„Mein Pferd ist alt, es soll jetzt seine Ruhe haben“ – gut gemeint und meist falsch. Ruhestand ohne Bewegung beschleunigt den Abbau. Was sich ändert, ist nicht ob trainiert wird, sondern wie.
Auf einen Blick
- Weniger Intensität, mehr Regelmäßigkeit
- 20 bis 25 Minuten Schritt, bevor es weitergeht
- Ein Tag ohne Reiten ist kein Tag ohne Bewegung
- Die Sattelpassform ändert sich mit der Muskulatur
- Wird die Erholung länger, war es zu viel
Ab wann ein Pferd alt ist
| Alter | Lebensphase | Merkmale |
|---|---|---|
| 15 bis 18 Jahre | Reifes Alter | Erste Anzeichen möglich, oft noch voll leistungsfähig |
| 18 bis 22 Jahre | Senior | Deutlichere Alterserscheinungen, Anpassungen werden nötig |
| Ab 22 Jahren | Hochbetagt | Sehr unterschiedlich – viele noch fit, andere deutlich eingeschränkt |
Woran man es im Training merkt
- Längeres Einlaufen – das Pferd braucht mehr Zeit, um locker zu werden
- Weniger Muskulatur, besonders an Oberlinie und Hinterhand
- Weniger Kondition – es ermüdet früher und erholt sich langsamer
- Steifheit, vor allem morgens und bei Kälte
Die Zahl allein sagt wenig
Ein gut versorgtes, regelmäßig bewegtes 22-jähriges Pferd kann fitter sein als ein 16-jähriges, das viel steht. Das Training richtet sich nach dem Zustand, nicht nach dem Geburtsjahr (Alterszeichen erkennen).
Warum Training wichtig bleibt
Was ohne Bewegung geschieht
- Die Muskulatur baut ab – ohne Reiz verliert der Körper, was er nicht braucht
- Die Gelenke versteifen – der Knorpel wird ohne Lastwechsel schlechter ernährt
- Die Verdauung wird träger
- Das Gewicht steigt, weil der Verbrauch sinkt
- Und der Kopf leidet mit – Langeweile und Frustration sind keine Kleinigkeit
Was angepasstes Training leistet
Es erhält Muskulatur, die Gelenke und Rücken stützt, hält die Gelenke geschmeidig und die Verdauung in Gang. Dazu kommt die Beschäftigung – viele alte Pferde blühen auf, wenn sie eine Aufgabe haben.
Die Devise lautet nicht „kein Training mehr“, sondern „anderes Training“: Art, Dauer und Intensität passen sich an – die Bewegung selbst bleibt.
Die Grundsätze
1. Die Aufwärmphase ist der wichtigste Teil
Mindestens 20 bis 25 Minuten Schritt, bei Kälte länger. Ältere Pferde brauchen deutlich mehr Zeit, um warm zu werden – und was in diesen Minuten passiert, entscheidet über den Rest der Einheit.
Das ist keine verlorene Zeit, sondern das Training selbst. Erst wenn das Pferd locker und schwungvoll geht, beginnt die eigentliche Arbeit – nicht nach der Uhr.
2. Kürzer und häufiger
Zwanzig bis vierzig Minuten einschließlich Aufwärmen und Abwärmen, dafür öfter in der Woche. Regelmäßigkeit wiegt schwerer als Intensität.
Und zur Frage der Ruhetage: Gemeint sind Tage ohne Reiten – nicht Tage ohne Bewegung. Weidegang oder Auslauf gehören auch dazu, gerade an trainingsfreien Tagen.
| Gangart | Rolle im Senior-Training |
|---|---|
| Schritt | Die Hauptgangart – gelenkschonend und beweglichkeitsfördernd, der größte Teil der Einheit |
| Trab | In Maßen und auf gutem Boden – kurze Reprisen statt langer Strängen |
| Galopp | Nur wenn das Pferd ihn noch gut kann: kurz, auf weichem Boden – bei Gelenkveränderungen zurückhaltend |
4. Ansprüche zurücknehmen
Weite Wendungen statt enger Volten, sanfte Übergänge statt abrupter – und keine Lektion erzwingen, die nicht mehr leicht gelingt. Unwilligkeit ist beim alten Pferd meist eine Auskunft, keine Unart.
5. Die Bedingungen schaffen
Weicher, federnder Boden, bei Kälte ausgiebiges Aufwärmen, und eine Abschwitzdecke danach.
Und ein Punkt, der häufig übersehen wird: Die Muskulatur verändert sich im Alter – ein Sattel, der jahrelang passte, passt irgendwann nicht mehr. Die Passform gehört regelmäßig geprüft, nicht nur beim Kauf.
Geeignete Übungen
Schrittarbeit mit Abwechslung
Schlangenlinien in weiten Bögen, Handwechsel, Zügel aus der Hand kauen lassen, Tempounterschiede – und leichte Seitengänge, wenn das Pferd sie kennt.
Stangen im Schritt
Niedrig gelegt, mit großzügigen Abständen. Fördert aktives Abfußen und Koordination bei geringer Belastung.
Leichtes Gelände
Maßvolle Steigungen im Schritt, wechselnde Böden. Stärkt die Hinterhand und hält den Kopf beschäftigt.
Spaziergänge
Unterschätzt und wertvoll – Bewegung ohne Reitergewicht, auch bei Pferden, die nicht mehr geritten werden.
Bodenarbeit
Führübungen mit Richtungswechseln, Stangentreten, einfache Lektionen – Kopfarbeit zählt auch als Arbeit.
Sanfte Dehnübungen
Mit einem Leckerbissen zur Seite, zur Brust, zwischen die Vorderbeine – langsam und ohne Druck, mehrere Wiederholungen.
Was zu tun und zu lassen ist
Das gehört dazu
- Punkt: Lange aufwärmen – 20 bis 25 Minuten Schritt
- Punkt: Regelmäßig und moderat statt selten und intensiv
- Punkt: Weiche Böden und weite Wendungen
- Punkt: Auf das Pferd hören – und Abwechslung bieten
- Punkt: Abwärmphase einplanen, nicht nur die Aufwärmphase
- Punkt: Die Sattelpassform im Blick behalten
Das besser nicht
- Das kalte Pferd belasten
- Auf hartem Boden arbeiten
- Enge Wendungen und kleine Volten
- Anstrengende Lektionen erzwingen
- Lange, intensive Einheiten
- Lahmheit übergehen – auch leichte
- Vollständige Ruhe ohne jede Bewegung
- Zu selten und dann zu viel
- Übergewicht hinnehmen
Wann es zu viel war
Woran man es merkt
Das verlässlichste Zeichen ist die Erholung: Braucht das Pferd länger als früher oder ist es am Folgetag steifer, war die Einheit zu lang oder zu intensiv.
Dazu kommen: nachlassende Bereitschaft mitzuarbeiten, Gewichtsverlust trotz ausreichender Ration, Muskelabbau trotz Training, häufiges Stolpern und deutlicher Widerwille. Dann wird reduziert und abgeklärt – nicht durchgehalten.
Der Punkt, der dabei zählt
Muskelabbau trotz Training ist kein Trainingsproblem. Dahinter stehen häufig eine Stoffwechselerkrankung, Schmerz an anderer Stelle oder eine Ration, die den Bedarf nicht deckt – und keines davon lässt sich wegtrainieren (Management für Senior-Pferde).
Begleitende Maßnahmen
Die Grundlagen
- Haltung: täglicher Auslauf, nicht nur Box
- Fütterung: an den veränderten Bedarf angepasst – er sinkt im Alter nicht automatisch
- Gewicht: weder zu dick noch zu dünn
- Zähne: regelmäßig kontrollieren lassen
- Hufe: regelmäßig bearbeitet, auf Balance geachtet
- Und Massage, Physiotherapie oder Wärme, wo sie dem Pferd guttun
Drogen, die bei Bewegungsthemen gebräuchlich sind
In der Phytotherapie gehören dazu Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde, daneben Mädesüß; Brennnesselblätter werden dem Stoffwechsel zugeordnet, Ackerschachtelhalm wegen seines Siliciumgehalts dem Stützgewebe. Die Zuordnung beschreibt die Überlieferung, nicht eine nachgewiesene Wirkung beim Pferd.
Drei Einschränkungen, die dazugehören
Der Magen: Für die Teufelskrallenwurzel sind Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre als Gegenanzeige aufgeführt; ihre Bitterstoffe regen die Magensaftsekretion an. Sinngemäß gilt das für salicylathaltige Drogen wie Weidenrinde und Mädesüß. Bei längerer Gabe wiegt das schwerer, nicht leichter – gerade bei alten Pferden, die häufiger entzündungshemmende Mittel bekommen (Magengesundheit).
Die Dauer: Wie lange gegeben wird, hängt von der Mischung und vom Pferd ab – feste Schemata helfen dabei nicht weiter. Enthalten zwei Produkte dieselbe Droge, addieren sich die Mengen, und bei Drogen mit zeitlicher Begrenzung gilt die Grenze für die Summe.
Und der Turniersport: Kräutermischungen sind grundsätzlich als dopingrelevant zu behandeln. Die ADMR stellt nicht auf eine abschließende Pflanzenliste ab, sondern auf die mögliche Beeinflussung der Leistungsfähigkeit (ADMR-Regeln).
SENIORAKTIV
Neun Kräuter in Arzneibuchqualität, abgestimmt auf die Bereiche, die sich im Alter am deutlichsten verändern – Verdauung, Bewegung, Herz-Kreislauf und Vitalität.
ARTHRO-PLUS
Neun Arzneidrogen in Arzneibuchqualität – als längerfristige Begleitung bei dauerhaft erhöhtem Bedarf am Bewegungsapparat.
GELENKAKTIV
Sieben Bewegungskräuter in Arzneibuchqualität, als Kur über sechs bis acht Wochen – etwa nach einer Phase erhöhter Beanspruchung.
MAGENWOHL
Für die Magenseite – ein Thema bei anhaltender Belastung und bei Pferden, die länger begleitet werden.
Häufige Fragen
Ab wann gilt ein Pferd als alt?
Etwa ab 15 bis 18 Jahren – aber das ist nur ein Richtwert. Ein gut versorgtes 22-jähriges Pferd kann fitter sein als ein 16-jähriges, das viel steht.
Entscheidend ist der Zustand, nicht die Zahl.
Soll ich mein altes Pferd noch reiten?
In den meisten Fällen ja. Kontrollierte Bewegung erhält Muskulatur und Beweglichkeit – Reiten kann dazugehören, wenn es angepasst wird.
Kürzere Einheiten, mehr Schritt, weniger anspruchsvolle Lektionen. Bei Einschränkungen steckt die tierärztliche Praxis den Rahmen ab.
Wie lange muss ich aufwärmen?
Mindestens 20 bis 25 Minuten Schritt, bei Kälte länger. Das ist bei alten Pferden kein Vorspiel, sondern Teil des Trainings.
Erst wenn das Pferd locker und schwungvoll geht, beginnt die Arbeit – nicht nach der Uhr.
Wie oft soll ein altes Pferd bewegt werden?
Täglich – aber nicht täglich geritten. Freier Auslauf oder Weidegang an jedem Tag, dazu mehrmals wöchentlich leichte Arbeit.
Ein Ruhetag ist ein Tag ohne Reiten, kein Tag ohne Bewegung. Lieber jeden Tag zwanzig Minuten als einmal wöchentlich zwei Stunden.
Welche Übungen eignen sich?
Schrittarbeit mit Abwechslung, Stangen im Schritt, maßvolle Steigungen, weite Bögen – dazu Bodenarbeit, Spaziergänge und sanfte Dehnübungen.
Zu meiden sind enge Wendungen, harte Böden und anstrengende Lektionen.
Mein Pferd baut trotz Training Muskulatur ab – woran liegt das?
Das ist kein Trainingsproblem. Dahinter stehen häufig eine Stoffwechselerkrankung, Schmerz an anderer Stelle oder eine Ration, die den Bedarf nicht deckt.
Keines davon lässt sich wegtrainieren – hier gehört abgeklärt, nicht gesteigert.
Woran erkenne ich, dass es zu viel war?
An der Erholung. Braucht das Pferd länger als früher oder ist es am Folgetag steifer, war die Einheit zu lang oder zu intensiv.
Dazu: nachlassende Bereitschaft, Stolpern, deutlicher Widerwille. Dann reduzieren und abklären lassen, nicht durchhalten.
Passt der Sattel noch?
Das ist eine Frage, die sich im Alter neu stellt. Die Muskulatur verändert sich – ein Sattel, der jahrelang passte, passt irgendwann nicht mehr.
Gerade bei Pferden mit Muskelabbau an der Oberlinie gehört die Passform regelmäßig geprüft.
Können Kräuter unterstützen?
Begleitend ja, als Ersatz für Bewegung nein. In der Phytotherapie gehören Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde zu den bei Bewegungsthemen gebräuchlichen Drogen.
Mit zwei Einschränkungen: Für die Teufelskrallenwurzel sind Magengeschwüre als Gegenanzeige aufgeführt, Ähnliches gilt für salicylathaltige Drogen – bei längerer Gabe wiegt das schwerer. Und im Turniersport gelten Mischungen grundsätzlich als dopingrelevant.
Ist ein altes Pferd ohne Training besser dran?
Nein – Ruhestand ohne Bewegung beschleunigt den Abbau. Muskulatur geht schneller verloren, Gelenke werden steifer, das Gewicht steigt.
Angepasste Bewegung erhält dagegen die Lebensqualität – und die ist beim alten Pferd das Maß der Dinge.
Weiterführende Artikel
Quellen
- McGowan, C. M. et al.: Equine Geriatric Medicine and Surgery. Saunders Elsevier
- Ireland, J. L.: Arbeiten zur Altersdemografie und Gesundheit geriatrischer Pferde
- Clayton, H. M.: Arbeiten zur Biomechanik und zu Bewegungsübungen beim Pferd
- ESCOP-Monographien zu Harpagophyti radix und Salicis cortex
- Kommission E: Monographie Harpagophyti radix – einschließlich der Gegenanzeigen