Es gibt Pflanzen, die man riecht, bevor man sie sieht. Damiana ist eine davon – ein kleiner Strauch aus der mexikanischen Trockensavanne, dessen Blätter würzig duften und dessen gelbe Blüten sich jeden Nachmittag wieder schließen.
Auf einen Blick
- Heimat: Trockengebiete Mexikos und Mittelamerikas
- Verwendet werden die Blätter – klein, gezähnt, aromatisch
- Sonnenkraut – die Blüten folgen dem Tageslauf
- In der Phytotherapie eine tonisierende Droge
- Damianin – ein Stoff, der nur in dieser Gattung vorkommt
Steckbrief
| Drogenbezeichnung | Turnerae diffusae folium – Damianablätter |
|---|---|
| Familie | Passionsblumengewächse (Passifloraceae) |
| Verwendeter Pflanzenteil | Die Blätter |
| Wuchs | Kleiner, stark verzweigter Strauch, 30 bis 200 cm |
| Heimat | Mexiko, Mittelamerika, Karibik |
| Standort | Trockene, steinige Böden bis in größere Höhen |
| Blüte | Leuchtend gelb, fünfzählig, einzeln in den Blattachseln |
| Charakteristisch | Ätherisches Öl, Flavonoide, Damianin |
| Einordnung | Tonisierende Droge der traditionellen Pflanzenheilkunde |
Die Pflanze
Damiana wächst dort, wo wenig wächst. Ihr Zuhause sind die trockenen, steinigen Lagen Mexikos – Baja California, Sonora, Tamaulipas – sowie Mittelamerika und die karibischen Inseln. Kalkhaltiger Boden, viel Sonne, wenig Wasser: Bedingungen, unter denen Pflanzen jene Stoffe bilden, die sie vor Hitze, Trockenheit und Fraßfeinden schützen. Genau diese Stoffe sind es, die eine Droge ausmachen.
Das Erscheinungsbild
Die Blätter sind klein – ein bis zweieinhalb Zentimeter –, länglich bis spatelförmig, am Rand gesägt und auf der Unterseite fein behaart. Sie sind der Teil, der verwendet wird.
Die Blüten sitzen einzeln in den Blattachseln und leuchten kräftig gelb. Sie öffnen sich am Morgen und sind am Nachmittag wieder geschlossen – jeden Tag aufs Neue.
Und der Duft
Wer getrocknete Damianablätter in der Hand zerreibt, riecht es sofort: würzig, ein wenig harzig, mit einer Note zwischen Kamille und Thymian. Dieser Geruch ist zugleich das einfachste Qualitätsmerkmal – dazu weiter unten mehr.
Sonnenkraut – woher der Name kommt
Drei Namen, drei Geschichten
Sonnenkraut heißt die Pflanze wegen ihrer Blüten, die dem Tageslauf folgen und sich am Nachmittag schließen.
Turnera ehrt William Turner, einen englischen Botaniker des sechzehnten Jahrhunderts – diffusa beschreibt den ausgebreiteten, verzweigten Wuchs.
Woher „Damiana“ stammt, ist nicht sicher geklärt. Eine Spur führt zum heiligen Damian, dem Schutzpatron der Apotheker; eine andere zu einer indigenen Bezeichnung, die die spanischen Chronisten übernahmen.
Aus Mesoamerika nach Europa
Damiana gehört zu den alten Drogen der Neuen Welt. Die Maya bereiteten einen Aufguss aus den Blättern; auch bei den Azteken ist die Pflanze belegt. Nach der spanischen Eroberung trugen Missionare und Ärzte das Wissen der indigenen Heilkunde zusammen – so gelangten viele mittelamerikanische Drogen in die europäische Literatur.
Das neunzehnte Jahrhundert
In den 1870er Jahren begannen die ersten größeren Importe nach Europa und Nordamerika, und Damiana wurde rasch zu einer gefragten Droge der Apotheken. 1888 wurde sie erstmals gründlich phytochemisch untersucht – dabei fand man jenen Stoff, der heute ihren Namen trägt. Bis heute ist Mexiko der Hauptproduzent.
Das Drogenbild
Woran man gute Ware erkennt
An der Farbe: Hochwertige Damianablätter sind kräftig grün. Blasse, grau-grüne Ware hat zu lange gelagert oder wurde zu warm getrocknet.
Am Geruch: Das ätherische Öl ist flüchtig – eine Droge, die kaum riecht, hat es weitgehend verloren. Der Duft ist deshalb das aussagekräftigste Merkmal, das sich ohne Labor prüfen lässt.
Am Blattanteil: Verwendet werden die Blätter – viel Stängelanteil senkt den Gehalt, ohne dass es auf den ersten Blick auffällt.
Und ein Merkmal für das Labor
Damianin kommt nur in dieser Gattung vor. Sein Nachweis bestätigt deshalb, dass tatsächlich Damiana vorliegt – ein Prüfweg, der bei einer Droge, die als getrocknetes Blattgut gehandelt wird, mehr wiegt als jede Beteuerung (Arzneibuchqualität).
Was die Blätter mitbringen
Ätherisches Öl
Der Charakter der Droge – mit Cineol, Pinen und Thymol unter den Hauptkomponenten. Es macht den würzigen Geruch aus und geht bei zu warmer Trocknung verloren.
Flavonoide
Apigenin, Luteolin und Quercetin – eine Stoffgruppe, die in vielen Drogen der Pflanzenheilkunde eine Rolle spielt und auch für die gelbliche Färbung mitverantwortlich ist.
Damianin
Das Besondere an dieser Pflanze. Ein Terpenoid, das 1888 aus ihren Blättern gewonnen und nach ihr benannt wurde – und das in keiner anderen Gattung vorkommt.
Gerb- und Bitterstoffe
Beide gehören zum Bild der Droge und tragen zu ihrem herb-würzigen Eindruck bei.
In der Phytotherapie
Eine tonisierende Droge
Damiana gehört zu den Drogen, die traditionell zur allgemeinen Stärkung verwendet werden – in der Systematik der Pflanzenheilkunde den tonisierenden zugeordnet. Das ist eine andere Kategorie als die beruhigenden Drogen und eine andere als die des Zyklusbereichs, und genau darin liegt ihr Platz in einer Mischung.
Als Einzeldroge ist Damiana beim Pferd ungebräuchlich. Sie steht üblicherweise in Zusammenstellungen, in denen sie eine Richtung beisteuert, die die übrigen Bestandteile nicht abdecken.
Womit sie üblicherweise steht
In Zyklusmischungen neben Mönchspfefferfrüchten und Frauenmantelkraut, die dort dem Zyklusbereich zugeordnet sind, sowie neben Melissenblättern für die ruhigere Seite. Welche Anteile dabei sinnvoll sind, entscheidet die Rezeptur (Rezeptur statt Zufall).
In unserer Mischung
HORMONSTABIL
Acht Drogen in Arzneibuchqualität, darunter Mönchspfefferfrüchte, Frauenmantelkraut und Damianablätter – ohne Trägermaterial, ohne zugesetzte Vitamine oder Spurenelemente, ohne Aroma.
NERVENSTARK
Nervendrogen in Arzneibuchqualität – für Phasen erhöhter Anspannung, unabhängig vom Zyklus.
Warum Damiana dort steht
Weil eine Mischung mehr braucht als mehrere Drogen derselben Richtung. Mönchspfefferfrüchte sind die namengebende Droge, Frauenmantel- und Schafgarbenkraut stehen ihnen zur Seite, Melisse deckt die ruhigere Seite ab – und Damiana bringt als tonisierende Droge eine Richtung ein, die sonst fehlen würde.
Drei Punkte, die dazugehören
Nicht an tragende Stuten und nicht in der Laktation; bei laufender Behandlung vorher mit der betreuenden Praxis abstimmen.
Kurweise statt dauerhaft – über mehrere Wochen, dann eine Pause.
Und im Turniersport: Kräutermischungen sind grundsätzlich als dopingrelevant zu behandeln. Wer startet, sollte die ADMR Regeln einhalten. (ADMR-Regeln).
Häufige Fragen
Was ist Damiana?
Ein kleiner, aromatischer Strauch aus den Trockengebieten Mexikos und Mittelamerikas, von dem die Blätter verwendet werden.
Sonnenkraut heißt sie wegen ihrer gelben Blüten, die sich am Morgen öffnen und am Nachmittag wieder schließen. In der indigenen Heilkunde Mesoamerikas ist sie seit Jahrhunderten in Gebrauch.
Welcher Pflanzenteil wird verwendet?
Die Blätter – klein, länglich bis spatelförmig, am Rand gesägt.
Ein hoher Stängelanteil senkt den Gehalt, ohne dass es der getrockneten Ware auf den ersten Blick anzusehen wäre.
Woran erkenne ich gute Damiana?
An Farbe und Geruch. Gute Ware ist kräftig grün und riecht beim Zerreiben deutlich würzig – das ätherische Öl ist flüchtig, und eine Droge, die kaum riecht, hat es verloren.
Im Labor bestätigt der Nachweis von Damianin die Echtheit, weil dieser Stoff nur in dieser Gattung vorkommt.
Was ist Damianin?
Ein Terpenoid, das 1888 erstmals aus Damianablättern gewonnen und nach der Pflanze benannt wurde.
Es kommt in keiner anderen Gattung vor – und ist deshalb das zuverlässigste Merkmal, um echte Damiana von Verwechslungen zu unterscheiden.
Warum ist Damiana in HORMONSTABIL?
Weil sie eine Richtung beisteuert, die die übrigen Drogen nicht abdecken. Mönchspfefferfrüchte sind die namengebende Droge, Frauenmantel und Schafgarbe stehen ihnen zur Seite, Melisse deckt die ruhigere Seite ab.
Damiana gehört zu den tonisierenden Drogen – einer eigenen Kategorie der Pflanzenheilkunde.
Kann ich Damiana zusätzlich füttern?
Davon raten wir ab. Wer sie zu einer Mischung gibt, die sie bereits enthält, erhöht nur die Menge.
Gegeben wird sie ohnehin kurweise – über mehrere Wochen, dann eine Pause (mehrere Ergänzungsfutter kombinieren).
Weiterführende Artikel
Quellen
- Szewczyk, K. & Zidorn, C. (2014): Ethnobotany, phytochemistry, and bioactivity of the genus Turnera
- Zhao, J. et al.: Arbeiten zur Phytochemie von Turnera diffusa
- British Herbal Pharmacopoeia: Monographie Damiana
- Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)