Den Löwenzahn kennt jeder, und kaum jemand nimmt ihn ernst – dabei ist er eine der am längsten verwendeten Bitterpflanzen. Beim Pferd wird Löwenzahn bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden verwendet, zur Anregung von Gallefluss und Harnausscheidung. Verwendet werden zwei verschiedene Teile: die Wurzel mit dem Kraut und die Wurzel allein – und bei uns steht der Löwenzahn in vier Mischungen.
Auf einen Blick
- Verwendet bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden, zur Anregung von Gallefluss und Harnausscheidung
- Zwei Arzneibuchdrogen: die Wurzel mit Kraut und die Wurzel allein – wir verwenden je nach Mischung die eine oder die andere
- Bitterstoffe und Inulin, dazu Flavonoide und der Milchsaft
- Bitterwert mindestens 100 nach Österreichischem Arzneibuch – gemessen wird nicht ein Prozentwert, sondern wie weit sich die Droge verdünnen lässt, bevor sie nicht mehr bitter schmeckt
- Das Pferd hat keine Gallenblase – bei ihm fließt die Galle fortlaufend, und das passt zu einer Bitterstoffdroge
- Bis zu 600 Volksnamen, und einige davon nennen die Wirkung beim Namen
- Ein Korbblütler – bei bekannter Empfindlichkeit gegen diese Familie vorher abstimmen
Steckbrief
| Drogenbezeichnungen | Taraxaci officinalis radix cum herba und Taraxaci officinalis radix – zwei getrennte Drogen |
|---|---|
| Familie | Korbblütler (Asteraceae) |
| Weitere Namen | Butterblume, Kuhblume, Pusteblume, Kettenblume, Milchblume, Bettseicher, Seicherwurzel – und etwa 600 weitere |
| Charakteristisch | Bitterstoffe, Inulin, Flavonoide, Milchsaft |
| Arzneibuchprüfung | Ph. Eur.: zwei Drogen, geprüft auf Identität und Reinheit. Ein Gehaltswert steht im Österreichischen Arzneibuch: Bitterwert mindestens 100 für die Wurzeldroge |
| Verwendung beim Pferd | Appetit, Verdauung, Gallefluss, Harnausscheidung |
| Bewertungen | Beim HMPC geführt; von der Kommission E positiv bewertet |
| Verbreitung | Die gesamte nördliche Halbkugel |
| Blütezeit | Ab März – und die Köpfe öffnen sich nur bei Sonne |
Die Löwenzahnpflanze
Wenn der Löwenzahn blüht, ist Frühling. Ab März liegen die gelben Teppiche auf den Wiesen, ein paar Wochen später die weißen Kugeln der Pusteblumen. Die Blütenköpfe öffnen sich nur in der vollen Sonne – bei trübem Wetter bleiben sie zu, und wer das einmal beobachtet hat, sieht es jedes Jahr wieder.
Ein Köpfchen besteht ausschließlich aus Zungenblüten, also aus den schmalen, bandförmigen Einzelblüten – bei der Ringelblume sind das nur die äußeren, beim Löwenzahn sind alle so gebaut. Darunter sitzt eine Pfahlwurzel, die bis zu fünfzig Zentimeter tief reicht.
Eine Pflanze, die es gar nicht gibt
Jedenfalls nicht als eine Art. Kein Löwenzahnblatt gleicht dem anderen, jedes bildet sein eigenes Zähnchenmuster aus; je nach Standort wächst die Pflanze gedrungen oder ausgebreitet. Botaniker sprechen deshalb von einer Sammelart – Taraxacum officinale umfasst hunderte feiner unterschiedener Kleinarten.
Das ist beim Einkauf die eigentliche Frage. „Löwenzahn von der Wiese“ ist keine definierte Droge, und der Gehalt an Bitterstoffen schwankt mit Standort, Erntezeit und Pflanzenteil erheblich. Was eine Droge daraus macht, ist die Festlegung im Arzneibuch – welcher Pflanzenteil, zu welchem Zeitpunkt, mit welchen Prüfungen (Arzneibuchqualität).
