Eine Rosse, die nicht endet, ist keine Variante des normalen Zyklus. Sie zeigt an, dass im Hormonhaushalt etwas nicht stimmt – und die wichtigste Ursache wird mit der Zeit nicht besser.
Auf einen Blick
- Verlängerte Rossen im Frühjahr und Herbst sind normal – dauerhafte nicht
- Der Granulosazelltumor ist die wichtigste Ursache
- Bei rund einem Drittel zeigt sich hengstartiges Verhalten statt Rosse
- Follikelzysten wie beim Rind gibt es bei der Stute nicht
- Ein Zykluskalender ist die beste Vorbereitung auf den Termin
Ab wann Dauerrosse
| Bild | Dauer | Einordnung |
|---|---|---|
| Normale Rosse | Fünf bis sieben Tage, dann Ruhephase | Unauffällig |
| Verlängerte Rosse | Ein bis zwei Wochen, im Frühjahr oder Herbst | Übergangszeit – beobachten |
| Anhaltende Rosse | Zwei bis drei Wochen, in der Übergangszeit | Noch erklärbar – dokumentieren |
| Dauerrosse | Über vier Wochen durchgehend | Immer abklären lassen |
Warum die Jahreszeit so viel ausmacht
Im Frühjahr und Herbst stellt sich das System auf die veränderte Tageslänge um. In dieser Phase können mehrere Follikel nacheinander heranwachsen, ohne dass es zum Eisprung kommt – und die Stute wirkt wochenlang rossig, ohne dass etwas krankhaft wäre.
Problematisch wird es, wenn die Rosse länger als vier Wochen anhält, außerhalb der Übergangszeiten auftritt oder mit Schmerzen und extremen Verhaltensänderungen einhergeht (Rosse und Zyklus der Stute).
Der Zykluskalender
Das Nützlichste, was Du vor dem Termin tun kannst
Notiere täglich: ob Rosseanzeichen da sind und wie deutlich, auffällige Verhaltensänderungen, Schmerzzeichen oder Ausfluss – mit Datum.
Warum das zählt: Echte Dauerrosse lässt sich von einer verlängerten Übergangszeit nur über den Verlauf unterscheiden. Ohne diese Daten beginnt die Praxis bei null – und ein Befund an einem einzelnen Tag sagt wenig.
Die Ursachen
Granulosazelltumor
Die wichtigste Ursache echter Dauerrosse – ein hormonbildender Tumor am Eierstock, fast immer einseitig. Nur operativ zu beheben.
Verbliebener Follikel
Der Follikel springt nicht und bildet weiter Östrogen. Häufig in der Übergangszeit und oft von selbst rückläufig.
Übergangszeit
Die häufigste harmlose Erklärung – im Frühjahr und Herbst, wenn der Zyklus an- oder ausläuft.
Seltenere Ursachen
Stoffwechselerkrankungen wie Cushing, Störungen der übergeordneten Steuerung, starker chronischer Stress, deutliches Untergewicht.
Zu den Häufigkeitsangaben
Prozentzahlen zur Häufigkeit der Ursachen kursieren viele und meinen oft Unterschiedliches. Der häufig genannte Anteil von etwa der Hälfte bezieht sich auf den Anteil der Granulosazelltumoren an allen Eierstocktumoren – nicht auf den Anteil an allen Fällen von Dauerrosse. Verwertbar ist die Rangfolge, nicht die Zahl: Unter den Ursachen, die behandelt werden müssen, steht der Granulosazelltumor vorn.
| Ursache | Typisches Bild |
|---|---|
| Granulosazelltumor | Entweder Dauerrosse oder hengstartiges Verhalten – bei einem erheblichen Teil das Zweite |
| Verbliebener Follikel | Gewohntes Rosseverhalten, nur über längere Zeit |
| Übergangszeit | Ebenfalls gewohnt, aber verlängert – und sie endet von selbst |
Was es bei der Stute nicht gibt
Follikelzysten sind ein Thema des Rindes nicht des Pferdes
Was es bei der Stute tatsächlich gibt: den Follikel, der nicht springt und sich stattdessen mit Blut füllt – und Zysten in der Nähe des Eierstocks oder in der Ovulationsgrube. Letztere bilden keine Hormone und können deshalb keine Dauerrosse verursachen; sie können allenfalls den Eisprung mechanisch behindern.
Warum das praktisch zählt
Wer eine Dauerrosse mit „Zysten“ erklärt, hört an der falschen Stelle auf zu suchen. Die Frage, die tatsächlich beantwortet werden muss, lautet: Tumor oder nicht. Und darauf antworten Ultraschall und Hormonbestimmung,
Der Granulosazelltumor
Was ihn ausmacht
- Er geht von den Zellen aus, die den Follikel umgeben und normalerweise Hormone bilden
- Fast immer ist nur ein Eierstock betroffen
- Er ist in aller Regel gutartig und bildet keine Absiedlungen
- Er wächst langsam – über Monate bis Jahre
- Der gegenüberliegende Eierstock wird dabei still und ist im Ultraschall auffallend klein
Das Bild, das am häufigsten verkannt wird
Nicht jede betroffene Stute wirkt dauerrossig. Je nachdem, welche Hormone der Tumor bildet, entsteht entweder anhaltendes Rosseverhalten – oder das Gegenteil: hengstartiges Verhalten mit Aufspringen, Drohen und zunehmender Bemuskelung am Hals.
Bei einem erheblichen Teil der Fälle ist es diese zweite Form, und sie wird oft als Charakterfrage oder Erziehungsproblem behandelt – manchmal über Jahre. Eine Stute, die sich zunehmend wie ein Hengst verhält, gehört untersucht, nicht umerzogen.
Die Behandlung und was danach kommt
Der betroffene Eierstock wird entfernt – je nach Größe minimalinvasiv am stehenden Pferd oder über einen Zugang in Narkose. Eine wirksame konservative Behandlung gibt es nicht.
Danach nimmt der verbliebene Eierstock seine Arbeit wieder auf, und das Verhalten normalisiert sich meist über mehrere Monate. Diese Zeit braucht es – das stille Organ muss erst wieder anlaufen. Und: Mit einem Eierstock kann eine Stute normal tragend werden.
Warum früh besser ist
Je größer der Tumor, desto aufwendiger der Eingriff – sehr große Befunde bringen Verwachsungen mit sich und schließen den schonenderen Weg aus. Das ist der eigentliche Grund, bei Verdacht nicht zu warten, und nicht die Sorge vor Absiedlungen.
Die Diagnose
Der Ablauf
Zuerst der Vorbericht – hier zahlt sich der Kalender aus: seit wann, mit welchen Pausen, welches Verhalten genau, zu welcher Jahreszeit.
Dann die Ultraschalluntersuchung über den Enddarm, die wichtigste Einzeluntersuchung. Beurteilt werden Größe und Struktur beider Eierstöcke – und besonders der Vergleich der Seiten.
Und die Hormonbestimmung im Blut, die den Verdacht stützt oder entkräftet.
Zu den Hormonwerten
Das Anti-Müller-Hormon hat sich als der zuverlässigste Marker erwiesen und wird heute bevorzugt bestimmt; daneben sind Inhibin und Testosteron gebräuchlich.
Konkrete Zahlenwerte nennen wir hier bewusst nicht: Die Referenzbereiche hängen vom Labor und vom Verfahren ab, und ein Wert ohne den zugehörigen Bereich ist nicht zu beurteilen. Die Einordnung trifft die Praxis – zusammen mit Ultraschallbild und Verlauf.
Die Behandlung
| Ursache | Vorgehen | Aussicht |
|---|---|---|
| Granulosazelltumor | Entfernung des betroffenen Eierstocks | Gut – mit mehreren Monaten bis zur Normalisierung |
| Verbliebener Follikel | Häufig abwarten; gegebenenfalls Auslösen des Eisprungs | Meist von selbst rückläufig |
| Übergangszeit | Geduld – und den Verlauf dokumentieren | Endet mit der Umstellung |
| Stoffwechsel | Die Grunderkrankung behandeln (EMS und Cushing) | Abhängig vom Verlauf |
Hormonelle Optionen ohne Operation
Bei Zyklusstörungen ohne Tumorbefund stehen die Unterdrückung der Rosse mit einem synthetischen Gestagen zur Verfügung, Verfahren zur vorübergehenden Stilllegung des Zyklus sowie Mittel, die bei einem verbliebenen Follikel den Eisprung auslösen. Welche davon infrage kommt, entscheidet der Befund – keine davon ist bei einem Tumor eine Lösung.
Ein Sicherheitshinweis, der den Menschen betrifft
Altrenogest wird über die Haut aufgenommen. Wer es ohne Handschuhe verabreicht, nimmt ein hormonell wirksames Mittel auf – und das sind im Stallalltag überwiegend Frauen.
Deshalb: Einweghandschuhe bei jeder Gabe, Hautkontakt vermeiden, Verschüttetes sofort entfernen. Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter sollten den Umgang nach Möglichkeit abgeben, ebenso Menschen mit hormonabhängigen Erkrankungen. Die Packungsbeilage führt das auf – im Alltag geht es häufig unter.
Begleitende Maßnahmen
Wo die Grenze verläuft
Bei einem Tumor ist eine Mischung keine Option, auch keine begleitende – und es wird Zeit verloren, in der der Befund wächst.
Sinnvoll sein kann eine Begleitung bei den Fällen ohne organischen Befund: bei verlängerten Übergangszeiten, bei unregelmäßigem Zyklus ohne erkennbare Ursache. Also erst der Befund, dann die Entscheidung – nicht umgekehrt.
Stress senken
Stabile Herde, verlässlicher Ablauf, wenige Veränderungen – Unruhe wirkt sich auf den Zyklus aus.
Die Ration prüfen
Weder zu knapp noch zu reichlich – und die Spurenelementversorgung nach Rationsberechnung.
Bewegung und Weide
Viel freie Bewegung und regelmäßige, maßvolle Arbeit.
Weiter dokumentieren
Den Kalender nicht abbrechen – auch nach einer Diagnose ist der Verlauf die beste Kontrolle.
HORMONSTABIL
Acht Drogen in Arzneibuchqualität, darunter Mönchspfefferfrüchte und Frauenmantelkraut – ohne Trägermaterial und ohne zugesetzte Vitamine.
NERVENSTARK
Nervendrogen in Arzneibuchqualität – für Phasen erhöhter Anspannung, unabhängig vom Zyklus.
Vier Punkte, die dazugehören
Nicht bei Verdacht auf einen organischen Befund. Erst untersuchen lassen – danach entscheiden.
Nicht für tragende Stuten; bei laktierenden Stuten und in der Bedeckungsphase nur nach Absprache.
Bei laufender Medikation: Rücksprache mit dem Tierarzt halten
Und im Turniersport sind Kräutermischungen grundsätzlich als dopingrelevant zu behandeln (ADMR-Regeln).
Häufige Fragen
Ab wann spricht man von Dauerrosse?
Wenn eine Stute länger als drei bis vier Wochen durchgehend Rosseanzeichen zeigt, ohne dass eine ruhige Phase dazwischenliegt.
Im Frühjahr und Herbst sind verlängerte Rossen normal – dort stellt sich das System um. Außerhalb dieser Zeiten oder darüber hinaus gehört es abgeklärt.
Was ist die wichtigste Ursache?
Der Granulosazelltumor – ein hormonbildender Tumor am Eierstock, der nicht von selbst zurückgeht.
Bei einem erheblichen Teil der Fälle zeigt sich allerdings keine Dauerrosse, sondern hengstartiges Verhalten – und das wird oft als Charakterfrage behandelt.
Kann meine Stute Eierstockzysten haben?
Nicht im Sinne der Zysten, die man vom Rind kennt – diese Erkrankung gibt es bei der Stute in dieser Form nicht, auch wenn der Begriff häufig übertragen wird.
Was es gibt: einen Follikel, der nicht springt und sich mit Blut füllt – sowie Zysten in Ovarnähe oder in der Ovulationsgrube. Letztere bilden keine Hormone und verursachen keine Dauerrosse.
Meine Stute verhält sich wie ein Hengst – was kann das sein?
Das ist ein klassisches Bild beim Granulosazelltumor – Aufspringen, Drohen, zunehmende Bemuskelung am Hals, und dabei oft gar keine Rosse mehr.
Es gehört untersucht, nicht umerzogen. Ultraschall und Hormonbestimmung klären das zuverlässig.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Über Vorbericht, Ultraschall und Hormonbestimmung. Beim Ultraschall zählt besonders der Seitenvergleich: Bei einem Tumor ist eine Seite vergrößert, die andere auffallend still.
Das Anti-Müller-Hormon gilt heute als zuverlässigster Marker. Konkrete Zahlenwerte sind nur mit dem Referenzbereich des jeweiligen Labors zu beurteilen.
Ist der Tumor gefährlich?
Er ist in aller Regel gutartig und bildet keine Absiedlungen. Er wächst aber stetig weiter und bildet dabei fortlaufend Hormone.
Der Grund, nicht zu warten, ist deshalb nicht die Sorge vor Streuung, sondern die Größe: Je größer der Befund, desto aufwendiger der Eingriff.
Kann meine Stute mit einem Eierstock noch tragend werden?
Ja. Der verbliebene Eierstock übernimmt die Funktion vollständig.
Er braucht allerdings Zeit – während der Tumor aktiv war, lag er still. Bis Zyklus und Verhalten sich normalisiert haben, vergehen in der Regel mehrere Monate.
Können Kräuter helfen?
Bei einem Tumor nicht – auch nicht begleitend. Dort entscheidet der Eingriff, und jede Verzögerung vergrößert den Befund.
Bei Zyklusstörungen ohne organische Ursache können sie begleiten. Die Reihenfolge ist entscheidend: erst der Befund, dann die Entscheidung.
Worauf muss ich bei Altrenogest achten?
Auf Handschuhe bei jeder Gabe. Das Mittel wird über die Haut aufgenommen; wer es ungeschützt verabreicht, nimmt ein hormonell wirksames Präparat auf.
Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter sollten den Umgang nach Möglichkeit abgeben, ebenso Menschen mit hormonabhängigen Erkrankungen.
Weiterführende Artikel
Quellen
- McCue, P. M.: Arbeiten zu Granulosazelltumoren und zu Eierstockerkrankungen der Stute
- Ball, B. A. et al.: Arbeiten zum Anti-Müller-Hormon als Marker für Granulosazelltumoren der Stute
- Hinrichs, K.: Arbeiten zu Eierstocktumoren und zur Abgrenzung zystischer Veränderungen beim Pferd
- Ginther, O. J.: Reproductive Biology of the Mare. Equiservices
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme