Bei der Druse entscheidet sich vieles in den ersten Stunden – und der erste Hinweis ist nicht die geschwollene Kehle, sondern das Fieberthermometer. Ein Pferd steckt andere an, bevor jemand ihm etwas ansieht.
Auf einen Blick
- Fieber kommt zuerst, oft Tage vor der Schwellung
- Die Druse ist in Deutschland nicht meldepflichtig – das überrascht viele
- Etwa jedes zehnte Pferd scheidet nach der Genesung weiter aus, ohne krank zu wirken
- Die Reihenfolge im Stall ist entscheidend: gesunde Pferde zuerst
- Zwei Impfstoffe sind zugelassen, mit verschiedenen Anwendungswegen
Der Erreger
Steckbrief
- Erreger
- Streptococcus equi subsp. equi – ein Bakterium, das ausschließlich Einhufer befällt
- Inkubationszeit
- Etwa drei bis vierzehn Tage, meist in der ersten Woche
- Übertragung
- Nasenausfluss und Abszesseiter – direkt von Pferd zu Pferd oder über Hände, Kleidung, Eimer, Tränken und Putzzeug
- Überdauern
- In Trockenheit und Sonne nur wenige Tage, in feuchter, dunkler Umgebung deutlich länger
- Betroffen
- Besonders junge Pferde und Tiere ohne vorherigen Kontakt
- Menschen
- Nicht übertragbar – Menschen tragen den Erreger aber weiter
Woran die Eindämmung meist scheitert
Nicht an fehlender Desinfektion, sondern an Wegen. Hände, Stiefel, Schubkarre, der gemeinsame Wasserschlauch – der Erreger reist mit. Deshalb ist die Reihenfolge, in der versorgt wird, wirksamer als jedes Mittel, das danach aufgesprüht wird.
Erkennen
Fieber kommt zuerst
Das erste Zeichen ist erhöhte Temperatur – oft Tage, bevor etwas zu sehen ist. In dieser Phase ist das Pferd bereits ansteckend, wirkt aber höchstens etwas matt und frisst schlechter.
Daraus folgt die wirksamste Einzelmaßnahme überhaupt: Wenn im Umkreis Druse auftritt oder ein Pferd von einer Veranstaltung zurückkommt, wird täglich gemessen und notiert. Ein steigender Wert trennt ein Pferd einen Tag früher von der Herde – und das kann den Ausbruch begrenzen.
Die Lymphknoten
Zwischen den Unterkieferästen – erst derb und schmerzhaft, später weich, wenn der Abszess reift. Beim gesunden Pferd kaum zu tasten.
Der Nasenausfluss
Zunächst wässrig, dann dick und eitrig. Hochansteckend – Tücher gehören entsorgt, nicht ausgewaschen.
Das Schlucken
Das Pferd streckt den Hals, würgt, lässt Futter fallen. Bei starker Schwellung kann die Atmung beeinträchtigt sein – dann zählt jede Minute.
Und der milde Verlauf
Manche Pferde zeigen nur Fieber und wenig sonst – und stecken trotzdem an. Das ist der gefährlichste Fall, weil er übersehen wird.
Zur Meldepflicht
Es gibt keine – und das wird regelmäßig falsch dargestellt
Die Druse ist in Deutschland weder anzeige- noch meldepflichtig. Es werden bei einem Ausbruch also keine amtlichen Bekämpfungsmaßnahmen ergriffen, und es wird keine behördliche Stallsperre verhängt.
Was daraus folgt, ist unbequem: Es gibt niemanden, der die Eindämmung anordnet. Sie hängt vollständig daran, dass Stall und Einstaller sie freiwillig durchhalten – und dass benachbarte Betriebe informiert werden, obwohl niemand dazu verpflichtet ist.
Und warum das umstritten ist
Seit Jahren fordern tierärztliche Verbände eine Meldepflicht, unter anderem weil es ohne sie keine Zahlen gibt – niemand weiß, wie viele Pferde jährlich erkranken. Die Bundesregierung hat eine Einführung bislang abgelehnt. Für den einzelnen Stall ändert das nichts an der Verantwortung, nur an der Rechtslage.
Der Verlauf
| Phase | Was geschieht |
|---|---|
| Beginn | Fieber, Mattigkeit, nachlassender Appetit – äußerlich wenig zu sehen, bereits ansteckend |
| Akute Phase | Lymphknoten schwellen, der Nasenausfluss wird eitrig. Höchste Ansteckungsgefahr |
| Abszessreifung | Die Schwellungen werden weich und brechen auf – spontan oder nach Eröffnung durch die Praxis. Danach meist rasche Besserung |
| Erholung | Fieber sinkt, Appetit kehrt zurück. Das Pferd kann weiterhin ausscheiden |
| Danach | Die Frage, ob es frei ist – dazu der Abschnitt zu den Ausscheidern |
Zur Dauer
Ein unkomplizierter Verlauf ist nach einigen Wochen überstanden, und die meisten Pferde erholen sich vollständig. Die Quarantäne endet damit allerdings nicht – sie endet, wenn nachgewiesen ist, dass nichts mehr ausgeschieden wird.
Die Komplikationen
Wenn der Erreger streut
Gelangen die Bakterien über die Blutbahn in andere Körperregionen, entstehen Abszesse an ungewöhnlichen Stellen – im Bauchraum, in der Lunge, selten im Nervensystem. Der Hinweis darauf ist Fieber, das nicht weichen will, obwohl die Kehle abgeheilt ist – dazu Koliksymptome, Leistungsabfall oder neurologische Zeichen. Das gehört umgehend in die Klinik.
Und die Reaktion, die nach dem Überstehen kommt
Einige Wochen nach der eigentlichen Erkrankung kann eine überschießende Immunreaktion auftreten – mit ausgeprägten Ödemen, punktförmigen Blutungen an den Schleimhäuten und schwerer Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens. Sie ist lebensbedrohlich und ein Notfall. Deshalb gilt: Ein Pferd, das die Druse überstanden hat, bleibt noch einige Wochen unter Beobachtung.
Und der Luftsack
Bricht ein Abszess nach innen auf, kann sich Eiter im Luftsack sammeln. Das Pferd wirkt dann genesen, trägt den Erreger aber weiter – und das ist der häufigste Weg, auf dem ein Pferd zum Dauerausscheider wird.
Das Ausscheiderproblem
Der Grund, warum Druse immer wiederkommt
Etwa jedes zehnte Pferd scheidet nach überstandener Erkrankung weiter aus, ohne krank zu wirken – häufig über Eiter, der im Luftsack verblieben ist. Diese Pferde können über Monate, teils länger, andere anstecken.
Deshalb ist der Abschluss der Erkrankung nicht das Ende. Ob ein Pferd frei ist, wird nachgewiesen – und dabei ist der Nasentupfer weniger verlässlich als die Untersuchung des Luftsacks, weil nicht durchgehend ausgeschieden wird. Ein negativer Tupfer schließt nichts aus; ein positiver beweist.
Was das beim Zukauf bedeutet
Ein Pferd ohne Symptome kann Druse in einen Bestand tragen. Deshalb verlangen inzwischen viele Betriebe eine Untersuchung vor der Aufnahme – und stellen Neuzugänge für einige Wochen getrennt auf, mit täglicher Temperaturkontrolle. Das ist die wirksamste Vorbeugung, die ein Stall hat.
Was im Stall zu tun ist
Die Reihenfolge ist die halbe Miete
- Schritt: Verdächtige Pferde sofort trennen – nicht erst nach dem Befund
- Schritt: Drei Gruppen bilden: krank, Kontakt gehabt, kein Kontakt – und sie nicht mischen
- Schritt: Immer von gesund nach krank arbeiten, nie umgekehrt – das ist wirksamer als jedes Desinfektionsmittel
- Schritt: Eigenes Gerät je Gruppe: Eimer, Putzzeug, Halfter, Mistgabel
- Schritt: Schutzkleidung und Handhygiene beim Verlassen des Krankenbereichs
- Schritt: Täglich im ganzen Bestand Temperatur messen und notieren – so werden neue Fälle früh gefunden
- Schritt: Den Bestand freiwillig schließen: keine Pferde hinaus, keine herein
Und die Nachbarn
Umliegende Betriebe zu informieren, ist nicht vorgeschrieben – aber es ist das, was man selbst erwarten würde. Ein Ausbruch, über den geschwiegen wird, wandert weiter, und am Ende trifft es denselben Stall wieder.
Zur Behandlung
Warum nicht jedes Pferd Antibiotika bekommt
Das überrascht viele und hat einen Grund: In der frühen Phase können Antibiotika die Abszessreifung unterdrücken, ohne den Erreger sicher zu beseitigen – der Verlauf verlängert sich dann, statt sich zu verkürzen.
Bei schwerem Verlauf, bei drohender Atembeeinträchtigung und bei gestreuten Abszessen sieht das anders aus. Die Abwägung trifft die behandelnde Praxis am einzelnen Pferd – nicht der Stall und nicht das Internet.
Was die Pflege leisten kann
- Feuchtwarme Umschläge auf die geschwollenen Lymphknoten, um die Reifung zu unterstützen
- Weiches, eingeweichtes Futter und Wasser in angenehmer Temperatur, solange das Schlucken schwerfällt
- Ruhe – kein Training, auch wenn es wieder besser aussieht
- Nasenausfluss mit Einwegtüchern abnehmen und entsorgen
- Frische Luft ohne Zugluft – und Fressen vom Boden, damit abfließen kann, was abfließen soll
Zur Impfung
Zwei zugelassene Impfstoffe, zwei Wege
In Deutschland sind zwei Impfstoffe gegen die Druse zugelassen und im Handel. Der ältere ist ein Lebendimpfstoff, der in die Schleimhaut der Oberlippe gegeben wird; der neuere beruht auf rekombinanten Proteinen und wird in die Muskulatur gespritzt.
Beide zielen darauf, die Erkrankung abzuschwächen, nicht sie sicher zu verhindern. Welcher in Frage kommt, wie oft aufgefrischt wird und ob sich eine Impfung für einen Bestand lohnt, entscheidet die tierärztliche Praxis anhand der Lage vor Ort.
Und was sie nicht ersetzt
Während eines laufenden Ausbruchs ist eine Impfung nicht das Mittel der Wahl, und bei bereits infizierten Pferden gehört sie nicht angesetzt. Die Trennung der Gruppen, die Reihenfolge beim Versorgen und das tägliche Fiebermessen bleiben die tragenden Maßnahmen – auch im geimpften Bestand.
Aus unserem Sortiment
Zur Einordnung, und das ist hier wichtiger als sonst: Die Druse ist eine bakterielle Infektion und gehört tierärztlich behandelt. Keine Kräutermischung verhindert sie, verkürzt sie oder ersetzt die Quarantäne. Was unten steht, betrifft die Zeit davor und danach.
IMMUNSTARK
Drogen, die in der Phytotherapie der Abwehr zugeordnet werden – für Phasen erhöhter Belastung, etwa vor einer Turniersaison oder nach einem Stallwechsel.
ATEMFREI
Drogen mit ätherischem Öl neben schleimstoffreichen Drogen – als Kur für begrenzte Phasen, wenn die Atemwege nach einer überstandenen Erkrankung noch empfindlich sind.
LEBERWOHL
Leberdrogen der Phytotherapie – für Phasen, in denen vom Stoffwechsel mehr verlangt wird.
Für alle Mischungen gilt
Kräutermischungen sind im Turniersport grundsätzlich als dopingrelevant zu behandeln. Die ADMR stellt nicht auf eine abschließende Pflanzenliste ab, sondern auf die mögliche Beeinflussung der Leistungsfähigkeit. Wer startet, prüft die vollständige Zusammensetzung im geltenden Regelwerk (ADMR-Regeln).
Häufige Fragen
Ist Druse meldepflichtig?
Nein – in Deutschland ist sie weder anzeige- noch meldepflichtig. Es werden bei einem Ausbruch keine amtlichen Maßnahmen ergriffen und keine behördliche Stallsperre verhängt.
Das verschiebt die Verantwortung vollständig in den Betrieb: Die Eindämmung hängt daran, dass Stall und Einstaller sie freiwillig durchhalten.
Was ist das erste Anzeichen?
Fieber – oft Tage, bevor etwas zu sehen ist. In dieser Phase ist das Pferd bereits ansteckend und wirkt höchstens matt.
Deshalb: Wenn im Umkreis Druse auftritt oder ein Pferd von einer Veranstaltung zurückkommt, täglich messen und notieren.
Kann ich mich als Mensch anstecken?
Nein – der Erreger befällt ausschließlich Einhufer.
Menschen tragen ihn aber weiter, an Händen, Kleidung und Schuhen. Deshalb gelten die Hygieneregeln für Menschen genauso.
Mein Pferd ist genesen – ist es jetzt ungefährlich?
Nicht ohne Nachweis. Etwa jedes zehnte Pferd scheidet weiter aus, ohne krank zu wirken – häufig über Eiter, der im Luftsack verblieben ist.
Der Nasentupfer ist dabei weniger verlässlich als die Untersuchung des Luftsacks, weil nicht durchgehend ausgeschieden wird. Ein negativer Tupfer schließt nichts aus.
Warum bekommt mein Pferd kein Antibiotikum?
In der frühen Phase können Antibiotika die Abszessreifung unterdrücken, ohne den Erreger sicher zu beseitigen – der Verlauf verlängert sich dann eher.
Bei schwerem Verlauf, drohender Atembeeinträchtigung oder gestreuten Abszessen ist das anders. Die Abwägung trifft die behandelnde Praxis.
Was tun, wenn das Fieber nach der Genesung zurückkommt?
Umgehend anrufen. Fieber, das nicht weichen will oder wiederkehrt, kann auf gestreute Abszesse hinweisen – im Bauchraum, in der Lunge, selten im Nervensystem.
Und einige Wochen nach der Erkrankung ist eine überschießende Immunreaktion möglich, mit Ödemen und Blutungen an den Schleimhäuten. Beides ist ein Notfall.
Soll ich impfen lassen?
Zwei Impfstoffe sind zugelassen – ein Lebendimpfstoff für die Schleimhaut und ein neuerer auf Basis rekombinanter Proteine für die Muskulatur.
Beide zielen darauf, die Erkrankung abzuschwächen, nicht sie sicher zu verhindern. Ob sich das für einen Bestand lohnt, entscheidet die tierärztliche Praxis anhand der Lage vor Ort.
Was ist die wirksamste Vorbeugung?
Neuzugänge einige Wochen getrennt aufstellen und täglich Temperatur messen. Ein Pferd ohne Symptome kann Druse in einen Bestand tragen.
Im Ausbruchsfall: immer von gesund nach krank arbeiten – das ist wirksamer als jedes Mittel, das danach aufgesprüht wird.
Helfen Kräuter gegen Druse?
Nein. Die Druse ist eine bakterielle Infektion und gehört tierärztlich behandelt – keine Mischung verhindert sie, verkürzt sie oder ersetzt die Quarantäne.
Einen Platz haben Kräuter davor und danach: in Phasen erhöhter Belastung und wenn die Atemwege nach einer überstandenen Erkrankung noch empfindlich sind.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Boyle, A. G. et al. (2018): Streptococcus equi infections in horses – guidelines for treatment, control and prevention of strangles. Revised Consensus Statement. Journal of Veterinary Internal Medicine 32(2), 633–647
- Waller, A. S. (2014): Strangles – taking steps towards eradication. Veterinary Microbiology 167(1–2), 50–60
- Friedrich-Loeffler-Institut: Informationen zur Druse
- Ständige Impfkommission Veterinärmedizin am Friedrich-Loeffler-Institut: Leitlinie zur Impfung von Pferden
- Paul-Ehrlich-Institut: Verzeichnis der für Pferde zugelassenen immunologischen Tierarzneimittel
- Deutscher Bundestag, Drucksache 19/13814: Antwort der Bundesregierung zur Meldepflicht für Druse