Der Löwenzahn und seine sechshundert Namen
Vom Löwenzahn sind zwischen fünf- und sechshundert Volksnamen bekannt – mehr als von jeder anderen heimischen Pflanze. Butterblume, Kuhblume, Kettenblume, Milchblume, Pfaffenblume, Laternenblume, Pusteblume.
Und einige nennen die Wirkung beim Namen
Bettseicher. Seicherwurzel. Die Namen sind nicht höflich, aber sie sind präzise: Sie benennen die harntreibende Wirkung, die bis heute eines der beiden Anwendungsgebiete dieser Droge ist. Im Französischen heißt die Pflanze pissenlit, was dasselbe sagt.
Und der botanische Name geht in dieselbe Richtung. Taraxacum ist bis heute nicht sicher gedeutet; wahrscheinlich kommt das Wort aus dem arabischen Raum, wo der Löwenzahn schon im zehnten und elften Jahrhundert schriftlich erwähnt wird. Eine Lesart führt es auf arabische Wörter zurück, die ebenfalls das Wasserlassen beschreiben. Der Zusatz officinale dagegen ist eindeutig: Er kommt von officina, der Apotheke.
Und in der Küche
Die jungen Blätter sind eine bittere Salatzutat, und die geröstete Wurzel war lange ein Kaffeeersatz – in Kriegs- und Nachkriegsjahren eine der verbreitetsten. In Frankreich ist der Kulturlöwenzahn bis heute ein Gemüse, größer und deutlich milder als der wilde: Auf Milde gezüchtet ist er genau das Gegenteil dessen, was eine Bitterstoffdroge sein soll.
Löwenzahnwurzel mit Kraut, und Wurzel allein
Das Arzneibuch führt den Löwenzahn zweimal, und das ist beim Einkauf die erste Frage.
Was die beiden unterscheidet
Taraxaci officinalis radix cum herba ist die Wurzel mit dem Kraut – die breitere Droge, mit Bitterstoffen aus beiden Pflanzenteilen und mit den Flavonoiden der Blätter.
Taraxaci officinalis radix ist die Wurzel allein – bitterer, und mit dem höheren Inulinanteil. Für sie gibt es als einzige der beiden eine Gehaltsangabe, und sie steht nicht im Europäischen, sondern im Österreichischen Arzneibuch: ein Bitterwert von mindestens 100. Das ist keine Prozentzahl, sondern ein Verdünnungsmaß – die Droge muss noch im Verhältnis eins zu hundert bitter schmecken. Bei einer Bitterstoffdroge ist das die ehrlichere Größe, weil genau die Bitterkeit das ist, worauf es ankommt. Im Herbst geerntet enthält die Wurzel am meisten davon, weil die Pflanze dort ihren Vorrat anlegt (Arzneibuchqualität).
Beim Pferd verwenden wir beide – je nach Mischung
In LEBERWOHL, GELENKAKTIV und ARTHRO-PLUS steht die Wurzel mit Kraut, in SEHNENSTARK die Wurzel allein. Und wir schreiben es dazu, weil „Löwenzahn“ ohne Pflanzenteil offenlässt, was in der Packung liegt.
Wofür Löwenzahn beim Pferd verwendet wird
Appetit, Verdauung, Gallefluss, Harnausscheidung
Die Veterinärphytotherapie nennt als innerliche Anwendung Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden – dazu die Anregung des Galleflusses und der Harnausscheidung.
Das sind vier Punkte, und sie hängen an derselben Stoffgruppe: Bitterstoffe werden auf der Zunge wahrgenommen, und was danach folgt, ist eine Anregung der Verdauungstätigkeit. Deshalb ist der Löwenzahn die Droge, die am Anfang der Verdauung ansetzt und nicht am Ende.
Und was die Volksheilkunde dazu führt
Deutlich mehr: Leber und Galle, Gicht und rheumatische Beschwerden, Ekzeme und andere Hautbilder, Nieren- und Blasenleiden, die Vorbeugung von Grieß und Steinen – und das „Blutreinigungsmittel“, in Anführungszeichen, weil die Fachliteratur den Ausdruck selbst so setzt. Das ist Überlieferung und keine Bewertung – aber es zeigt, wie breit diese Pflanze im Gebrauch war (was Belege in der Phytotherapie bedeuten).
Der Bittergeschmack ist kein Nebeneffekt
Bei Bitterstoffdrogen ist der Geschmack der Anfang der Anwendung. Das heißt auch: Eine Mischung, die so gesüßt ist, dass man die Bitterkeit nicht mehr merkt, hat sich um ihren eigenen Ansatz gebracht. Unsere Mischungen sind reines Kraut, ohne Melasse und ohne Getreide – und manche Pferde brauchen deshalb eine Woche, bis sie sie annehmen.
Warum Löwenzahn beim Pferd besonders gut passt
Hier kommt eine anatomische Besonderheit ins Spiel, die kaum jemand kennt: Das Pferd hat keine Gallenblase.
Bei ihm fließt die Galle fortlaufend
Beim Menschen und beim Hund sammelt die Gallenblase die Galle und entleert sie in Schüben nach einer Mahlzeit. Dem Pferd fehlt dieser Speicher – bei ihm läuft die Galle fortlaufend aus der Leber in den Dünndarm.
Das passt zu einem Tier, das von Natur aus den ganzen Tag frisst – und es passt zu einer Droge, die über Wochen täglich gegeben wird, statt vor einer Mahlzeit eingenommen zu werden. Beim Pferd ist eine Gallendroge also keine Mahlzeitensache, sondern eine Dauersache (Leberfunktion beim Pferd).
Und eine Folge für die Fütterung
Derselbe fortlaufende Gallefluss ist der Grund, warum Pferde größere Fettmengen schlecht verarbeiten – es fehlt der Schub, mit dem beim Menschen eine fettreiche Mahlzeit bewältigt wird. Wer Öl füttert, steigert deshalb langsam und über Wochen, nicht in einem Schritt (Futterwechsel beim Pferd).
Löwenzahn in vier Mischungen
LEBERWOHL
Leber- und Nierenkräuter mit Löwenzahnwurzel mit Kraut, Mariendistel und Artischocke.
ARTHRO-PLUS
Für dauerhaft erhöhten Bedarf an den Gelenken – mit Löwenzahnwurzel mit Kraut in der Gruppe für Verdauung und Galle.
GELENKAKTIV
Für die Beweglichkeit, mit Löwenzahnwurzel mit Kraut, Goldrutenkraut und Brennnesselblättern.
SEHNENSTARK
Für Sehnen und Bänder – hier die Löwenzahnwurzel allein, wegen der Bitterstoffe und des Inulins.
Und in drei Bundles
Über LEBERWOHL steht der Löwenzahn im FELLWECHSEL-BUNDLE und im HAUT & FELL BUNDLE, über SEHNENSTARK im BOXENRUHE-BUNDLE. Beide erstgenannten sind als achtwöchige Kur angelegt – und damit genau in dem Format, in dem eine Bitterstoffdroge sinnvoll gegeben wird.
Warum eine Bitterpflanze in einer Gelenkmischung steht
Weil Gelenkmischungen mit Drogen arbeiten, die den Magen fordern – Teufelskralle und Weidenrinde sind keine milden Kräuter. Eine Droge, die am Anfang der Verdauung ansetzt, gehört in so eine Rezeptur dazu, und der Löwenzahn ist dafür die naheliegendste.
Viel bringt nicht viel
Der Löwenzahn steht in beinahe jeder Leber-, Gelenk- und Stoffwechselmischung am Markt, meist ohne Angabe des Pflanzenteils. Wer drei, vier davon nebeneinander füttert, füttert deshalb nicht vier verschiedene Dinge – sondern großteils dieselbe Pflanze aus vier Tüten. Eine Mischung, und die richtig – oder man lässt es ganz (mehrere Ergänzungsfutter kombinieren).
Löwenzahn für Pferde: Dosierung und Dauer
Zur Dosierung: Für ein Großpferd werden üblicherweise 20 bis 40 Gramm getrockneter Löwenzahn pro Tag angesetzt, bei Ponys entsprechend weniger. Begonnen wird mit der halben Menge, weil die Bitterstoffe ungewohnt sind. Bei Mischungen gelten die Angaben des jeweiligen Produkts.
Als Kur, nicht als Dauergabe
Angelegt ist der Löwenzahn kurweise – typisch vier bis sechs Wochen, dann eine Pause. Frühjahr und Fellwechsel sind die klassischen Zeitpunkte, weil der Stoffwechsel dann ohnehin umstellt (Stoffwechsel beim Pferd).
Zur Akzeptanz beim Pferd
Löwenzahn ist bitter, und das soll er sein. Manche Pferde nehmen ihn sofort, andere brauchen eine Woche. Angefeuchtetes Futter und die halbe Menge zum Start lösen das in der Regel – und die getrocknete Wurzel ist milder im Geruch, als ihr Geschmack vermuten lässt.
Und warum die Pflanze bei uns nicht einzeln zu haben ist: Der Löwenzahn steht viermal, immer als Bitteranteil. In LEBERWOHL ist er mit Mariendistel und Artischocke zusammengestellt – drei verschiedene Ansätze, die man einzeln nicht zusammenbekommt.
Was bei Löwenzahn zu beachten ist
Eine Kolik ist ein Notfall, kein Anwendungsgebiet
Die Veterinärphytotherapie nennt als Gegenanzeige unter anderem den Ileus – den Darmverschluss. Ein Pferd, das sich am Bauch umsieht, scharrt, schwitzt oder sich hinwerfen will, gehört sofort tierärztlich versorgt und bekommt keine Bitterstoffe in den Trog (Kolik beim Pferd).
Zu den Gallenangaben in der Literatur
Als Gegenanzeigen werden außerdem der Verschluss der Gallenwege und das Gallenblasenempyem genannt, dazu Vorsicht bei Gallensteinen. Das Empyem kann es beim Pferd nicht geben, weil ihm die Gallenblase fehlt; Steine sind bei ihm eine Rarität. Wo ein Befund an den Gallenwegen tatsächlich bekannt ist, gilt die Angabe selbstverständlich – und erhöhte Leberwerte gehören ohnehin eingeordnet, bevor etwas gefüttert wird (Leberwerte beim Pferd).
Weitere Punkte
- Ein Korbblütler – bei bekannter Empfindlichkeit gegen diese Familie vorher abstimmen
- Harntreibend: Frisches Wasser muss jederzeit verfügbar sein
- Kurweise statt dauerhaft – vier bis sechs Wochen, dann eine Pause
- Tragende und laktierende Stuten – nur nach Rücksprache
- Bei EMS und PPID gehört jede Änderung der Ration mit der Praxis abgestimmt
Zum Turniersport
Wir behandeln Kräutermischungen grundsätzlich als dopingrelevant, unabhängig davon, ob ein Bestandteil namentlich in einer Liste geführt wird: Die ADMR-Liste ist nicht abschließend. Unsere Empfehlung lautet: in der turnierfreien Zeit füttern. Karenzzeiten können wir nicht angeben; die Prüfung der Bestimmungen obliegt der verantwortlichen Person (ADMR-Regeln).
Häufige Fragen zu Löwenzahn beim Pferd
Wofür wird Löwenzahn beim Pferd eingesetzt?
Bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden, zur Anregung des Galleflusses und der Harnausscheidung. So nennt es die Veterinärphytotherapie, und alle vier Punkte hängen an derselben Stoffgruppe: den Bitterstoffen.
