NDF und ADF stehen auf jeder Heuanalyse, und kaum jemand weiß, was er damit anfangen soll. Als Zielwert taugen sie beim Pferd nicht – als Vergleichsmaßstab zwischen zwei Partien sind sie das Beste, was die Analyse hergibt.
Auf einen Blick
- NDF und ADF beschreiben die Zellwand – also das Gerüst der Pflanze
- Beide steigen mit dem Schnittzeitpunkt und sagen damit etwas über das Alter aus
- Zielbereiche aus der Rinderfütterung lassen sich nicht übertragen
- Ihr Wert liegt im Vergleich: dieselbe Frage an zwei Partien
- Entscheidend bleibt, wie viel gefressen wird – nicht, welcher Wert im Blatt steht
Was gemessen wird
Zwei Waschgänge, zwei Zahlen
Bei der NDF-Bestimmung wird die Probe mit einer neutralen Waschlösung behandelt. Der Zellinhalt geht in Lösung, zurück bleibt das Gerüst der Zellwand – Cellulose, Hemicellulose und Lignin. Das ist der NDF-Wert.
Bei der ADF-Bestimmung wird saurer gewaschen, wodurch zusätzlich die Hemicellulose herausgelöst wird. Übrig bleiben Cellulose und Lignin – der ADF-Wert. Wird in einem dritten Schritt auch die Cellulose entfernt, lässt sich das Lignin bestimmen.
Hemicellulose
Die am besten verwertbare Fraktion – wird im Dickdarm von der Mikroflora vergoren.
Cellulose
Ebenfalls vergärbar, aber langsamer und weniger vollständig; der Anteil steigt mit dem Alter der Pflanze.
Lignin
Nicht vergärbar. Es ist der verholzte Anteil, der die Pflanze stabilisiert – und der mit zunehmender Reife zunimmt.
Was daraus folgt
Ein hoher ADF-Wert bei hohem NDF bedeutet: viel Cellulose und Lignin, wenig Hemicellulose – typisch für spät geschnittenes Heu.
Und was die Rohfaser misst
Ein älteres Verfahren mit bekanntem Schwachpunkt
Die Rohfaserbestimmung arbeitet mit Säure und Lauge. Dabei geht ein wechselnder Teil des Lignins mit in Lösung und erscheint rechnerisch bei den stickstofffreien Extraktstoffen – also dort, wo man eher leicht verdauliche Bestandteile vermutet.
Der Rohfaserwert unterschätzt deshalb den unverdaulichen Anteil, und zwar unterschiedlich stark je nach Reifegrad. Das ist der sachliche Grund, warum NDF und ADF genauer sind – nicht, dass das Verfahren alt wäre. Die Rohfaser steht weiterhin zu Recht auf jeder Analyse und ist futtermittelrechtlich vorgeschrieben.
Wie man die Werte liest
Die Richtung ist eindeutig
Beide Werte steigen mit dem Schnittzeitpunkt. Je später geerntet wird, desto mehr Gerüstsubstanz hat die Pflanze aufgebaut und desto höher fallen NDF, ADF und Lignin aus – während Energie- und Eiweißgehalt sinken.
Daraus ergibt sich die praktisch nützlichste Auskunft: Die Werte sagen, wie alt das Gras bei der Ernte war – und das ist die Größe, die über Energiegehalt, Fressbarkeit und Eignung für ein bestimmtes Pferd am meisten entscheidet.
Und was das jeweils bedeutet
Hohe Werte heißen nicht schlecht. Spät geschnittenes, energiearmes Heu ist für ein leichtfuttriges Pferd oder ein Pferd mit Insulinstörung häufig die bessere Wahl – es lässt sich in größerer Menge füttern, ohne dass das Tier zunimmt. Niedrige Werte heißen umgekehrt nicht gut, sondern energiereich: passend für ein Pferd im Aufbau, ungeeignet für den leichtfuttrigen Robusttyp.
Wo die Grenzen liegen
Die Zielwerte, die kursieren, stammen woanders her
Tabellen mit NDF-Zielbereichen nach Pferdetyp sind in der Pferdefütterung nicht etabliert. Sie sind aus der Wiederkäuerfütterung übernommen, wo NDF seit Jahrzehnten zur Rationsplanung dient und wo die Verdauungsphysiologie eine andere ist.
Dasselbe gilt für Verdaulichkeitsformeln, die aus NDF, ADF und Lignin eine verdauliche Faser errechnen. Die Faktoren darin sind nicht für das Pferd abgeleitet, und das Ergebnis kann in die Irre führen: Je nach Ansatz schneidet spät geschnittenes Heu dabei sogar besser ab als junges – was niemand ernsthaft als Empfehlung lesen würde.
Was die Analyse ohnehin nicht misst
- Ob das Pferd es frisst – die Annahme entscheidet über alles Weitere
- Wie sauber es ist – Staub, Schimmel und Verunreinigung sieht man, nicht die Zahl
- Die Struktur – ob die Halme lang oder kurz sind, steht nirgends
- Die Schwankung im Vorrat – eine Probe beschreibt eine Partie, nicht den ganzen Stock
Der Vergleich zweier Partien
Hier spielen die Werte ihre Stärke aus
Wer zwei Heupartien nebeneinander analysiert, bekommt eine belastbare Auskunft – nicht über absolute Qualität, sondern über den Unterschied. Und der ist die eigentliche Entscheidungsgrundlage: Welche Partie für welches Pferd?
