Kurz gesagt: Die Verdauung des Pferdes ist auf fortlaufende Futteraufnahme ausgelegt. Alles, was diesem Rhythmus nahekommt, entlastet den Magen. Daraus folgen fünf Stellschrauben: kurze Fresspausen, ausreichend Raufutter, Raufutter vor Kraftfutter, begrenzte Kraftfuttermengen je Mahlzeit und stabile Haltungsbedingungen. Diese Punkte sind fachlich unstrittig – anders als manche Zahl, die dazu kursiert.
Auf einen Blick
- Raufuttermenge: mindestens 1,5 kg Heu je 100 kg Körpergewicht täglich, besser mehr.
- Fresspausen: so kurz wie möglich – eine für alle Pferde gültige Stundengrenze gibt es nicht, wohl aber die praktisch entscheidende nächtliche Lücke.
- Reihenfolge: erst Raufutter, dann Kraftfutter. Nie auf leeren Magen arbeiten.
- Kraftfutter: je Mahlzeit begrenzen – maßgeblich ist die Stärkemenge, nicht die Futtermasse.
- Heunetze verlängern die Fresszeit deutlich, brauchen aber die passende Maschenweite zum Heu und ein Pferd, das damit zurechtkommt.
Die fünf Stellschrauben
Alle folgenden Punkte leiten sich aus der Physiologie ab: Der Magen bildet fortlaufend Säure, Speichel entsteht nur beim Kauen, und Raufutter erfordert ein Vielfaches der Kauzeit von Kraftfutter. Wie das zusammenhängt, steht im Artikel Der Pferdemagen: Anatomie, Säure und Speichel.
1. Kurze Fresspausen
Raufutter möglichst durchgehend verfügbar halten, besonders über Nacht.
2. Ausreichend Raufutter
Mindestens 1,5 kg Heu je 100 kg Körpergewicht – die Untergrenze, nicht das Ziel.
3. Reihenfolge einhalten
Erst Raufutter, dann Kraftfutter. Nicht auf leeren Magen arbeiten.
4. Kraftfutter begrenzen
Kleine Portionen statt weniger großer – maßgeblich ist die Stärkemenge je Mahlzeit.
5. Stabile Bedingungen
Feste Abläufe, passende Gruppe, Sozialkontakt und ausreichend Bewegung.
Raufutter: Menge und Qualität
Die Rechnung
Untergrenze: 1,5 kg Heu je 100 kg Körpergewicht täglich – bei einem 500-kg-Pferd also 7,5 kg.
Günstiger: 2 kg je 100 kg, also 10 kg. Bei Pferden, die zu Übergewicht neigen, wird die Menge nicht gekürzt, sondern der Energiegehalt gesenkt – etwa durch späteren Schnitt oder Beimischung von Stroh. Die Fresszeit soll erhalten bleiben, weil sie den Magen entlastet.
Woran sich gute Heuqualität erkennen lässt
- Positiv: Geruch: frisch und aromatisch, nicht muffig oder stechend
- Positiv: Farbe: grün bis goldgelb, nicht grau oder braun
- Positiv: Struktur: blattreich, nicht überwiegend Stängel
- Positiv: Staub: möglichst gering – Staub belastet die Atemwege
- Ausschlusskriterium: Schimmel: verschimmeltes Heu gehört nicht verfüttert, auch nicht in kleinen Mengen
Heunetze und Slowfeeder: Was die Studien zeigen
Heunetze werden pauschal empfohlen – und ebenso pauschal kritisiert. Beides greift zu kurz. Hier die Befunde, sortiert.
Was sie leisten
Die Verlängerung der Fresszeit ist gut belegt und der eigentliche Zweck: Netze senken die Aufnahmerate und strecken dieselbe Heumenge über deutlich mehr Zeit. In der Studie von DeBoer und Kolleginnen zeigte sich das auch am Verbrauch – ohne Netz wurde mehr Heu verbraucht, und die Pferde wogen mehr. Genau darauf kommt es beim Magen an: nicht weniger fressen, sondern länger.
Zur Sorge um die Zähne: weitgehend entwarnt
Die belastbarste Untersuchung dazu ist eine zweijährige Cross-over-Studie von DeBoer und Kolleginnen an der University of Wisconsin River Falls: 13 erwachsene Pferde, Rundballen mit und ohne Netz (Maschenöffnung 4,45 cm), Heu zur freien Aufnahme, verblindete Zahnuntersuchung durch Tierärztin und Dentistin zu drei Zeitpunkten. Nach einem Jahr wurden die Gruppen getauscht.
