Es gibt Pferde, die jeden Infekt im Stall mitnehmen, während die Boxennachbarn durchkommen. Das ist selten Zufall und fast nie Pech – meistens stehen mehrere Dinge dahinter, die sich einzeln prüfen und verändern lassen.
Das Wichtigste in Kürze
- Wiederkehrende Infekte sind ein Befund, kein Charakterzug – sie gehören abgeklärt
- Beim älteren Pferd steht PPID weit vorn unter den Ursachen
- Stallluft und Heuqualität wirken stärker als jedes Ergänzungsfuttermittel
- Immundrogen haben Anwendungsgrenzen – sie sind nicht für den Dauereinsatz gedacht
- Fieber gehört in die Praxis, nicht in den Futtertrog
Wann es auffällig ist
Ein Infekt im Jahr sagt nichts. Es ist das Muster, das zählt – und zwar dieses:
Immer als Erstes
Geht etwas im Stall um, ist es dasselbe Pferd, das zuerst hustet. Bei gleichem Infektionsdruck erkranken nicht alle gleich – der Unterschied liegt beim Pferd.
Und immer am längsten
Der Husten bleibt, während die anderen längst wieder arbeiten. Eine verzögerte Erholung ist aussagekräftiger als die Häufigkeit.
Auch nebenbei
Kleine Wunden heilen langsam, die Haut macht wiederkehrend Probleme, das Fell bleibt stumpf. Solche Kleinigkeiten gehören ins selbe Bild.
Ohne Erholung dazwischen
Kaum ist eines überstanden, beginnt das nächste. Wenn zwischen den Infekten keine wirklich gute Phase liegt, ist das ein Grund nachzusehen.
Woran es liegen kann
| Bereich | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Grunderkrankung | PPID beim älteren Pferd, seltener andere chronische Erkrankungen – oft der eigentliche Grund |
| Atemwege | Vorgeschädigte Schleimhaut durch Staub, Ammoniak und Schimmelpilzsporen im Heu |
| Versorgung | Lücken bei Eiweiß, Zink, Selen oder Vitamin E – prüfbar über Ration und Blutbild |
| Zähne und Futteraufnahme | Wer schlecht kaut, nimmt schlechter auf – ein häufig übersehener Punkt |
| Dauerbelastung | Unruhige Gruppe, zu wenig Fressplätze, häufige Transporte, Dauerstress im Training |
| Lebensphase | Sehr junge und sehr alte Pferde sind anfälliger – das ist normal, aber ein Grund für mehr Sorgfalt |
Meist trifft mehreres zusammen
Ein älteres Pferd mit unerkannter PPID, das in einem staubigen Stall steht und dessen Ration seit drei Jahren dieselbe ist – da wirkt keine Einzelmaßnahme. Die gute Nachricht: Fast jeder dieser Punkte lässt sich prüfen, und die meisten lassen sich ändern.
Was abgeklärt gehört
In dieser Reihenfolge
- Schritt: Blutbild mit Entzündungswerten und Organwerten – die Grundlage für alles Weitere
- Schritt: ACTH-Wert beim älteren Pferd, besonders aussagekräftig im Herbst (EMS und Cushing)
- Schritt: Spurenelemente bestimmen, statt auf Verdacht zu ergänzen
- Schritt: Kotprobe – Parasitenbefall gehört ausgeschlossen (Selektive Entwurmung)
- Schritt: Zahnkontrolle, wenn sie länger zurückliegt
- Schritt: Atemwege ansehen lassen, wenn Husten wiederkehrt (Equines Asthma)
Nicht auf eigene Faust ergänzen
Selen und Kupfer lassen sich überdosieren, und das ist gefährlich. Wer ohne Messung supplementiert, löst im besten Fall nichts und schadet im schlechtesten. Erst messen und rechnen, dann ergänzen.
Haltung und Ration
Was am meisten bringt
- Empfehlung: Luft – Auslauf, offene Fenster, kein geschlossener Stall „wegen der Kälte“; Pferde frieren im Stall seltener, als Menschen denken
- Empfehlung: Heu mit geringer Staubbelastung, bei Bedarf bedampft (Stallluft und Heu)
- Empfehlung: Vom Boden füttern statt aus dem Netz über Kopfhöhe – das entlastet die Atemwege
- Empfehlung: Bewegung täglich, auch an Tagen ohne Training
- Empfehlung: Ruhe in Gruppe und Ablauf, genug Fressplätze für alle
- Empfehlung: Ration durchrechnen lassen, statt sie zu ergänzen
Und der Darm
Der Darm ist das größte Kontaktflächenorgan zur Außenwelt und eng mit der Abwehrlage verbunden. Was ihm am meisten hilft, steht nicht im Regal: Raufutter über den Tag verteilt, langsame Futterwechsel, wenig Stärke auf einmal – und nach einer Antibiotikabehandlung Zeit statt Hektik (Darmflora beim Pferd).
