Kurz gesagt: Ein Atemwegsinfekt beim Pferd wird im Stall gern „Erkältung" genannt, ist aber meist eine Virusinfektion – und damit ansteckend. Die akuten Anzeichen klingen oft binnen weniger Tage ab. Der entscheidende Teil kommt danach: Das Flimmerepithel der Atemwege braucht rund drei Wochen, um sich zu erneuern, und solange fehlt dem Pferd seine wichtigste Selbstreinigung. Wer zu früh belastet, riskiert genau in diesem Zeitfenster eine bakterielle Folgeerkrankung.
Wenn Dein Pferd gerade kränkelt: Ist es dringend?
Ruf die Tierärztin sofort, wenn eines davon zutrifft:
- Deutlich erhöhte Temperatur – gemessen, nicht geschätzt
- Eitriger oder übelriechender Nasenausfluss
- Erschwerte Atmung, geblähte Nüstern, sichtbarer Einsatz der Bauchmuskulatur
- Geschwollene Lymphknoten am Kopf – Verdacht auf Druse
- Futterverweigerung über mehr als einen Tag
- Deutliche Apathie, das Pferd liegt auffällig viel
- Fohlen, altes oder vorerkranktes Pferd
Und unabhängig vom Schweregrad: Sind mehrere Pferde betroffen, spricht das für ein ansteckendes Geschehen – dann geht es nicht nur um Dein Pferd, sondern um den ganzen Stall.
Auf einen Blick
- Eine Woche Pause je Fiebertag, mindestens drei Wochen – die Regel hat eine Begründung
- Das Flimmerepithel braucht rund 21 Tage zur Erneuerung
- Das eigentliche Risiko zu früher Belastung ist eine bakterielle Folgeerkrankung der Lunge
- Ansteckend länger als gedacht – Virusausscheidung auch nach Abklingen der Anzeichen
- Bei Fieber nicht warm eindecken – der Körper muss Wärme abgeben können
Anzeichen einordnen
Beobachten reicht meist
- Merkmal: Gelegentliches Husten
- Merkmal: Klarer, wässriger Nasenausfluss
- Merkmal: Temperatur im Normbereich
- Merkmal: Frisst, wenn auch etwas weniger
- Merkmal: Munter und aufmerksam
Praxis informieren
- Merkmal: Häufiges Husten
- Merkmal: Weißlich-trüber Ausfluss
- Merkmal: Erhöhte Temperatur
- Merkmal: Deutlich weniger Appetit
- Merkmal: Auffällig ruhig
Sofort anrufen
- Warnzeichen: Deutliches Fieber
- Warnzeichen: Eitriger Ausfluss
- Warnzeichen: Erschwerte Atmung
- Warnzeichen: Geschwollene Lymphknoten
- Warnzeichen: Futterverweigerung, Apathie
Druse ausschließen lassen
Geschwollene, schmerzhafte Lymphknoten unter dem Kiefer zusammen mit Fieber und eitrigem Nasenausfluss sind ein Grund, sofort anzurufen und das Pferd bis zur Abklärung von anderen fernzuhalten. Die Druse ist eine bakterielle Erkrankung und hochansteckend; die Erreger können in der Umgebung längere Zeit überdauern. Wer hier abwartet, riskiert einen ganzen Stall.
Was hinter einem Infekt stecken kann
- Viren – am häufigsten, darunter Influenza und Herpesviren. Gegen beide wird geimpft
- Bakterien – oft als Folge einer Virusinfektion, wenn die Selbstreinigung geschädigt ist
- Druse – eine eigene bakterielle Erkrankung mit typischem Bild
- Reizung ohne Infekt – Staub, Ammoniak, Raufutter. Dann fehlt in aller Regel das Fieber. Mehr dazu im Artikel Pferd hustet
Temperatur messen
Die Temperatur ist die aussagekräftigste Größe, die Du selbst erheben kannst – und sie unterscheidet den Infekt von der bloßen Reizung.
Wie gemessen wird
- Rektal, mit einem digitalen Thermometer; eine Schnur mit Klammer verhindert Verluste
- In Ruhe – nicht direkt nach Bewegung, Transport oder Aufregung
- Möglichst zur selben Tageszeit, am besten morgens vor der Fütterung
- Mehrfach täglich bei kränkelndem Pferd, und die Werte notieren
Was die Zahl bedeutet
Die Körpertemperatur des erwachsenen Pferdes liegt üblicherweise in einem Bereich um 37,5 bis 38,2 Grad; Fohlen liegen höher. Sie schwankt tageszeitlich, nach Bewegung, nach dem Fressen und bei Aufregung.
Deshalb sagt eine Messreihe mehr als ein Einzelwert – und eine notierte Reihe ist für die Praxis die wertvollste Information, die Du mitbringen kannst. Ab wann gehandelt wird, beurteilt die Tierärztin im Zusammenhang mit dem übrigen Befund; feste Schwellen aus dem Internet ersetzen das nicht.
Warum die Fiebertage zählen
Es lohnt sich, jeden Tag mit erhöhter Temperatur zu notieren. Nicht nur für die Diagnose – sondern weil sich daraus die Dauer der Schonzeit ergibt. Wie das zusammenhängt, steht im nächsten Abschnitt.
Die ersten Schritte
-
Temperatur messen und notieren
Der erste Handgriff, und der, aus dem sich alles Weitere ergibt.
-
Arbeit einstellen
Nicht reiten, nicht longieren, nicht in der Führanlage. Ab sofort, nicht ab morgen.
-
Vom Rest des Stalls trennen
Soweit möglich – eigene Box am Rand, kein direkter Kontakt, eigene Ausrüstung.
-
Stall informieren
Betrieb und Einstellerinnen Bescheid geben. Das ist unangenehm und trotzdem richtig: Andere Pferde können bereits angesteckt sein, bevor etwas sichtbar wird.
-
Beobachtungen festhalten
Temperatur, Nasenausfluss, Husten, Fress- und Trinkverhalten, Verhalten. Mit Datum.
-
Tierärztlich abklären lassen
Bei allen Anzeichen aus dem Kasten oben sofort; sonst nach Rücksprache. Ein Anruf ordnet die Lage oft in fünf Minuten.
Was nicht getan werden sollte
- Nicht: Bei Fieber warm eindecken – der Körper muss Wärme abgeben können. Höchstens eine leichte Abschwitzdecke
- Nicht: „Ausschwitzen lassen" – bei Fieber ist Belastung ein Risiko
- Nicht: Weiterarbeiten, weil es „nur ein bisschen" ist
- Nicht: Humanarzneimittel geben – Dosierung und Verträglichkeit unterscheiden sich, manches ist für Pferde ungeeignet
- Nicht: Abwarten bei den Warnzeichen aus dem Kasten oben
Warum die Schonzeit so lang ist
Dies ist der wichtigste Abschnitt des Artikels – und der, an dem die meisten Fehler passieren.
Die Regel
In der Pferdemedizin gilt als Orientierung: eine Woche Pause je Fiebertag, und zwar mindestens drei Wochen insgesamt. Diese Empfehlung findet sich übereinstimmend in veterinärmedizinischen Standardwerken und universitären Merkblättern.
Und die Begründung, die sie erst überzeugend macht
Die Atemwege reinigen sich selbst: Millionen feiner Flimmerhärchen transportieren Schleim mitsamt Staub und Keimen nach oben, wo er abgeschluckt wird. Virusinfektionen zerstören genau dieses Flimmerepithel.
Bis es sich erneuert hat, vergehen etwa drei Wochen – und in dieser Zeit fehlt dem Pferd seine wichtigste Abwehr in den Atemwegen. Daher die Mindestdauer: Sie richtet sich nicht danach, wie munter das Pferd wirkt, sondern danach, wie lange das Gewebe zur Erneuerung braucht.
Was das eigentliche Risiko ist
Man liest häufig, zu frühe Belastung führe zur Herzmuskelentzündung. Das trifft so nicht zu. Eine Herzmuskelentzündung ist beim Pferd als seltene Komplikation der Infektion selbst beschrieben, nicht als Folge zu frühen Trainings.
Belegt ist ein anderes Risiko, und es ist ernst genug: Solange die Selbstreinigung ausgefallen ist, können sich Bakterien in den unteren Atemwegen festsetzen. Daraus entstehen Lungenentzündung und Brustfellentzündung – schwerwiegende Erkrankungen, die aus einem harmlosen Infekt einen monatelangen Ausfall machen. Bei schweren Verläufen kann ein Pferd 50 bis 100 Tage nicht wettkampffähig sein.
Ein Rechenbeispiel
Ein Pferd hat vier Tage lang Fieber. Nach der Regel bedeutet das vier Wochen Pause – gerechnet ab dem Abklingen der Anzeichen, nicht ab dem ersten Krankheitstag. Das fühlt sich lang an bei einem Pferd, das nach zehn Tagen wieder munter auf dem Paddock steht. Genau deshalb ist es hilfreich zu wissen, woran diese Zeit hängt: nicht am Befinden, sondern an einem Gewebe, das sich erst wieder aufbauen muss.
Pflege und Fütterung
Haltung
- Ruhe, aber nicht zwingend Boxenruhe – frische Luft tut den Atemwegen gut
- Bei Fieber gilt die tierärztliche Vorgabe
- Staubarme Einstreu, gut gelüftet, ohne Zugluft
- Sichtkontakt zu anderen Pferden erhalten, wo es die Trennung erlaubt
Fütterung
- Raufutter angefeuchtet oder bedampft, bodennah angeboten
- Kraftfutter zurücknehmen, solange die Arbeit ruht
- Kleine Portionen häufiger anbieten
- Bei Appetitmangel: warmes Mash, angefeuchtetes Heu, frisches Gras in kleinen Mengen
Wasser
- Ständig verfügbar und sauber
- Lauwarm wird im Winter oft besser angenommen
- Aufnahme im Blick behalten – gerade bei Fieber wichtig
Bei Futterverweigerung nicht abwarten
Ein Pferd, das über einen Tag hinaus gar nichts frisst, ist ein Fall für die Praxis – unabhängig davon, was als Ursache vermutet wird. Beim Pferd ist die dauernde Futteraufnahme Teil der normalen Verdauungsfunktion; ihr Ausfall zieht eigene Probleme nach sich.
Ansteckung verhindern
Dieser Teil betrifft nicht nur Dein Pferd – und er wird regelmäßig unterschätzt.
Die Ansteckungsphase ist länger, als die meisten annehmen
Von der Ansteckung bis zu den ersten Anzeichen vergehen bei Atemwegsinfekten typischerweise wenige Tage. In dieser Zeit ist einem Pferd nichts anzusehen – und andere Pferde im Stall können bereits infiziert sein, bevor das erste hustet.
Und danach: Ein Pferd kann auch nach Abklingen der Anzeichen weiter Virus ausscheiden. In der Fachliteratur wird empfohlen, ein betroffenes Pferd bis zu 28 Tage nach dem Verschwinden der Symptome von anderen fernzuhalten. Das ist deutlich länger, als im Stall üblicherweise angenommen wird – und es ist der Grund, warum Infekte durch ganze Betriebe wandern.
Was praktisch hilft
- Maßnahme: Getrennt aufstallen, soweit die Verhältnisse es zulassen
- Maßnahme: Eigene Ausrüstung – Halfter, Putzzeug, Eimer, Decken
- Maßnahme: Betroffenes Pferd zuletzt versorgen, nicht zwischendurch
- Maßnahme: Hände waschen nach jedem Kontakt
- Maßnahme: Kleidung wechseln, bevor es zu anderen Pferden geht
- Maßnahme: Gemeinsame Tränken meiden
- Maßnahme: Neuzugänge und Turnierrückkehrer zunächst getrennt halten
Und der Teil, der nichts kostet
Offen informieren. Es ist unangenehm, im Stall zu sagen, dass das eigene Pferd krank ist – und es ist das Wirksamste, was Du für die anderen tun kannst. Wer schweigt, verschafft dem Erreger einen Vorsprung von mehreren Tagen. Bei Verdacht auf Druse oder bei mehreren betroffenen Pferden gehört auch die Frage nach vorübergehenden Beschränkungen auf den Tisch – das entscheidet der Betrieb gemeinsam mit der Tierärztin.
Der Wiedereinstieg
Woran Du erkennst, dass es losgehen kann
- Mehrere Tage ohne erhöhte Temperatur
- Kein Nasenausfluss mehr
- Normaler Appetit und normales Verhalten
- Und vor allem: Die Schonzeit ist abgelaufen – eine Woche je Fiebertag, mindestens drei Wochen
Wie der Aufbau aussieht
Gestuft, beginnend mit Schritt, über Wochen statt Tage gesteigert – und mit der Bereitschaft, einen Schritt zurückzugehen, wenn Husten wieder auftritt oder die Erholung nach der Arbeit länger dauert als gewohnt. Wie der Plan im Einzelfall aussieht, hängt vom Verlauf ab und gehört mit der Tierärztin besprochen, besonders nach längerem Fieber.
Der teuerste Fehler
Bei der ersten Beschwerdefreiheit dort weiterzumachen, wo vorher aufgehört wurde. Das Pferd fühlt sich gut, bevor die Atemwege wiederhergestellt sind – das ist keine Täuschung, sondern die normale Reihenfolge. Deshalb richtet sich der Wiedereinstieg nach der Zeit und nicht nach dem Eindruck.
Was die Phytotherapie kennt
Der Rahmen zuerst
Bei einem fieberhaften Infekt sind Kräuter kein Thema für den akuten Teil – dort entscheidet die tierärztliche Beurteilung. Was hier steht, betrifft die Zeit danach, wenn das Pferd wieder frisst und die Anzeichen abgeklungen sind.
Thymiankraut
Thymi herbaBeim Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der EMA als traditionelles pflanzliches Arzneimittel im Bereich Husten und Erkältung geführt. Eine der klassischen Atemwegsdrogen.
Spitzwegerichblätter
Plantaginis lanceolatae foliumEbenfalls als traditionelles pflanzliches Arzneimittel geführt; das dort genannte Anwendungsgebiet betrifft gereizte Schleimhäute in Mund und Rachen mit trockenem Reizhusten.
Schmalblättriger Sonnenhut
Echinaceae angustifoliae radixBeim Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der EMA als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Erkältungsbeschwerden geführt; die ESCOP nennt wiederkehrende Infekte der oberen Atemwege.
Beim Sonnenhut entscheidet die Art – wie bei der Mariendistel der Pflanzenteil
Arzneilich verwendet werden drei Arten. Bei Echinacea angustifolia und E. pallida ist es traditionell die Wurzel, bei E. purpurea auch das Kraut. Die Arten unterscheiden sich in ihren Inhaltsstoffen, und im Bewertungsbericht der EMA ist eine Untersuchung referiert, in der Wurzelextrakte mehrerer Arten in Immunversuchen verglichen wurden: Extrakte aus E. angustifolia waren dabei die wirksamsten.
Die Einordnung dazu: Das ist ein Laborbefund an menschlichen Zellen, keine klinische Aussage – und schon gar keine zum Pferd. Was sich daraus ableiten lässt, ist eine Frage an die Deklaration: „Enthält Echinacea“ sagt so wenig wie „enthält Mariendistel“ – ohne Art und Pflanzenteil bleibt offen, was tatsächlich geliefert wird.
Und zur Anwendungsdauer beim Sonnenhut
Man liest verbreitet, Echinacea dürfe nur kurz gegeben werden – mal ist von einer Woche die Rede, mal von höchstens acht Wochen. Eine Übersichtsarbeit hat diese Angaben nachverfolgt und festgestellt, dass sie ohne Begründung und ohne Belege weitergereicht wurden; eine Datengrundlage für eine Zeitgrenze fand sich nicht. Wer eine Kurdauer nennt, trifft damit eine Vorsichtsentscheidung und gibt keine belegte Vorgabe wieder. Wir halten die Zurückhaltung für richtig – sagen aber dazu, worauf sie beruht.
Was dazugehört
Bei laufender Medikation gehört jede zusätzliche Kräutergabe mit der behandelnden Praxis abgestimmt. Und für Turnierpferde: Kräutermischungen sind karenzrelevant, auch wenn ein Bestandteil in keiner Liste steht – die Prüfung obliegt nach Regelwerk ausschließlich der verantwortlichen Person.
Und was tatsächlich zählt
Nach einem Infekt entscheidet über den Verlauf vor allem eines: dass die Schonzeit eingehalten wird. Das ist unspektakulär, kostet nichts und ist durch nichts zu ersetzen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Atemwegsinfekt beim Pferd?
Die akuten Anzeichen eines unkomplizierten Virusinfekts klingen oft binnen weniger Tage ab; bis das Pferd wieder munter wirkt, vergehen meist ein bis zwei Wochen. Das ist aber nicht das Ende. Das Flimmerepithel der Atemwege braucht rund drei Wochen zur Erneuerung – bis dahin fehlt dem Pferd die wichtigste Selbstreinigung. Die Schonzeit richtet sich deshalb nach dieser Zeit und nicht nach dem Eindruck.
Warum eine Woche Pause je Fiebertag?
Weil Virusinfektionen das Flimmerepithel der Atemwege zerstören, und dessen Erneuerung etwa drei Wochen dauert. Deshalb gilt neben der Regel „eine Woche je Fiebertag" auch eine Mindestdauer von drei Wochen. Die Empfehlung findet sich übereinstimmend in veterinärmedizinischen Standardwerken und universitären Merkblättern.
Ein Rechenbeispiel: vier Fiebertage bedeuten vier Wochen Pause, gerechnet ab dem Abklingen der Anzeichen.
Was passiert wirklich, wenn ich zu früh wieder trainiere?
Nicht das, was meist behauptet wird. Die Herzmuskelentzündung ist beim Pferd als seltene Komplikation der Infektion selbst beschrieben, nicht als Folge zu frühen Trainings.
Das belegte Risiko ist ein anderes: Solange die Selbstreinigung der Atemwege ausgefallen ist, können sich Bakterien in den unteren Atemwegen festsetzen. Daraus entstehen Lungen- und Brustfellentzündung – aus einem harmlosen Infekt wird dann ein monatelanger Ausfall. Bei schweren Verläufen kann ein Pferd 50 bis 100 Tage nicht wettkampffähig sein.
Wie lange ist mein Pferd ansteckend?
Länger, als die meisten annehmen. Ein Pferd kann auch nach Abklingen der Anzeichen weiter Virus ausscheiden; in der Fachliteratur wird empfohlen, es bis zu 28 Tage nach dem Verschwinden der Symptome von anderen fernzuhalten. Hinzu kommt die Zeit davor: Von der Ansteckung bis zu den ersten Anzeichen vergehen typischerweise wenige Tage, in denen dem Pferd nichts anzusehen ist. Das ist der Grund, warum Infekte durch ganze Betriebe wandern.
Soll ich mein krankes Pferd eindecken?
Bei Fieber nicht warm eindecken. Der Körper muss Wärme abgeben können; eine dicke Decke wirkt dem entgegen. Höchstens eine leichte Abschwitzdecke, wenn das Pferd schwitzt. Ohne Fieber gilt das übliche Maß nach Wetter, Fellzustand und Gewohnheit. Auch das „Ausschwitzen lassen" gehört zu den Dingen, die man nicht tun sollte.
Darf mein krankes Pferd nach draußen?
Bei Fieber entscheidet die Tierärztin. Ohne Fieber spricht viel dafür: Frische Luft tut den Atemwegen gut, und strikte Boxenruhe in staubiger Stallluft ist für die Atemwege eine schlechte Kombination. Wichtig ist, dass das Pferd nicht auskühlt und dass die Trennung von anderen Pferden gewahrt bleibt – ein eigener Auslauf statt der Gruppenkoppel.
Kann ich meinem Pferd Hustensaft aus der Apotheke geben?
Nein, keine Humanarzneimittel ohne tierärztliche Anweisung. Dosierung und Verträglichkeit unterscheiden sich zwischen den Arten erheblich, und manches ist für Pferde ungeeignet. Wenn ein Medikament nötig ist, verordnet die Tierärztin ein für Pferde zugelassenes.
Kann ich mich bei meinem Pferd anstecken?
Bei den typischen Atemwegsviren des Pferdes – Influenza und Herpesviren – ist eine Übertragung auf den Menschen nicht die Regel; umgekehrt kannst Du Dein Pferd auch nicht mit einer eigenen Erkältung anstecken. Gute Handhygiene ist trotzdem sinnvoll, und zwar vor allem, um andere Pferde zu schützen: Über Hände, Kleidung und Ausrüstung wandern Erreger zuverlässig durch einen Stall.
Woran erkenne ich Druse?
Typisch sind geschwollene, schmerzhafte Lymphknoten unter dem Kiefer zusammen mit Fieber und eitrigem Nasenausfluss. Die Druse ist eine bakterielle Erkrankung und hochansteckend; die Erreger können in der Umgebung längere Zeit überdauern. Bei diesem Bild gehört das Pferd sofort von anderen ferngehalten und die Praxis angerufen. Die Diagnose stellt die Tierärztin – nicht der Blick von außen.
Helfen Kräuter bei einem Infekt?
Im akuten, fieberhaften Teil entscheidet die tierärztliche Beurteilung. Für die Zeit danach kennt die Phytotherapie mehrere bewertete Drogen, unter anderem Thymiankraut und Spitzwegerichblätter für den Bereich Husten sowie Sonnenhut im Zusammenhang mit Erkältungskrankheiten.
Was nach einem Infekt tatsächlich über den Verlauf entscheidet, ist etwas anderes: dass die Schonzeit eingehalten wird.
Welche Echinacea Art ist die richtige?
Arzneilich verwendet werden drei Arten. Bei Echinacea angustifolia und E. pallida ist es traditionell die Wurzel, bei E. purpurea auch das Kraut. Die Arten unterscheiden sich in ihren Inhaltsstoffen; im Bewertungsbericht der EMA ist eine Untersuchung referiert, in der Wurzelextrakte aus E. angustifolia im Vergleich mehrerer Arten die wirksamsten waren.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Merck Veterinary Manual: Equine Influenza – Empfehlung zur Schonzeit und zur Regeneration des Flimmerepithels
- University of California Davis, Center for Equine Health: Equine Influenza
- Oklahoma State University Extension: Respiratory Diseases in Horses – What You Can Do to Prevent Them
- Reed, S. M., Bayly, W. M. & Sellon, D. C.: Equine Internal Medicine
- Dietz, O. & Huskamp, B.: Handbuch Pferdepraxis. Stuttgart: Enke
- Gehlen, H.: Pferdekrankheiten – Innere Medizin
- Europäische Arzneimittel-Agentur, HMPC: European Union herbal monographs zu Thymi herba, Plantaginis lanceolatae folium und Echinaceae purpureae herba beziehungsweise radix
- Europäische Arzneimittel-Agentur, HMPC: Monographie und Assessment report zu Echinaceae angustifoliae radix sowie Echinaceae purpureae radix; Kommission E: Monographie zu Echinaceae angustifoliae radix