Ergebnis: kein Einfluss auf die Schneidezahnlänge, keine Schrägstellung der Schneidezähne, gleich viele Zahnbefunde in beiden Gruppen. Körpergewicht, Körperkondition und Heuverbrauch lagen ohne Netz höher – die Netze erfüllten also ihren Zweck.
Ein Interessenkonflikt gehört dazu: Die Studie wurde von einem Heunetz-Hersteller finanziell unterstützt. Das entwertet die Ergebnisse nicht, gehört bei der Einordnung aber genannt – wir verlangen dieselbe Offenlegung auch von Studien, die uns weniger gefallen.
Der ernstzunehmende Befund: die Zugkräfte
Eine Arbeitsgruppe um Hodgson und Ellis hat 2022 in Animals gemessen, mit welcher Kraft Pferde am Netz ziehen. Die Werte wurden in Newton erfasst; 10 Newton entsprechen etwa einem Kilogramm Zugkraft.
Die Futterart macht den größten Unterschied. Bei Heu lagen die meisten Zugkräfte unter 70 N, also rund 7 kg. Bei Heulage dagegen lagen die Hälfte aller Züge über 50 N und 8 Prozent über 200 N – das entspricht mehr als 20 kg. In der zweiten Teilstudie betrug die mittlere Zugkraft bei Heulage 7,5 kg gegenüber 2 kg bei Heu, die Maximalwerte 32 kg gegenüber 12 kg.
Aufhängung und Bauart wirken ebenfalls. An tief aufgehängten Netzen wurde stärker gezogen als an hoch aufgehängten (Maximalwerte 144 N gegenüber 109 N). Doppellagige Netze erforderten höhere Kräfte als einlagige (Maximalwerte 156 N gegenüber 121 N) – und veränderten die Kopf-Hals-Haltung deutlich: Der gemessene Winkel lag bei 127 Grad gegenüber 90 Grad beim einlagigen Netz.
Daraus folgt keine Warnung vor Heunetzen, wohl aber eine konkrete Regel: Heulage und grobes Heu gehören nicht in sehr engmaschige oder doppellagige Netze.
Frust ist real – und erkennbar
Kommt ein Pferd mit einer zu engen Maschenweite nicht zurecht, entstehen Fressfrust und hastiges Kauen. Die Anzeichen lassen sich beobachten:
- Aktiv: Scharren, Tänzeln, Beißen und Zerren am Netz
- Passiv: angespannte Muskulatur, hochgezogene Lippen und Nüstern
- Übersprungverhalten: häufiges Kratzen am Bein, wiederholtes Wegdrehen des Kopfes vom Netz
Wer solche Zeichen sieht, wählt eine weitere Maschenweite – oder verzichtet bei diesem Pferd auf das Netz.
Worauf es in der Praxis ankommt
| Punkt | Empfehlung |
|---|---|
| Maschenweite | Zum Heu passend wählen. Enge Maschen bremsen schnelle Fresser, führen bei stängeligem Heu oder unerfahrenen Pferden aber zu Frust. Mittlere Weiten gelten als der übliche Kompromiss. |
| Futterart | Grobes Heu und Heulage nicht aus sehr engmaschigen Netzen füttern – hier steigen die Zugkräfte erheblich. |
| Material | Gewebte, an den Kreuzungspunkten vernähte Netze gelten als zahnschonender als geknotete Kunststoffseile. Metall- oder Kunststoffgitter sind ungünstig. |
| Aufhängung | Nicht frei schwingend. Sicher befestigen, damit sich weder Huf noch Kopf verfangen können. |
| Gewöhnung | Mit weiterer Maschenweite beginnen und schrittweise anpassen, statt sofort das engste Netz zu verwenden. |
| Beobachtung | Zahnfleisch und Verhalten im Blick behalten, bei älteren Pferden mit schlechtem Zahnstatus zurückhaltend einsetzen. |
Zwei Punkte zur Ehrlichkeit
Zum Luftschlucken: Die Sorge, Heunetze könnten Aerophagie oder Koppen begünstigen, wird gelegentlich geäußert. Wir haben dazu keine belastbare Quelle gefunden – in der Literatur zum Koppen werden Slowfeeder im Gegenteil als Maßnahme zur Beschäftigung genannt. Belegt ist die Sorge nach unserer Recherche nicht; ausschließen lässt sich damit nichts, aber behaupten eben auch nicht.
Zur Alternative: Die beste Lösung bleibt, gar nicht bremsen zu müssen – also eine Raufuttermenge, die über den Tag reicht. Das Netz ist eine Antwort auf den Zielkonflikt zwischen Fresszeit und Energieaufnahme, nicht der Idealzustand.
