Die Sonnenblume kennt jeder. Dass bei ihr die Blüte etwas völlig anderes ist als der Kern, wissen die wenigsten – und beim Pferd entscheidet genau dieser Unterschied, wofür sie in einer Kräutermischung steht. Verwendet werden ausschließlich die gelben Strahlenblüten, nicht die Kerne und nicht das Öl.
Auf einen Blick
- Verwendet werden die Zungenblüten – die gelben Strahlen, nicht der Korb und nicht die Kerne
- Blüten und Kerne sind zwei verschiedene Dinge: Flavonoide gegen Öl
- In PULMOPLUS als Blütendroge neben den schleimstoffreichen Drogen
- Eine traditionell verwendete Droge – eine Monographie der Bewertungsgremien gibt es zu ihr nicht, geprüft wird sie trotzdem chargenweise
- Tiefwurzler – deshalb zählt bei dieser Pflanze die Herkunft der Ware besonders
- Bei Atemwegsproblemen steht die Stallluft vor jedem Kraut
Steckbrief
| Drogenbezeichnung | Helianthi annui flos – die Zungenblüten |
|---|---|
| Familie | Korbblütler (Asteraceae) |
| Charakteristisch | Flavonoide, Anthocyane, Carotinoide |
| Monographien | Keine – eine traditionell verwendete Droge |
| Prüfung | Chargenweise auf Identität und Rückstände – bei dieser Pflanze der entscheidende Teil |
| Im Arzneibuch | Beschrieben ist das raffinierte Öl aus dem Samen, nicht die Blüte |
| Blütezeit | Juli bis Oktober |
| Herkunft | Nördliches Amerika – dort seit Jahrtausenden angebaut |
| Zu beachten | Korbblütler – nicht bei bekannter Empfindlichkeit |
Die Sonnenblumenpflanze
Was man für eine Blüte hält, sind Hunderte. Der Blütenkorb der Sonnenblume besteht aus bis zu tausend Einzelblüten: am Rand die gelben Zungenblüten, in der Mitte die braunen Röhrenblüten, aus denen nach der Bestäubung die Kerne werden.
Nur die gelben Strahlenblüten werden verwendet
Die Zungenblüten sind steril – sie bilden keine Samen, ihre Aufgabe ist das Anlocken. Dort sitzen die Farbstoffe und die Flavonoide, und deshalb sind sie es, die geerntet und getrocknet werden.
Es ist derselbe Pflanzenteil wie bei der Ringelblume: zwei Korbblütler, bei denen nicht der Korb die Droge ist, sondern die Strahlen.
Die Sonne folgt sie nur, solange sie wächst
Junge Sonnenblumen wenden sich tagsüber mit der Sonne von Ost nach West und richten sich nachts zurück – daher der alte Name Kompasspflanze. Mit dem Aufblühen hört das auf: Der Kopf wird schwer, der Stiel verholzt, und die Pflanze bleibt nach Osten gerichtet stehen.
Ein Feld blühender Sonnenblumen schaut deshalb in dieselbe Richtung – was aussieht wie Disziplin, ist das Ende der Beweglichkeit.
Und was die Biene sieht
Für uns ist die Blüte gleichmäßig gelb. Im ultravioletten Licht, das Insekten wahrnehmen, trägt sie dagegen einen dunklen Ring um die Mitte – eine Zielscheibe, die auf die Röhrenblüten zeigt. Verantwortlich sind Farbstoffe in den Zungenblüten, also genau in dem Teil, der geerntet wird.
Wie aus einer Zierpflanze eine Ölpflanze wurde
Die Sonnenblume stammt aus dem nördlichen Amerika und wurde dort seit Jahrtausenden angebaut – für die Samen, für Öl und als Färberpflanze. Gefärbt wurde mit den Zungenblüten, also mit genau dem Pflanzenteil, um den es hier geht: Die Farbstoffe, die man heute als Qualitätsmerkmal ansieht, waren der erste Nutzen dieser Blüte.
Zweihundert Jahre lang nur schön
Im 16. Jahrhundert kam die Pflanze nach Europa – und blieb zunächst eine Zierpflanze. Groß, auffällig, exotisch, ohne praktischen Nutzen. Erst ab dem 18. Jahrhundert wurde sie in Russland als Ölpflanze angebaut, und von dort breitete sich der Ölanbau im 19. Jahrhundert über Europa aus.
Der Überlieferung nach lag das an den Fastenregeln: Sonnenblumenöl gehörte nicht zu den Fetten, die die orthodoxe Fastenordnung ausschloss – und damit war es das Öl, das man das ganze Jahr verwenden durfte.
