Der Zyklus der Stute wird vom Tageslicht gesteuert – und das erklärt mehr, als es zunächst scheint. Auch warum ausgerechnet im Frühjahr und Herbst die meisten Probleme auftreten.
Auf einen Blick
- Der Zyklus dauert rund drei Wochen, die Rosse etwa fünf bis sieben Tage
- Tageslicht steuert ihn – im Winter ruht er bei den meisten Stuten
- Die Übergangszeiten sind die unruhigsten, nicht die Hochsaison
- Dauerrosse ist nie normal und gehört untersucht
- Altrenogest wird über die Haut aufgenommen – Handschuhe sind Pflicht
Der Zyklus
Die Rosse
Fünf bis sieben Tage, gelegentlich kürzer oder länger. Ein Follikel reift heran, der Östrogenspiegel ist hoch, die Stute ist empfängnisbereit – und der Eisprung findet gegen Ende statt, nicht am Anfang.
Die Zwischenrosse
Rund zwei Wochen. Ein Gelbkörper bildet sich, Progesteron übernimmt – und die meisten Stuten sind in dieser Phase deutlich ausgeglichener.
Der Gesamtrhythmus
Zusammen ergibt das etwa drei Wochen, mit einer individuellen Spanne nach beiden Seiten. Was für eine Stute normal ist, muss es für die nächste nicht sein – weshalb ein Kalender über mehrere Monate mehr aussagt als jeder Durchschnittswert.
Warum das Licht entscheidet
Der Mechanismus
Licht trifft auf das Auge, und das Signal erreicht das Gehirn. Bei Dunkelheit bildet die Zirbeldrüse Melatonin, das die übergeordnete Steuerung dämpft. Werden die Tage länger, fällt diese Dämpfung weg – die Hirnanhangdrüse wird aktiv, die Eierstöcke nehmen ihre Arbeit auf.
Der biologische Sinn dahinter: Bei einer Tragzeit von etwa elf Monaten kommt ein im Frühsommer gezeugtes Fohlen im folgenden Frühjahr zur Welt – bei Gras und Wärme.
| Zeitraum | Was geschieht | Praktisch |
|---|---|---|
| Tiefer Winter | Ruhephase – kein Zyklus | Keine Rosse, keine Anzeichen |
| Frühjahr | Übergangszeit | Verlängerte, unregelmäßige Rossen – die schwierigste Phase |
| Sommer | Hauptzykluszeit | Regelmäßige Abstände, berechenbares Verhalten |
| Herbst | Übergangszeit | Wieder unregelmäßiger, bis der Zyklus ausläuft |
Der Punkt, den die Tabelle nahelegt
Die meisten Klagen über „schwierige Stuten“ fallen nicht in den Hochsommer, sondern ins Frühjahr. Dort laufen die Hormone unregelmäßig an, Rossephasen ziehen sich, und das Verhalten schwankt stärker als im geordneten Zyklus.
Zur künstlichen Beleuchtung
In der Zucht wird der Mechanismus genutzt, um den Zyklus vorzuziehen und frühe Fohlen zu ermöglichen. Für eine Reitstute ist das nicht angezeigt – die Winterruhe ist kein Mangel, sondern Teil des Rhythmus.
Die Hormone
Vier Beteiligte
Aus dem Zwischenhirn kommt das Startsignal, das die Hirnanhangdrüse in Gang setzt. Diese bildet zwei Hormone: eines, das den Follikel wachsen lässt, und eines, das den Eisprung auslöst.
Am Eierstock entstehen daraufhin Östrogen – während der Rosse hoch – und nach dem Eisprung Progesteron aus dem Gelbkörper, das die ruhige Phase prägt.
Warum sich das Verhalten ändert
Diese Hormone wirken nicht nur auf die Geschlechtsorgane, sondern auch im Gehirn. Östrogen beeinflusst Stimmung und Schmerzwahrnehmung – manche Stuten werden anhänglicher, andere gereizter. Progesteron wirkt ausgleichend, weshalb die Zwischenrosse meist die ruhigere Zeit ist. Am stärksten wirken nicht hohe Spiegel, sondern Schwankungen – und die sind in den Übergangszeiten am größten.
