Warum 40% aller Heuproben belastet sind – und wie du dein Pferd schützt
Schnellantwort: Mykotoxine sind unsichtbare Schimmelpilzgifte, die bereits in geringen Mengen Organschäden verursachen. Die 4 gefährlichsten für Pferde: 1) Aflatoxin B1 (Lebertoxin), 2) DON (Futterverweigerung), 3) Zearalenon (Fertilitätsstörungen), 4) Ochratoxin A (Nierenschäden). Pferde sind 3-5x empfindlicher als Rinder, weil ihnen die schützende Pansenflora fehlt. Eine Heuanalyse (120€) kann Schäden von über 1.000€ pro Pferd verhindern.
Das Wichtigste auf einen Blick
Die erschreckende Realität: In 40% aller Heuproben finden sich Mykotoxin Belastungen, aber die meisten Pferdehalter wissen nicht, dass unerklärliche Gesundheitsprobleme ihrer Pferde hier ihren Ursprung haben können.
Die gefährlichsten Mykotoxine für Pferde:
- Aflatoxin B1: Lebertoxin, bereits ab 20 µg/kg kritisch
- Deoxynivalenol (DON): Futterverweigerung, Immunsuppression
- Zearalenon (ZEA): Östrogen Wirkung, Fertilitätsstörungen
- Ochratoxin A: Nierenschädigung, Immunschwäche
Kritische Erkenntnis: Pferde sind deutlich empfindlicher als Wiederkäuer, da ihnen die schützende Pansenmikrobiota fehlt.
1. Mykotoxine verstehen: Biochemie und Bildungsbedingungen
Was sind Mykotoxine genau?
Definition: Mykotoxine sind niedermolekulare sekundäre Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die bereits in geringen Konzentrationen toxische Wirkungen auf Säugetiere ausüben.
Kritische Eigenschaft: Mykotoxine sind thermostabil und überstehen sowohl Trocknung als auch Lagerung. Einmal gebildet, verschwinden sie nicht mehr – selbst wenn der Pilz längst abgestorben ist.
Bildungsbedingungen: Wann entstehen Mykotoxine?
Drei Faktoren bestimmen die Toxinproduktion:
- Feuchtigkeit: Wasseraktivität über 0,70 aktiviert Pilzwachstum
- Temperatur: Optimum zwischen 20-30°C für die meisten Toxinbildner
- Substrat: Nährstoffreiche Pflanzenteile fördern Produktion
Zwei kritische Kontaminationsorte
- Feldkontamination: Fusarien-Toxine (DON, Zearalenon) entstehen bereits am wachsenden Halm bei Regen vor der Ernte
- Lagerkontamination: Aspergillus-Toxine (Aflatoxine) und Penicillium Toxine (Ochratoxin) bilden sich bei unsachgemäßer Lagerung
Das Sichtbarkeitsproblem
Warum Mykotoxine so gefährlich sind:
- Sichtbarer Schimmel zeigt mikrobielles Wachstum, aber nicht zwingend Toxinbelastung
- Toxine bleiben stabil, auch wenn Pilzmyzel längst abgestorben ist
- Feldpilze produzieren Toxine vor der Ernte – später unsichtbar!
- Geruchslose und geschmacklose Kontamination täuscht Sicherheit vor
Fataler Irrtum: "Kein sichtbarer Schimmel = keine Toxine" ist wissenschaftlich falsch. Heu kann optisch einwandfrei aussehen und trotzdem kritisch belastet sein.
2. Die vier Haupttoxine im Detail
🔴 Aflatoxin B1: Der Leberkiller
Produzent: Aspergillus flavus und Aspergillus parasiticus
Bildungsbedingungen:
- Temperatur: 25-35°C (optimal 28°C)
- Wasseraktivität: über 0,80
- Typisch bei Lagerfehlern in feuchtwarmem Klima
Toxischer Wirkmechanismus:
- Hepatische Aktivierung zu Aflatoxin-8,9-Epoxid (hochreaktiv)
- Bindung an DNA-Guanin-Reste → mutagen und kanzerogen
- Hemmung der Proteinsynthese in Hepatozyten
- Induktion von oxidativem Stress und Apoptose
Klinische Symptome beim Pferd
- Akut: Apathie, Futterverweigerung, Ikterus (Gelbsucht), Kolik
- Chronisch: Gewichtsverlust, stumpfes Fell, Leberinsuffizienz
- Labor: GGT↑↑, GLDH↑↑, Bilirubin↑, Albumin↓
Toleranzgrenze beim Pferd: 20 µg/kg Futter (EU-Grenzwert)
Warum Pferde besonders gefährdet sind: Fehlende Pansen Detoxifikation bedeutet direkte systemische Exposition. Wiederkäuer bauen bis zu 80% der Aflatoxine mikrobiell ab – Pferde nur minimal.
🟠 Deoxynivalenol (DON): Der Futterverweigerungs Faktor
Produzent: Fusarium graminearum und Fusarium culmorum
Kritischer Punkt: Feldpilz – toxiniert bereits am wachsenden Getreide und Gras!
Bildungsbedingungen:
- Feuchte Witterung während Blüte und Abreife
- Temperatur: 15-25°C
- Besonders bei Getreide und Mais, aber auch Heu betroffen
Toxischer Wirkmechanismus:
- Hemmung der Proteinsynthese durch Bindung an Ribosomen
- Aktivierung von Mitogen-aktivierten Proteinkinasen (MAPK)
- Zentrale Wirkung: Aktivierung des Brechzentrums → beim Pferd: Futterverweigerung
Klinische Symptome beim Pferd
- Primär: Selektive Futterverweigerung ohne Zahnbefund
- Sekundär: Gewichtsverlust, verminderte Leistung
- Immunsuppression: Erhöhte Infektanfälligkeit
- Chronisch: Darmschleimhaut-Schädigung, Durchfälle
Toleranzgrenze beim Pferd: 900 µg/kg Futter (EU-Empfehlung)
Diagnostische Herausforderung: DON-Kontamination zeigt oft keine Laborveränderungen. Diagnose erfolgt über Futterverweigerung plus Futteranalyse.
🟣 Zearalenon (ZEA): Der stille Fertilitätskiller
Produzent: Fusarium graminearum, Fusarium culmorum
Besonderheit: Strukturelle Ähnlichkeit zu 17β-Östradiol!
Toxischer Wirkmechanismus:
- Bindung an Östrogen Rezeptoren (ER-α und ER-β)
- Kompetitive Hemmung natürlicher Östrogene
- Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse
Klinische Symptome beim Pferd
- Stuten: Zyklusstörungen, verlängerte Rosse, Umrossen
- Tragende Stuten: Frühabort, Plazentainsuffizienz
- Hengste: Reduzierte Libido, Spermienqualität↓
- Jungtiere: Vorzeitige Geschlechtsreife, Wachstumsstörungen
Toleranzgrenze beim Pferd: 500 µg/kg Futter (für Zuchtpferde)
Zuchtrisiko: Bereits 200-300 µg/kg können bei Zuchtstuten Fertilitätsprobleme verursachen. Systematisches Futtermonitoring ist in der Zucht unverzichtbar!
🔵 Ochratoxin A (OTA): Der Nierenschädiger
Produzent: Aspergillus ochraceus, Penicillium verrucosum
Bildungsbedingungen:
- Kühle Lagertemperaturen: 10-25°C
- Typisch für europäisches Getreide bei Lagerproblemen
- Langsames Pilzwachstum, chronische Exposition
Toxischer Wirkmechanismus:
- Hemmung der Phenylalanin-tRNA-Synthetase
- Störung der Proteinbiosynthese in Nierentubuli
- Induktion von oxidativem Stress
Klinische Symptome beim Pferd
- Chronisch: Progressive Niereninsuffizienz
- Labor: Kreatinin↑, Harnstoff↑, spezifisches Harngewicht↓
- Sekundär: Polyurie (viel Urin), Polydipsie (viel Trinken)
Toleranzgrenze: Keine offiziellen EU-Grenzwerte für Pferde, Orientierung an 100 µg/kg
Schleichende Gefahr: OTA-Nephrotoxizität entwickelt sich über Monate. Wenn Nierenwerte auffällig sind, liegt oft bereits irreversibler Schaden vor.
3. Warum Pferde besonders empfindlich sind
Fehlende Pansendetoxifikation
Kritischer Unterschied zu Wiederkäuern:
- Wiederkäuer: Pansenmikrobiota baut bis zu 80% der Mykotoxine ab
- Pferde: Dickdarmmikrobiota kommt zu spät – Toxine werden bereits im Dünndarm resorbiert
- Resultat: Systemische Bioverfügbarkeit 3-5-fach höher als bei Rindern!
Detoxifikationskapazität im Vergleich
| Enzym | Pferd | Rind | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Cytochrom P450 3A | Moderat | Hoch | Aflatoxin-Aktivierung höher beim Pferd |
| Glutathion-S-Transferase | Niedrig | Hoch | Schlechtere DON-Konjugation |
| UDP-Glucuronosyltransferase | Moderat | Hoch | Zearalenon-Metabolisierung limitiert |
Synergistische Toxizität
Multi Toxin Problem: Natürliche Futtermittel enthalten selten nur ein Mykotoxin. Synergistische Effekte verstärken die Toxizität exponentiell!
Häufige gefährliche Kombinationen:
- DON + Zearalenon: Typisch bei Fusarium-Befall, verstärkte Immunsuppression
- Aflatoxin + Ochratoxin: Additive Leber- und Nierentoxizität
- DON + T-2-Toxin: Potenzierung der Darmschleimhaut-Schädigung
4. Symptome erkennen und diagnostizieren
Klinische Leitsymptome nach Toxin Typ
| Leitsymptom | Verdachts-Toxin | Differentialdiagnose |
|---|---|---|
| Futterverweigerung | DON, T-2-Toxin | Zahnprobleme, Magengeschwüre |
| Ikterus, Apathie | Aflatoxin B1 | Virushepatitis, Hämolyse |
| Zyklusstörungen | Zearalenon | Ovarzysten, Dauerrosse |
| Polyurie, Polydipsie | Ochratoxin A | Diabetes insipidus, Cushing |
| Immunsuppression | DON, Aflatoxin, OTA | Chronische Infekte |
Diagnostischer Algorithmus
Schritt für Schritt bei Mykotoxin Verdacht
Schritt 1: Anamnese
- Futterverweigerung ohne Zahnbefund?
- Mehrere Pferde betroffen?
- Futterwechsel vor Symptombeginn?
- Lagerungsbedingungen problematisch?
Schritt 2: Klinische Untersuchung
- Allgemeinzustand, Körperkondition
- Schleimhäute (Ikterus?)
- Maulhöhle (Zahnprobleme ausschließen)
Schritt 3: Labordiagnostik
- Blutentnahme für Leber- und Nierenwerte
- Differentialblutbild
- Bei Zuchtstuten: Hormonprofil
Schritt 4: Futteranalytik
- Repräsentative Probe aus verdächtigem Futter
- Erste Wahl: ELISA Screening auf Haupttoxine
- Bei positivem Befund: LC-MS/MS Bestätigung
Schritt 5: Therapeutische Konsequenzen
- Sofortiges Absetzen des kontaminierten Futters
- Supportive Therapie je nach Befund
- Re-Evaluation nach 2-4 Wochen
5. Analysemethoden: ELISA vs. LC-MS/MS
ELISA (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay)
Funktionsprinzip: Antikörper basierte Methode mit Farbreaktion proportional zur Toxinkonzentration.
Vorteile:
- ✅ Kostengünstig: 40-80€ pro Toxin
- ✅ Schnell: Ergebnis in 2-4 Stunden
- ✅ Einfache Handhabung
- ✅ Gut für Routine Monitoring
Nachteile:
- ❌ Kreuzreaktionen möglich (falsch-positive Ergebnisse)
- ❌ Nur ein Toxin pro Test
- ❌ Untere Nachweisgrenze limitiert (ca. 5-10 µg/kg)
LC-MS/MS (Liquid Chromatography-Tandem Mass Spectrometry)
Funktionsprinzip: Chromatographische Trennung + massenspektrometrische Identifikation. Gleichzeitige Bestimmung von 20-50 Mykotoxinen!
Vorteile:
- ✅ Höchste Spezifität und Sensitivität
- ✅ Multi-Toxin Screening in einer Analyse
- ✅ Nachweisgrenze im Nanogramm Bereich (0,1-1 µg/kg)
- ✅ Keine Kreuzreaktionen
Nachteile:
- ❌ Hohe Kosten: 150-300€ pro Multi-Toxin Screening
- ❌ Ergebnis erst nach 5-10 Werktagen
- ❌ Benötigt Speziallabor
Entscheidungshilfe: Welche Methode wann?
| Situation | Empfohlene Methode | Begründung |
|---|---|---|
| Routine-Heumonitoring | ELISA: Aflatoxin + DON | Kostengünstig, häufigste Toxine |
| Nach Regensommer | ELISA: DON + Zearalenon | Fusarium-Toxine wahrscheinlich |
| Lagerschaden vermutet | ELISA: Aflatoxin + OTA | Lagerpilze, kosteneffizient |
| Unerklärliche Symptome | LC-MS/MS Multi-Toxin | Umfassendes Screening |
| Rechtliche Absicherung | LC-MS/MS | Höchste Beweiskraft |
| Zuchtbetrieb Standard | ELISA + bei Auffälligkeiten LC-MS/MS | Stufenkonzept |
Stufenkonzept für systematisches Monitoring
Stufe 1: Jährliches ELISA Screening auf Aflatoxin und DON (ca. 120€/Jahr)
Stufe 2: Bei Positivbefund oder unklaren Symptomen: LC-MS/MS-Bestätigung (ca. 250€)
Stufe 3: Bei kritischen Werten: Wiederholungsanalyse und Futterwechsel
6. Prävention von Ernte bis Fütterung
Phase 1: Feldmanagement und Ernte
Kritische Kontrollpunkte vor der Ernte
- ✅ Sortenwahl: Fusarium-resistente Sorten bevorzugen
- ✅ Fruchtfolge: Keine Mais-Mais-Rotation (Fusarium-Reservoir)
- ✅ Schnittzeitpunkt: Vor Blüte mähen reduziert Fusarium-Risiko
- ✅ Witterung beachten: Nicht bei Dauerregen ernten
Wissenschaftliche Evidenz: Optimierter Schnittzeitpunkt reduziert Fusarium Toxine um 40-60%!
Phase 2: Trocknung und Konservierung
Kritische Trocknungsparameter
- Ziel Trockensubstanz: Mindestens 85% für Heu
- Wasseraktivität: Unter 0,65 für sichere Lagerung
- Trocknungszeit: Je schneller, desto besser (max. 48h)
Phase 3: Lagerung
Optimale Lagerbedingungen
- ✅ Lagerraum: Trocken, gut belüftet, kein Bodenkontakt
- ✅ Temperatur: Konstant unter 20°C ideal
- ✅ Luftfeuchtigkeit: Unter 60% relative Feuchte
- ✅ Stapelhöhe: Max. 4-5 Ballen für Luftzirkulation
- ✅ First-In-First-Out: Ältestes Futter zuerst verfüttern
- ✅ Kontrolle: Wöchentliche Sichtkontrolle auf Schimmel
Mykotoxinbinder: Sinn oder Unsinn?
Was funktioniert (begrenzt):
- Bentonit/Montmorillonit: Bindet Aflatoxine zu 60-80%
- Aktivkohle: Unspezifische Bindung, aber auch Nährstoffe
- Hefezellwände: Moderate Bindung von Zearalenon
Was NICHT funktioniert:
- ❌ Keine wirksamen Binder für DON (zu polar, zu klein)
- ❌ Ochratoxin schwer bindbar
- ❌ Keine komplette Elimination möglich
Kritische Warnung: Toxinbinder sind KEIN Ersatz für Qualitätskontrolle! Sie reduzieren Risiken bei unvermeidlicher Kontamination, erlauben aber nicht die bewusste Verfütterung belasteter Chargen.
7. Notfallmanagement bei Mykotoxikose
Sofortmaßnahmen bei Verdacht
- Futterstopp: Sofortiges Absetzen des verdächtigen Futters
- Tierarzt kontaktieren: Klinische Untersuchung und Blutentnahme
- Futterprobe sichern: 1kg repräsentativ für Analytik
- Alle Pferde überwachen: Auch symptomfreie Tiere können betroffen sein
- Alternatives Futter: Saubere Charge aus anderem Lager
Unterstützende Therapie nach Toxin
Aflatoxikose Management
- Hepatoprotektion: Mariendistel Extrakt (Silymarin) 10-20mg/kg/Tag
- Antioxidantien: Vitamin E 2000-4000 IU/Tag, Selen 3mg/Tag
- Proteinrestriktion: Reduzierte Eiweißzufuhr entlastet Leber
- Monitoring: Leberwerte wöchentlich bis Normalisierung
Prognose: Bei rechtzeitiger Intervention gut, chronische Schäden möglich
DON Intoxikation Management
- Appetitanregung: Häufige kleine Mahlzeiten, Schmackhaftigkeit erhöhen
- Elektrolyte: Bei Futterverweigerung Elektrolyt Zufütterung
- Darmschleimhautschutz: Glutamin 50g/Tag, Probiotika