Typischer Fall: Zwei Lieferungen, optisch kaum zu unterscheiden. Die eine liegt in NDF und ADF deutlich höher – also später geschnitten, energieärmer. Die geht an die leichtfuttrigen Pferde, die andere an das alte Pferd und das im Aufbau.
Und innerhalb einer Partie
Eine zweite Probe aus demselben Vorrat zeigt, wie einheitlich er ist. Bei großen Mengen aus verschiedenen Schlägen lohnt sich das – sonst rechnet man eine Ration auf Werte, die nur für ein Drittel des Stocks gelten.
Was im Stall ankommt
Die Größe, die wirklich zählt
Entscheidend ist nicht der Wert im Analyseblatt, sondern wie viel Raufutter tatsächlich gefressen wird und über wie viele Stunden. Ein energiearmes Heu, das in großer Menge über den Tag verteilt zur Verfügung steht, ist für die meisten Pferde die bessere Lage als ein hochwertiges in knapper Portion.
Und die Fresspause bleibt der wichtigste Einzelfaktor – unabhängig davon, welche Zahlen auf dem Blatt stehen (Fütterungsfehler beim Pferd).
Wann die Werte eine Rolle spielen
- Bei Pferden mit Insulinstörung – dort zählt vor allem der Zuckergehalt, aber ein später Schnitt geht meist damit einher
- Bei leichtfuttrigen Pferden, die trotz reiner Heufütterung zunehmen
- Bei alten Pferden, die sehr grobes Heu nicht mehr zerkleinern können
- Wenn ein Pferd das Heu schlecht annimmt und man wissen will, ob es an der Partie liegt
Zur Analyse
Was sinnvoll dazugehört
NDF und ADF allein beantworten wenig. Nützlich wird das Blatt mit Energie, Rohprotein, Zucker und den Mengenelementen – dann lässt sich eine Ration rechnen, statt nur eine Faserzahl zu betrachten.
Wichtiger als der Umfang ist die Probenahme: aus mehreren Ballen, aus dem Inneren, zusammengemischt. Eine Probe aus einem einzigen Ballen beschreibt diesen Ballen (Heuanalyse beim Pferd).
Häufige Fragen
Was sagen NDF und ADF aus?
Sie beschreiben die Zellwand der Pflanze. NDF umfasst Cellulose, Hemicellulose und Lignin; ADF nur Cellulose und Lignin.
Beide steigen mit dem Schnittzeitpunkt. Die praktisch nützlichste Auskunft ist deshalb: wie alt das Gras bei der Ernte war.
Welche NDF-Werte sind optimal für mein Pferd?
Solche Zielbereiche sind in der Pferdefütterung nicht etabliert. Die kursierenden Tabellen stammen aus der Wiederkäuerfütterung, wo die Verdauungsphysiologie eine andere ist.
Sinnvoller ist die Frage nach dem Pferd: Hohe Werte bedeuten energieärmer – gut für leichtfuttrige Pferde, ungünstig für ein Pferd im Aufbau.
Kann ich aus NDF und ADF die verdauliche Faser berechnen?
Davon ist abzuraten. Die kursierenden Formeln verwenden Faktoren, die nicht für das Pferd abgeleitet sind.
Das Ergebnis kann in die Irre führen: Je nach Ansatz schneidet spät geschnittenes Heu dabei besser ab als junges – was niemand als Empfehlung lesen würde.
Ist die Rohfaserangabe wertlos?
Nein. Sie ist futtermittelrechtlich vorgeschrieben und bleibt ein brauchbarer Anhaltspunkt.
Ihr Schwachpunkt ist bekannt: Ein wechselnder Teil des Lignins geht bei der Bestimmung verloren, weshalb sie den unverdaulichen Anteil unterschätzt. NDF und ADF sind in diesem Punkt genauer.
Wofür lohnt sich die Analyse dann?
Für den Vergleich. Zwei Heupartien nebeneinander analysiert geben eine belastbare Auskunft darüber, welche für welches Pferd passt – auch wenn sie optisch kaum zu unterscheiden sind.
Und innerhalb eines großen Vorrats zeigt eine zweite Probe, wie einheitlich er ist.
Was bedeutet ein hoher Ligningehalt?
Lignin ist der verholzte, nicht vergärbare Anteil, der mit der Reife zunimmt. Ein hoher Wert spricht für späten Schnitt.
Das ist eine Information über das Erntealter, keine Note. Für ein leichtfuttriges Pferd kann solches Heu gerade richtig sein.
Worauf kommt es mehr an als auf die Werte?
Auf die Menge und die Verteilung über den Tag. Ein energiearmes Heu in reichlicher Menge ist für die meisten Pferde die bessere Lage als ein hochwertiges in knapper Portion.
Und auf die Annahme: Was nicht gefressen wird, nützt nichts – das steht in keinem Analyseblatt.
Wie nehme ich die Probe richtig?
Aus mehreren Ballen, aus dem Inneren, gut gemischt. Eine Probe aus einem einzigen Ballen beschreibt diesen Ballen und sonst nichts.
Bei großen Mengen aus verschiedenen Schlägen lohnen sich zwei getrennte Proben.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Van Soest, P. J., Robertson, J. B. & Lewis, B. A. (1991): Methods for dietary fiber, neutral detergent fiber, and nonstarch polysaccharides in relation to animal nutrition. Journal of Dairy Science 74(10), 3583–3597
- Coenen, M. & Vervuert, I.: Pferdefütterung. Stuttgart: Thieme
- Geor, R. J., Harris, P. A. & Coenen, M. (Hrsg.): Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier
- Harris, P. A. et al.: Arbeiten zur Fütterung konservierten Raufutters beim Pferd
- Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (2014): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden