Ein Pferd atmet in Ruhe rund zehntausend Mal am Tag – und jeder Atemzug bringt das mit, was in der Stallluft schwebt. Zwei Dinge entscheiden darüber, was das ist: die Haltungsform und das Heu. Dieser Artikel zeigt, wie sich beide beurteilen und verbessern lassen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Haltungsform ist der größte Einzelfaktor – Pferde mit viel Außenaufenthalt haben weniger Atemwegsbefunde
- Auch optisch gutes Heu staubt, und die Sporen sieht man nicht
- Bedampfen bindet Staub und tötet Keime ab, Wässern bindet nur
- Entstaubte Späne und Pellets binden Feuchtigkeit besser als Stroh
- Riechbarer Ammoniak heißt immer: zu wenig Luftaustausch
Die Haltungsform
Bevor es um Geräte und Verfahren geht: Wo ein Pferd seine Stunden verbringt, entscheidet mehr über seine Atemwege als jede Maßnahme im Stall. Untersuchungen an aufgestallten Pferden zeigen Entzündungszeichen in den Atemwegen auch dann, wenn die Tiere äußerlich unauffällig sind.
| Form | Stärke | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|
| Offenstall | Dauernder Luftaustausch, kaum Ammoniak | Liegehalle windgeschützt halten, Heu trotzdem staubarm anbieten |
| Paddockbox | Offene Seite sorgt für Austausch | Ausrichtung zur Wetterseite, tägliches Ausmisten |
| Innenbox | Wetterschutz, planbare Fütterung | Lüftung ist hier der Hebel – Firstlüftung, gekippte Fenster, offene Stallgasse |
| Jede Form | – | Stunden im Freien sind die wirksamste Einzelmaßnahme, unabhängig vom Stalltyp |
Heuqualität beurteilen
Heu ist im Winter die gesamte Ration – und die größte Staubquelle. Vier Merkmale lassen sich ohne Labor prüfen, und zwar an jeder einzelnen Charge, nicht einmal im Jahr.
| Merkmal | Gut | Nicht verfüttern |
|---|---|---|
| Geruch | Aromatisch, nach Kraut | Muffig, modrig, stechend |
| Farbe | Grün bis grüngelb | Graue oder weiße Nester, dunkle Flecken |
| Struktur | Halme erkennbar | Zerbröselt, staubfein |
| Staub | Kaum sichtbar beim Ausschütteln | Deutliche Wolke im Gegenlicht |
Der Gegenlichttest
Eine Portion Heu im Gegenlicht ausschütteln, am besten in einer offenen Stallgasse oder draußen. Was dabei sichtbar wird, atmet das Pferd später mit der Nase direkt über der Raufe ein. Der Test dauert zehn Sekunden und sagt mehr als jede Sichtprüfung am geschlossenen Ballen.
Was man nicht sieht
Schimmelpilzsporen sind mit bloßem Auge nicht erkennbar, und auch optisch einwandfreies Heu kann belastet sein. Bei wiederkehrenden Atemwegsproblemen im Bestand lohnt eine Heuanalyse – sie kostet wenig im Verhältnis zu dem, was eine chronische Erkrankung über Jahre kostet.
Bedampfen, wässern oder trocken
| Kriterium | Bedampfen | Wässern | Trocken |
|---|---|---|---|
| Staub | Stark reduziert | Stark reduziert | Unverändert |
| Keime und Sporen | Werden durch Hitze abgetötet | Nur gebunden; die Keimzahl kann sogar steigen | Unverändert |
| Inhaltsstoffe | Weitgehend erhalten | Wasserlösliche Bestandteile gehen verloren | Erhalten |
| Haltbarkeit danach | Kurz – am selben Tag verfüttern | Sofort verfüttern | Monate |
| Aufwand | Gerät und Strom | Tonne und Wasser | Keiner |
Was das praktisch heißt
- Bedampfen ist das Verfahren der Wahl, wenn ein Pferd im Bestand Atemwegsbefunde hat
- Wässern ist die gangbare Alternative, wenn kein Gerät da ist – aber nur kurz und immer frisch verfüttert
- Der Verlust wasserlöslicher Bestandteile beim Wässern ist bei Pferden mit Zuckerrestriktion sogar erwünscht – bei dünnen Pferden dagegen ein Nachteil
- Behandeltes Heu kippt schnell – riecht es säuerlich, gehört es weg
Die Einstreu
Die Einstreu bestimmt zwei Dinge: wie viel Staub aufwirbelt und wie gut Harn gebunden wird – und damit, wie viel Ammoniak entsteht.
| Art | Staub | Bindung von Feuchtigkeit |
|---|---|---|
| Stroh | Höher, je nach Charge stark schwankend | Mäßig |
| Entstaubte Späne | Gering | Gut |
| Holzpellets | Sehr gering | Sehr gut |
| Hanf und Miscanthus | Gering | Gut |
Unabhängig von der Sorte
Entscheidend ist, wie gemistet wird, nicht allein womit eingestreut wird: nasse Stellen vollständig entfernen statt abdecken, und ausmisten, wenn das Pferd nicht in der Box steht. Mehr dazu in Stallhygiene im Winter.
Luft, Zugluft und der Unterschied
Der häufigste Fehler im Winter ist, den Stall dicht zu machen. Pferde halten Kälte gut aus, schlechte Luft nicht – ein kühler durchlüfteter Stall ist besser als ein warmer geschlossener.
Luftaustausch
Gebraucht wird ein gleichmäßiger Austausch über First und Fenster – von oben, nicht seitlich auf Höhe des Pferdes.
Zugluft
Zugluft ist punktuell, schnell und trifft das Pferd direkt. Eine Kerze auf Pferdehöhe zeigt es: flackert sie stark waagerecht, zieht es.
Der Nasentest
Ammoniak ist schwerer als Luft und sammelt sich unten. Wer sich in der Box hinunterbeugt und etwas riecht, hat zu wenig Austausch – und das Pferd steckt mit dem Kopf noch tiefer, wenn es liegt.
Und die Stallgasse
Trockenes Kehren wirbelt genau das auf, was man loswerden will. Feucht kehren, und nicht, während die Pferde in den Boxen stehen.
Häufige Fragen
Was belastet die Atemwege im Stall am meisten?
Drei Dinge zusammen: Staub aus Heu und Einstreu, Schimmelpilzsporen und Ammoniak aus Harn und Mist. Ammoniak reizt die Schleimhaut und beeinträchtigt die Selbstreinigung der Atemwege.
Der größte Einzelfaktor ist aber die Haltungsform: Stunden im Freien wirken stärker als jede Maßnahme im Stall.
Heu bedampfen oder wässern?
Bedampfen, wenn ein Pferd im Bestand Atemwegsbefunde hat: Die Hitze bindet nicht nur den Staub, sie tötet Keime und Sporen ab. Beim Wässern werden sie nur gebunden, und die Keimzahl kann sogar steigen.
Wässern ist die gangbare Alternative, wenn kein Gerät da ist – kurz, und immer frisch verfüttert. Behandeltes Heu kippt schnell; riecht es säuerlich, gehört es weg.
Wie erkenne ich schlechtes Heu?
An Geruch, Farbe, Struktur und Staub: aromatisch und grün mit erkennbaren Halmen ist gut, muffig, grau oder staubfein ist es nicht.
Der Gegenlichttest dauert zehn Sekunden: eine Portion ausschütteln und schauen, was sichtbar wird. Sporen sieht man dabei allerdings nicht – bei wiederkehrenden Problemen im Bestand lohnt eine Heuanalyse.
Welche Einstreu ist die beste?
Für die Atemwege sind entstaubte Späne und Holzpellets im Vorteil: wenig Staub, gute Bindung von Feuchtigkeit und damit weniger Ammoniak.
Wichtiger als die Sorte ist aber, wie gemistet wird – nasse Stellen vollständig entfernen statt abdecken.
Muss ich im Winter wirklich lüften?
Ja, gerade dann. Im Winter ist die Belastung am höchsten, weil Fenster und Türen geschlossen bleiben und die Pferde mehr Zeit im Stall verbringen.
Gebraucht wird Austausch von oben – über First und gekippte Fenster –, nicht ein Luftstrom auf Höhe des Pferdes. Ob es zieht, zeigt eine Kerze auf Pferdehöhe.
Wann gehört das Pferd untersucht?
Bei Husten über mehr als wenige Tage, bei Nasenausfluss, bei vermehrter Atemanstrengung in Ruhe, bei Leistungsabfall oder Fieber.
Frühe Zeichen sind unspezifisch: ein Huster beim Antraben, etwas längeres Auskonditionieren. Mehr dazu in Akuter Husten beim Pferd und Equines Asthma.