Vorab
EMS und PPID sind Diagnosen, keine Verdachtsmomente. Beide werden über Blutuntersuchungen gestellt, beide können zu Hufrehe führen, und bei PPID entscheidet die medikamentöse Einstellung über den Verlauf. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede und das, was im Alltag zählt – er ersetzt keine Untersuchung.
Das Wichtigste in Kürze
- EMS ist eine Störung des Insulinstoffwechsels, PPID eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse – zwei verschiedene Dinge
- Bei EMS wirken Fütterung und Bewegung, nicht ein Präparat
- Bei PPID ist die Medikation die Behandlung – sie gehört nicht abgesetzt
- Mönchspfeffer hat sich bei PPID in Untersuchungen nicht bewährt
- Beides kann gleichzeitig vorliegen, besonders bei älteren Pferden
Der Unterschied
| Merkmal | EMS | PPID |
|---|---|---|
| Worum es geht | Störung des Insulinstoffwechsels | Veränderung der Hirnanhangsdrüse mit hormonellen Folgen |
| Typisches Alter | Jung bis mittelalt | Meist älter als fünfzehn |
| Körperbild | Häufig übergewichtig, Fettdepots am Mähnenkamm | Oft Muskelabbau, Hängebauch, verändertes Fell |
| Diagnose | Insulinbestimmung, Belastungstests | ACTH-Bestimmung, gegebenenfalls Stimulationstest |
| Grundlage der Behandlung | Fütterung und Bewegung | Medikamentöse Einstellung, dazu angepasste Fütterung |
| Gemeinsam | Beide erhöhen das Risiko für Hufrehe – und beide können zusammen auftreten | |
EMS
Im Zentrum steht eine Insulindysregulation: Der Körper reagiert auf zuckerhaltige Nahrung mit ungewöhnlich hohen oder lang anhaltenden Insulinwerten. Genau diese Insulinwerte sind es, die das Risiko für Hufrehe treiben – nicht die Gärung im Darm, wie lange angenommen.
Woran es auffällt
Fettdepots am Mähnenkamm, über den Augen, an der Schweifrübe; Gewicht, das trotz karger Ration bleibt; wiederkehrende Hufrehe ohne erkennbaren Anlass.
Was es nicht ist
Ein dicker Hals allein ist keine Diagnose. Manche Rassen lagern dort Fett ein, ohne auffällige Insulinwerte zu haben – und umgekehrt gibt es schlanke Pferde mit Insulindysregulation.
Wie es festgestellt wird
Über Blutuntersuchungen: Insulin in definierter Situation, häufig als Belastungstest. Die Bedingungen der Probennahme entscheiden mit, deshalb gibt die Praxis sie genau vor.
Was sich erreichen lässt
EMS lässt sich gut kontrollieren – über Ration und Bewegung. Das ist eine dauerhafte Aufgabe, keine Kur über sechs Wochen.
PPID, oft Cushing genannt
Bei der Pituitary Pars Intermedia Dysfunction geht die hemmende Steuerung eines Teils der Hirnanhangsdrüse verloren. Der betroffene Abschnitt wächst und schüttet vermehrt Hormone aus, darunter ACTH – mit Folgen für Fellwechsel, Muskulatur, Immunabwehr und Insulinstoffwechsel.
Das bekannteste Zeichen
Ein langes, gewelltes Fell, das nicht ausfällt. Es ist das auffälligste, aber ein spätes: Vorher zeigen sich oft nur ein zäher Fellwechsel, Muskelabbau oder häufigere Infekte.
Das Diagnosefenster
Der ACTH-Wert steigt bei allen Pferden im Herbst physiologisch an, bei betroffenen stärker. September und Oktober sind deshalb besonders aussagekräftig, mit saisonal angepassten Referenzbereichen.
Die Behandlung
PPID wird medikamentös eingestellt, mit regelmäßiger Kontrolle und gegebenenfalls Anpassung der Dosis. Die Erkrankung schreitet fort – die Einstellung ist deshalb nichts, was einmal erledigt ist.
Was dazugehört
Angepasste Fütterung, regelmäßige Hufkontrolle, Zahnkontrolle und Aufmerksamkeit für Infekte. Viele betroffene Pferde leben damit jahrelang gut.
Fütterung
Bei EMS ist die Ration die Behandlung. Bei PPID ist sie die Begleitung – besonders dann, wenn zusätzlich eine Insulindysregulation besteht.
Was die Grundlage bildet
- Empfehlung: Heu mit niedrigem Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten – als Orientierung gilt ein Zielwert unter zehn Prozent in der Trockenmasse, geprüft über eine Heuanalyse
- Empfehlung: Wässern senkt den Zuckergehalt – wie stark, hängt von Charge, Wassermenge und Dauer ab; danach sofort verfüttern
- Empfehlung: Mineralversorgung ohne Getreideanteil
- Empfehlung: Kein Stärke- und Zuckerzuschlag – das betrifft Müsli, Brot, Obst und Leckerlis gleichermaßen
- Empfehlung: Raufutter über den Tag strecken, etwa über engmaschige Netze – Diät heißt nicht Fasten
Weidegang
Gras ist die größte Zuckerquelle im Pferdealltag, und die Gehalte schwanken tages- und wetterabhängig: hoch nach sonnigen Tagen mit kalten Nächten, hoch auf kurzem oder gestresstem Aufwuchs. Für Pferde mit Insulindysregulation heißt das: Zugang begrenzen, Maulkorb erwägen, Zeiten wählen – und in manchen Fällen ganz verzichten. Die Entscheidung gehört zur tierärztlichen Betreuung (Pferde richtig anweiden).
Bei PPID mit Gewichtsverlust
Nicht jedes betroffene Pferd ist zu dick – viele nehmen ab. Dann geht es darum, Energie ohne Stärke und Zucker bereitzustellen, etwa über gute Raufutterqualität und geeignete Ergänzungen. Welche, entscheidet die Rationsberechnung, nicht das Regal.
Bewegung
Der zweite Hebel bei EMS
Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit – sie ist neben der Ration das Wirksamste, was zur Verfügung steht. Ein Pferd, das steht und kargt, macht weniger Fortschritte als eines, das karg gefüttert wird und sich bewegt.
Praktisch: täglich, lieber regelmäßig als selten und lang, langsam aufbauend. Ausnahme: Bei akuter Hufrehe gilt das Gegenteil – dann entscheidet die Praxis, wann und wie viel Bewegung möglich ist.
Bei PPID richtet sich die Belastung nach dem Zustand: Muskelabbau und geringere Belastbarkeit gehören zum Bild. Ziel ist der Erhalt der Beweglichkeit, nicht Leistung.
Und was Kräuter hier leisten
Zwei Dinge vorweg
Bei PPID gehört die Medikation nicht abgesetzt – auch nicht schrittweise, auch nicht probeweise. Die Erkrankung schreitet fort, und mit ihr das Risiko für Hufrehe und Infektionen.
Mönchspfeffer ist dafür keine Alternative. Er wurde bei PPID-Pferden untersucht und zeigte dabei keinen Vorteil; in einer Untersuchung verschlechterten sich Tiere, die von der Medikation darauf umgestellt wurden. Wer ihn gibt, sollte wissen, dass er damit nichts ersetzt.
Und bei EMS
Es gibt kein Kraut, das eine Ration ausgleicht. Wir bieten deshalb kein Produkt für EMS an – nicht, weil sich damit nichts verkaufen ließe, sondern weil es die falsche Antwort auf die Frage wäre. Was wirkt, sind Heu mit niedrigem Zuckergehalt, begrenzter Weidegang und tägliche Bewegung.
Wo Drogen trotzdem einen Platz haben
Neben einer Betreuung, die steht, und mit Rücksprache: Bitterstoffdrogen und Leberdrogen wie Mariendistelfrüchte begleiten in der Phytotherapie Phasen erhöhter Stoffwechselbeanspruchung, etwa den Fellwechsel. Das ist Begleitung, keine Behandlung – und bei diesen Pferden gehört jede Änderung der Ration vorher besprochen, auch eine Kräutergabe.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen EMS und Cushing?
EMS ist eine Störung des Insulinstoffwechsels, meist bei jüngeren bis mittelalten, häufig übergewichtigen Pferden. PPID, umgangssprachlich Cushing, ist eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse und betrifft vor allem ältere Pferde.
Beide erhöhen das Risiko für Hufrehe, und beide können gleichzeitig vorliegen – die Behandlung unterscheidet sich aber grundlegend.
Kann ich EMS mit Kräutern behandeln?
Nein. Was bei EMS wirkt, sind Ration und Bewegung – Heu mit niedrigem Zuckergehalt, begrenzter Weidegang, tägliche Bewegung.
Wir bieten aus diesem Grund kein Produkt für EMS an. Eine Kräutermischung neben einer unveränderten Fütterung ändert nichts.
Kann Mönchspfeffer die Medikation bei PPID ersetzen?
Nein. Mönchspfeffer wurde bei PPID-Pferden untersucht und zeigte keinen Vorteil; Tiere, die von der Medikation darauf umgestellt wurden, verschlechterten sich.
PPID schreitet fort. Jede Änderung der Medikation gehört in die Hände der behandelnden Praxis – nie in Eigenregie.
Woran erkenne ich EMS?
An Fettdepots am Mähnenkamm, über den Augen und an der Schweifrübe, an Gewicht, das trotz karger Ration bleibt, und vor allem an wiederkehrender Hufrehe ohne erkennbaren Anlass.
Ein dicker Hals allein reicht nicht: Die Diagnose läuft über Blutuntersuchungen unter definierten Bedingungen.
Wann sollte der ACTH-Test gemacht werden?
September und Oktober sind besonders aussagekräftig: Der Wert steigt im Herbst bei allen Pferden an, bei betroffenen deutlich stärker. Für die Beurteilung gelten saisonal angepasste Referenzbereiche.
Anlass sind verzögerter Fellwechsel, langes oder gewelltes Fell, Muskelabbau, vermehrtes Trinken oder wiederkehrende Hufrehe.
Darf ein EMS-Pferd auf die Weide?
Das entscheidet die betreuende Praxis. Gras ist die größte Zuckerquelle im Pferdealltag, und die Gehalte schwanken stark – hoch nach sonnigen Tagen mit kalten Nächten und auf kurzem Aufwuchs.
Möglich sind begrenzte Zeiten, Maulkorb oder ein abgefressener Auslauf. In manchen Fällen ist Verzicht die richtige Entscheidung.
Ist EMS heilbar?
Kontrollierbar, ja – und zwar gut. Mit konsequenter Ration und Bewegung lassen sich die Werte häufig normalisieren.
Das ist allerdings eine dauerhafte Aufgabe: Kehrt die alte Fütterung zurück, kehrt auch das Problem zurück.