Rosseverhalten erkennen
| Zeichen | Wie es aussieht |
|---|---|
| Blitzen | Rhythmisches Öffnen der Schamlippen – das deutlichste Zeichen |
| Schweif heben | Angehoben und zur Seite gelegt |
| Häufiges Urinieren | Kleine Mengen, besonders in Gegenwart anderer Pferde |
| Quieken | Vor allem bei Kontakt zu Wallachen oder Hengsten |
| Veränderte Stimmung | Von anhänglich bis abweisend – sehr individuell |
| Rückenempfindlichkeit | Beim Satteln und Gurten, verspannte Lendenmuskulatur |
Was dabei leicht verwechselt wird
Rückenempfindlichkeit und Unwilligkeit beim Satteln werden gern der Rosse zugeschrieben – auch dann, wenn sie bleiben. Treten sie unabhängig vom Zyklus auf oder halten sie an, gehören sie untersucht. Der Zyklus ist eine bequeme Erklärung, und genau deshalb verdeckt er gelegentlich eine andere (Wenn das Pferd lahmt).
Das Spektrum
Kaum zu bemerken
Nur bei genauer Beobachtung fällt etwas auf. Training unverändert möglich.
Deutlich, aber unproblematisch
Die Zeichen sind da, das Verhalten bleibt im Rahmen – etwas mehr Geduld genügt.
Spürbar verändert
Gereizt oder auffällig anhänglich, teils Rückenempfindlichkeit. Training anpassen, Ursachen prüfen.
Nicht mehr zu handhaben
Umgang oder Training werden schwierig bis unmöglich, Schmerzzeichen, Aggression. Hier gehört abgeklärt, nicht gefüttert.
Und es bleibt nicht gleich
Das Rosseverhalten kann sich über die Jahre ändern – nach einer Trächtigkeit, mit zunehmendem Alter, unter veränderten Haltungsbedingungen. Eine Stute, die jahrelang unauffällig war und es plötzlich nicht mehr ist, ist deshalb ein Grund hinzusehen – nicht, es hinzunehmen.
Wenn es zum Problem wird
Die Grenze
- Umgang oder Training sind deutlich beeinträchtigt
- Die Stute zeigt Schmerzen – Verspannung, kolikähnliche Zeichen
- Aggression gegenüber Menschen oder Pferden
- Die Rosse endet nicht
- Die Lebensqualität leidet – bei Stute oder Mensch
Was im Alltag hilft
Bei Rückenthemen: leichte Bewegung statt intensiver Arbeit, Wärme, körperliche Begleitung durch Physiotherapie.
Bei Stimmungsschwankungen: Routine beibehalten, Stress vermeiden – und das Training nicht gegen die Stute durchsetzen. Es dauert ein paar Tage.
Im sozialen Gefüge: die Herdendynamik beobachten; manchmal genügt es, die Nachbarbox zu wechseln.
Dauerrosse
Nie normal
Zeigt eine Stute über Wochen durchgehend Rosseanzeichen, ohne dass eine ruhige Phase dazwischenliegt, gehört das untersucht. Die Ursachen reichen von harmlos bis behandlungsbedürftig – und die Unterscheidung lässt sich nicht von außen treffen (Dauerrosse und Zyklusstörungen).
| Ursache | Was dahintersteckt | Wie es festgestellt wird |
|---|---|---|
| Granulosazelltumor | Hormonbildender Tumor am Eierstock – die wichtigste Ursache echter Dauerrosse | Ultraschall und Hormonbestimmung |
| Übergangszeit | Frühjahr oder Herbst – verlängerte Phasen durch unregelmäßigen Anlauf | Zeitpunkt beachten, dann erneut beurteilen |
| Verbliebener Follikel | Der Follikel springt nicht und bildet weiter Östrogen | Ultraschall |
| Stoffwechsel | Cushing oder EMS können den Hormonhaushalt beeinflussen | Blutuntersuchung (EMS und Cushing) |
| Starker Stress | Kann den Zyklus vorübergehend durcheinanderbringen | Ausschluss, nachdem anderes geprüft ist |
Zum Tumorverdacht
Ein Granulosazelltumor wächst langsam und bildet Hormone – daraus entsteht das Bild der Dauerrosse, manchmal auch hengstartiges Verhalten oder das Gegenteil, eine Stute, die gar nicht mehr rossig wird.
