Johanniskraut ist die Lichtpflanze der europäischen Heilkunde – geerntet um den Johannistag, wenn die Sonne am höchsten steht, und seit den Kreuzzügen in Gebrauch. Beim Pferd wird Johanniskraut bei nervöser Unruhe verwendet, und in HORMONSTABIL steht es für die Ausgeglichenheit – deutlich niedriger dosiert als die übrigen Bestandteile der Mischung.
Auf einen Blick
- Die Droge ist das blühende Kraut – Hyperici herba, geerntet zur Blüte
- Verwendet bei Angst und nervöser Unruhe – dafür bewertet, und in der Veterinärphytotherapie so beschrieben
- Mindestens 0,08 % Gesamthypericine nach Ph. Eur. – eine der wenigen Drogen mit einem festgelegten Gehalt
- Eine der am besten untersuchten Arzneipflanzen überhaupt
- In HORMONSTABIL neben Mönchspfeffer und Frauenmantel – für das, was Besitzer in der Rosse tatsächlich beschreiben
- Zu beachten: Sie beschleunigt den Abbau von Arzneimitteln – bei laufender Behandlung vorher abstimmen
Steckbrief
| Drogenbezeichnung | Hyperici herba – das blühende Kraut |
|---|---|
| Familie | Hartheugewächse (Hypericaceae) |
| Weitere Namen | Hartheu, Blutkraut, Johannisblut, Jesuswundenkraut, Konradskraut, Sonnwendkraut |
| Charakteristisch | Hypericin, Hyperforin, Flavonoide, ätherisches Öl |
| Arzneibuch | Mindestens 0,08 % Gesamthypericine, berechnet als Hypericin (Ph. Eur.) |
| Verwendung beim Pferd | Innerlich bei Angst und nervöser Unruhe; das Rotöl äußerlich |
| Monographien | Kommission E (positiv), ESCOP, HMPC |
| Erntezeit | Um den Johannistag, Ende Juni – daher der Name |
| Verbreitung | Ursprünglich Europa und Sibirien; heute bis China und Nordafrika, eingeschleppt in Amerika, Australien und Neuseeland |
Die Johanniskrautpflanze
Johanniskraut erkennt man an den Tüpfeln, und dafür braucht man nur Gegenlicht. Hält man ein Blatt gegen die Sonne, sitzen darin unzählige helle Punkte – Öldrüsen, gefüllt mit ätherischem Öl und Harz. Sie sehen aus wie Nadelstiche, und genau das steckt im Artnamen: perforatum, das Durchlöcherte.
Die Pflanze wird bis zu neunzig Zentimeter hoch, mit reich verzweigten, unten verholzenden Stängeln und fünfstrahligen, goldgelben Blüten von Juni bis September. Sie steht an Wegrändern, auf Dämmen und Feldrainen, in lichten Wäldern – und am liebsten in der vollen Sonne, die sie braucht.
Woher der Gattungsname kommt
Für Hypericum gibt es mehrere Deutungen, und die schönste passt zu den Tüpfeln: vom griechischen hyper für „über“ und ereike beziehungsweise ericos – wobei die zweite Silbe teils als „Heidekraut“, teils als „Bild“ gelesen wird. In der zweiten Lesart heißt der Name: die Pflanze, durch die man ein Bild sehen kann.
Und was rot färbt – und was nicht
Zerreibt man frische Blüten zwischen den Fingern, färben sie sich blutrot. Das ist der Farbumschlag, der dem Johanniskrautöl seine Farbe gibt, und der Grund für Namen wie Blutkraut und Johannisblut.
Das Rotöl ist eine eigene Zubereitung mit einem eigenen Anwendungsgebiet – angesetzt aus frischen Blüten in Öl, und äußerlich verwendet: in der Veterinärphytotherapie zur Nachbehandlung von Verletzungen, bei Muskelschmerzen und bei Verbrennungen. Viele Pferdeleute haben eine Flasche davon im Schrank, ohne das Kraut je gesehen zu haben.
Wir verwenden das getrocknete, geschnittene Kraut – die Droge für den Trog, nicht das Öl für die Haut. Und daran lässt sich der Farbtest nicht wiederholen: Was im Sack liegt, färbt die Finger nicht.
Der Johannistag
Geerntet wird um den 24. Juni, drei Tage nach der Sonnenwende – dann steht die Pflanze in vollster Blüte, und die Überlieferung hält sie zu diesem Zeitpunkt für am kräftigsten. Das ist einmal keine Legende: Der Gehalt an Hypericin ist in der Vollblüte am höchsten, und genau deshalb liegt der Erntetermin dort.
Was Johanniskraut mitbringt
Johanniskraut ist eine der am besten untersuchten Arzneipflanzen überhaupt – und eine der wenigen, bei denen das Arzneibuch nicht nur die Identität prüft, sondern einen Gehalt fordert.
Mindestens 0,08 Prozent Gesamthypericine
Das fordert das Europäische Arzneibuch, berechnet als Hypericin, geprüft an jeder Charge. Eine Zahl auf dem Prüfbericht statt einer Beschreibung – das hat diese Droge mit der Teufelskralle und ihrem Harpagosid und mit der Süßholzwurzel und ihrer Glycyrrhizinsäure gemeinsam (Arzneibuchqualität).
Daneben stehen Hyperforin, Flavonoide und ätherisches Öl. Dass die Droge so gut untersucht ist, liegt genau an dieser Nachprüfbarkeit: Wo ein Gehalt definiert ist, lassen sich Zubereitungen vergleichen.
Wofür Johanniskraut beim Pferd verwendet wird
Die Veterinärphytotherapie nennt als innerliche Anwendung psychovegetative Störungen, depressive Verstimmungen, Angst und nervöse Unruhe. Beim Pferd sind es die letzten beiden, um die es geht – ein Pferd, das angespannt ist, schreckhaft, schwer ansprechbar.
Dazu kommt die äußere Anwendung des Rotöls, die als eigenes Gebiet geführt wird. Zwei Zubereitungen, zwei Wege: das Kraut in den Trog, das Öl auf die Haut. Das ist mehr, als die meisten Kräuter in Pferdemischungen vorweisen – und der Grund, warum diese Droge keine Anekdoten braucht.
Warum Johanniskraut in HORMONSTABIL steht
Weil das, was in der Rossesaison gemeldet wird, fast nie ein Zyklus ist, sondern ein Verhalten. Empfindlich beim Putzen, schwer ansprechbar, unruhig am Zaun, nicht bei sich – so beschreiben Besitzer die Wochen, um die es geht (Rosse und Zyklus verstehen).
Eine Mischung braucht beide Seiten
Den Zyklusbereich tragen in HORMONSTABIL Mönchspfefferfrüchte und Frauenmantelkraut – die beiden klassischen Drogen dafür. Die Unruhe tragen Johanniskraut und Melisse.
Das Johanniskraut steht dort also nicht, weil es auf Hormone wirken soll, sondern weil es die Droge mit der bewerteten Indikation für Angst und Unruhe ist. Genau dafür wurde sie ausgewählt – und das trifft das, was die Besitzer schildern, besser als jede Zyklusdroge allein.
Und deutlich niedriger dosiert als die übrigen
Johanniskraut trägt in der Mischung einen kleineren Anteil als die anderen Drogen. Das ist eine Entscheidung und kein Zufall: Bei einer Droge mit definiertem Gehalt lässt sich der Anteil genau festlegen, und das nutzen wir.
Johanniskraut in HORMONSTABIL
HORMONSTABIL
Kräuter für die Rossesaison – Mönchspfefferfrüchte und Frauenmantelkraut für den Zyklusbereich, Johanniskraut und Melissenblätter für die Ausgeglichenheit. Angelegt für die Monate, in denen es auffällt.
Wann man beginnt
Vor der Saison, nicht mitten darin. Die Rossesaison ist planbar – sie beginnt im Frühjahr mit der länger werdenden Tageslichtdauer. Wer im März anfängt, hat die Kur laufen, wenn die ersten Rossen kommen, und nicht erst, wenn die Stute schon drei Wochen schwierig war (die rossige Stute · Dauerrosse und Zyklusstörungen).
Johanniskraut für Pferde: Dosierung und Dauer
Zur Dosierung: Für ein Großpferd werden üblicherweise 10 bis 20 Gramm getrocknetes Johanniskraut pro Tag angesetzt, bei Ponys entsprechend weniger. Bei Mischungen gelten die Angaben des jeweiligen Produkts – dort trägt Johanniskraut einen Anteil und steht nicht allein.
Als Kur, über die Saison
Angelegt ist die Gabe über Wochen bis Monate, mit Pausen, und sinnvoll beginnt sie vor der Saison. Vier Wochen sind kein Zeitraum, in dem man etwas beurteilen kann – bei Verhalten noch weniger als bei Haut und Fell, weil hier auch Training, Herde und Jahreszeit mitreden.
Zur Akzeptanz
Johanniskraut schmeckt leicht bitter und aromatisch, und die meisten Pferde nehmen es ohne Umstände. In HORMONSTABIL hilft die Melisse mit, weil ihr ätherisches Öl die Mischung angenehm riechen lässt.
Woran man gutes Johanniskraut erkennt
Hier entscheidet nicht das Auge, sondern der Gehalt
Bei den meisten Drogen kann man selbst etwas beurteilen – Blütenanteil, Farbe, Geruch, Stengelanteil. Beim Johanniskraut ist das anders: Die 0,08 Prozent Gesamthypericine sieht man nicht, sie stehen auf dem Prüfbericht oder sie stehen nirgends.
Das ist bei dieser Droge der eigentliche Unterschied zwischen Arzneibuchware und unspezifizierter Ware – und der Grund, warum wir den Wert nennen.
Und die Lagerung, die hier wirklich zählt
Hypericin ist lichtempfindlich. Dunkel und trocken gelagert ist bei dieser Droge keine Formsache, sondern bestimmt, was nach einem halben Jahr noch im Sack ist. Ein durchsichtiger Beutel im Fensterlicht ist das Gegenteil davon – und das gilt für jede Kräutermischung mit Johanniskraut darin.
Was bei Johanniskraut zu beachten ist
Ein Punkt zählt bei dieser Droge wirklich, und einer wird überschätzt. Hier stehen beide.
Bei laufender Behandlung vorher abstimmen
Johanniskraut beschleunigt den Abbau von Arzneimitteln. Die Folge ist keine verstärkte, sondern eine abgeschwächte Wirkung – das Arzneimittel verlässt den Körper schneller.
Deshalb gehört die Gabe vorher mit der betreuenden Praxis besprochen, wenn ein Pferd dauerhaft behandelt wird. Das betrifft auch eine laufende hormonelle Behandlung der Stute – also genau die Lage, in der viele zusätzlich zu Kräutern greifen (wenn die Stute hormonell behandelt wird).
Die Lichtempfindlichkeit: eine Mengenfrage
Bei der üblichen Tagesmenge von 10 bis 20 Gramm getrockneten Krauts tritt eine Fotosensibilisierung nach der Veterinärphytotherapie in der Regel nicht auf. In einer Mischung liegt der Anteil darunter.
Die dokumentierten Fälle kommen von der Weide: Die Schwelle für schwere Hautentzündungen liegt bei rund 3 Gramm frischem Kraut pro Kilogramm Körpergewicht – beim Großpferd also fast zwei Kilogramm am Tag. So viel frisst ein Pferd nur, wenn auf der Fläche nichts anderes mehr steht, und betroffen waren vor allem Rinder und Schafe. Beim Menschen wurden entsprechende Effekte erst bei drastischen Überdosierungen beobachtet.
Weitere Punkte
- Pferde mit viel unpigmentierter Haut im Sommer wie immer im Blick behalten – das kostet nichts
- Nicht gleichzeitig mit Arzneimitteln, die ihrerseits die Lichtempfindlichkeit erhöhen
- Tragende und laktierende Stuten – nur nach Rücksprache
- Dunkel und trocken lagern – Hypericin ist lichtempfindlich
Zum Turniersport
Wir behandeln Kräutermischungen grundsätzlich als dopingrelevant, unabhängig davon, ob ein Bestandteil namentlich in einer Liste geführt wird: Die ADMR-Liste ist nicht abschließend. Unsere Empfehlung lautet: in der turnierfreien Zeit füttern. Karenzzeiten können wir nicht angeben; die Prüfung der Bestimmungen obliegt der verantwortlichen Person (ADMR-Regeln).
Häufige Fragen
Wofür wird Johanniskraut beim Pferd eingesetzt?
Bei Angst und nervöser Unruhe. Die Veterinärphytotherapie führt für Hyperici herba innerlich psychovegetative Störungen, Angst und nervöse Unruhe – beim Pferd sind die letzten beiden die relevanten.
In HORMONSTABIL steht sie deshalb auf der Seite der Ausgeglichenheit, neben Melisse – und nicht im Zyklusbereich, den Mönchspfeffer und Frauenmantel tragen. Angelegt ist die Gabe über die Saison, beginnend vor der ersten Rosse.
