Wenn im Stall der Husten umgeht, ist es für Vorbeugung zu spät. Die Arbeit passiert im September und Oktober – und der größte Teil davon hat nichts mit Fütterung zu tun, sondern mit Luft.
Das Wichtigste in Kürze
- Stallluft schlägt jedes Ergänzungsfuttermittel – frische Luft ist wichtiger als Wärme
- Der Zeitpunkt ist der Herbst, bevor die Saison beginnt
- Immundrogen haben Anwendungsgrenzen und sind nicht für den ganzen Winter gedacht
- Sonnenhut ist karenzrelevant – im Turniersport rechtzeitig planen
- Der Impfplan gehört in die Praxis, nicht in einen Blogartikel
Warum der Winter schwieriger ist
Mehr Zeit drinnen
Längere Stallzeiten bedeuten mehr Staub, mehr Ammoniak und engeren Kontakt zwischen den Pferden. Das ist der größte Einzelfaktor – und der, an dem sich am meisten ändern lässt.
Konservierte Ration
Heu statt Gras, oft aus einer neuen Charge. Staub und Schimmelpilzsporen belasten die Atemwege genau in der Zeit, in der sie ohnehin gefordert sind.
Weniger Bewegung
Kürzere Tage, schlechteres Wetter, mehr Stehen. Bewegung ist für die Atemwege und die Darmtätigkeit die einfachste Maßnahme überhaupt.
Der Fellwechsel dazu
Er fällt in dieselben Wochen und fordert den Stoffwechsel – ein Grund mehr, im Herbst anzufangen statt im Januar (Fellwechsel beim Pferd).
Womit es anfängt: die Luft
Frische Luft ist wichtiger als Wärme
Pferde vertragen Kälte gut – schlechte Luft nicht. Der geschlossene Stall, der sich für den Menschen behaglich anfühlt, ist für die Atemwege des Pferdes das Problem: Ammoniak aus der Einstreu, Staub aus Heu und Stroh, Schimmelpilzsporen.
Eine geschädigte Schleimhaut wehrt Erreger schlechter ab. Deshalb steht die Luft in diesem Artikel vor allem anderen – auch vor den Kräutern.
Was konkret hilft
- Empfehlung: Fenster und Türen offen halten, auch im Winter – Zugluft vermeiden, Frischluft nicht
- Empfehlung: Heu vom Boden füttern statt aus hoch hängenden Netzen
- Empfehlung: Bei staubigem Heu bedampfen oder anfeuchten (Stallluft und Heu)
- Empfehlung: Nicht misten, während die Pferde in der Box stehen – dabei wirbelt am meisten auf
- Empfehlung: Täglich raus, auch bei schlechtem Wetter
Der Zeitpunkt
September und Oktober
Das ist die Zeit, in der sich vorbereiten lässt, was im Winter trägt: Heuqualität prüfen, Ration rechnen lassen, Impfstatus mit der Praxis besprechen, Kotprobe nehmen – und, wenn gewünscht, eine Kur beginnen (Herbstkur für Pferde).
Zu den Impfungen
Welche Impfungen wann anstehen, legt die tierärztliche Praxis fest – im Turniersport zusätzlich die Vorgaben des Verbands, die sich von den allgemeinen Empfehlungen unterscheiden können. Intervalle aus einem Blogartikel sind hier wertlos; der Impfpass und die Praxis sind die Quelle.
Die Ration
| Nährstoff | Warum | Hinweis |
|---|---|---|
| Eiweiß | Baustoff für alles, was der Körper neu bildet | Kommt größtenteils aus dem Raufutter |
| Zink | Beteiligt an zahlreichen Enzymsystemen | Häufig knapp – prüfbar über Ration und Blutbild |
| Selen | Teil des antioxidativen Schutzsystems | Überdosierung ist gefährlich – nur nach Messung ergänzen |
| Vitamin E | Antioxidativ, arbeitet mit Selen zusammen | Im Winter ohne frisches Gras oft knapper |
Vitamin C ist kein Thema
Pferde bilden Vitamin C selbst – anders als der Mensch. Die Vorstellung, man könne mit einer Extraportion Erkältungen abwenden, stammt aus der Humanmedizin und lässt sich nicht übertragen. Hagebutten haben ihren Platz in Mischungen, aber nicht aus diesem Grund.
Und der Darm
Der Darm ist eng mit der Abwehrlage verbunden. Was ihm hilft, steht nicht im Regal: Raufutter über den Tag verteilt, keine abrupten Futterwechsel – gerade bei der Umstellung auf die Winterration – und ausreichend Wasser, das im Winter angewärmt deutlich besser angenommen wird (Darmflora beim Pferd).
Die Drogen und ihre Grenzen
| Droge | Einordnung | Grenze |
|---|---|---|
| Sonnenhutkraut | Die bekannteste Droge dieses Felds | Höchstens acht Wochen am Stück, und karenzrelevant |
| Taigawurzel | Den anpassungsfördernden Drogen zugeordnet | Höchstens zwei Monate am Stück, danach Pause |
| Zistrose | Polyphenolreich, traditionelle Verwendung | Kurweise |
Warum das den ganzen Winter nicht abdeckt
Wer im Oktober anfängt und die Grenzen einhält, ist im Dezember durch. Genau deshalb sind diese Drogen keine Wintervorsorge, sondern eine Kur für einen bestimmten Abschnitt – etwa die Wochen, in denen erfahrungsgemäß etwas umgeht, oder vor absehbaren Belastungen wie Stallwechsel oder Transport. Was den Winter trägt, sind Luft, Ration und Bewegung.
Aus unserem Sortiment
IMMUNSTARK ist genau dafür gedacht: eine Kur mit Anfang und Ende, gelegt auf die Wochen, in denen es darauf ankommt. Vor Turnierstarts gehören die Karenzhinweise beachtet (ADMR beim Pferd).
Wenn es im Stall umgeht
Was jetzt zählt
- Empfehlung: Erkrankte Pferde trennen, soweit der Betrieb es zulässt
- Empfehlung: Eigenes Putzzeug, eigenes Halfter, eigene Eimer für das kranke Pferd
- Empfehlung: Hände waschen zwischen den Pferden – unspektakulär und wirksam
- Empfehlung: Reihenfolge einhalten: zuerst die gesunden Pferde versorgen, danach das kranke
- Empfehlung: Temperatur der übrigen Pferde im Blick behalten – Fieber kommt vor dem Husten
In die Praxis gehört es bei
- Fieber – immer
- Gelblichem oder einseitigem Nasenausfluss
- Atemnot oder erhöhter Atemfrequenz in Ruhe
- Mehreren erkrankten Pferden im Bestand – dann geht es um die Frage, was umgeht
Häufige Fragen
Was bringt am meisten gegen Infekte im Winter?
Die Stallluft. Pferde vertragen Kälte gut, schlechte Luft nicht – Ammoniak, Staub und Schimmelpilzsporen schädigen die Schleimhaut, die Erreger abwehren soll.
Fenster auf, Heu vom Boden statt aus hoch hängenden Netzen, täglich raus: Das kostet nichts außer Konsequenz und wirkt mehr als jede Mischung.
Wann beginne ich mit der Vorbeugung?
Im September oder Oktober, bevor die Saison beginnt. Dann lassen sich Heuqualität, Ration, Impfstatus und Kotprobe in Ruhe klären.
Später anzufangen ist nicht sinnlos – nur hat man dann weniger Vorlauf.
Kann ich mit Kräutern den ganzen Winter durchfüttern?
Nicht mit diesen: Sonnenhutkraut höchstens acht Wochen, Taigawurzel höchstens zwei Monate am Stück. Wer im Oktober anfängt, ist im Dezember durch.
Sie sind als Kur für einen Abschnitt gedacht – was den Winter trägt, sind Luft, Ration und Bewegung.
Sind Immunkräuter im Turniersport erlaubt?
Sonnenhut ist karenzrelevant. Wer startet, plant die Gabe zeitlich entsprechend und prüft die Herstellerangaben sowie die aktuelle Liste.
Das gilt unabhängig davon, in welcher Menge die Droge in einer Mischung steckt.
Braucht mein Pferd Vitamin C?
Nein. Pferde bilden Vitamin C selbst – anders als der Mensch. Die Vorstellung, man könne damit Erkältungen abwenden, stammt aus der Humanmedizin.
Hagebutten haben ihren Platz in Mischungen, aber nicht aus diesem Grund.
Mein Pferd hustet bereits – kann ich Immunkräuter geben?
Bei einem akuten Infekt entscheidet zuerst die tierärztliche Praxis. Diese Drogen sind für die Zeit davor und danach gedacht, nicht für die akute Phase.
Bei Fieber, verändertem Nasenausfluss oder Atemnot gehört ohnehin angerufen (Erkältung beim Pferd).
Was tue ich, wenn im Stall etwas umgeht?
Erkrankte Pferde trennen, eigenes Putzzeug verwenden, Hände waschen – und die gesunden Pferde zuerst versorgen, das kranke zuletzt.
Bei den übrigen Pferden lohnt es, die Temperatur im Blick zu behalten: Fieber kommt meist vor dem Husten.