- Futterumstellung: Langsam auf sauberes Futter umstellen
Prognose: Meist vollständige Erholung innerhalb 2-4 Wochen
Zearalenon Exposition Management
- Zuchtstuten: Sofortiger Futterwechsel, Zyklusmonitoring
- Tragende Stuten: Engmaschige Trächtigkeitskontrolle
- Hengste: Spermiogramm 4-6 Wochen nach Exposition
- Phytoöstrogen Meidung: Kein Rotklee, keine Luzerne in dieser Phase
Prognose: Reversibel bei kurzer Exposition, chronische Fälle problematisch
8. Praktisches Monitoring Protokoll
Risikobasiertes Monitoring System
| Betriebstyp | Analytik-Frequenz | Methode |
|---|---|---|
| Privatstall, Eigenversorgung | Jährlich nach Ernte | ELISA Aflatoxin + DON |
| Reitstall, Fremdversorgung | Bei jeder neuen Charge | ELISA Haupttoxine |
| Zuchtbetrieb | Halbjährlich + bei Bedarf | LC-MS/MS Multi-Toxin |
| Sportpferdestall | Halbjährlich | ELISA + bei Symptomen LC-MS/MS |
Probennahme richtig gemacht
Korrekte Heu Probennahme
- Mindestens 10 Ballen aus verschiedenen Stapelpositionen
- Mit Heustecher mittig in Ballen eindringen
- Pro Ballen 50g Material entnehmen
- Alle Teilproben gründlich mischen
- 500g Mischprobe in sauberen Plastikbeutel
- Beschriftung: Datum, Charge, Erntejahr, Lagerort
Häufige Fehler bei der Probennahme
- ❌ Nur oberflächliche Proben → Schimmel sitzt oft innen
- ❌ Nur einen Ballen beproben → Nicht repräsentativ
- ❌ Zu kleine Probenmenge → Analytik ungenau
- ❌ Lange Lagerung vor Analyse → Toxingehalt kann sich ändern
Kosten-Nutzen Analyse
| Position | Präventive Analytik | Schadensfall |
|---|---|---|
| Futteranalyse | 120€ (ELISA) | — |
| Tierärztliche Diagnostik | — | 200-400€ pro Pferd |
| Medikamente/Supplemente | — | 150-300€ pro Pferd |
| Futteraustausch | — | 500-2000€ |
| Gesamt | 120€ | 1.000-3.000€+ pro Pferd |
Fazit: Eine 120€ ELISA Analyse kann Schäden von über 1.000€ pro Pferd verhindern. Bei einem 10 Pferdestall amortisiert sich jährliches Monitoring bereits, wenn es alle 5 Jahre einen Schadensfall verhindert.
Jährliche Checkliste
Mykotoxin Prävention (Minimum)
- ☐ Frühjahr: Lagerräume reinigen und desinfizieren
- ☐ Nach Ernte: Heuprobenahme und ELISA-Analyse
- ☐ Quartal: Visuelle Kontrolle aller Futtervorräte
- ☐ Bei neuer Charge: Sichtkontrolle und Geruchstest
- ☐ Bei Symptomen: Sofortige Analytik plus Tierarzt
- ☐ Jahresende: Dokumentation prüfen, Risiken bewerten
Häufig gestellte Fragen
Was sind Mykotoxine und warum sind sie für Pferde gefährlich?
Mykotoxine sind giftige Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die bereits in geringen Mengen Organschäden verursachen. Pferde sind besonders empfindlich, da ihnen die schützende Pansenflora der Wiederkäuer fehlt – ihre systemische Toxinbelastung ist 3-5-fach höher als bei Rindern. Die gefährlichsten Toxine für Pferde sind Aflatoxin B1 (Leberschäden), DON (Futterverweigerung), Zearalenon (Fertilitätsstörungen) und Ochratoxin A (Nierenschäden).
Welche Mykotoxine sind für Pferde am gefährlichsten?
Die vier gefährlichsten Mykotoxine für Pferde: 1) Aflatoxin B1 – Lebertoxin, bereits ab 20 µg/kg kritisch, verursacht Ikterus und Leberversagen. 2) Deoxynivalenol (DON) – verursacht Futterverweigerung und Immunsuppression. 3) Zearalenon – östrogene Wirkung mit Zyklusstörungen, Umrossen und Aborten bei Stuten. 4) Ochratoxin A – chronische Nierenschädigung mit Polyurie und Polydipsie.
Wie erkenne ich eine Mykotoxin Belastung beim Pferd?
