Von Trockensubstanz bis Mykotoxine – der wissenschaftliche Leitfaden zur Interpretation von Heuanalysen
Schnellantwort: Eine Heuanalyse (80-120€) liefert mehr Informationen als jahrelange Erfahrung durch bloßes Ansehen. Die 5 kritischsten Parameter: 1) Trockensubstanz (Ziel: 85-88%), 2) NDF/ADF (Faserqualität), 3) NSC (Zucker + Stärke, kritisch bei Hufrehe), 4) Ca:P-Verhältnis (Ziel: 1,5-2:1), 5) Verdauliche Energie. Für Stoffwechselpferde: NSC unter 10% ist Pflicht!
Das Wichtigste auf einen Blick
Die 15 kritischen Parameter dieser Analyse:
- Trockensubstanz: Qualitätsindikator und Basis aller Berechnungen (Ziel: 85-88%)
- Rohprotein: Nicht "je mehr desto besser" – 8-12% reichen für Erhaltung
- NDF/ADF: Echte Faserqualität statt veralteter Rohfaser-Werte
- Zucker + Stärke (NSC): Kritisch für Hufrehe, EMS und Cushing
- Calcium/Phosphor: Verhältnis wichtiger als Absolutwerte (Ziel: 1,5-2:1)
- Magnesium: Der unterschätzte Muskel- und Nervenmineralstoff
- Kalium: Für DCAB-Berechnung bei Stoffwechselproblemen
- Verdauliche Energie: Was kommt wirklich beim Pferd an?
- Keimzahl: Mikrobiologische Qualität objektiv messen
- Schimmelpilze: Nicht alles ist sichtbar
- pH-Wert: Gärqualität bei Silage/Heulage
- Nitrat: Düngung vs. Toxikologie
- Pestizidrückstände: Welche sind kritisch?
- Botanische Zusammensetzung: Gräser, Kräuter, Leguminosen
- Lignin: Schnittzeitpunkt-Indikator und Qualitäts-Proxy
Investition rechnet sich: Eine 120€ Premium-Analyse verhindert oft über 1.000€ Kosten durch Mangelerscheinungen oder falsche Supplementierung.
1. Warum Heuanalyse unverzichtbar ist
Das Problem mit der sensorischen Beurteilung
Die Wahrheit: Selbst erfahrene Pferdehalter können kritische Nährwertunterschiede nicht visuell erkennen.
Was Sie NICHT sehen können:
- ❌ Zuckergehalt: Variiert von 5% bis 25% bei optisch identischem Heu
- ❌ Proteinqualität: 8% vs. 16% Rohprotein sehen gleich aus
- ❌ Mineralstoff-Ungleichgewichte: Ca:P-Verhältnis von 1:1 bis 4:1 nicht erkennbar
- ❌ Faserverdaulichkeit: NDF-Werte von 45% bis 70% visuell identisch
- ❌ Mykotoxine: Feldpilztoxine komplett unsichtbar
Praktisches Beispiel: Zwei Heuchargen im Vergleich
Heu A (visuell "gut")
- Grün, aromatisch, weich
- Laborwerte: 8% Zucker, 55% NDF, Ca:P 2:1
- ✅ Perfekt für Stoffwechselpferde
Heu B (visuell "gut")
- Grün, aromatisch, weich
- Laborwerte: 22% Zucker, 48% NDF, Ca:P 0,8:1
- ❌ Hufrehe Risiko!
Visuelles Urteil: Beide "gutes Heu"
Laborurteil: Komplett unterschiedliche Fütterungseignung!
Wann ist Heuanalyse unverzichtbar?
| Pferde-Kategorie | Kritische Parameter | Analysefrequenz |
|---|---|---|
| Stoffwechselkranke (EMS, Cushing, Hufrehe) | NSC (Zucker + Stärke), NDF | Jede Charge zwingend |
| Zuchtstuten (tragend/laktierend) | Protein, Ca, P, Mg, Energie | Halbjährlich |
| Jungpferde (0-3 Jahre) | Ca:P Verhältnis, Protein | Jährlich |
| Senioren (über 20 Jahre) | Verdaulichkeit, Protein, Mineralien | Jährlich |
| Gesunde Freizeitpferde | Basis-Parameter | Jährlich (neue Ernte) |
2. Parameter 1-3: Trockensubstanz, Rohprotein, Faserfraktionen
Parameter 1: Trockensubstanz (TS) – Die Basis aller Berechnungen
Was misst Trockensubstanz? Die Trockensubstanz ist der Anteil des Futters ohne Wasser. Sie wird durch Trocknung bei 103°C bestimmt und ist die Grundlage für alle weiteren Berechnungen.
Warum ist TS so wichtig?
- Futteraufnahme Berechnung: Ein Pferd frisst 1,5-2% seines Körpergewichts in TS, nicht in Frischmasse
- Nährwert Vergleich: Alle Werte müssen auf TS-Basis verglichen werden
- Lagerungsfähigkeit: Unter 85% TS besteht Schimmelgefahr
- Kostenvergleich: "Billiges" feuchtes Heu kann teurer sein als "teures" trockenes
Praktische Berechnung: Futteraufnahme korrigieren
Beispiel: 600kg Pferd soll 10kg Heu fressen
Heu mit 86% TS: 10kg × 0,86 = 8,6kg TS → passt (1,43% KGW)
Heu mit 78% TS (zu feucht): 10kg × 0,78 = 7,8kg TS → zu wenig! → Menge auf 11kg erhöhen
Parameter 2: Rohprotein (RP) – Der überschätzte Parameter
"Mehr Protein = besseres Heu" ist wissenschaftlich falsch!
Überschüssiges Protein belastet Leberstoffwechsel, erhöht Ammoniakbelastung der Stallluft und führt zu erhöhtem Wasserverlust.
| RP-Gehalt | Interpretation | Eignung |
|---|---|---|
| über 16% | Sehr früher Schnitt | Hochleistung, Zucht, Jungpferde |
| 12-16% | Früher Schnitt | Optimal für die meisten Pferde |
| 8-12% | Optimaler Schnitt | Erhaltung, Stoffwechselpferde |
| unter 8% | Später Schnitt | Nur mit Protein-Supplementierung |
Parameter 3: NDF und ADF – Die wahre Faserqualität
Vergessen Sie Rohfaser! Siehe dazu unseren detaillierten Artikel zur NDF-Analyse beim Pferd.
Was sagen NDF und ADF aus?
- NDF (Neutral Detergent Fiber): Gesamte Zellwand = Cellulose + Hemicellulose + Lignin
- ADF (Acid Detergent Fiber): Cellulose + Lignin
- Lignin: Unverdaulicher "Holz"-Anteil
| NDF-Wert | Qualität | Eignung |
|---|---|---|
| unter 45% | Sehr hochwertig | Hochleistung, Zucht |
| 45-55% | Hochwertig | Optimal für die meisten Pferde |
| 55-65% | Mittelwertig | Erhaltung, Easy Keeper |
| über 65% | Niedrigwertig | Nur mit Kraftfutter-Ergänzung |
3. Parameter 4-7: NSC und die kritischen Mineralien
Parameter 4: NSC (Zucker + Stärke) – Der Hufrehe-Faktor
Warum NSC bei Stoffwechselerkrankungen kritisch ist
- EMS: Insulinresistenz → hoher NSC verschlimmert Zustand
- Cushing (PPID): Oft kombiniert mit Insulinresistenz
- Hufrehe: Kann durch NSC-Spitzen getriggert werden
- Adipositas: Hoher NSC fördert Verfettung
| Erntebedingung | Typischer NSC | Erklärung |
|---|---|---|
| Frühmorgendliche Ernte (vor 10 Uhr) | 8-12% | Nachtabbau von Zucker |
| Nachmittagsernte (nach 16 Uhr) | 15-25% | Photosynthese → Zuckerakkumulation |
| Sonniges, kühles Wetter | 18-25% | Photosynthese hoch, Wachstum gedrosselt |
| Bedeckt, warm | 8-14% | Weniger Photosynthese, mehr Wachstum |
NSC Management bei zu hohem Wert
Heu-NSC: 14% (zu hoch für EMS Pferd)
Strategie 1: Heu wässern (30min) → NSC Reduktion um 30%
14% × 0,7 = 9,8% NSC → jetzt sicher!
Strategie 2: Mit niedrig-NSC-Heu mischen
50% Heu A (14%) + 50% Heu B (6%) = 10% NSC
Parameter 5+6: Calcium und Phosphor – Das wichtigste Verhältnis
Warum ist das Ca:P Verhältnis so wichtig?
- Knochenaufbau: Beide Mineralien sind Hauptbestandteile des Skeletts
- Resorption: Ungünstiges Verhältnis hemmt Aufnahme beider Mineralien
- Wachstumsstörungen: Bei Jungpferden führt Imbalance zu OCD, Sehnenproblemen
Invertiertes Ca:P Verhältnis (P > Ca)
Ursachen: Zu viel Getreide/Kraftfutter, Kleie Fütterung
Folgen: Calcium wird aus Knochen mobilisiert → Osteoporose, "Big Head Disease"
Parameter 7: Magnesium – Der unterschätzte Mineralstoff
Funktionen von Magnesium:
- Muskelentspannung: Gegenspieler von Calcium, verhindert Krämpfe
- Nervensystem: Beruhigende Wirkung, wichtig bei nervösen Pferden
- Energiestoffwechsel: Cofaktor für über 300 Enzyme
- Knochenstabilität: 60% des Körpermagnesiums im Skelett
Symptome bei Magnesiummangel
Nervosität, Schreckhaftigkeit, Muskelverspannungen, Krämpfe, Leistungsminderung
4. Parameter 8-11: Energie, Mikrobiologie und Qualitätsindikatoren
Parameter 8: Verdauliche Energie (DE/ME)
Was bestimmt den Energiegehalt?
- Schnittzeitpunkt: Je jünger das Gras, desto mehr Energie
- NDF/Lignin Gehalt: Hohe Faser = niedrige Energie
- Blatt:Stängel Verhältnis: Mehr Blätter = mehr Energie
- Botanische Zusammensetzung: Leguminosen energiereicher als Gräser
Energie Bedarfsdeckung berechnen
600kg Pferd, mittlere Arbeit: Bedarf 85 MJ ME/Tag
Heu (8 MJ ME/kg TS): 10kg × 0,86 TS × 8 MJ = 68,8 MJ ME
Defizit: 16,2 MJ → Ergänzung durch 1,8kg Hafer (10 MJ/kg) nötig
Parameter 9: Keimzahl – Mikrobiologische Qualität
Was sind Koloniebildende Einheiten (KBE)? KBE/g misst die Anzahl lebender Mikroorganismen. Hohe Keimzahlen deuten auf Kontamination oder Lagerungsprobleme hin.
Bedeutung hoher Keimzahlen:
- Verdauungsstörungen: Pathogene Keime können Koliken auslösen
- Atemwegsbelastung: Sporenbildner belasten Lunge
- Immunsuppression: Endotoxine schwächen Abwehr
Kritische Keime im Pferdefutter
- Clostridien: Botulismus-Risiko (tödlich!)
- Salmonellen: Durchfall, Fieber, Kreislaufprobleme
- E. coli: Enteritis, besonders bei Fohlen gefährlich
Parameter 10: Schimmelpilze – Das unsichtbare Problem
Wichtig: Schimmelpilz Zählung ≠ Mykotoxin-Belastung!
- Sichtbarer Schimmel kann toxinfrei sein
- Unsichtbares Heu kann Toxine enthalten (Feldpilze!)
- Für Toxin-Sicherheit: Separates Mykotoxin-Screening nötig
Gesundheitsrisiken durch Schimmelpilze:
- COB/Dämpfigkeit: Sporen reizen Atemwege
- Allergien: Schimmelpilzproteine als Allergene
- Immunsuppression: Auch ohne Mykotoxine belastend
Parameter 11: pH-Wert – Gärqualität bei Silage/Heulage
Hinweis: Bei trockenem Heu ist der pH-Wert nicht relevant, da keine Gärung stattfindet. Heu hat typischerweise pH 6-7.
Buttersäuregärung – Gesundheitsgefahr!
pH über 5,5 deutet auf Clostridien Wachstum hin:
- Botulismus Risiko: Clostridium botulinum produziert tödliches Neurotoxin
- Futterverweigerung: Stechender Geruch
Konsequenz: Silage mit pH über 5,5 nicht verfüttern!
5. Parameter 12-15: Kontaminanten und Qualitätsindikatoren
Parameter 12: Nitrat – Düngung oder Toxikologie?
Woher kommt Nitrat im Heu?
- Übermäßige Stickstoffdüngung
- Trockenheit (Pflanzen können Nitrat nicht umsetzen)
- Bewölkung (reduzierte Photosynthese)
- Früher Schnitt (junges Gras höher in Nitrat)
Warum Nitrat problematisch ist: Nitrat wird im Dickdarm zu giftigem Nitrit umgewandelt → oxidiert Hämoglobin → Methämoglobinämie (Sauerstofftransport gestört)
Management bei erhöhten Nitratwerten:
- Wässern: Nitrat ist wasserlöslich, 30min → 30% Reduktion
- Mischen: Mit nitratarmem Heu kombinieren
- Vitamin C: 5-10g/Tag hemmt Nitrit-Bildung
Parameter 13: Pestizidrückstände
Wann Pestizid-Analytik sinnvoll ist:
- Intensiv bewirtschaftete Flächen in Ackerbauregionen
- Flächen in der Nähe von Obstplantagen (Abdrift)
- Bio-Zertifizierung (Nachweis-Pflicht)
Kosten Nutzen: Pestizid Screening ist teuer (150-300€) und für die meisten Grünlandflächen nicht nötig. Grünland wird selten mit Herbiziden/Insektiziden behandelt.
Parameter 14: Botanische Zusammensetzung
| Gruppe | Protein | Calcium | Energie |
|---|---|---|---|
| Gräser | 8-12% | Mittel (4-6 g/kg) | Mittel |
| Kräuter | 10-15% | Variabel | Mittel-hoch |
| Leguminosen | 15-22% | Hoch (12-15 g/kg) | Hoch |
Giftpflanzen erkennen
Botanische Analyse kann Giftpflanzenanteil aufdecken:
- Jakobskreuzkraut: Lebertoxisch, auch getrocknet giftig!
- Herbstzeitlose: Hochgiftig, colchicinhaltig
- Adlerfarn: Thiaminasehemmung
Bei Jakobskreuzkraut-Nachweis: Charge nicht verfüttern!
Parameter 15: Lignin – Schnittzeitpunkt Indikator
Warum ist Lignin so wichtig? Lignin ist das "Holz" in der Pflanze – ein komplexes Polymer, das für Pferde 0% verdaulich ist und zusätzlich die Verdauung von Cellulose und Hemicellulose blockiert.
| Wachstumsstadium | Lignin | Verdaulichkeit | Futterqualität |
|---|---|---|---|
| Vor Ährenschieben | 2-4% | Sehr hoch (>70%) | Premium |
| Ährenschieben | 4-5% | Hoch (65-70%) | Sehr gut |
| Beginn Blüte | 5-7% | Mittel (60-65%) | Gut |
| Vollblüte | 7-9% | Niedrig (55-60%) | Befriedigend |
| Nach Blüte | >9% | Sehr niedrig (<55%) | Mangelhaft |
6. Praktische Interpretation: Von Zahlen zur optimalen Ration
Beispiel Analyse: Wiesenheu 1. Schnitt 2024
| Parameter | Wert | Bewertung |
|---|---|---|
| Trockensubstanz | 86,5% | ✅ Optimal |
| Rohprotein | 10,2% in TS | ✅ Gut für Erhaltung |
| NDF | 53,8% in TS | ✅ Optimal |
| Lignin | 4,8% in TS | ✅ Sehr gut |
| NSC (Zucker+Stärke) | 10,0% in TS | ✅ EMS-geeignet |
| Ca:P-Verhältnis | 2,0:1 | ✅ Perfekt! |
| Magnesium | 1,8 g/kg TS | ✅ Gut |
| Energie (ME) | 8,4 MJ/kg TS | ✅ Gut |
| Keimzahl | 2,4 Mio. KBE/g | ✅ Gut |
| Schimmelpilze | 45.000 KBE/g | ✅ Unbedenklich |
Analyse Zusammenfassung: Premium Heu!
Stärken:
- ✅ Optimale Trockensubstanz (86,5%) – perfekte Lagerung
- ✅ Niedriger NSC (10%) – ideal für EMS, Cushing, Hufrehe
- ✅ Perfektes Ca:P Verhältnis (2:1) – keine Supplementierung nötig
- ✅ Niedriges Lignin (4,8%) – früher Schnitt, hochverdaulich
- ✅ Mikrobiologisch einwandfrei
Eignung:
- ✅ Hervorragend für Stoffwechselpferde (EMS, Cushing, Hufrehe)
- ✅ Erhaltungsbedarf komplett gedeckt
- ⚠️ Für Hochleistung: Energie-Supplementierung nötig
- ⚠️ Für Jungpferde/Zucht: Protein-Ergänzung empfohlen
Häufige Probleme und Lösungsstrategien
| Problem | Gesundheitsrisiko | Lösung |
|---|---|---|
| NSC über 15% | Hufrehe, EMS-Schub | Wässern (30min), mit niedrig-NSC-Heu mischen |
| Rohprotein unter 8% | Muskelabbau, Leistungsabfall | Luzernecobs, Sojaschrot ergänzen |
| Ca:P unter 1:1 | Skelettprobleme | Calciumcarbonat 50g/Tag, Kraftfutter reduzieren |
| Lignin über 8% | Gewichtsverlust | Kraftfutter erhöhen, mit besserem Heu mischen |
| TS unter 82% | Schimmel, Mykotoxine | Nicht verfüttern! Mykotoxin-Test |
| Keimzahl über 100 Mio. | Koliken, Atemwegsprobleme | Bedampfen, mit einwandfreiem Heu mischen |
7. Probennahme: So wird's richtig gemacht
Häufigster Fehler: Nur einen Ballen beproben und daraus auf die gesamte Charge schließen. Variabilität zwischen Ballen kann 20-30% betragen!
Benötigtes Equipment
- ☐ Heustecher (Edelstahl, 50cm Länge)
- ☐ Saubere Plastikbeutel mit Zip-Verschluss (1-2 Liter)
- ☐ Wasserfester Marker zur Beschriftung
- ☐ Einweg-Handschuhe (Kontaminationsvermeidung)
Schritt 1: Ballenauswahl (KRITISCH!)
Mindestens 10 Ballen aus verschiedenen Positionen:
- 3 Ballen von oben (Stapel)
- 3 Ballen aus der Mitte
- 3 Ballen von unten/außen
- 1 Ballen von sichtbar problematischer Stelle (falls vorhanden)
Schritt 2: Probenentnahme pro Ballen
- Heustecher mittig einstechen (nicht nur Oberfläche!)
- Quaderballen: Seitlich mittig, 30-40cm tief
- Rundballen: Von der Seite, bis zur Mitte
- 50g Material pro Ballen entnehmen
- Bei 10 Ballen = 500g Gesamtprobe
Schritt 3: Probenvorbereitung und Versand
- Alle Teilproben gründlich mischen (2-3 Minuten)
- Grobes Material zerkleinern (Stängel brechen)
- Finale Probenmenge: 500-800g
- Beschriftung: Datum, Heucharge, Lagerort, Kontaktdaten
- Versand innerhalb 3 Tagen, kühl lagern
Häufige Probennahme Fehler
| Fehler | Konsequenz | Korrekt |
|---|---|---|
| Nur 1-3 Ballen beprobt | Nicht repräsentativ | Mind. 10 Ballen |
| Nur Oberfläche entnommen | Schimmelprobleme übersehen | Mind. 30cm tief |
| Verschmutzte Werkzeuge | Verfälschte Keimzahl | Saubere Werkzeuge, Handschuhe |
| Zu kleine Probenmenge | Nicht alle Parameter messbar | Mind. 500g Mischprobe |
8. Kosten-Nutzen Analyse und Laborauswahl
Analyse-Pakete und Preisübersicht 2025
| Paket | Parameter | Kosten | Empfohlen für |
|---|---|---|---|
| Basis | TS, Rohprotein, Rohfaser, Rohasche | 40-60€ | Grundorientierung |
| Standard | Basis + NDF, ADF, Zucker, Ca, P, Mg, Energie | 80-120€ | Die meisten Pferdehalter |
| Premium | Standard + Lignin, NSC, Spurenelemente, Keimzahl | 150-200€ | Stoffwechselpferde, Zucht |
| Komplett | Premium + Aminosäuren, Mykotoxin-Screening | 250-350€ | Problempferde |
Investition vs. Einsparpotential
Ohne Heuanalyse
- Universal Mineralfutter: 180€
- Zusatz-Magnesium: 80€
- Vitamin E/Selen: 120€
- Eventuell überflüssig: 240€
Plus Risiken: Unerkannte NSC-Spitzen, Ca:P Ungleichgewicht
Gesamt: 380-620€/Jahr + Risiken
Mit Heuanalyse (optimiert)
- Heuanalyse Standard: 100€/Jahr
- Bedarfsgerechte Supplemente: 120€
- Keine Überdosierung: Einsparung 140€
Plus Sicherheit: NSC bekannt, Frühwarnung
Gesamt: 220€/Jahr + Sicherheit
Netto-Einsparung: 160-400€/Jahr!
Qualitätskriterien für Futtermittel Labore
- ✅ Akkreditierung: DIN EN ISO/IEC 17025 (DAkkS)
- ✅ Spezialisierung: Erfahrung mit Raufutter für Pferde
- ✅ Methoden Transparenz: Van Soest für NDF
- ✅ Interpretation: Bewertung/Beratung?
- ✅ Turnaround-Zeit: 10-14 Tage
Bekannte Futtermittellabore in Deutschland: LUFA (bundesweit), Agrolab, SGS Institut Fresenius, LKS
9. Häufig gestellte Fragen
Welche Heuanalyse Parameter sind am wichtigsten?
Die fünf kritischsten Parameter: 1) Trockensubstanz (Ziel 85-88%), 2) NDF/ADF (Faserqualität und Verdaulichkeit), 3) NSC-Wert (Zucker + Stärke, kritisch für Hufrehe), 4) Calcium/Phosphor-Verhältnis (Ziel 1,5-2:1), 5) Verdauliche Energie. Diese Parameter bestimmen 80% der Futterqualität.
Wie oft sollte man Heu analysieren lassen?
Mindestens jährlich nach der Ernte jede neue Heucharge analysieren. Bei Eigenproduktion: Jedes Erntejahr. Bei Stoffwechselerkrankungen (EMS, Cushing, Hufrehe): Bei jedem Chargenwechsel. Zuchtbetriebe und Hochleistungspferde: Halbjährlich.
Was kostet eine professionelle Heuanalyse?
Basis-Analyse (Weender-Analyse): 40-60€. Standard-Analyse (inkl. NDF, ADF, Zucker, Mineralien): 80-120€. Premium-Analyse (zusätzlich Spurenelemente, Mykotoxin-Screening): 150-250€. Die Investition amortisiert sich durch optimierte Fütterung und Vermeidung von Mangelerscheinungen.
Kann ich Heuqualität ohne Labor beurteilen?
Nur oberflächlich. Sensorische Prüfung (Farbe, Geruch, Struktur) gibt Hinweise auf Erntezeitpunkt und Lagerung, aber keine exakten Nährwerte. Kritische Parameter wie Zucker, NDF-Verdaulichkeit, Mineralstoffgehalt und Mykotoxine sind ohne Laboranalytik nicht bestimmbar. Für stoffwechselkranke Pferde ist Laboranalyse unverzichtbar.
Was tun bei zu hohem NSC Wert?
Bei NSC über 12% für Stoffwechselpferde: 1) Heu 30-60 Minuten wässern reduziert NSC um 20-30%. 2) Mit niedrig-NSC-Heu mischen. 3) In Heunetzen füttern für langsamere Aufnahme. 4) Bei sehr hohen Werten (>18%): Andere Heuquelle suchen.
Welche Labore sind für Heuanalysen empfehlenswert?
Akkreditierte Labore mit Pferde-Erfahrung: LUFA (Landwirtschaftliche Untersuchungsanstalten in jedem Bundesland), Agrolab, SGS Institut Fresenius, LKS. Achten Sie auf DAkkS-Akkreditierung und fragen Sie nach spezifischen Pferde-Referenzwerten im Bericht.
Weiterführende Artikel
- NDF Analyse beim Pferd – Wissenschaftlicher Leitfaden
- Mykotoxine im Pferdefutter erkennen
- Fütterungsfehler beim Pferd vermeiden
- EMS beim Pferd verstehen
- Stoffwechsel beim Pferd
Hinweis: Dieser Artikel stellt eine wissenschaftliche Einschätzung des aktuellen Kenntnisstandes dar und ersetzt keine individuelle Beratung durch qualifizierte Ernährungsberater oder Tierärzte. Bei spezifischen Gesundheitsproblemen Ihres Pferdes konsultieren Sie immer einen Tierarzt.