Fresspausen verkürzen
Zur oft zitierten Stundengrenze
In Ratgebern kursieren feste Werte – „maximal vier Stunden", „nach sechs Stunden wird es kritisch". Diese Genauigkeit gibt die Datenlage nicht her. Untersuchungen zeigen, dass Unterbrechungen der Futteraufnahme die Verhältnisse im Magen verschlechtern und der Effekt mit der Dauer zunimmt. Eine für jedes Pferd gültige Schwelle lässt sich daraus nicht ableiten.
Der praktisch brauchbare Grundsatz lautet deshalb schlicht: je kürzer, desto besser – und die relevanteste Lücke ist fast immer die Nacht.
| Situation | Warum sie entsteht | Was hilft |
|---|---|---|
| Nacht | Letzte Ration am frühen Abend gefressen, nächste am Morgen | Netz mit passender Maschenweite, späte Zusatzration, frühe Morgenfütterung |
| Transport | Kein Futter im Hänger, dazu Anspannung | Heunetz während der Fahrt |
| Turnier | Veränderter Ablauf, Aufregung, unregelmäßige Zeiten | Gewohntes Futter mitnehmen, Raufutter durchgehend anbieten |
| Vor der Arbeit | Manche Pferde werden bewusst nüchtern gearbeitet | Vor der Arbeit Raufutter anbieten |
Kraftfutter magenschonend füttern
Kraftfutter ist nicht per se ungünstig. Entscheidend sind Menge je Mahlzeit, Zeitpunkt und Reihenfolge.
Die Obergrenze richtet sich nach der Stärke, nicht nach dem Gewicht
Man liest häufig pauschale Angaben wie „höchstens ein halbes Kilogramm je Mahlzeit". Fachlich maßgeblich ist etwas anderes: die Stärkemenge je Mahlzeit, bezogen auf das Körpergewicht. In der Fütterungsliteratur werden dafür Obergrenzen in der Größenordnung von etwa einem Gramm Stärke je Kilogramm Körpergewicht genannt.
Das macht einen Unterschied, weil Futtermittel sehr verschiedene Stärkegehalte haben: Dieselbe Masse Hafer und Müsli liefert nicht dieselbe Stärkemenge. Wer es genau wissen will, rechnet mit dem deklarierten Stärkegehalt – oder lässt die Ration fütterungsfachlich berechnen.
Praktische Grundsätze
- Nicht auf leeren Magen: vorher Raufutter anbieten
- Auf mehrere Gaben verteilen statt zwei große Mahlzeiten
- Fressgeschwindigkeit bremsen über Trogeinsätze oder flache, weite Schalen
- Futterwechsel über ein bis zwei Wochen, damit sich die Darmflora anpassen kann
Ein verbreiteter Tipp, von dem wir abraten
Große Steine in den Trog zu legen, um das Fressen zu verlangsamen, wird oft empfohlen. Wir raten davon ab: Es besteht das Risiko von Zahnschäden und, bei kleineren Steinen, versehentlicher Aufnahme. Trogeinsätze aus dem Fachhandel erfüllen denselben Zweck ohne dieses Risiko.
Zur Luzerne
Luzerne wird häufig als magenfreundlich beschrieben, und das ist einer der wenigen Punkte mit belastbarem Hintergrund: In Fütterungsversuchen am Pferd wurden bei Luzernefütterung günstigere Befunde im drüsenlosen Magenabschnitt beschrieben als bei anderen Raufuttern. Als Erklärung gelten der hohe Protein- und Calciumgehalt, die puffernd wirken. Zu beachten sind eben diese Gehalte bei der Rationsberechnung – Luzerne ergänzt Heu in begrenzter Menge, ersetzt es aber nicht.
Wasser
Der Bedarf liegt bei einem ausgewachsenen Pferd in Erhaltung bei etwa fünf Litern je 100 kg Körpergewicht täglich, bei Arbeit, Hitze oder reiner Heufütterung deutlich darüber.
- Frisches Wasser jederzeit verfügbar
- Im Winter angewärmtes Wasser – Untersuchungen zeigen, dass Pferde dann deutlich mehr trinken als bei eiskaltem Wasser
- Tränken regelmäßig reinigen und auf Funktion prüfen
- Die tatsächliche Aufnahme beobachten, gerade bei Selbsttränken
Haltung und Belastung
Eine Präzisierung zum Stress
Man liest häufig, Stress „erhöhe die Säureproduktion". So einfach ist es nicht. Im drüsenlosen Magenabschnitt geht es um den Kontakt mit Säure, nicht um deren Menge; im Drüsenabschnitt um die Schutzfunktion der Schleimhaut. Stress wirkt daher eher über Durchblutung, Schleimhautschutz und verändertes Fressverhalten. Als Risikofaktor bleibt er bedeutsam – besonders für die Form im Drüsenabschnitt.
