Die Alantwurzel ist die Droge in unserer Atemwegsmischung, sie steht seit der Antike in der europäischen Heilkunde.
Auf einen Blick
- Verwendet wird die Wurzel von Inula helenium
- Eine der ältesten Atemwegsdrogen Europa
Steckbrief
| Drogenbezeichnung | Helenii radix – Alantwurzel |
|---|---|
| Familie | Korbblütler (Asteraceae) |
| Verwendeter Pflanzenteil | Die Wurzel, im Herbst des zweiten oder dritten Jahres geerntet |
| Charakteristisch | Sesquiterpenlactone im ätherischen Öl, dazu viel Inulin |
| Monographien | Kommission E: negativ; ESCOP und WHO: traditionelle Verwendung beschrieben |
| Gegenanzeige | Bekannte Empfindlichkeit gegen Korbblütler |
| Herkunft | Ursprünglich Zentralasien, seit der Antike in Europa kultiviert |
Die Pflanze und ihre Wurzel
Der Alant ist eine der größten Stauden, die bei uns wachsen – bis zu zwei Meter hoch, mit großen, unterseits filzigen Blättern und goldgelben Blütenkörben, die an kleine Sonnenblumen erinnern. Verwendet wird nicht das Kraut, sondern die Wurzel, die armdick werden kann.
Der Geruch der frischen Wurzel
Frisch riecht die Alantwurzel auffällig blumig, fast nach Veilchen – getrocknet wird daraus ein würzig-kampferartiger Geruch. Das ist charakteristisch und zugleich das einfachste Qualitätsmerkmal: Eine Ware ohne diesen Geruch hat ihr ätherisches Öl verloren.
Woher der Name kommt
„Helenium“ verweist auf Helena, deren Entführung den Trojanischen Krieg auslöste – der Sage nach wuchs die Pflanze dort, wo ihre Tränen fielen. Hippokrates und Dioskurides führen den Alant bereits als Droge für die Atemwege, und im Mittelalter gehörte er zu den wichtigsten Klosterkräutern.
Die Monographielage
ESCOP und WHO
ESCOP und die WHO beschreiben die traditionelle Verwendung der Alantwurzel bei Husten und Verschleimung.
Was die Wurzel mitbringt
Ätherisches Öl mit Sesquiterpenlactonen
Alantolacton und Isoalantolacton geben der Wurzel ihren Charakter – und sind zugleich die Stoffe, auf denen der Vorbehalt beruht.
Inulin
Der Speicherstoff der Wurzel, und zwar in erheblicher Menge. Inulin ist ein Ballaststoff, der im Dickdarm vergoren wird.
Bitterstoffe
Sie erklären die überlieferte Verwendung bei nachlassendem Appetit – eine zweite Seite dieser Droge.
Triterpene und Sterole
Begleitstoffe, die zum Bild der Droge gehören.
Zum Inulin, weil es häufig überhöht wird
Inulin ist ein Ballaststoff und kein Wundermittel. Beim Pferd, dessen Dickdarm ohnehin große Mengen Faser vergärt, fällt die Menge aus wenigen Gramm Wurzel kaum ins Gewicht.
Warum sie in unserer Mischung steht
Eine eigene Stoffgruppe
Die Atemwegsdrogen der europäischen Pflanzenheilkunde lassen sich grob in drei Gruppen teilen: solche mit ätherischem Öl, solche mit Schleimstoffen – und die Alantwurzel mit ihren Sesquiterpenlactonen, die zu keiner der beiden gehört.
Genau deshalb steht sie seit jeher neben Thymian und Spitzwegerich, nicht an deren Stelle (Rezeptur statt Zufall).
ATEMFREI
Atemwegsdrogen in Arzneibuchqualität – neben Thymian, Spitzwegerich und Anis auch Alantwurzel in festgelegtem Anteil. Ohne Trägermaterial und ohne zugesetzte Aromen.
PULMOPLUS
Für Pferde mit dauerhaft erhöhtem Bedarf an den Atemwegen – als längerfristige Begleitung.
Die übliche Menge
Für ein Großpferd werden üblicherweise 15 bis 30 Gramm getrocknete Alantwurzel pro Tag angesetzt, bei Ponys entsprechend weniger. Begonnen wird mit der halben Menge und über einige Tage gesteigert – hier besonders sorgfältig, weil sich eine Unverträglichkeit so früh zeigt. Bei Mischungen gelten die Angaben des jeweiligen Produkts, nicht diese Zahlen.
Zur Anwendungsdauer
Vier bis sechs Wochen, dann eine Pause von mehreren Wochen. Bei dieser Droge ist die Begrenzung kein Ritual, sondern folgt unmittelbar aus dem Sensibilisierungsrisiko: Eine Allergie entsteht über die Zeit und über wiederholten Kontakt.
Gegenanzeigen und Grenzen
Kein Mittel gegen Würmer
In alten Quellen wird die Alantwurzel bei Wurmbefall genannt. Das ist historisch interessant und praktisch gefährlich: Wer sich darauf verlässt, verzichtet auf eine wirksame Entwurmung – und ein Wurmbefall, der unbehandelt bleibt, schädigt den Darm dauerhaft. Entwurmt wird nach Kotprobe und tierärztlicher Empfehlung.
Weitere Punkte
- Tragende und laktierende Stuten – nicht ohne Rücksprache
- Bei laufender medikamenöser Behandlung vorher mit der betreuenden Praxis abstimmen
- Husten gehört angesehen, bevor etwas gefüttert wird (Husten beim Pferd · Equines Asthma)
- Die Stallluft entscheidet mit – Heu, Einstreu, Lüftung (Stallluft und Heu)
- Im Turniersport als dopingrelevant behandeln; Karenzzeiten lassen sich nicht ableiten (ADMR-Regeln)
Häufige Fragen
Hilft Alantwurzel gegen Würmer?
Nein – und darauf zu setzen wäre gefährlich. Alte Quellen nennen die Droge bei Wurmbefall; eine wirksame Entwurmung ersetzt das nicht.
Ein Wurmbefall, der unbehandelt bleibt, schädigt den Darm dauerhaft. Entwurmt wird nach Kotprobe und tierärztlicher Empfehlung.
Mein Pferd hat weicheren Kot bekommen – woran liegt das?
Möglicherweise am Inulin, dem Speicherstoff der Wurzel: ein Ballaststoff, der im Dickdarm vergoren wird. Zu Beginn kann das vorübergehend auffallen.
Deshalb einschleichend beginnen – und wenn es anhält oder andere Zeichen hinzukommen, die Gabe beenden und nachsehen lassen.
Welche Menge gibt man?
Für ein Großpferd üblicherweise 15 bis 30 Gramm getrocknete Wurzel pro Tag, bei Ponys entsprechend weniger – einschleichend beginnen.
Vier bis sechs Wochen, dann eine Pause. Bei Mischungen gelten die Angaben des jeweiligen Produkts.
Woran erkenne ich gute Alantwurzel?
Am Geruch – würzig-kampferartig und deutlich wahrnehmbar. Eine geruchsarme Ware hat ihr ätherisches Öl verloren.
Dazu eine helle, gelblich-bräunliche Farbe und feste, trockene Stücke – nicht dunkel, nicht weich, nicht feucht.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Kommission E des Bundesgesundheitsamtes: Monographie Helenii radix (Negativmonographie)
- ESCOP: Monograph Helenii radix
- WHO Monographs on Selected Medicinal Plants
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme
- Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)