Neues Heu, anderes Kraftfutter, der Wechsel auf die Weide oder zurück in den Stall: Futterumstellungen gehören zum Pferdejahr. Sie sind die häufigste vermeidbare Ursache für Verdauungsprobleme – und der Grund dafür liegt nicht beim Pferd, sondern bei Mikroorganismen, die es gar nicht selbst sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Nicht das Pferd stellt um, sondern sein Dickdarm – dort arbeiten Mikroorganismen, die sich anpassen müssen
- Ein bis zwei Wochen sind der Richtwert, beim Wechsel zwischen Heu und Gras eher drei bis vier
- Immer nur eine Sache auf einmal – sonst weißt Du bei Problemen nicht, woran es lag
- Raufutter ist der Anker: Es puffert den Magen und stabilisiert den Darm
- Bei Koliksymptomen sofort die Praxis rufen, nicht abwarten
Warum eine Umstellung überhaupt ein Problem ist
Das Pferd verdaut Rohfaser nicht selbst. Das erledigen Mikroorganismen im Dickdarm – und die sind auf das eingestellt, was sie seit Wochen bekommen.
Spezialisierte Gemeinschaft
Jede Futterart fördert andere Gruppen von Mikroorganismen. Ein Futterwechsel ist für sie ein Wechsel der Lebensgrundlage – die Zusammensetzung muss sich verschieben, und das braucht Zeit.
Wenn es zu schnell geht
Kommt viel leicht vergärbares Material auf einmal im Dickdarm an, verschiebt sich das Milieu. Die Folgen reichen von weichem Kot und Kotwasser bis zur Kolik, im ungünstigsten Fall bis zur Hufrehe.
Der Magen reagiert sofort
Er bildet ununterbrochen Säure, gepuffert nur durch Speichel beim Kauen. Jede Umstellung, die Fresszeiten oder Struktur verändert, betrifft ihn zuerst – und schneller als den Darm.
Stress kommt oft dazu
Umstellungen passieren selten allein: Stallwechsel, Transport, neue Herde. Das verändert die Verdauung zusätzlich und macht es schwer zu sagen, was woran lag.
Wie lange eine Futterumstellung dauern sollte
Die Richtwerte unterscheiden sich danach, wie stark sich das Futter selbst unterscheidet. Länger schadet nie, kürzer kann schaden.
| Umstellung | Richtwert | Bei empfindlichen Pferden |
|---|---|---|
| Neue Heucharge | 10 bis 14 Tage | 2 bis 3 Wochen |
| Anderes Kraftfutter | 7 bis 10 Tage | 2 Wochen |
| Heu auf Weide | 3 bis 4 Wochen | länger, in kleineren Schritten |
| Weide auf Heu | 2 bis 3 Wochen | 3 bis 4 Wochen |
| Mineralfutter | 5 bis 7 Tage | 7 bis 10 Tage |
Die wichtigste Regel
Immer nur eine Sache auf einmal. Wer gleichzeitig Heu, Kraftfutter und Mineralfutter wechselt, hat bei Problemen drei Verdächtige und keine Antwort. Und wer zusätzlich ein Ergänzungsfuttermittel neu beginnt, hat vier.
Heuwechsel beim Pferd
Heu macht den größten Teil der Ration aus, deshalb ist der Chargenwechsel die Umstellung mit dem größten Gewicht – auch wenn beide Chargen gut aussehen.
Der Ablauf in vier Schritten
- Schritt: Tag 1 bis 3: etwa ein Viertel neues Heu, gut gemischt in derselben Raufe oder demselben Netz
- Schritt: Tag 4 bis 6: etwa zur Hälfte
- Schritt: Tag 7 bis 9: etwa drei Viertel
- Schritt: Ab Tag 10: vollständig neues Heu, weiter beobachten
- Schritt: Bei Problemen einen Schritt zurück und langsamer weitermachen
Vorausschauend planen
Eine Umstellung gelingt nur, wenn vom alten Heu noch etwas da ist. Das neue Heu bestellen, bevor das alte ausgeht – sonst bleibt nur der abrupte Wechsel, der gerade vermieden werden soll. Und die neue Charge vorher prüfen: Geruch, Staub, sichtbarer Schimmel.
Kraftfutter
Hier sind die Mengen kleiner, die Zusammensetzung aber oft unterschiedlicher. Entscheidend ist die Richtung: Der Wechsel zu einem struktur- und faserreichen Futter ist unkritischer als der zu einem stärkereichen.
Praktisch: über etwa eine Woche in Schritten beimischen, beginnend mit einem kleinen Anteil. Und unabhängig vom Wechsel gilt, große Einzelportionen zu vermeiden – lieber mehrere kleine Mahlzeiten, weil die Verdauungskapazität des Dünndarms begrenzt ist und der Überschuss im Dickdarm landet.
Weide: hin und zurück
Der Wechsel zwischen Heu und Gras ist die größte Umstellung des Jahres, in beide Richtungen. Junges Gras enthält viel Wasser, ist eiweißreicher und strukturärmer als Heu, und sein Zuckergehalt schwankt.
Im Frühjahr geht es nicht nur um die Verdauung
Gras bildet bei Sonne Zucker und lagert ihn als Fruktan ein. Früh am Morgen ist der Gehalt am niedrigsten, am Nachmittag sonniger Tage am höchsten, und kalte, sonnige Tage sind besonders ungünstig. Bei Pferden mit EMS, PPID, Übergewicht oder Hufrehe in der Vorgeschichte gehört der Weidegang vorher mit der Praxis besprochen. Anzeichen von Hufrehe – klammer Gang, warme Hufe, tastbare Pulsation an den Fesseln – sind ein Notfall.
Im Herbst gilt dasselbe rückwärts: Weidezeit schrittweise verkürzen, Heumenge parallel erhöhen, nicht von einem Tag auf den anderen aufstallen. Ausführlich steht der Frühjahrsteil im Artikel Pferde richtig anweiden.
Stallwechsel: zwei Dinge auf einmal
Beim Stallwechsel treffen neue Umgebung, neue Herde und neue Ration zusammen. Das ist die Situation, in der am häufigsten etwas schiefgeht – und zugleich die, in der sich am meisten vorbereiten lässt.
Was sich planen lässt
- Empfehlung: Eigenes Heu mitnehmen, wenn irgend möglich, für ein bis zwei Wochen
- Empfehlung: Das gewohnte Kraftfutter behalten und erst umstellen, wenn das Pferd angekommen ist
- Empfehlung: Nicht zeitgleich andere Änderungen – kein neues Mineralfutter, kein neues Ergänzungsfutter in derselben Woche
- Empfehlung: Fressplatz im Blick behalten – in einer neuen Herde steht ein Pferd oft weiter hinten und kommt schlechter ans Heu
- Empfehlung: Kot und Fressverhalten täglich anschauen, in den ersten zwei Wochen besonders
Wenn es nicht gut läuft
| Zeichen | Was zu tun ist |
|---|---|
| Weicher Kot oder Kotwasser | Einen Schritt zurück, langsamer weitermachen, Raufutter unverändert lassen |
| Blähungen, gespannter Bauch | Anteil des neuen Futters reduzieren, beobachten |
| Trockene, feste Pferdeäpfel | Wasseraufnahme prüfen, eingeweichtes Futter anbieten |
| Futterverweigerung | Qualität der neuen Charge prüfen, langsamer vorgehen |
| Durchfall | Tierärztlich abklären – beim Pferd ist das etwas anderes als Kotwasser |
| Koliksymptome | Sofort die Praxis rufen – Unruhe, Scharren, Blick zum Bauch, Wälzen |
Was Kotwasser genau ist, wie es sich von Durchfall unterscheidet und was dazu untersucht wurde, steht im Artikel Kotwasser beim Pferd.
Den Magen mitdenken
Der Darm braucht Wochen, der Magen reagiert in Stunden. Beides gehört zur Umstellung, und die Maßnahmen für den Magen sind die einfacheren.
Was dem Magen hilft
- Empfehlung: Lange Fresspausen vermeiden – Speichel entsteht nur beim Kauen, und er ist der einzige Puffer
- Empfehlung: Raufutter vor dem Kraftfutter und vor dem Weidegang
- Empfehlung: Struktur erhalten – auch wenn die Ration sich ändert, muss lange Faser drinbleiben
- Empfehlung: Nicht mit leerem Magen arbeiten
Kräuter können eine solche Phase begleiten: schleimstoffreiche Drogen wie Malvenblüten und Eibischwurzel für den Magen, Bitterstoffe, Gerbstoffe und Inulin für den Darm. Fertige Mischungen dazu sind MAGENWOHL und DARMWOHL, für die Anweidezeit zusammen im ANWEIDE-BUNDLE. Auch sie sind eine Veränderung – also nicht in derselben Woche beginnen wie der Futterwechsel selbst, sondern ein bis zwei Wochen vorher.
Häufige Fragen
Wie lange sollte ein Futterwechsel beim Pferd dauern?
Als Richtwert ein bis zwei Wochen, bei einer neuen Heucharge eher zehn bis vierzehn Tage. Beim Wechsel zwischen Heu und Weide sind es drei bis vier Wochen, weil sich Gras und Heu am stärksten unterscheiden.
Der Grund liegt im Dickdarm: Dort zerlegen Mikroorganismen die Rohfaser, und sie sind auf das eingestellt, was sie seit Wochen bekommen. Ihre Zusammensetzung verschiebt sich nur allmählich.
Was passiert, wenn ich zu schnell umstelle?
Kommt viel leicht vergärbares Material auf einmal im Dickdarm an, verschiebt sich dort das Milieu. Weicher Kot, Kotwasser und Blähungen sind die häufigen Folgen, im ungünstigen Fall eine Kolik.
Bei großen Mengen Stärke oder Zucker – etwa beim zu schnellen Anweiden – steht auch die Hufrehe im Raum. Das ist der Grund, warum gerade im Frühjahr Geduld zählt.
Was tun, wenn das alte Futter schon aufgebraucht ist?
Dann lässt sich der abrupte Wechsel nicht vermeiden, aber abfedern: Die Menge des neuen Futters zunächst niedrig halten, auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilen, Raufutter unverändert und ausreichend anbieten und in den ersten Tagen genau beobachten.
Für das nächste Mal: Heu bestellen, solange noch welches da ist – das ist die einfachste Vorsorge überhaupt.
Kann ich mehrere Futtermittel gleichzeitig wechseln?
Besser nicht. Nicht nur wegen der Belastung, sondern vor allem, weil Du bei Problemen nicht mehr weißt, woran es lag. Eine Veränderung, dann beobachten, dann die nächste.
Das gilt auch für Ergänzungsfuttermittel: Sie sind ebenfalls eine Veränderung und gehören nicht in dieselbe Woche wie ein Futterwechsel.
Mein Pferd hat während der Umstellung Kotwasser – was tun?
Einen Schritt zurückgehen, also den Anteil des neuen Futters wieder senken, und langsamer weitermachen. Raufutter unverändert lassen.
Bleibt es über Wochen bestehen oder verändert sich der Kot selbst zu breiig oder flüssig, gehört es abgeklärt. Mehr dazu im Artikel Kotwasser beim Pferd.
Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Umstellung?
In einer ruhigen Phase, in der sonst nichts ansteht – kein Stallwechsel, kein Transport, keine Turnierwoche, keine Behandlung. Stress und Futterwechsel zugleich ist die ungünstigste Kombination, weil sich beides auf die Verdauung auswirkt und hinterher niemand sagen kann, was gewirkt hat.