Und deshalb ist die eine Überlieferung russisch
Das erklärt, warum die traditionelle Anwendung dieser Droge aus Russland stammt und nicht aus Amerika oder Mitteleuropa. Dort stand die Pflanze zuerst auf jedem Feld und in jedem Garten – und Volksmedizin entsteht, wo eine Pflanze massenhaft verfügbar ist, nicht dort, wo sie botanisch herkommt.
Sonnenblumenblüte oder Kern
Sonnenblumenkerne kennt jeder Pferdebesitzer – aus dem Müsli, als Energie- und Fettlieferant. Die Blüten haben damit nichts zu tun, und das ist die häufigste Verwechslung bei dieser Pflanze.
| Zungenblüten | Kerne | |
|---|---|---|
| Was drin ist | Flavonoide, Anthocyane, Carotinoide | Fettes Öl, Eiweiß |
| Fettgehalt | Sehr gering | Hoch – es ist eine Ölsaat |
| Wofür verwendet | Als Blütendroge in Kräutermischungen | Als Energie- und Fettquelle im Futter |
| Menge im Trog | Gramm | Hundert Gramm und mehr |
Warum das praktisch zählt
Wer Sonnenblumenkerne füttert, füttert vor allem Fett und Energie – das ist eine Fütterungsentscheidung mit Folgen für die Ration. Wer Sonnenblumenblüten in einer Mischung hat, hat davon nichts im Trog: keine Kalorien, die ins Gewicht fallen, und kein Öl. Zwei Produkte mit demselben Pflanzennamen, die nichts miteinander zu tun haben.
Warum Sonnenblumenblüten in PULMOPLUS stehen
Als Blüte neben den Schleimpflanzen
PULMOPLUS hat seinen Schwerpunkt bei den schleimstoffreichen Drogen – Eibischwurzel, Lungenkraut und Königskerze. Die bringen alle dasselbe Prinzip mit: einen Film auf der Schleimhaut.
Eine Mischung aus einer einzigen Stoffgruppe ist aber keine Mischung. Die Sonnenblumenblüten stehen dort als Blütendroge mit Flavonoiden und Anthocyanen – eine andere Stoffklasse, die keine der Schleimdrogen mitbringt.
Zur Überlieferung und zur Monographie
In der russischen Volksmedizin wurde eine Zubereitung aus Blättern und Blüten bei Beschwerden der Atmungsorgane verwendet – das ist die Überlieferung, auf die sich die Zuordnung dieser Droge stützt.
Eine Monographie der Bewertungsgremien liegt zu ihr nicht vor, und das Arzneibuch beschreibt das raffinierte Öl aus dem Samen, nicht die Blüte. Wir nennen das, weil wir uns sonst auf Monographien berufen – und weil der Unterschied zwischen einer bewerteten und einer überlieferten Droge zu dem gehört, was man vor dem Kauf wissen sollte (was Belege in der Phytotherapie bedeuten).
Sonnenblumenblüten in PULMOPLUS
PULMOPLUS
Sechs Arzneidrogen mit Schwerpunkt auf schleimstoffreichen Drogen – Eibischwurzel, Lungenkraut und Königskerze, dazu Sonnenhutwurzel und Sonnenblumenblüten. Angelegt für dauerhaft empfindliche Atemwege.
Der Unterschied zu ATEMFREI – und warum beides zusammen geht
ATEMFREI ist für die kurze Strecke gemacht, zwei bis drei Wochen, mit Drogen, die ätherisches Öl mitbringen. PULMOPLUS ist für die lange angelegt und setzt den Schwerpunkt auf die Schleimstoffe – deshalb stehen dort kein Thymian und kein Anis.
Die beiden sind bewusst verschieden zusammengesetzt, bis zum Pflanzenteil: In ATEMFREI steht das Eibischblatt, in PULMOPLUS die Eibischwurzel, weil die Schleimstofffraktion dort die tragende ist.
Deshalb lassen sich beide auch nebeneinander geben: Kommt zur längerfristigen Gabe eine einzelne belastende Phase hinzu – ein Stallwechsel etwa –, kann ATEMFREI für zwei bis drei Wochen dazukommen. Was dagegen nichts bringt, ist, mehrere Produkte verschiedener Hersteller zu stapeln, die dieselben Drogen enthalten (mehrere Ergänzungsfutter kombinieren).
Sonnenblumenblüten für Pferde: die Menge
Sonnenblumenblüten werden beim Pferd nicht als Einzelkraut gefüttert, sondern als Bestandteil einer Mischung – dort liegt ihr Anteil im Bereich weniger Gramm pro Tag. Es gelten die Angaben des jeweiligen Produkts.