Was sich beeinflussen lässt
- Feste Abläufe: gleichbleibende Zeiten für Fütterung, Arbeit und Ruhe
- Stabile Gruppe: häufige Umstellungen und dauerhafte Konflikte vermeiden
- Sozialkontakt und Bewegung: beides gehört zu den Grundbedürfnissen
- Belastungssteuerung: Trainingsumfang zum Ausbildungsstand passend, Ruhetage einplanen
- Erholung nach Belastungsphasen: Turnierserien, Stallwechsel oder Transporte brauchen Nachlauf
Nicht auf leeren Magen arbeiten
Unter Belastung steigt der Druck im Bauchraum, der Magen wird komprimiert, und saurer Inhalt gelangt weiter nach oben – dorthin, wo die Schleimhaut keinen eigenen Schutz besitzt. Raufutter vor der Arbeit anzubieten, ist deshalb eine der einfachsten wirksamen Maßnahmen überhaupt.
Im Stallalltag
Morgens
- Möglichst früh Raufutter
- Tränke kontrollieren
- Pferd und Kot ansehen
Tagsüber
- Raufutter nachlegen
- Kraftfutter nach dem Raufutter
- Vor der Arbeit Heu anbieten
Abends
- Ration für die Nacht bewusst reichlich
- Netz füllen, Verteilung prüfen
- Letzter Rundgang
Wöchentlich
- Heuvorrat und -qualität prüfen
- Tränken gründlich reinigen
- Körperkondition beurteilen
Beobachten und abklären lassen
Die Anzeichen von Magenproblemen sind unspezifisch und fehlen häufig ganz. Aus dem Verhalten allein lässt sich nichts feststellen – wohl aber eine Veränderung bemerken, die eine Abklärung rechtfertigt.
- Verändertes Fressverhalten: zögerlich, wählerisch, unterbrochen
- Empfindlichkeit beim Gurten oder Putzen
- Leistungsabfall oder Widersetzlichkeit ohne erkennbaren anderen Grund
- Gewichtsverlust trotz ausreichender Ration
- Wiederkehrende leichte Koliken
Wann nicht mehr beobachtet wird
Anhaltende oder starke Kolik, deutliche Schmerzäußerung, Fieber, Apathie oder Verweigerung von Futter und Wasser sind Notfälle. Dann wird sofort die Tierärztin gerufen. Bei länger bestehenden, unklaren Veränderungen ist eine Untersuchung angezeigt; die sichere Diagnose liefert nur die Gastroskopie.
Zur Rolle von Ergänzungsfuttermitteln
Ergänzungsfuttermittel sind keine Arzneimittel. Aussagen zur Behandlung von Erkrankungen sind für sie unzulässig, und wir treffen hier keine. Ob neben oder unabhängig von einer Behandlung etwas gefüttert wird, gehört in die Absprache mit der behandelnden Tierärztin. Was am Management verändert wird, ist der Teil, der in jedem Fall zählt.
Häufige Fragen
Wie viel Heu braucht ein Pferd pro Tag?
Mindestens 1,5 kg je 100 kg Körpergewicht, günstiger sind 2 kg. Ein 500-kg-Pferd kommt damit auf 7,5 bis 10 kg täglich. Bei Pferden, die zu Übergewicht neigen, wird die Menge nicht gekürzt, sondern der Energiegehalt gesenkt – etwa über späteren Schnitt oder Beimischung von Stroh –, damit die Fresszeit erhalten bleibt.
Schaden Heunetze den Zähnen?
Nach der belastbarsten Untersuchung nicht: In einer zweijährigen Cross-over-Studie von DeBoer und Kolleginnen mit 13 Pferden und verblindeter Zahnuntersuchung zeigten sich kein Einfluss auf die Schneidezahnlänge, keine Schrägstellung der Schneidezähne und gleich viele Zahnbefunde mit wie ohne Netz; die Studie wurde allerdings von einem Heunetz-Hersteller unterstützt. Zu beachten ist ein anderer Befund: Pferde ziehen je nach Futterart erheblich unterschiedlich stark am Netz. Bei Heu lagen die meisten Zugkräfte unter rund 7 kg, bei Heulage lagen 8 Prozent der Züge über 20 kg, mit Maximalwerten um 32 kg. Heulage und grobes Heu gehören deshalb nicht in sehr engmaschige oder doppellagige Netze.
