Rossig bedeutet: Die Stute ist empfängnisbereit. Am Eierstock reift ein Follikel heran, der Östrogenspiegel steigt, und gegen Ende dieser Phase findet der Eisprung statt. Die Rosse dauert im Mittel fünf bis sieben Tage und wiederholt sich etwa alle drei Wochen – von Frühjahr bis Herbst, denn der Zyklus wird vom Tageslicht gesteuert.
Dieser Artikel beantwortet die häufigsten Fragen der Reihe nach – einschließlich derer, bei denen weit verbreitete Antworten nicht stimmen.
Auf einen Blick
- Rossig heißt empfängnisbereit – der Eisprung liegt am Ende der Rosse
- Der Zyklus dauert rund drei Wochen, die Rosse fünf bis sieben Tage
- Stuten zyklieren bis ins hohe Alter – eine Menopause gibt es nicht
- Im Winter ruht der Zyklus meist, und das ist normal
- Dauerrosse beginnt nicht bei zehn Tagen, sondern deutlich später
- Rückenempfindlichkeit, die bleibt, gehört untersucht
Was bedeutet es, wenn ein Pferd rossig ist?
Rossig ist eine Stute in dem Abschnitt ihres Zyklus, in dem sie empfängnisbereit ist. Am Eierstock reift ein Follikel heran, der Östrogenspiegel steigt – und gegen Ende dieser Phase findet der Eisprung statt, nicht an ihrem Anfang. Sichtbar wird das an Blitzen, angehobenem Schweif, häufigem Urinieren und verändertem Verhalten. Nach fünf bis sieben Tagen folgt die ruhigere Zwischenrosse, bis der nächste Zyklus beginnt.
Warum das nicht ganzjährig geschieht
Der Zyklus der Stute wird vom Tageslicht gesteuert. Werden die Tage länger, läuft er an; werden sie kürzer, läuft er aus. Deshalb ist eine Stute von Frühjahr bis Herbst regelmäßig rossig und im Winter meist gar nicht – und deshalb sind die Übergangszeiten die unruhigsten (Rosse und Zyklus der Stute).
Woran man sie erkennt
| Zeichen | Wie es aussieht |
|---|---|
| Blitzen | Rhythmisches Öffnen der Schamlippen – das deutlichste und verlässlichste Zeichen |
| Schweif heben | Angehoben und zur Seite gelegt |
| Häufiges Urinieren | Kleine Mengen, besonders in Gegenwart anderer Pferde |
| Quieken | Bei Kontakt zu Wallachen oder Hengsten |
| Veränderte Stimmung | Von auffällig anhänglich bis abweisend – sehr individuell |
Zwei Verwechslungen, die häufig vorkommen
Schmatzen oder Kauen gehört nicht dazu. Diese Geste stammt aus dem Verhalten von Fohlen gegenüber älteren Pferden und hat mit dem Zyklus nichts zu tun. Gemeint ist in der Regel das Blitzen – die beiden werden in älteren Darstellungen gelegentlich vermengt.
Und: Nicht jede Unwilligkeit ist die Rosse. Sie ist eine bequeme Erklärung und verdeckt deshalb gelegentlich eine andere – besonders bei Rückenthemen.
Wie lange sind Stuten rossig?
Eine Rosse dauert im Mittel fünf bis sieben Tage, gelegentlich auch nur drei oder bis zu zehn. Sie wiederholt sich etwa alle drei Wochen, solange die Stute zykliert – also von Frühjahr bis Herbst. In den Übergangszeiten im Frühjahr und Herbst kann sie deutlich länger ausfallen, und das ist dort normal.
Die Rechnung dahinter
Die Rosse dauert im Mittel fünf bis sieben Tage, der gesamte Zyklus rund drei Wochen. Dazwischen liegt die etwa zwei Wochen lange Zwischenrosse.
Daraus lässt sich grob rechnen: Vom Ende einer Rosse bis zum Beginn der nächsten vergehen etwa zwei Wochen. Aber das ist eine Schätzung, keine Rechnung – die individuelle Spanne ist breit, und in den Übergangszeiten im Frühjahr und Herbst gilt sie gar nicht.
Was tatsächlich weiterhilft
Ein Kalender über mehrere Monate. Er zeigt den Rhythmus der einzelnen Stute – und er ist zugleich das, was eine tierärztliche Praxis braucht, wenn doch einmal etwas abzuklären ist.
Bis zu welchem Alter werden Stuten rossig?
In der Regel bis ins hohe Alter – eine Stute hat keine Menopause im menschlichen Sinn. Was mit den Jahren nachlässt, ist die Fruchtbarkeit – nicht der Zyklus.
Und der Beginn
Die erste Rosse tritt meist im Alter von etwa anderthalb Jahren auf – abhängig von Entwicklung, Rasse und Jahreszeit. Sie markiert den Beginn der Geschlechtsreife, nicht die Eignung zur Zucht.
Und das Ende
Eine Stute hat keine Menopause im menschlichen Sinn: Sie zykliert in aller Regel bis ins hohe Alter weiter, auch jenseits der Zwanzig.
Was nachlässt, ist die Fruchtbarkeit, nicht der Zyklus. Die Unterscheidung ist praktisch wichtig: Eine Rosse bei einer alten Stute ist nichts Ungewöhnliches – eine ausbleibende Rosse mitten in der Saison dagegen schon, unabhängig vom Alter.
Rosse im Winter
Die Regel und die Ausnahme
Der Zyklus der Stute wird vom Tageslicht gesteuert. Werden die Tage kürzer, läuft er bei den meisten Stuten aus – sie befinden sich im Winter in einer Ruhephase ohne Rosse. Das ist der Normalfall und kein Mangel.
Einzelne Stuten zyklieren durch, besonders bei viel künstlichem Licht im Stall. Einen eigenen Begriff wie „Winterrosse“ gibt es dafür nicht – und die Darstellung, Stuten seien im Winter regelmäßig, nur schwächer rossig, dreht das Verhältnis um.
Was daraus folgt
Eine Stute, die im Januar keine Rosse zeigt, ist unauffällig. Eine, die im Januar durchgehend rossig wirkt, dagegen nicht – dann ist der Zeitpunkt das Verdächtige (Dauerrosse und Zyklusstörungen).
Haben Stuten bei der Rosse Schmerzen?
Was sich sagen lässt
Manche Stuten wirken während der Rosse deutlich empfindlicher – beim Satteln, beim Gurten, in der Lendenpartie. Dass die beteiligten Hormone auch die Schmerzwahrnehmung beeinflussen, ist beschrieben.
Ob dabei das Geschehen am Eierstock selbst schmerzt, lässt sich nicht sicher sagen. Die Vorstellung ist verbreitet, aber nicht belegt – und sie führt dazu, dass Rückenempfindlichkeit vorschnell zugeordnet wird.
Der Punkt, auf den es ankommt
Empfindlichkeit, die mit der Rosse kommt und mit ihr geht, ist eine Beobachtung. Empfindlichkeit, die bleibt, ist ein Befund – und gehört untersucht, statt weiter dem Zyklus zugeschrieben zu werden (Wenn das Pferd lahmt).
Wenn etwas nicht stimmt
Wann abgeklärt gehört
- Die Rosse endet nicht – über drei bis vier Wochen durchgehend, außerhalb der Übergangszeiten
- Die Rosse bleibt aus, mitten in der Saison
- Die Stute entwickelt hengstartiges Verhalten – Aufspringen, Drohen, zunehmende Bemuskelung am Hals
- Das Verhalten ändert sich plötzlich bei einer Stute, die jahrelang unauffällig war
- Umgang oder Training werden unmöglich, oder es treten Schmerzzeichen auf
Zur Dauerrosse – eine Zahl, die häufig falsch genannt wird
Gelegentlich liest man, Dauerrosse beginne ab etwa zehn Tagen. Das setzt die Grenze zu niedrig an: Verlängerte Rossen von zwei bis drei Wochen sind im Frühjahr und Herbst normal, weil sich das System auf die veränderte Tageslänge umstellt. Von Dauerrosse spricht man ab etwa drei bis vier Wochen durchgehend – und außerhalb der Übergangszeiten früher.
Stute rossig – was hilft?
Ruhe und Rhythmus
Verlässlicher Tagesablauf, stabile Herde, wenige Veränderungen – Unruhe von außen verstärkt, was ohnehin schwankt.
Training anpassen
Nicht gegen die Stute durchsetzen. Es dauert ein paar Tage – und Bewegung tut in dieser Zeit meist gut, nur in anderer Form.
Körperarbeit
Massage im Lendenbereich und Wärme – bei Stuten mit Rückenempfindlichkeit das Wirksamste.
Die Nachbarschaft
Manchmal genügt ein Boxenwechsel – wer neben wem steht, macht in der Rosse mehr aus als sonst.
Zur Phytotherapie
Welche Drogen hier gebräuchlich sind
Mönchspfefferfrüchte sind die bekannteste Droge im Zyklusbereich, daneben Frauenmantelkraut und Schafgarbenkraut. Für die unruhigere Seite werden Melissenblätter verwendet.
Beim Mönchspfeffer entscheidet der Pflanzenteil: Die Arzneibuchmonographie ist auf die reifen, getrockneten Früchte definiert – nicht auf Kraut oder Blätter. Das ist der Unterschied zwischen definierter Ware und etwas, das nur so heißt (Arzneibuchqualität).
Und eine Einordnung, die dazugehört
Diese Zuordnungen beschreiben die Überlieferung der europäischen Pflanzenheilkunde – belastbare Studien am Pferd fehlen für die meisten dieser Drogen.
HORMONSTABIL
Acht Drogen in Arzneibuchqualität, darunter Mönchspfefferfrüchte, Frauenmantel- und Schafgarbenkraut – ohne Trägermaterial und ohne zugesetzte Vitamine, sodass die Mischung nicht in die Mineralbilanz eingreift.
NERVENSTARK
Nervendrogen in Arzneibuchqualität – für Phasen erhöhter Anspannung, unabhängig vom Zyklus.
Vier Punkte, die dazugehören
Nicht für tragende Stuten. HORMONSTABIL enthält mehrere Drogen, für die während der Trächtigkeit Zurückhaltung empfohlen wird; bei laktierenden Stuten und in der Bedeckungsphase nur nach Absprache.
Bei laufender Medikation: Rücksprache mit dem Tierarzt halten.
Bei auffälligem Befund zuerst untersuchen lassen. Bei Dauerrosse oder hengstartigem Verhalten ist eine Mischung keine Option, sondern verschenkte Zeit.
Und im Turniersport sind Kräutermischungen grundsätzlich als dopingrelevant zu behandeln – die ADMR stellt nicht auf eine abschließende Pflanzenliste ab (ADMR-Regeln).
Weitere Fragen
Wie lange dauert eine Rosse?
Fünf bis sieben Tage im Mittel, bei einer Gesamtzyklusdauer von etwa drei Wochen.
In den Übergangszeiten im Frühjahr und Herbst kann sie deutlich länger ausfallen – das ist dort normal.
Wann wird eine Stute zum ersten Mal rossig?
Meist im Alter von etwa anderthalb Jahren, abhängig von Entwicklung, Rasse und Jahreszeit.
Das markiert die Geschlechtsreife – nicht die Eignung zur Zucht, die deutlich später erreicht wird.
Bis zu welchem Alter werden Stuten rossig?
In der Regel bis ins hohe Alter – eine Menopause wie beim Menschen gibt es nicht. Die häufig genannte Grenze von etwa zwanzig Jahren trifft nicht zu.
Was nachlässt, ist die Fruchtbarkeit, nicht der Zyklus. Eine ausbleibende Rosse mitten in der Saison ist deshalb auch bei einer alten Stute ein Grund hinzusehen.
Werden Stuten im Winter rossig?
Die meisten nicht – der Zyklus wird vom Tageslicht gesteuert und ruht im Winter. Das ist der Normalfall.
Einzelne Stuten zyklieren durch, besonders bei viel Stalllicht. Einen eigenen Begriff wie „Winterrosse“ gibt es dafür nicht.
Kann ich den nächsten Termin berechnen?
Grob ja: Vom Ende einer Rosse bis zum Beginn der nächsten vergehen etwa zwei Wochen.
Verlässlich ist das nicht – die individuelle Spanne ist breit, und in den Übergangszeiten gilt die Rechnung gar nicht. Ein Kalender über mehrere Monate sagt mehr.
Hat meine Stute während der Rosse Schmerzen?
Manche wirken deutlich empfindlicher, besonders im Rücken. Dass die Hormone auch die Schmerzwahrnehmung beeinflussen, ist beschrieben.
Entscheidend ist der Verlauf: Was mit der Rosse kommt und geht, ist eine Beobachtung. Was bleibt, ist ein Befund und gehört untersucht.
Was tun, wenn die Rosse nicht aufhört?
Untersuchen lassen. Im Frühjahr und Herbst sind verlängerte Rossen von zwei bis drei Wochen normal – darüber hinaus oder außerhalb dieser Zeiten nicht.
Die wichtigste Ursache ist ein hormonbildender Eierstocktumor, und der sollte nicht zu lange unentdeckt bleiben.
Helfen Kräuter bei Rosseproblemen?
Begleitend, wenn Haltung, Ration und Bewegung stimmen – und wenn kein auffälliger Befund dahintersteht.
Mit drei Vorbehalten: nicht bei tragenden Stuten, nicht als Ersatz für eine Abklärung – und im Turniersport gelten Mischungen grundsätzlich als dopingrelevant.
Weiterführende Artikel
Quellen
- McCue, P. M. et al.: Arbeiten zur Zyklusphysiologie und zu Eierstockerkrankungen der Stute
- Ginther, O. J.: Reproductive Biology of the Mare. Equiservices
- Aurich, C.: Arbeiten zur Fortpflanzungsphysiologie des Pferdes, einschließlich der Zyklusaktivität alter Stuten
- Europäisches Arzneibuch: Monographie Agni casti fructus
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme