennt es daran, dass es kaum noch riecht. Das ist die eine Qualitätsprüfung, die man zu Hause selbst machen kann: ein paar Blüten zwischen den Fingern zerreiben und daran riechen.
Gefüttert wird die Blüte, nicht das Öl
Lavendelöl und Lavendelblüten sind zwei verschiedene Dinge. Das Öl ist ein Konzentrat und gehört nicht in den Futtereimer. Was hier verwendet wird, ist die getrocknete Blüte, innerlich gefüttert – das ist die Anwendung, die die Veterinärphytotherapie für das Pferd beschreibt.
Wofür Lavendel beim Pferd verwendet wird
Der Lavendel ist eine der besser dokumentierten Drogen dieses Bereichs. Was unten steht, ist nicht Volksheilkunde, sondern das bewertete Anwendungsgebiet – und wir nennen jeweils, woher die Angabe kommt.
Das medizinische Anwendungsgebiet
Bei Einschlafstörungen und Unruhezuständen sowie bei funktionellen Oberbauchbeschwerden, äußerlich bei rheumatischen Leiden und bei funktionellen Kreislaufbeschwerden. So führt es die Veterinärphytotherapie (Brendieck-Worm/Melzig).
„Funktionell“ heißt dabei: Beschwerden ohne fassbaren organischen Befund. Das ist kein Hilfsbegriff, sondern eine Einordnung – und beim Pferd die Kategorie, in die auch das Geschehen fällt, um das es im nächsten Abschnitt geht.
Dieselbe Monographie führt den Magen mit: funktionelle Oberbauchbeschwerden im Sinne eines Reizmagens und nervös bedingte Darmbeschwerden. Angst und Verdauung stehen bei dieser Droge also nicht in zwei getrennten Zeilen, sondern in einer.
Vier Gremien zum Lavendel, und sie zeigen in dieselbe Richtung
Beim Lavendel liegt etwas vor, das bei Futterkräutern selten ist: Es haben sich mehrere unabhängige Gremien dazu geäußert – und sie kommen inhaltlich zusammen, auch wenn jedes es anders nennt.
- Kommission E: Befindungsstörungen wie Unruhezustände und Einschlafstörungen, funktionelle Oberbauchbeschwerden im Sinne eines Reizmagens, nervöse Darmbeschwerden
- ESCOP: Unruhezustände, Erregung, Schlaflosigkeit und funktionelle Bauchbeschwerden
- BfArM: Unruhezustände bei ängstlicher Verstimmung – die einzige Stelle, an der die Angst ausdrücklich genannt wird
- HMPC (traditionelle Anwendung): Besserung leichter Stress- und Erschöpfungssymptome sowie als Schlafhilfe
Das sind Monographien für Arzneizubereitungen beim Menschen, und wir leiten daraus keine Aussage für unser Futtermittel ab. Wir führen sie auf, weil sie erklären, warum diese Blüte seit Jahrhunderten für genau diesen Bereich verwendet wird – und weil „ängstliche Verstimmung“ beim Transportpferd genau die Beschreibung ist, nach der man sonst lange sucht.
Beim Pferd: innerlich bei Ruhelosigkeit und Angst
Die Veterinärphytotherapie nennt für das Pferd ausdrücklich die innerliche Anwendung bei Ruhelosigkeit, bei Angst und bei angstbedingten Magen-Darm-Störungen. Damit ist Lavendel eine der wenigen Drogen dieses Bereichs, bei denen die Verbindung zwischen Angst und Verdauung im Anwendungsgebiet selbst steht – und nicht erst hergeleitet werden muss.
In Alltagssprache heißt „Ruhelosigkeit und Angst“ meistens anders: schreckhaft, ängstlich, nervös – oder das Pferd, das beim Ausreiten hinter jeder Hecke etwas vermutet. Es sind dieselben Zustände, nur ohne Fachwort, und sie beschreiben das, was Pferdebesitzer tatsächlich vor sich haben.
Beim jungen Pferd ist das keine Auffälligkeit, sondern die Lage: Es sieht alles zum ersten Mal. Was dabei hilft, ist Wiederholung – dieselbe Strecke, dieselbe Ruhe, und ein erfahrenes Pferd daneben. Die Fütterung begleitet die Wochen, in denen geübt wird; sie ersetzt das Üben nicht.
Und was am Lavendel untersucht wurde
Die Standardliteratur führt für Lavendelblüten mehrere Wirkungen auf, geprüft in klassischen tierexperimentellen Modellen (Wichtl): sedativ mit Hemmung der motorischen Aktivität, antikonvulsiv, spasmolytisch – also krampflösend auf die glatte Muskulatur, was zum Magen-Darm-Teil des Anwendungsgebiets passt – dazu antiphlogistisch und antibakteriell. Für den Schlaf beschrieben sind eine verkürzte Einschlafzeit und eine verlängerte Schlafdauer.
Das ist der Grund, warum diese Droge in einer Beruhigungsmischung steht – bei vielen Futterkräutern gibt es diese Datenlage nicht.
Ein Befund aus derselben Reihe hat eine praktische Folge, und zwar die wichtigste dieses Artikels: Beschrieben ist auch eine Verstärkung der Wirkung von Narkotika. Was daraus folgt, steht weiter unten bei den Hinweisen – es ist nichts, was gegen die Fütterung spricht, aber etwas, das die Praxis wissen muss.
Was zusätzlich aus der Volksheilkunde kommt
Innerlich gilt der Lavendel dort als beruhigend, nervenstärkend und krampflösend – drei Zuschreibungen, die sich mit dem bewerteten Anwendungsgebiet decken, was bei volksmedizinischen Angaben die Ausnahme und nicht die Regel ist.
Äußerlich: zur Wundbehandlung, bei Verbrennungen und Sonnenbrand, bei Ohrenschmerzen, bei infizierten Hauterkrankungen und bei Juckreiz. Das ist Überlieferung, nicht bewertete Indikation – wir führen es auf, weil es zur Pflanze gehört, und schreiben dazu, was es ist.
Lavendel und der Anlass Transport
Es gibt einen Fall, für den beim Pferd alles zusammenkommt, was Lavendel kann – und die Veterinärphytotherapie beschreibt ihn ausführlich: den Transport. Er hat die Eigenschaft, die für eine Fütterung entscheidend ist: Man weiß vorher, dass er kommt.
Der Stress fängt nicht an der Rampe an
Die Faktoren, die in der Literatur genannt werden, beginnen alle vor dem Verladen: die Vorbereitung, die Anspannung der Menschen drumherum, die neue Umgebung am Ziel und bei manchen Fahrten die erwartete Leistung.
Entsprechend werden ängstliche Pferde schon während der Vorbereitungen verhaltensauffällig – und zeigen beim Auf- und Abladen Reaktionen, die sie selbst und ihren Halter in Gefahr bringen. Das ist der Punkt, an dem es nicht mehr um Komfort geht, sondern um Sicherheit (Transport beim Pferd).
Und was der Kortisolanstieg bei manchen Pferden auslöst
Stress führt zu einem Anstieg des Kortisols. Bei den meisten Pferden ist das ein Vorgang, der vorübergeht. Bei Pferden mit einer Tendenz zum Equinen Metabolischen Syndrom kann dieser Anstieg nach der Veterinärphytotherapie bereits der auslösende Faktor einer Rehe sein – in der Literatur als Transportrehe beschrieben (EMS und Cushing · Hufrehe beim Pferd).
Dazu kommt: Das Auftreten von Koliken wird bei psychisch labilen Tieren begünstigt. Damit ist auch erklärt, warum die angstbedingte Magen-Darm-Störung beim Pferd keine Randnotiz ist (Kolik beim Pferd).
Der größte Hebel ist das Training
Verladetraining, Fahrweise, Pausen, Heu unterwegs, ein ruhiges Begleitpferd – das sind die Maßnahmen, die ein Pferd tatsächlich durch einen Transport bringen. Ein Pferd, das nicht verlässlich auf den Hänger geht, lernt das durch Übung (Stressmanagement beim Pferd).
Genau so steht es auch in der Quelle: Stressmindernde Phytotherapeutika können neben verhaltenstherapeutischen Maßnahmen einen Beitrag zur Stressreduktion leisten.
Warum Lavendel in NERVENSTARK steht
Sie bringt die Verbindung von Angst und Magen mit
NERVENSTARK ist nach Drogengruppen aufgebaut. Baldrianwurzel und Hopfenzapfen bringen die älteste bewertete Kombination dieses Bereichs, Eibischwurzel die Schleimstoffe für den Magen, Mädesüßkraut, Weißdorn und Eisenkraut jeweils ihr eigenes Profil.
Die Lavendelblüten bringen zwei Dinge, die keine andere Droge der Mischung so mitbringt: das ätherische Öl mit Linalool und Linalylacetat – gemeinsam mit den Melissenblättern die aromatische Fraktion der Rezeptur – und ein Anwendungsgebiet, in dem Angst und Magen-Darm-Störung zusammen genannt werden. Keine Droge muss die Mischung allein tragen; diese deckt die Verbindung ab, die beim Transportpferd die eigentliche Frage ist.
NERVENSTARK
Acht Beruhigungskräuter in Arzneibuchqualität mit Lavendelblüten, Baldrianwurzel, Hopfenzapfen und Melissenblättern – angelegt für vorhersehbare Anlässe.
BOXENRUHE-BUNDLE
NERVENSTARK zusammen mit SEHNENSTARK – für Pferde, die wochenlang stehen müssen, bei vollem Futter und ohne Bewegung (Boxenruhe beim Pferd).
Vorhersehbar ist die Bedingung
Die Mischung ist für Anlässe gemacht, die im Kalender stehen: ein Transport, eine Umstallung, ein Klinikaufenthalt, wochenlange Boxenruhe, Silvester. In allen diesen Fällen kann man vorher anfangen – und das ist die Voraussetzung dafür, dass von einer Fütterung überhaupt etwas zu erwarten ist (Nervosität und Stress beim Pferd).
Lavendel für Pferde: Menge und Vorlauf
Für Mischungen gelten die Angaben des jeweiligen Produkts. Wichtiger als die Menge ist bei diesem Anlass ohnehin etwas anderes: wann man anfängt.
Eine Woche vorher, nicht am Morgen davor
Angelegt ist die Fütterung mit Vorlauf – etwa eine Woche bis zehn Tage vor dem Termin beginnen und über den Anlass hinaus weiterfüttern. Am Morgen des Transports anzufangen bringt nichts, auch nicht mit der doppelten Menge.
Und das Verladetraining in dieselbe Woche legen
Wenn ohnehin ein Vorlauf eingeplant ist, ist das der sinnvolle Zeitraum für das Üben – am ruhigen Tag, ohne Termin im Nacken, mit dem Hänger auf dem Hof. Das ist der Teil, der tatsächlich etwas ändert; die Fütterung begleitet ihn.
Was bei Lavendel zu beachten ist
Vor Narkose, Sedierung und Operationen
Das ist der wichtigste praktische Punkt zu dieser Droge. Die Standardliteratur beschreibt für Lavendelblüten eine Verstärkung der Wirkung von Narkotika – und dieselbe Angabe liegt für die Baldrianwurzel vor, die in derselben Mischung steht.
Praktisch heißt das: Wenn Dein Pferd sediert oder operiert werden soll, muss die Tierarztpraxis wissen, dass die Mischung gefüttert wird. Nicht weil die Fütterung gefährlich wäre, sondern weil die Dosierung der Narkose davon abhängt. Das gilt für den geplanten Eingriff genauso wie für die Zahnbehandlung unter Sedierung – und es gilt auch dann, wenn die Droge nur ein Bestandteil unter acht ist.
Sag es ungefragt. Auf dem Aufnahmebogen steht diese Frage oft nicht.
Tragende Stuten: der Vorbehalt kommt aus der Mischung
NERVENSTARK ist nicht für tragende Stuten gedacht und nicht für Stuten, die gedeckt werden sollen – dieser Vorbehalt kommt vom Eisenkraut, das traditionell als uteruswirksam gilt, und vom Hopfen mit seinen hormonähnlichen Pflanzenstoffen. Vom Lavendel kommt er nicht. Er gilt trotzdem für die ganze Mischung, weil gefüttert wird, was im Eimer liegt.
Im akuten Moment ist beim Pferd nichts zu erwarten
Ein Pferd, das jetzt gerade nicht auf den Hänger geht, ist kein Fall für eine Fütterung. Was dann hilft, ist Zeit, Routine und im Zweifel ein Termin, der verschoben wird. Die Fütterung gilt dem nächsten Transport, nicht diesem.
Wenn die Unruhe beim Pferd neu ist, gehört sie untersucht
Ein Pferd, das plötzlich unruhig wird, obwohl es Transporte kannte, sagt damit etwas – und Schmerz sieht von außen häufig wie Nervosität aus. Dasselbe gilt für Kolikanzeichen, Headshaking und Koppen: Das sind Fälle für eine Untersuchung, nicht für eine Kur.
Nicht aus dem Garten
Gartenlavendel ist häufig ein Lavandin oder eine Zierzuchtform – andere Art, andere Ölzusammensetzung, kein Prüfmaßstab. Dazu kommt das Trocknen: Bei einer Droge, deren Wert sich verflüchtigt, entscheidet genau dieser Schritt, und er geht im Hausgebrauch leicht daneben.
Zum Turniersport
Wir behandeln Kräutermischungen grundsätzlich als dopingrelevant, unabhängig davon, ob ein einzelner Bestandteil namentlich in einer Liste geführt wird: Die ADMR-Liste ist nicht abschließend, und die Abwesenheit eines Namens bedeutet keine Unbedenklichkeit. Unsere Empfehlung lautet: in der turnierfreien Zeit füttern. Karenzzeiten können wir nicht angeben; die Prüfung der Bestimmungen obliegt der verantwortlichen Person (ADMR-Regeln).
Für diesen Anlass heißt das: Transport ist nicht gleich Turnier. Klinikfahrt, Umstallung, Verkauf, Zuchttransport, Weidewechsel – das sind die Fahrten, bei denen sich die Frage nicht stellt. Und das Verladetraining findet zu Hause statt, in der turnierfreien Zeit, also genau dann, wenn auch gefüttert werden kann.
Häufige Fragen zu Lavendel beim Pferd
Wofür wird Lavendel beim Pferd eingesetzt?
Bei Unruhe, bei Angst und bei Magen-Darm-Störungen, die aus der Angst kommen – so führt es die Veterinärphytotherapie für die innerliche Anwendung. Das bewertete Anwendungsgebiet nennt Einschlafstörungen, Unruhezustände und funktionelle Oberbauchbeschwerden.
Beim Pferd ist der häufigste Anlass der Transport, weil dort Angst und Verdauung tatsächlich zusammenhängen – und weil er vorher im Kalender steht.
Hilft Lavendel beim Verladen?
Das Verladen lernt ein Pferd durch Üben. Daran führt kein Futter vorbei, und die Quelle sagt es selbst: Stressmindernde Pflanzen können neben verhaltenstherapeutischen Maßnahmen einen Beitrag leisten.
Sinnvoll ist deshalb die Reihenfolge: Vorlauf einplanen, in dieser Woche in Ruhe üben, die Fütterung begleitet das. Am Morgen des Termins anzufangen bringt nichts.
Wie lange vorher soll ich meinem Pferd Lavendel geben?
Etwa eine Woche bis zehn Tage vor dem Termin, und über den Anlass hinaus weiter. Bei einer Umstallung oder einem Klinikaufenthalt richtet sich die Dauer nach der Lage.
Bei Mischungen gelten die Mengenangaben des Produkts, nicht die Zahlen, die man zu Einzeldrogen im Netz findet.
Was ist eine Transportrehe beim Pferd?
Stress lässt das Kortisol ansteigen. Bei Pferden mit einer Tendenz zum Equinen Metabolischen Syndrom kann dieser Anstieg nach der Veterinärphytotherapie bereits der auslösende Faktor einer Rehe sein – dieser Zusammenhang wird als Transportrehe beschrieben.
Das macht Stressreduktion bei diesen Pferden zu mehr als einer Komfortfrage. Der Hebel bleibt trotzdem das Management: Training, Fahrweise, Pausen – und bei einem EMS-Pferd die Grunderkrankung selbst.
Lavendel oder Baldrian – was ist der Unterschied?
Baldrian und Hopfen sind die Paarung, deren Kombination selbst bewertet ist – das ist bei Kräutern die Ausnahme und der Grund, warum beide in der Mischung stehen.