Bedeuten Heunetze Stress für das Pferd?
Sie können es, wenn die Maschenweite nicht passt. Anzeichen für Fressfrust sind Scharren, Tänzeln, Beißen und Zerren am Netz, angespannte Muskulatur, hochgezogene Lippen und Nüstern oder wiederholtes Wegdrehen des Kopfes. Wer das beobachtet, wählt eine weitere Maschenweite oder verzichtet bei diesem Pferd auf das Netz. Umgekehrt zeigen Untersuchungen, dass verlängerte Fresszeiten Stress und stereotype Verhaltensweisen eher verringern.
Welche Maschenweite ist richtig?
Das hängt vom Heu und vom Pferd ab. Enge Maschen bremsen schnelle Fresser wirksam, führen bei stängeligem Heu oder bei Pferden ohne Netzerfahrung aber leicht zu Frust; mittlere Weiten gelten als üblicher Kompromiss. Bei Heulage und grobem Heu steigen die nötigen Zugkräfte deutlich – hier sind weitere Maschen angezeigt. Zur Gewöhnung beginnt man mit einer weiteren Maschenweite und passt schrittweise an.
Wie lange darf ein Pferd ohne Futter sein?
Eine für alle Pferde gültige Stundengrenze gibt es nicht, auch wenn Werte wie „vier Stunden" kursieren. Belegt ist, dass Unterbrechungen der Futteraufnahme die Verhältnisse im Magen verschlechtern und der Effekt mit der Dauer zunimmt. Der brauchbare Grundsatz lautet: je kürzer, desto besser – und die praktisch entscheidende Lücke ist fast immer die Nacht.
Wie viel Kraftfutter darf ein Pferd pro Mahlzeit bekommen?
Maßgeblich ist nicht die Futtermasse, sondern die Stärkemenge je Mahlzeit bezogen auf das Körpergewicht; genannt werden Obergrenzen in der Größenordnung von etwa einem Gramm Stärke je Kilogramm Körpergewicht. Da Futtermittel sehr unterschiedliche Stärkegehalte haben, lässt sich das nicht in eine allgemeingültige Kilogrammangabe übersetzen. Grundsätzlich gilt: mehrere kleine Gaben statt weniger großer.
Ist Luzerne gut für den Magen?
Für Luzerne gibt es Fütterungsversuche am Pferd, in denen günstigere Befunde im drüsenlosen Magenabschnitt beschrieben wurden als bei anderen Raufuttern; als Erklärung gelten der hohe Protein- und Calciumgehalt mit puffernder Wirkung. Zu beachten sind eben diese Gehalte bei der Rationsberechnung – Luzerne ergänzt Heu in begrenzter Menge, ersetzt es aber nicht.
Darf ich mein Pferd nüchtern arbeiten?
Besser nicht. Unter Belastung steigt der Druck im Bauchraum, der Magen wird komprimiert, und saurer Inhalt gelangt in den ungeschützten oberen Abschnitt. Ist der Magen leer, fehlen zusätzlich Faserfüllung und Speichel. Raufutter vor der Arbeit anzubieten, gehört zu den einfachsten und wirksamsten Maßnahmen.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Sykes, B. W. et al. (2015): European College of Equine Internal Medicine Consensus Statement – Equine Gastric Ulcer Syndrome in Adult Horses. Journal of Veterinary Internal Medicine 29(5)
- Nadeau, J. A. et al.: Untersuchungen zum Einfluss der Rationsgestaltung auf die Magenschleimhaut des Pferdes
- Coenen, M. & Vervuert, I. (2020): Pferdefütterung. 6. Auflage. Stuttgart: Thieme
- Kristula, M. A. & McDonnell, S. M. (1994): Drinking water temperature affects consumption of water during cold weather in ponies. Applied Animal Behaviour Science
- Hodgson, S., Bennett-Skinner, P., Lancaster, B., Upton, S., Harris, P., Ellis, A. D. (2022): Posture and Pull Pressure by Horses When Eating Hay or Haylage from a Hay Net Hung at Various Positions. Animals 12(21):2999. doi:10.3390/ani12212999 (Open Access)
- DeBoer, M., Keener, L., Layeux-Parks, J., Schueller, O., Johnson, L., Martinson, K. (2024): Effect of hay nets on horse bodyweight, body condition score, hay usage, and dental health in mature adult horses. Journal of Equine Veterinary Science. Hinweis: finanzielle Unterstützung durch einen Heunetz-Hersteller
- Roig-Pons, M. (Agroscope, Schweizer Nationalgestüt): Forschungsarbeiten zu Slowfeeding-Systemen und deren Beurteilung