Deshalb ist der Löwenzahn die Droge, die am Anfang der Verdauung ansetzt und nicht am Ende – und deshalb steht er bei uns auch in Gelenkmischungen, nicht nur in der Leberkur.
Wurzel oder Wurzel mit Kraut – was ist besser?
Das hängt davon ab, was die Mischung braucht. Das Arzneibuch führt beide als eigene Drogen: Die Wurzel mit Kraut ist die breitere, mit Bitterstoffen aus beiden Pflanzenteilen und den Flavonoiden der Blätter.
Die Wurzel allein ist bitterer und inulinreicher – im Herbst geerntet enthält sie am meisten davon. „Löwenzahn“ ohne Pflanzenteil lässt offen, was in der Packung liegt, deshalb schreiben wir es dazu.
Stimmt es, dass Pferde keine Gallenblase haben?
Ja. Dem Pferd fehlt der Speicher, den Mensch und Hund haben – bei ihm läuft die Galle fortlaufend aus der Leber in den Dünndarm.
Das passt zu einem Tier, das von Natur aus den ganzen Tag frisst, und es ist der Grund, warum eine Gallendroge beim Pferd über Wochen täglich gegeben wird statt vor einer Mahlzeit. Es erklärt auch, warum Pferde größere Fettmengen schlecht verarbeiten.
Warum steht Löwenzahn in einer Gelenkmischung?
Weil Gelenkmischungen mit Drogen arbeiten, die den Magen fordern. Teufelskralle und Weidenrinde sind keine milden Kräuter – eine Droge, die am Anfang der Verdauung ansetzt, gehört in so eine Rezeptur dazu.
Dazu kommt die zweite Richtung: Der Löwenzahn regt auch die Harnausscheidung an, und in der Phytotherapie werden Gelenkthemen traditionell mit Ausscheidung und Stoffwechsel zusammen gedacht.
Mein Pferd frisst den Löwenzahn nicht – was tun?
Mit der halben Menge beginnen und unter angefeuchtetes Futter mischen, dann über ein bis zwei Wochen steigern. Bitterstoffe sind ungewohnt, und manche Pferde brauchen diese Zeit.
Die Akzeptanz hängt dabei an derselben Größe, die die Qualität ausmacht: Ein Bitterwert von mindestens 100 bedeutet, dass die Wurzel noch stark verdünnt bitter schmeckt. Gute Ware ist also die, die das Pferd zuerst nicht mag – und genau deshalb beginnt man langsam.
Was wir nicht tun, ist süßen. Bei einer Bitterstoffdroge ist der Geschmack der Anfang der Anwendung – eine Mischung, in der man die Bitterkeit nicht mehr merkt, hat sich um ihren eigenen Ansatz gebracht.
Ist Löwenzahn für Pferde giftig – und dürfen Pferde ihn fressen?
Der echte Löwenzahn ist nicht giftig. Er ist eine Arzneidroge mit zwei eigenen Arzneibuchmonographien und steht in keiner Giftpflanzenliste für Pferde – Pferde fressen ihn auf der Weide bereitwillig, und daran ist nichts verkehrt (Giftpflanzen für Pferde).
Zwei Dinge sind trotzdem zu unterscheiden. Erstens: Was auf der Weide gelb blüht, ist nicht immer Löwenzahn – dazu die Frage unten. Zweitens: „Löwenzahn von der Wiese“ ist keine definierte Droge. Der Bitterstoffgehalt schwankt mit Standort, Erntezeit und Pflanzenteil erheblich, und gefüttert wird bei uns die getrocknete Arzneibuchdroge.
Herbstlöwenzahn, Ferkelkraut, Falscher Löwenzahn – was blüht da gelb auf der Weide?