Lavendel bringt etwas anderes mit: das ätherische Öl und ein Anwendungsgebiet, in dem Angst und Magen-Darm-Störung zusammen genannt werden. In einer Rezeptur deckt jede Droge etwas ab, das die anderen nicht liefern.
Kann ich Lavendel aus dem Garten nehmen?
Davon raten wir ab – vor allem wegen der Art. Gartenlavendel ist häufig ein Lavandin, der ertragreiche Hybrid der Duftstoffindustrie, oder eine Zierzuchtform. Die Arzneidroge ist Lavandula angustifolia, und zwar die Blüten.
Dazu kommt das Trocknen. Bei einem flüchtigen Wirkstoff entscheidet dieser Schritt darüber, ob am Ende noch etwas drin ist – gemessen wird er im Arzneibuch, nicht geschätzt.
Die Mischung riecht stark – frisst mein Pferd das?
In der Regel ja, und der Geruch hilft dabei. Lavendel ist der Anteil mit dem meisten ätherischen Öl und überdeckt die herberen Drogen der Mischung.
Bei empfindlichen Pferden mit der halben Menge beginnen und über einige Tage steigern. Riecht die Ware kaum – das lässt sich zwischen den Fingern prüfen – liegt das Problem nicht beim Pferd, sondern bei der Charge.
Mein Pferd soll operiert werden – muss ich die Mischung absetzen?
Das entscheidet die Praxis, und dazu muss sie es wissen. Für Lavendelblüten ist eine Verstärkung der Wirkung von Narkotika beschrieben, und für die Baldrianwurzel in derselben Mischung gilt dasselbe.
Sag es deshalb ungefragt – vor einem geplanten Eingriff, aber auch vor einer Zahnbehandlung unter Sedierung. Nicht weil die Fütterung gefährlich wäre, sondern weil die Narkosedosis davon abhängt.
Lavendel bei einem Pferd mit empfindlichem Magen?
Das Anwendungsgebiet nennt den Magen ausdrücklich mit – funktionelle Oberbauchbeschwerden im Sinne eines Reizmagens und nervös bedingte Darmbeschwerden stehen in derselben Monographie wie die Unruhe. Beim Pferd nennt die Veterinärphytotherapie dazu die angstbedingte Magen-Darm-Störung.
Trotzdem ist Lavendel keine Magendroge und NERVENSTARK keine Magenmischung. Wenn der empfindliche Magen das eigentliche Thema ist und nicht der Anlass, gehört er dorthin behandelt – das sind andere Rezepturen mit anderen Drogengruppen.
Darf ich Lavendel auf dem Turnier füttern?
Kräutermischungen behandeln wir grundsätzlich als dopingrelevant, und Karenzzeiten können wir nicht angeben. Die ADMR-Liste ist nicht abschließend; dass ein Name darauf fehlt, bedeutet keine Unbedenklichkeit. Unsere Empfehlung: in der turnierfreien Zeit füttern.
Für den Anlass Transport ist das weniger einschränkend, als es klingt: Klinikfahrten, Umstallungen und Zuchttransporte sind keine Turniere – und das Verladetraining, auf das es ankommt, findet zu Hause statt.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Monographie Lavandulae flos – Prüfung auf Identität, Reinheit und Gehalt an ätherischem Öl
- Kommission E: Monographie Lavandulae flos – Befindungsstörungen wie Unruhezustände und Einschlafstörungen, funktionelle Oberbauchbeschwerden im Sinne eines Reizmagens, nervöse Darmbeschwerden; äußerlich funktionelle Kreislaufbeschwerden
- ESCOP: Monographie Lavandulae flos – Unruhezustände, Erregung, Schlaflosigkeit, funktionelle Bauchbeschwerden
- HMPC (EMA), traditionelle Anwendung: Besserung leichter Stress- und Erschöpfungssymptome sowie als Schlafhilfe
- BfArM: Unruhezustände bei ängstlicher Verstimmung
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme – einschließlich der Darstellung zur Stressreduktion bei Pferdetransporten
- Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft – Monographie Lavandulae flos: Mindestgehalt an ätherischem Öl, Wirkungen im tierexperimentellen Modell, Angaben der bewertenden Gremien
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)