Typische Symptome: Chronische Futterverweigerung ohne Zahnbefund (typisch für DON), unerklärlicher Leistungsabfall, erhöhte Leberwerte und Gelbsucht (Aflatoxin), Zyklusstörungen bei Stuten (Zearalenon), vermehrtes Trinken und Urinieren (Ochratoxin). Wichtig: Optisch einwandfreies Heu kann trotzdem belastet sein! Bei Verdacht: Heuanalyse durchführen.
Welche Analysemethode ist für Mykotoxine am besten?
Für Routine Monitoring: ELISA-Test (40-80€ pro Toxin, schnelles Ergebnis in 2-4 Stunden). Bei unklaren Symptomen oder rechtlicher Absicherung: LC-MS/MS Multi-Toxin-Screening (150-300€, höchste Genauigkeit, gleichzeitig 20-50 Toxine). Empfehlung: Jährliches ELISA-Screening auf Aflatoxin und DON nach der Heuernte, bei Auffälligkeiten LC-MS/MS zur Bestätigung.
Helfen Mykotoxinbinder im Pferdefutter?
Begrenzt: Bentonit bindet Aflatoxine zu 60-80%, Hefezellwände binden Zearalenon moderat. Aber: Für DON gibt es keine wirksamen Binder (zu polar, zu klein)! Toxinbinder sind kein Ersatz für Qualitätskontrolle – sie reduzieren Risiken bei unvermeidlicher Kontamination, erlauben aber nicht die bewusste Verfütterung belasteter Chargen. Prävention (Trocknung, Lagerung, Analyse) ist immer wichtiger als nachträgliche Bindung.
Kann optisch einwandfreies Heu Mykotoxine enthalten?
Ja! Das ist das tückische an Mykotoxinen: Feldpilze (Fusarium) produzieren DON und Zearalenon bereits am wachsenden Halm bei feuchter Witterung – später ist davon nichts mehr sichtbar. Das Heu sieht grün und aromatisch aus, enthält aber kritische Toxinmengen. Nur eine Laboranalyse gibt Sicherheit. Die Faustregeln "grün = gut" und "kein Schimmel = sicher" sind wissenschaftlich falsch!
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Fazit: Mykotoxine ernst nehmen zahlt sich aus
Mykotoxine sind der unsichtbare Feind in der Pferdefütterung. 40% aller Heuproben zeigen Belastungen, aber nur wenige Pferdehalter monitoren systematisch.
Die 5 wichtigsten Erkenntnisse:
- Pferde sind besonders empfindlich: 3-5-fach höhere Toxinexposition als Wiederkäuer
- Sichtbarkeit täuscht: Optisch einwandfreies Heu kann kritisch belastet sein
- Analytik ist präzise: ELISA für Routine, LC-MS/MS für Problemfälle
- Prävention beginnt auf dem Feld: Schnittzeitpunkt, Trocknung, Lagerung
- Monitoring rechnet sich: 120€ Analyse verhindert oft 1.000€+ Schäden
Wissenschaftliche Quellen
Grundlagen: Council for Agricultural Science and Technology (CAST) (2003). Mycotoxins: Risks in Plant, Animal, and Human Systems. Task Force Report No. 139; Hussein, H.S., Brasel, J.M. (2001). Toxicity, metabolism, and impact of mycotoxins. Toxicology, 167(2), 101-134
Pferdespezifisch: Raymond, S.L. et al. (2003). Effects of Fusarium mycotoxins on exercised horses. J Animal Science, 81(12), 3123-3131; Newman, K.E., Raymond, S.L. (2005). Effects of mycotoxin-contaminated feed on equine health. Vet Clin North Am Equine Pract, 21(2), 339-355
Analytik: Krska, R. et al. (2008). Mycotoxin analysis: An update. Food Addit Contam, 25(2), 152-163; Sulyok, M. et al. (2006). LC-MS/MS method for 39 mycotoxins. Rapid Commun Mass Spectrom, 20(18), 2649-2659
Grenzwerte: Europäische Kommission (2006). Empfehlung 2006/576/EG zu Fusariumtoxinen; EFSA (2004). Opinion on aflatoxin B1 in animal feed. EFSA Journal, 39, 1-27
Hinweis: Dieser Artikel stellt eine wissenschaftliche Einschätzung des aktuellen Kenntnisstandes dar und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Mykotoxikose konsultiere immer umgehend einen Tierarzt.