Die Immundrogen und ihre Grenzen
In der Phytotherapie gibt es Drogen, die traditionell in dieses Feld gehören. Ihre Anwendungsgrenzen gehören genauso dazu wie ihre Anwendung.
| Droge | Einordnung | Grenze |
|---|---|---|
| Sonnenhutkraut | Die bekannteste Droge dieses Felds | Höchstens acht Wochen am Stück – keine Dauergabe |
| Taigawurzel | Wird den anpassungsfördernden Drogen zugeordnet | Höchstens zwei Monate am Stück, danach Pause |
| Hagebutte | Früchte, traditionell in der kalten Jahreszeit verwendet – nicht in IMMUNSTARK enthalten | Unproblematisch, aber auch kein Ersatz für eine Kur |
| Zistrose | Polyphenolreich, traditionelle Verwendung | Kurweise |
Warum die Grenzen zählen
Gerade bei einem Pferd, das ständig krank wird, ist die Versuchung groß, dauerhaft zu füttern. Genau das sehen die Anwendungsempfehlungen dieser Drogen nicht vor – sie sind für begrenzte Zeiträume gedacht. Wer über den ganzen Winter durchfüttern will, sollte stattdessen an Stallluft, Ration und Abklärung arbeiten.
Aus unserem Sortiment
IMMUNSTARK ist für die Wochen gedacht, in denen erfahrungsgemäß etwas umgeht – als Kur mit Anfang und Ende, nicht als Dauerbegleiter. Und mit derselben Einschränkung wie alles hier: Bei wiederkehrenden Infekten steht die Abklärung vor der Mischung, nicht danach.
Ein realistischer Plan
Was in welcher Reihenfolge
- Zuerst die Ursache suchen – Blutbild, ACTH beim älteren Pferd, Kotprobe, Zähne
- Dann die Bedingungen ändern – Luft, Heu, Bewegung, Ruhe in der Gruppe
- Dann die Ration – rechnen lassen, gezielt schließen, was fehlt
- Zuletzt begleiten – Kräuter kurweise, mit Blick auf die Anwendungsgrenzen
Zur Geduld
Veränderungen an Haltung und Ration wirken nicht in Tagen. Realistisch ist, den Erfolg über eine ganze Saison zu beurteilen – also daran, wie das Pferd durch den nächsten Winter kommt, nicht daran, ob es diese Woche hüstelt. Wer alle zwei Wochen etwas Neues probiert, wird nie wissen, was geholfen hat.
Wo die Selbsthilfe endet
- Fieber – immer ein Fall für die Praxis
- Nasenausfluss, der gelblich oder einseitig ist
- Atemnot oder deutlich erhöhte Atemfrequenz in Ruhe
- Futterverweigerung, Mattigkeit, Gewichtsverlust
- Husten, der nach zwei Wochen nicht besser wird
Häufige Fragen
Warum wird immer dasselbe Pferd krank?
Weil bei gleichem Infektionsdruck nicht alle gleich anfällig sind. Häufig steckt eine Grunderkrankung dahinter – beim älteren Pferd vor allem PPID –, dazu vorgeschädigte Atemwege, Versorgungslücken oder Dauerbelastung.
Meist trifft mehreres zusammen. Deshalb beginnt man mit der Abklärung und nicht mit einem Ergänzungsfuttermittel.
Kann ich das Immunsystem mit Kräutern stärken?
Kräuter können kurweise begleiten, und dafür gibt es traditionelle Drogen. Was sie nicht leisten: eine Grunderkrankung behandeln oder schlechte Stallluft ausgleichen.
Wichtig sind die Anwendungsgrenzen: Sonnenhutkraut höchstens acht Wochen, Taigawurzel höchstens zwei Monate am Stück. Eine Dauergabe über den ganzen Winter ist nicht vorgesehen.
Was bringt am meisten?
Luft und Heuqualität – in dieser Reihenfolge. Staub, Ammoniak und Schimmelpilzsporen belasten die Atemwege dauerhaft und machen sie empfänglich.
Das kostet nichts außer Konsequenz: Fenster auf, Auslauf, Heu vom Boden statt aus dem hoch hängenden Netz, bei Bedarf bedampfen.
Mein Pferd hatte mehrfach Antibiotika – schadet das?
Eine Behandlung wirkt auch auf die Mikroorganismen im Darm, und das braucht danach Zeit. Was hilft, ist vor allem die Ration: Raufutter über den Tag, wenig Stärke auf einmal, keine weiteren Umstellungen in denselben Wochen.
Wichtiger ist die Frage davor: Warum waren mehrere Behandlungen nötig? Das gehört abgeklärt.
Ab welchem Alter sind Pferde anfälliger?
Sehr junge und ältere Pferde sind anfälliger – das ist normal. Beim älteren Pferd gehört aber PPID abgeklärt, bevor man es aufs Alter schiebt.
Häufigere Infekte sind neben zähem Fellwechsel und Muskelabbau eines der typischen Zeichen – und PPID ist behandelbar.
Wie lange dauert es, bis sich etwas ändert?
Länger, als die meisten hoffen. Realistisch ist die Beurteilung über eine ganze Saison – also daran, wie das Pferd durch den nächsten Winter kommt.
Wer alle zwei Wochen etwas Neues probiert, wird am Ende nicht wissen, was geholfen hat.
Wann muss ich die Praxis rufen?
Bei Fieber immer. Ebenso bei gelblichem oder einseitigem Nasenausfluss, bei Atemnot oder deutlich erhöhter Atemfrequenz in Ruhe, bei Futterverweigerung und Gewichtsverlust.
Und bei Husten, der nach zwei Wochen nicht besser wird – daraus wird sonst leicht ein chronisches Problem.