Warum heißt es Johanniskraut?
Nach dem Johannistag am 24. Juni – dann steht die Pflanze in vollster Blüte, und genau dort liegt der Erntetermin.
Das ist keine Folklore, sondern eine Rechnung: Der Gehalt an Hypericin ist in der Vollblüte am höchsten. Der Name des Krauts nennt also seinen besten Erntezeitpunkt.
Was bedeutet „0,08 % Gesamthypericine“ für mein Pferd?
Das ist der Mindestgehalt, den das Europäische Arzneibuch für diese Droge fordert, berechnet als Hypericin. Eine Charge, die darunter liegt, ist keine Arzneibuchware.
Johanniskraut ist damit eine der wenigen Drogen mit einer Zahl statt einer Beschreibung – und das ist der Grund, warum sich Zubereitungen dieser Pflanze überhaupt vergleichen und untersuchen lassen.
Macht Johanniskraut mein Pferd lichtempfindlich?
Bei den üblichen Fütterungsmengen in der Regel nicht. Die Veterinärphytotherapie nennt dafür 10 bis 20 Gramm getrocknetes Kraut täglich; in einer Mischung liegt der Anteil darunter.
Die dokumentierten Fälle betreffen Weidetiere auf abgefressenen Flächen, vor allem Rinder und Schafe – die Schwelle für schwere Hautentzündungen liegt bei etwa 3 Gramm frischem Kraut pro Kilogramm Körpergewicht, beim Großpferd also im Kilobereich. Ein Pferd mit viel rosa Haut behält man im Sommer trotzdem im Blick (Hautveränderungen einordnen).
Darf mein Pferd Johanniskraut bekommen, wenn es Medikamente erhält?
Das gehört vorher mit der Praxis besprochen. Johanniskraut beschleunigt den Abbau von Arzneimitteln – die Folge ist eine abgeschwächte Wirkung, nicht eine verstärkte.
Auffällig ist das kaum, weil es sich als nachlassende Wirkung des Arzneimittels zeigt und nicht als Zwischenfall. Das gilt auch für eine laufende hormonelle Behandlung der Stute.
Ist Johanniskrautöl dasselbe wie das Kraut fürs Pferd?
Nein – es ist eine eigene Zubereitung mit einem eigenen Anwendungsgebiet. Das Rotöl wird aus frischen Blüten in Öl angesetzt und äußerlich verwendet: in der Veterinärphytotherapie zur Nachbehandlung von Verletzungen, bei Muskelschmerzen und bei Verbrennungen.
Wir verwenden das getrocknete, geschnittene Kraut nach Arzneibuch. Daran lässt sich auch der bekannte Farbtest nicht wiederholen: Der rote Saft kommt aus frischen Blüten, nicht aus getrockneter Ware.
Wie lange füttere ich meinem Pferd Johanniskraut?
Über Wochen bis Monate, mit Pausen – und sinnvoll beginnt die Gabe vor der Rossesaison, nicht mitten darin. Die Saison ist planbar: Sie startet im Frühjahr mit der länger werdenden Tageslichtdauer.
Vier Wochen sind kein Zeitraum, in dem man etwas beurteilen kann. Bei Verhalten noch weniger als bei Haut und Fell, weil Training, Herde und Jahreszeit mitreden.
Woran erkenne ich gutes Johanniskraut für mein Pferd?
Am Prüfbericht, nicht am Auge. Die 0,08 Prozent Gesamthypericine sieht man der Ware nicht an – entweder der Wert steht da oder er steht nirgends.
Und an der Lagerung: Hypericin ist lichtempfindlich. Dunkel und trocken aufbewahrt bestimmt darüber, was nach einem halben Jahr noch im Sack ist.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Kommission E des Bundesgesundheitsamtes: Monographie Hyperici herba – positiv bewertet
- HMPC/EMA: Monographie Hypericum perforatum L., herba
- ESCOP Monographs: Hyperici herba
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Hyperici herba – mindestens 0,08 Prozent Gesamthypericine, berechnet als Hypericin
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme
- Vetpharm/Clinitox, Vetsuisse-Fakultät Zürich: Hyperici herba – Tagesmengen je Tierart und Schwellenangabe zur Photosensibilisierung bei frischem Kraut
- Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)