Mehrere Korbblütler sehen dem Löwenzahn ähnlich, und einer davon ist der Grund, warum diese Frage beim Pferd mehr als botanische Neugier ist: das Gewöhnliche Ferkelkraut (Hypochaeris radicata), auch Falscher Löwenzahn genannt. Es steht im Verdacht, den australischen Hahnentritt auszulösen – eine neurologische Störung der Hinterhand, die gehäuft im Spätsommer auf der Koppel auftritt.
Geklärt ist die Ursache nicht: Diskutiert werden ein Pflanzenstoff und Pilze auf der Pflanze. Unterscheiden lassen sich die beiden am Stengel – der Löwenzahn hat einen einzigen, hohlen, unverzweigten Blütenstiel ohne Blätter, das Ferkelkraut einen festen, verzweigten mit kleinen Schuppen.
Für die Fütterung ist das genau der Grund, warum der Pflanzenname allein nicht reicht. Am geschnittenen, getrockneten Material ist die Art nicht mehr zu erkennen – deshalb führt das Arzneibuch Taraxacum officinale namentlich, und deshalb gehört die Artbestimmung zur Prüfung (Arzneibuchqualität bei Kräutern).
Ist Löwenzahn gut für Pferde mit Hufrehe?
Für Hufrehe nennt die Literatur beim Löwenzahn kein Anwendungsgebiet. Eine akute Hufrehe ist ein Notfall und gehört in dieselbe Stunde in tierärztliche Hand, nicht in eine Fütterungsentscheidung (Hufrehe beim Pferd).
Gesucht wird die Verbindung vermutlich wegen der Stoffwechselmischungen, in denen der Löwenzahn häufig steht. Geführt ist er für die Verdauung, den Gallenfluss und die Durchspülung der Harnwege, nicht für den Zuckerstoffwechsel. Wo EMS oder Cushing im Hintergrund stehen, gehört jede Änderung der Ration mit der Praxis abgestimmt (EMS und Cushing beim Pferd).
Mariendistel, Artischocke und Löwenzahn – gehören die drei zusammen?
Ja, und in LEBERWOHL stehen sie bereits zusammen. Wer nach dieser Kombination sucht, braucht also keine drei Einzelprodukte. Die drei machen allerdings nicht dasselbe: Die Mariendistel steht für die Leberzelle, die Artischocke und der Löwenzahn für den Gallenfluss und die Verdauung.
Und sie sind unterschiedlich bitter. Der Löwenzahn ist in dieser Runde der verbindlichste im Geschmack, die Artischocke die bitterste – bei einem Pferd, das bitter nicht mag, entscheidet das über die Akzeptanz der ganzen Mischung.
Warum hat der Löwenzahn so viele Namen?
Weil er überall wächst und jeder ihn kennt. Zwischen fünf- und sechshundert Volksnamen sind bekannt – Butterblume, Kuhblume, Kettenblume, Pusteblume, Milchblume, Pfaffenblume.
Die interessantesten sind Bettseicher und Seicherwurzel: Sie benennen die harntreibende Wirkung, die bis heute ein Anwendungsgebiet dieser Droge ist. Im Französischen heißt die Pflanze pissenlit und sagt dasselbe.
Kann ich Löwenzahn dauerhaft füttern?
Angelegt ist er kurweise – typisch vier bis sechs Wochen, dann eine Pause. Frühjahr und Fellwechsel sind die klassischen Zeitpunkte.
Wichtiger als die Dauer ist, nicht mehrere Produkte zu stapeln: Der Löwenzahn steht in beinahe jeder Leber-, Gelenk- und Stoffwechselmischung am Markt, und zwei davon nebeneinander verdoppeln dieselbe Droge.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme – Anwendungsgebiete und Gegenanzeigen
- Kommission E des Bundesgesundheitsamtes: Monographie Taraxaci radix cum herba – positiv bewertet
- HMPC/EMA: Monographie Taraxacum officinale Weber ex Wiggers
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Taraxaci officinalis radix und Taraxaci officinalis radix cum herba
- Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)