Die Hormonbestimmung hat sich weiterentwickelt: Neben den klassischen Markern wird heute das Anti-Müller-Hormon bestimmt, das sich als zuverlässiger erwiesen hat. Welche Untersuchung im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet die Praxis – wichtig ist, nicht zu lange zuzuwarten.
Begleitende Maßnahmen
Stress senken
Stabile Herde, verlässlicher Tagesablauf, ausreichend Weidegang – häufige Wechsel wirken sich auf den Zyklus aus.
Die Ration prüfen
Weder zu knapp noch zu reichlich – und die Versorgung mit Spurenelementen nach Rationsberechnung, nicht nach Gefühl.
Bewegung
Regelmäßig und maßvoll, in der Rosse angepasst – und viel freie Bewegung über den Tag.
Körperarbeit
Massage im Lendenbereich, Wärme, physiotherapeutische Begleitung – bei Stuten mit Rückenthemen das Wirksamste.
Welche Drogen hier gebräuchlich sind
In der Phytotherapie gehören Mönchspfefferfrüchte zu den klassischen Drogen im Zyklusbereich, daneben Frauenmantelkraut und, für die unruhigere Seite, Melissenblätter.
Beim Mönchspfeffer entscheidet der Pflanzenteil: Die Arzneibuchmonographie ist auf die reifen, getrockneten Früchte definiert – nicht auf Kraut oder Blätter. Das ist kein Detail, sondern der Unterschied zwischen definierter Ware und etwas, das nur so heißt.
HORMONSTABIL
Acht Drogen in Arzneibuchqualität, darunter Mönchspfefferfrüchte und Frauenmantelkraut – ohne Trägermaterial und ohne zugesetzte Vitamine, sodass die Mischung nicht in die Mineralbilanz eingreift.
NERVENSTARK
Nervendrogen in Arzneibuchqualität – für Phasen erhöhter Anspannung, unabhängig vom Zyklus.
Vier Punkte, die dazugehören
Nicht für tragende Stuten. HORMONSTABIL enthält mehrere Drogen, für die während der Trächtigkeit Zurückhaltung empfohlen wird. Bei laktierenden Stuten und in der Bedeckungsphase gehört die Gabe vorher abgestimmt.
Bei laufender hormoneller Behandlung und / oder laufender Medikation wird jede zusätzliche Gabe vorher mit der Praxis abgestimmt.
Und im Turniersport sind Kräutermischungen grundsätzlich als dopingrelevant zu behandeln – die ADMR stellt nicht auf eine abschließende Pflanzenliste ab (ADMR-Regeln).
Tierärztliche Optionen
Wenn das Management nicht reicht
Gebräuchlich ist die Unterdrückung der Rosse mit einem synthetischen Gestagen, das täglich gegeben wird. Daneben gibt es Verfahren, die den Zyklus vorübergehend stilllegen, sowie Mittel, die bei verbliebenen Follikeln eingesetzt werden.
Operative Lösungen betreffen in erster Linie die Entfernung eines tumorös veränderten Eierstocks; die beidseitige Entfernung bleibt Ausnahmefällen vorbehalten und ist keine Lösung für schwieriges Verhalten.
Ein Sicherheitshinweis, der selten irgendwo steht – und den Menschen betrifft
Altrenogest wird über die Haut aufgenommen. Wer es ohne Handschuhe verabreicht, nimmt ein hormonell wirksames Mittel auf – und das sind in der Praxis überwiegend Frauen.