Warum es für das Pferd keine Einzelmenge gibt
Für Drogen ohne Monographie existiert keine abgeleitete Tagesmenge, auf die man sich berufen könnte – weder aus der Humanmedizin noch aus der Veterinärliteratur. Was es gibt, ist der Anteil in einer Rezeptur, und der ist festgelegt. Das ist der ehrlichere Weg, als eine Zahl zu nennen, die sich auf nichts stützt.
Zur Akzeptanz: was das Pferd dazu sagt
Blütendrogen sind mild im Geschmack und in einer Atemwegsmischung willkommen, weil sie den herben Eindruck ausgleichen, den Wurzeldrogen mitbringen. Dazu sind sie erkennbar: Wer gelbe Blüten im Trog sieht, sieht auch, dass sie gefressen werden.
Herkunft und Prüfung der Sonnenblumenblüten
Bei dieser Droge gibt es keinen Leitstoff, auf dessen Gehalt man prüfen könnte. Dafür gibt es eine Eigenschaft der Pflanze, die die Herkunft zur eigentlichen Qualitätsfrage macht – und die Prüfung, auf die es hier ankommt, ist eine andere.
Die Sonnenblume holt aus dem Boden, was darin ist
Sie wurzelt bis zu zwei Meter tief, und sie nimmt dabei Schwermetalle auf. Das ist so ausgeprägt, dass man sie gezielt zur Bodenreinigung einsetzt – Phytoremediation: Man sät Sonnenblumen auf belastete Flächen, um die Belastung in die Pflanze zu verlagern.
Was eine Pflanze zum Bodenreiniger taugt, macht sie beim Futter zum Thema. Bei der Sonnenblume ist deshalb nicht ein Gehaltswert die entscheidende Prüfung, sondern die Rückstandsprüfung – und Herkunft und Anbaufläche zählen hier mehr als bei fast jeder anderen Droge.
Keine Monographie heißt nicht ungeprüft
Das sind zwei verschiedene Dinge, und sie werden regelmäßig verwechselt. Eine Monographie sagt, welche Anwendung bewertet wurde und welchen Gehalt eine Droge mitbringen muss. Eine Laborprüfung sagt, was in der Charge drin ist, die im Sack liegt – und die findet unabhängig davon statt, ob es eine Monographie gibt.
Unsere Sonnenblumenblüten werden chargenweise geprüft, auf Identität und auf Rückstände. Gerade bei dieser Pflanze ist das der Teil, der zählt, und er ist der Grund, warum ein Kilopreisvergleich bei Kräutern in die Irre führt: Eine Prüfung, die nicht gemacht wird, kostet nichts (worauf es bei Kräuterqualität ankommt).
Was man selbst sieht
- Die Farbe: kräftig gelb – bräunliche, stumpfe Ware wurde zu warm oder zu lange getrocknet
- Der Pflanzenteil: lose Zungenblüten, keine ganzen Körbe, kein grüner Anteil
- Kein Staub am Beutelboden – Blütendrogen zerfallen, wenn sie zu lange liegen
Grenzen und Vorbehalte bei Sonnenblumenblüten
Bei den Atemwegen des Pferdes entscheidet die Luft, nicht das Kraut
Das ist bei diesem Thema der wichtigste Satz, und er gilt vor jeder Mischung: Staub aus Heu und Einstreu, Ammoniak aus der Box und schlechte Lüftung sind beim Pferd die wichtigsten Einflussgrößen auf die Atemwege.
Wer daran nichts ändert, kann kein Kraut erwarten, das es ausgleicht (Stallluft und Heu · Heuanalyse).
Und Husten beim Pferd gehört eingeordnet
Ein Pferd, das hustet, braucht zuerst eine Untersuchung – akuter Husten ist etwas anderes als ein chronisches Geschehen, und die Behandlung unterscheidet sich grundlegend. Erst danach ist die Frage sinnvoll, was eine Kräutermischung begleiten kann (akuter Husten · equines Asthma).
Weitere Punkte
- Korbblütler – bei bekannter Empfindlichkeit nicht geben; zur Familie gehören auch Ringelblume, Kamille und Sonnenhut
- Tragende und laktierende Stuten – nur nach Rücksprache
- Keine frischen Pflanzen vom Feld, bei denen Düngung und Behandlung unbekannt sind
- Wiederkehrender Husten gehört abgeklärt statt immer wieder begleitet
Zum Turniersport
Kräutermischungen behandeln wir im Turniersport grundsätzlich als dopingrelevant. Die ADMR stellt nicht auf eine abschließende Pflanzenliste ab, sondern auf die mögliche Beeinflussung der Leistungsfähigkeit – und Karenzzeiten lassen sich daraus nicht ableiten, weil sie von Menge, Dauer und Tier abhängen (ADMR-Regeln).
Häufige Fragen zu Sonnenblumenblüten beim Pferd
Sind Sonnenblumenblüten fürs Pferd dasselbe wie Sonnenblumenkerne?
Nein – zwei verschiedene Pflanzenteile mit nichts Gemeinsamem außer dem Namen. Die Kerne sind eine Ölsaat: fettreich, energiereich, im Trog in großen Mengen.
Die Zungenblüten enthalten Flavonoide, Anthocyane und Carotinoide und praktisch kein Fett. Sie stehen in Kräutermischungen, im Bereich weniger Gramm – wer sie füttert, füttert keine Kalorien.
Welcher Teil der Sonnenblume wird beim Pferd verwendet?
Die Zungenblüten – die gelben Strahlen am Rand des Korbs. Sie sind steril, bilden keine Samen und enthalten die Farbstoffe und Flavonoide.
Nicht der ganze Blütenkorb, nicht die braunen Röhrenblüten in der Mitte und nicht die Kerne, die daraus entstehen.
Gibt es für Sonnenblumenblüten beim Pferd eine Bewertung?
Nein. Es ist eine traditionell verwendete Droge; eine Bewertung durch Kommission E, ESCOP oder HMPC liegt zu ihr nicht vor, und das Arzneibuch beschreibt das raffinierte Öl aus dem Samen, nicht die Blüte.
Wir sagen das, weil wir uns sonst auf Monographien berufen. In PULMOPLUS steht sie als Blütendroge neben den monographierten Schleimdrogen, nicht an ihrer Stelle.
Keine Monographie heißt aber nicht ungeprüft: Identität und Rückstände werden chargenweise geprüft – bei dieser Pflanze ist das ohnehin der wichtigere Teil.
Wie viel Sonnenblumenblüten darf mein Pferd bekommen?
Als Einzelkraut wird die Droge beim Pferd nicht gefüttert. In einer Mischung liegt ihr Anteil im Bereich weniger Gramm pro Tag, und es gelten die Angaben des Produkts.
Eine abgeleitete Tagesmenge gibt es nicht – für Drogen ohne Monographie fehlt die Grundlage dafür. Eine Zahl zu nennen, die sich auf nichts stützt, wäre hier das Gegenteil von Genauigkeit.
Kann ich meinem Pferd Blüten aus dem eigenen Garten verfüttern?
Vorsicht – und zwar aus einem Grund, der bei dieser Pflanze besonders zählt. Die Sonnenblume wurzelt bis zu zwei Meter tief und nimmt Schwermetalle auf; man setzt sie gezielt zur Reinigung belasteter Böden ein.
Was eine Pflanze zum Bodenreiniger taugt, macht sie beim Futter zum Risiko. Blüten von Flächen, deren Vorgeschichte man nicht kennt, gehören deshalb nicht in den Trog.
Helfen Sonnenblumenblüten beim Pferd bei Husten?
Bei Husten steht die Einordnung am Anfang – akuter Husten ist etwas anderes als ein chronisches Geschehen, und die Behandlung unterscheidet sich grundlegend. Das gehört tierärztlich angesehen.
Und der größte Hebel liegt nicht im Trog: Staub aus Heu und Einstreu, Ammoniak und Lüftung entscheiden beim Pferd mehr über die Atemwege als jede Mischung.
Woran erkenne ich gute Sonnenblumenblüten für mein Pferd?
An Farbe und Pflanzenteil. Kräftig gelbe, lose Zungenblüten – keine ganzen Körbe, kein grüner Anteil, kein feiner Staub am Beutelboden.
Was man nicht sieht, ist das Entscheidende: die Rückstandsprüfung. Bei einer Pflanze, die Schwermetalle aus dem Boden holt, ist das der Teil, der zählt – unsere Chargen werden darauf geprüft, auch wenn es zu dieser Droge keine Monographie gibt.
Warum folgt die Sonnenblume der Sonne – und meine nicht?
Weil sie es nur tut, solange sie wächst. Junge Pflanzen wenden sich tagsüber von Ost nach West und richten sich nachts zurück.
Mit dem Aufblühen hört das auf: Der Stiel verholzt, der Kopf wird schwer, und die Pflanze bleibt nach Osten gerichtet stehen. Ein blühendes Feld schaut deshalb in dieselbe Richtung.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Hiller, K. & Melzig, M. F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Helianthi annui oleum raffinatum – das Öl aus dem Samen; eine Monographie zur Blüte besteht nicht
- Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)