Der Frauenmantel ist ein Rosengewächs und eine Gerbstoffpflanze – das ist das Erste, was man über ihn wissen sollte, und es steht fast nie irgendwo. Berichtet wird meist über den Namen. Verwendet wird das Kraut: Blätter und blühende Spitzen. Beim Pferd bekommen ihn vor allem Stuten, und zwar auf überlieferter Grundlage – die chemisch erklärbare Eigenschaft der Pflanze ist eine andere. Dieses Porträt sagt, welche das ist und welche nicht.
Auf einen Blick
- Nicht giftig – in den Giftpflanzenlisten für Pferde wird der Frauenmantel nicht geführt
- Verwendet wird das Kraut (Alchemillae herba): Blätter und blühende Spitzen
- Gerbstoffe sind die bestimmende Gruppe, vor allem Ellagitannine – also eine zusammenziehende Pflanze
- Der Zyklusbezug ist überliefert, nicht beschrieben; die Gerbstoffe sind das chemisch Fassbare
- Keine Salicylate in nennenswerter Menge und kein nachgewiesener hormonartiger Effekt – beides wird oft behauptet
- Großpferd: 20–30 g getrocknetes Kraut täglich, einschleichend, kurweise
- Bei uns in HORMONSTABIL, neben den Mönchspfefferfrüchten
Ist Frauenmantel für Pferde giftig?
Nein. In den Giftpflanzenlisten für Pferde wird der Frauenmantel nicht geführt. Er ist eine unbedenkliche Wiesenpflanze, und ein Pferd, das im Vorbeigehen davon frisst, hat kein Problem.
Die Frage kommt trotzdem häufig, und sie hat einen harmlosen Grund: Der Frauenmantel fällt auf. Die halbrunden, gefächerten Blätter sind unverwechselbar, und morgens stehen dort oft Wassertropfen, die aussehen wie Tau, aber keiner sind. Wer eine auffällige Pflanze auf der Koppel findet, fragt nach – zu Recht.
Worauf eine Weidebegehung stattdessen achten sollte
Nicht auf diese Pflanze, sondern auf die, die tatsächlich auf den Listen stehen: Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose, Adlerfarn, Eibe. Das sind die Namen, die den Gang über die Koppel wert sind.
Steckbrief des Frauenmantels
| Stammpflanze | Alchemilla vulgaris L. s. l. |
|---|---|
| Verwendeter Teil | das Kraut (Alchemillae herba): Blätter und blühende Spitzen |
| Familie | Rosengewächse (Rosaceae) |
| Weitere Namen | Marienmantel, Taubecher, Sinau |
| Bestimmende Stoffgruppe | Gerbstoffe, vor allem Ellagitannine; dazu Flavonoide |
| Wirkungsart | zusammenziehend (adstringierend) |
| Erkennungsmerkmal | halbrundes, gefächertes Blatt; Wassertropfen am Blattrand und in der Blattmitte |
| Geschmack | herb, leicht zusammenziehend |
| Giftigkeit | keine; in den Giftpflanzenlisten für Pferde nicht geführt |
| Menge beim Großpferd | 20–30 g getrocknetes Kraut täglich |
| Dauer | kurweise, vier bis sechs Wochen, dann eine Pause |
| Bei uns in | HORMONSTABIL |
Der Frauenmantel als Pflanze
Die Tropfen am Blattrand sind kein Tau
Das Wasser presst die Pflanze selbst heraus – nachts, über kleine Spaltöffnungen am Blattrand. Der Vorgang heißt Guttation. Er ist der Grund für den botanischen Namen: Die Alchemisten sammelten diese Tropfen als „Himmelstau“ für ihre Arbeiten, und davon kommt Alchemilla.
Das Frauenmantelblatt ist unverwechselbar
Halbrund bis nierenförmig, in sieben bis elf flache Lappen gefächert, am Rand feingezähnt. Diese Faltung hat der Pflanze den deutschen Namen gegeben – sie erinnert an einen weiten Mantel. Wer sie einmal gesehen hat, verwechselt sie nicht.
Eine Sammelart, keine Einzelart
Hinter Alchemilla vulgaris steht nicht eine Art, sondern eine Gruppe sehr ähnlicher Kleinarten, die sich kaum unterscheiden lassen und sich ohne Bestäubung fortpflanzen. Deshalb trägt der Name im Arzneibuch den Zusatz s. l. – sensu lato, im weiteren Sinn.
Und warum das für den Einkauf ein Vorteil ist
Die Artbestimmung auf der Wiese ist selbst für Botaniker eine Spezialfrage. Die Droge dagegen ist als Sammelart definiert und damit prüfbar (Arzneibuchqualität bei Kräutern). Das ist einer der Fälle, in denen die Arzneibuchdefinition praktischer ist als das Bestimmungsbuch.
Woher der Name kommt
„Frauen“ steht im Namen aus zwei Richtungen. Zum einen aus der Marienverehrung – der Mantel ist Mariens Mantel, daher auch der alte Name Marienmantel. Zum anderen aus der Volksheilkunde, die das Kraut über Jahrhunderte Frauen gab. Beides erklärt den Namen, und keines davon ist eine Wirkungsbeschreibung.
Was im Frauenmantelkraut steckt
Gerbstoffe prägen den Frauenmantel
Vor allem Ellagitannine. Gerbstoffe verbinden sich mit Eiweiß an der Oberfläche der Schleimhaut, wo eine dünne, dichtere Schicht entsteht. Das ist die zusammenziehende Eigenschaft – und sie erklärt die zweite, ältere Verwendung des Krauts: die bei Durchfall.
Vier Rosengewächse in einem Sortiment
Dieselbe Stoffgruppe und sogar eine der gleichen Verbindungen trägt das Odermennigkraut – kein Zufall, denn beide sind Rosengewächse. Dazu kommen die Hagebutte und das Mädesußkraut. Eine Familie, die vom Gerbstoff bis zum Salicylat sehr unterschiedliche Stoffe liefert – und wer bei einem Pferd auf Korbblütler achten muss, hat beim Frauenmantel keinen Grund dazu.
Das Arzneibuch führt eine eigene Monographie
Gefordert wird ein Mindestgehalt an Gerbstoffen. Damit lässt sich eine Charge messen und nicht nur benennen – was das praktisch bedeutet, steht im Artikel zur Arzneibuchqualität bei Kräutern. Die Prozentzahl nennen wir hier nicht: Der geforderte Mindestgehalt steht in der Monographie, der tatsächliche auf dem Prüfzeugnis der Charge.
Zwei Angaben, die sich nicht halten lassen
Über den Frauenmantel kursieren zwei Behauptungen, die wir nicht übernehmen.
Die erste: Salicylate
Der Frauenmantel enthalte entzündungshemmende Salicylate – in nennenswerter Menge tut er das nicht. Die Pflanze unseres Sortiments, bei der diese Stoffgruppe tatsächlich das Thema ist, ist das Mädesußkraut.
Die zweite: ein hormonartiger Effekt über Phytosterole
Der ist nicht nachgewiesen. Dass eine Pflanze pflanzliche Sterole enthält, heißt nicht, dass sie in den Zyklus eingreift – sonst wäre jedes Grünfutter ein Hormonpräparat. Wie wir mit solchen Schlüssen umgehen, steht im Artikel zur Evidenz in der Phytotherapie.
Wofür der Frauenmantel beim Pferd verwendet wird
Was überliefert ist
Das Frauenmantelkraut gehört zu den ältesten und beständigsten Pflanzen im Zyklusbereich der europäischen Pflanzenheilkunde. Zugeschrieben wird ihm ein ausgleichender Bezug zum Zyklusgeschehen und, aus der Erfahrung, eine krampflösende Note. Das ist eine überlieferte Zuordnung und keine beschriebene Wirkung – und sie stammt aus der Humanmedizin, nicht vom Pferd.
Wo wir sie bei der Stute ansetzen
Dort, wo das Verhalten über die Saison hinweg auffällt: bei deutlich gezeigter Rosse, bei Stuten, die in diesen Tagen schwer zu reiten sind. Was dabei normal ist und was nicht, steht im Artikel zum Zyklus der Stute.
Was chemisch erklärbar ist
Die zusammenziehende Eigenschaft – also die Gerbstoffwirkung. Darauf beruht die zweite, ältere Verwendung bei Durchfall und, in unserem Sortiment, der Bezug zu den Situationen, in denen der Darm über Tage unruhig ist (siehe Kotwasser).
Diese Reihenfolge ist uns wichtig
Die bekanntere Verwendung ist die überlieferte, die belegbarere Eigenschaft ist die andere. Wer das umdreht, verkauft eine Gerbstoffpflanze als Hormonmittel.
Wofür er nicht geeignet ist
Eine Rosse, die nicht endet, hengstiges Verhalten oder eine Stute, die mitten in der Saison gar nicht rosst – das sind Befunde und keine Fütterungsthemen. Dahinter kann unter anderem ein hormonproduzierender Eierstocktumor stehen. Das gehört tierärztlich abgeklärt, bevor irgendein Kraut in den Trog kommt. Mehr dazu im Artikel zu Dauerrosse und Zyklusstörungen – und wenn eine tierärztliche Rosseunterdrückung im Raum steht, im Artikel zu Regumate und Altrenogest beim Pferd, einschließlich der Schutzmaßnahmen für den Menschen, der das Mittel verfüttert.
Warum der Frauenmantel in HORMONSTABIL steht
Die Rolle ist verteilt
In HORMONSTABIL steht der Frauenmantel neben den Mönchspfefferfrüchten, und diese Reihenfolge ist auch inhaltlich eine: Der Mönchspfeffer ist die Pflanze mit der Datenlage, der Frauenmantel steht traditionell daneben. Beides gehört gesagt, weil es den Unterschied macht, wenn jemand fragt, worauf die Mischung eigentlich beruht.
Warum nicht nur die bestuntersuchte Pflanze
Dass eine Rezeptur nicht nur aus der am besten untersuchten Pflanze besteht, ist eine Entscheidung und kein Versehen – die europäische Kräuterkunde würde sonst an mehreren Stellen wegfallen. Wie wir solche Zusammenstellungen aufbauen, steht im Artikel zum Kombinieren von Kräutern, die Übersicht im Artikel zu Kräutern und der Hormonbalance.
HORMONSTABIL
Unsere Mischung für die Stute mit deutlich gezeigter Rosse, mit Mönchspfefferfrüchten und Frauenmantelkraut. Kurweise über mehrere Zyklen gedacht, nicht als Dauerfutter.
Oder doch nicht der Zyklus?
Hängt das Verhalten nicht an bestimmten Tagen, sondern zeigt sich durchgehend, geht es nicht um die Rosse, sondern um Anspannung. Dafür ist NERVENSTARK die Mischung – eine andere Besetzung für eine andere Frage.
Dosierung und Dauer
Wie viel Frauenmantel ein Großpferd bekommt
20 bis 30 g getrocknetes Frauenmantelkraut täglich, Ponys und kleinere Pferde entsprechend weniger. Wir empfehlen, mit der halben Menge zu beginnen und über einige Tage zu steigern; bei empfindlichen Pferden auf zwei Mahlzeiten verteilt. In einer Mischung gilt die Dosierung der Mischung – der Anteil ist dort eingerechnet.
Kurweise, und warum das hier keine Formalie ist
Vier bis sechs Wochen, dann eine Pause. Gerbstoffe binden Futtereiweiß und können bei Dauergabe die Aufnahme von Mineralstoffen beeinträchtigen. Geht es um das Verhalten über mehrere Zyklen, ist die Kur entsprechend zu planen – nicht zu verlängern.
Und warum die Pflanze bei uns nicht einzeln zu haben ist: Allein gefüttert bleibt der Frauenmantel eine Gerbstoffpflanze mit einem überlieferten Ruf. In HORMONSTABIL steht er neben den Mönchspfefferfrüchten – und das ist die Pflanze mit der Datenlage.
Was beim Frauenmantel zu beachten ist
- Tragende Stuten. Nur nach Rücksprache mit der Tierärztin. Ältere Quellen, die das Kraut in der Trächtigkeit empfehlen, stammen aus der Humanmedizin – wir übertragen das nicht. Dasselbe gilt für die Laktation.
- Pferde mit Neigung zu trockenem Kot oder mit Verstopfungskoliken in der Vorgeschichte: zurückhaltend einsetzen. Eine zusammenziehende Pflanze arbeitet hier in die ungünstige Richtung.
- Nicht dauerhaft. Kurweise geben; Gerbstoffe binden Futtereiweiß.
- Nicht mit weiteren Gerbstoffpflanzen stapeln. Frauenmantel, Odermennig und Zistrose addieren sich – bei mehreren Mischungen parallel lohnt der Blick auf die Zusammensetzung.
- Laufende Behandlung. Vorher mit der betreuenden Praxis abstimmen.
- Unklare Befunde gehen vor. Nicht endende Rosse, hengstiges Verhalten, ausbleibende Rosse mitten in der Saison: abklären lassen.
- Turniersport. Alle unsere Kräutermischungen sind im Turniersport als dopingrelevant zu behandeln. Karenzzeiten geben wir nicht an; die Regeln stehen in der ADMR.
Häufige Fragen zum Frauenmantel
Ist Frauenmantel giftig für Pferde?
Nein. In den Giftpflanzenlisten für Pferde wird der Frauenmantel nicht geführt, und er ist eine unbedenkliche Wiesenpflanze. Die Frage kommt häufig, weil die Pflanze auffällt – das gefächerte Blatt und die Wassertropfen darauf sind unverwechselbar. Aufmerksamkeit verdienen stattdessen die Pflanzen, die wirklich auf den Listen stehen: Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose, Adlerfarn, Eibe.
Was ist die Wirkung von Frauenmantel beim Pferd?
Fassbar ist die zusammenziehende Eigenschaft der Gerbstoffe – darauf beruht die alte Verwendung bei Durchfall. Der bekanntere Zyklusbezug ist eine überlieferte Zuordnung aus der europäischen Pflanzenheilkunde und keine beschriebene Wirkung; er stammt zudem aus der Humanmedizin. Ein hormonartiger Effekt über Phytosterole ist nicht nachgewiesen.
Welche Dosierung hat Frauenmantel beim Pferd?
Ein Großpferd 20 bis 30 Gramm getrocknetes Kraut täglich, Ponys und kleinere Pferde weniger. Mit der halben Menge beginnen und über einige Tage steigern, bei empfindlichen Pferden auf zwei Mahlzeiten verteilen. Vier bis sechs Wochen, dann eine Pause. In einer Mischung gilt die Dosierung der Mischung.
Kann ich Frauenmantel dauerhaft füttern?
Nein, kurweise. Der Frauenmantel ist eine Gerbstoffpflanze, und Gerbstoffe binden Futtereiweiß und können bei Dauergabe die Mineralstoffaufnahme beeinträchtigen. Wer parallel weitere gerbstoffreiche Kräuter gibt – Odermennig, Zistrose –, liegt in Summe höher als gedacht.
Darf eine tragende Stute Frauenmantel bekommen?
Nur nach Rücksprache mit der Tierärztin. In alten Kräuterbüchern wird das Kraut in der Schwangerschaft ausdrücklich empfohlen – diese Angaben stammen aus der Humanmedizin, und wir übertragen sie nicht auf die Stute. Dasselbe gilt in der Laktation.
Passt Frauenmantel zu Mönchspfeffer?
Sie stehen in unserer Zyklusmischung zusammen, und die Rolle ist verteilt: Der Mönchspfeffer ist die Pflanze mit der Datenlage, der Frauenmantel steht traditionell daneben. Wer beide einzeln füttern will, sollte die Mengen nicht addieren – in einer fertigen Mischung sind die Anteile schon aufeinander abgestimmt.
Enthält Frauenmantel Salicylate?
Nicht in nennenswerter Menge. Diese Angabe liest man häufig, sie lässt sich aber nicht halten. Die Pflanze in unserem Sortiment, bei der Salicylate das Thema sind, ist das Mädesußkraut – dort gehören sie zur Sache, hier nicht.
Meine Stute rosst dauernd – hilft Frauenmantel?
Eine Rosse, die nicht endet, gehört abgeklärt, bevor gefüttert wird. Dasselbe für hengstiges Verhalten und für eine Stute, die mitten in der Saison gar nicht rosst. Dahinter kann unter anderem ein hormonproduzierender Eierstocktumor stehen – das ist ein Untersuchungsbefund und kein Fütterungsthema.
Woher kommt der Name Frauenmantel?
Vom Blatt: halbrund, in sieben bis elf Lappen gefächert, gefaltet wie ein weiter Mantel. „Frauen“ kommt aus der Marienverehrung – daher auch Marienmantel – und aus der Volksheilkunde, die das Kraut über Jahrhunderte Frauen gab. Der botanische Name Alchemilla stammt dagegen von den Alchemisten, die die Wassertropfen auf dem Blatt sammelten.
Weiterführende Artikel
- Mönchspfeffer beim Pferd
- Damiana beim Pferd
- Den Zyklus der Stute verstehen
- Dauerrosse und Zyklusstörungen
- Kräuter und die Hormonbalance
- Odermennig beim Pferd
- Mädesuß beim Pferd
- Giftpflanzen auf der Weide
- Was Arzneibuchqualität bedeutet
Quellen
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), Monographie Alchemillae herba
- Blaschek, W. (Hrsg.): Wichtl – Teedrogen und Phytopharmaka
- Hänsel, R.; Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie
- Coenen, M.; Vervuert, I.: Pferdefütterung
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)