Deshalb gilt: Einweghandschuhe bei jeder Gabe, Hautkontakt vermeiden, verschüttetes Mittel sofort entfernen. Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter sollten den Umgang nach Möglichkeit anderen überlassen – dasselbe gilt für Menschen mit hormonabhängigen Erkrankungen. Die Packungsbeilage führt das auf; im Stallalltag geht es trotzdem häufig unter.
Häufige Fragen
Wie lange dauert der Zyklus?
Etwa drei Wochen – davon fünf bis sieben Tage Rosse und rund zwei Wochen Zwischenrosse. Der Eisprung findet gegen Ende der Rosse statt, nicht am Anfang.
Die individuelle Spanne ist breit. Ein Kalender über mehrere Monate sagt mehr als jeder Durchschnittswert.
Warum ist meine Stute im Frühjahr so schwierig?
Weil der Zyklus dann anläuft – und zwar unregelmäßig. Rossephasen ziehen sich, die Hormonspiegel schwanken stärker als im geordneten Sommerzyklus.
Das ist die unruhigste Zeit des Jahres, nicht der Hochsommer. Wer das weiß, schließt im März nicht vorschnell auf ein Problem.
Woran erkenne ich die Rosse?
Am Blitzen – dem rhythmischen Öffnen der Schamlippen –, am angehobenen Schweif, häufigem Urinieren in kleinen Mengen und gesteigertem Interesse an anderen Pferden.
Die Deutlichkeit ist sehr unterschiedlich. Manche Stuten zeigen fast nichts.
Sind Stimmungsschwankungen normal?
Leichte bis mittlere ja – die beteiligten Hormone wirken auch im Gehirn und beeinflussen Stimmung und Schmerzwahrnehmung.
Nicht normal ist, wenn Umgang oder Training unmöglich werden, Schmerzen auftreten oder sich das Verhalten einer bislang unauffälligen Stute plötzlich ändert.
Meine Stute ist seit Wochen durchgehend rossig – was tun?
Untersuchen lassen. Dauerrosse ist nie normal. Im Frühjahr oder Herbst kann eine verlängerte Übergangszeit dahinterstehen – außerhalb dieser Zeiten eher nicht.
Die wichtigste Ursache ist ein hormonbildender Eierstocktumor, und der sollte nicht zu lange unentdeckt bleiben.
Soll ich während der Rosse trainieren?
Bei leichten Veränderungen ja – Bewegung tut gut und lässt Anspannung ab.
Bei Rückenempfindlichkeit oder deutlicher Unwilligkeit wird reduziert, nicht durchgesetzt. Es dauert ein paar Tage. Bleibt die Empfindlichkeit über den Zyklus hinaus, gehört sie untersucht.
Worauf muss ich bei Altrenogest achten?
Auf Handschuhe – und zwar bei jeder Gabe. Das Mittel wird über die Haut aufgenommen; wer es ohne Schutz verabreicht, nimmt ein hormonell wirksames Präparat auf.
Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter sollten den Umgang nach Möglichkeit abgeben, ebenso Menschen mit hormonabhängigen Erkrankungen.
Kann ich den Zyklus mit Kräutern beeinflussen?
Begleitend, wenn die Grundlagen stimmen – Haltung, Ration, Bewegung. Als Ersatz für eine Abklärung nicht, und bei Dauerrosse schon gar nicht.
Mit drei Vorbehalten: nicht bei tragenden Stuten, Zurückhaltung bei laufender hormoneller Behandlung – und im Turniersport gelten Mischungen grundsätzlich als dopingrelevant.
Weiterführende Artikel
Quellen
- McCue, P. M. et al.: Equine Reproductive Procedures und Arbeiten zur Zyklusphysiologie der Stute
- Ginther, O. J.: Reproductive Biology of the Mare. Equiservices
- Aurich, C.: Arbeiten zur Fortpflanzungsphysiologie des Pferdes
- Ball, B. A. et al.: Arbeiten zum Anti-Müller-Hormon als Marker für Granulosazelltumoren der Stute
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme