Wenn ein Pferd hibbelig ist, wird zuerst am Training gedreht und dann an der Fütterung. Beides kann richtig sein – aber in der falschen Reihenfolge. Dieser Artikel geht die Ursachen von hinten durch: erst das, was sich ausschließen lässt, dann das, was sich verändern lässt.
Das Wichtigste in Kürze
- Schmerz steht am Anfang jeder Abklärung – nicht am Ende
- Die Ration beeinflusst das Verhalten: Energiedichte, Stärkeanteil und Fresspausen
- Magnesium ist kein Beruhigungsmittel – ohne Mangel bringt mehr davon nichts
- Die Darm-Hirn-Achse wird häufig überdehnt, auch wenn es sie gibt
- Verhalten ändert sich langsam – Wochen, nicht Tage
Was zuerst geklärt gehört
Schmerz
Ein Pferd, das sich plötzlich anders verhält, hat häufig Schmerzen – Rücken, Gliedmaßen, Zähne, Magen, ein Sattel, der nicht mehr passt. Kein Training löst ein Schmerzproblem, und jede Fütterungsumstellung läuft daran vorbei.
Deshalb stehen am Anfang: tierärztliche Untersuchung, Zahnkontrolle, ein prüfender Blick auf Sattel und Zaumzeug. Bei Hinweisen auf den Magen eine Gastroskopie.
Und die Augen
Ein selten geprüfter Punkt: Ein Pferd, das auf einem Auge schlechter sieht, erschrickt einseitig – und wird dafür oft als schreckhaft oder widersetzlich eingeordnet. Wenn die Reaktionen immer von derselben Seite kommen, lohnt die Augenuntersuchung.
Die Ration
Drei Stellschrauben, die wirklich etwas ändern
- Energiedichte: Ein Pferd, das mehr Energie bekommt, als es verbraucht, hat sie übrig – und zeigt das
- Stärkeanteil: Große Stärkemengen auf einmal belasten Magen und Dickdarm und werden mit verändertem Verhalten in Verbindung gebracht. Mehrere kleine Portionen sind besser als eine große
- Fresspausen: Lange Pausen bedeuten einen leeren Magen – und ein Pferd, das auf die nächste Mahlzeit wartet, ist nicht entspannt
Was sich daraus ergibt
Zuerst Raufutter, dann der Rest. Wer Kraftfutter senkt, muss die fehlende Energie nicht ersetzen – bei den meisten Freizeitpferden ist sie ohnehin zu viel. Wer sie ersetzen muss, tut das eher über Öl oder Rohfaser als über Getreide.
Zum Magnesium
Der verbreitetste Kurzschluss
Magnesium wird als Beruhigungsmittel verkauft, und das ist es nicht. Es ist an der Funktion von Muskeln und Nerven beteiligt – bei einem tatsächlichen Mangel äußert sich das unter anderem in Muskelzittern und Übererregbarkeit. Liegt kein Mangel vor, bewirkt mehr davon nichts, außer dass der Überschuss ausgeschieden wird.
Ein Mangel ist bei pferdegerechter Ration selten, und er lässt sich nicht am Verhalten ablesen. Wer den Verdacht hat, lässt die Ration durchrechnen, statt pauschal zuzufüttern (Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen).
Darm und Verhalten – was belegt ist
Die Serotoninzahl führt in die Irre
Man liest überall, der Darm produziere den weitaus größten Teil des Serotonins im Körper, und schließt daraus auf die Stimmung. Der Schluss hält nicht: Serotonin aus dem Darm gelangt nicht ins Gehirn – es wirkt dort, wo es gebildet wird, nämlich auf die Darmbewegung. Die Zahl selbst stammt zudem aus der Humanmedizin.
Eine Verbindung zwischen Darm und Nervensystem gibt es, und sie wird erforscht. Aber beim Pferd ist sie dünn belegt, und die meisten Aussagen dazu stammen aus Versuchen an Nagetieren.
Was trotzdem zusammenhängt
Der praktische Zusammenhang ist einfacher und solider: Ein Pferd mit Bauchschmerzen ist unruhig, und ein unruhiges Pferd mit langen Fresspausen bekommt Magenprobleme. Das reicht völlig als Begründung, beide Seiten anzusehen – es braucht keinen Botenstoff dazu. Wenn neben der Unruhe Kotwasser oder wechselnder Kot auftreten, gehört die Verdauung mit auf die Liste.
Haltung und Abläufe
Bewegung
Freie Bewegung über den Tag, nicht eine Stunde Arbeit als Ersatz für dreiundzwanzig Stunden Stehen.
Gesellschaft
Kontakt zu anderen Pferden – und zwar stabil. Häufig wechselnde Gruppen belasten mehr als eine ungewohnte Rangordnung.
Abläufe
Gleiche Reihenfolge, gleiche Zeiten. Vorhersehbarkeit entlastet mehr als die meisten Maßnahmen am Pferd selbst.
Ruhe
Pferde brauchen Liegephasen für echten Schlaf. Wo Platz oder Ruhe fehlen, fehlt Erholung – und das sieht man.
Im Umgang
Was ein unsicheres Pferd braucht
- Empfehlung: Aufgaben, die gelingen – nicht solche, die Grenzen ausloten
- Empfehlung: Klare, gleichbleibende Signale; wechselnde Anforderungen verunsichern mehr als hohe
- Empfehlung: Abwechslung im Gelände und am Boden, nicht nur Halle
- Empfehlung: Früher anfangen und mehr Zeit einplanen – Hektik beim Menschen überträgt sich zuverlässiger als jede Hilfe
- Empfehlung: Wochen rechnen, nicht Tage: Verhalten ändert sich langsam
Wo Kräuter dazugehören
Begleitend
Die Phytotherapie kennt Drogen, die traditionell in Phasen von Unruhe eingesetzt werden. Sie gehören neben die Punkte oben, nicht an ihre Stelle – und am ehesten dorthin, wo etwas Konkretes ansteht: eine Umstellung, ein Ortswechsel, eine veränderte Gruppe.
Wer Turniere startet, prüft vorher die Zusammensetzung: Einzelne Pflanzen sind in der ADMR als verbotene Substanzen geführt, darunter Baldrian (ADMR-Regeln). Welche Drogen in solchen Mischungen stecken, steht unter Nervenkräuter im Überblick.
Aus unserem Sortiment
NERVENSTARK
Nervendrogen in Arzneibuchqualität für Umstellungsphasen und Pferde, die Veränderungen schwer wegstecken. Vor Turnierstarts die Zusammensetzung prüfen.
MAGENWOHL
Für die Magenseite – besonders dort, wo Fresspausen lang sind oder viel Kraftfutter gegeben wird.
DARMWOHL
Wenn die Ration umgestellt wird: mehr Raufutter, weniger Getreide – eine Veränderung, die begleitet werden darf.
Häufige Fragen
Womit fange ich an?
Mit dem Ausschluss von Schmerz. Rücken, Gliedmaßen, Zähne, Magen, Sattel – in dieser Reihenfolge, bevor an Training oder Fütterung gedreht wird.
Ein Schmerzproblem löst sich nicht durch Gelassenheitstraining, und jede Fütterungsumstellung läuft daran vorbei.
Macht Kraftfutter mein Pferd hibbelig?
Die Ration beeinflusst das Verhalten über drei Größen: Energiedichte, Stärkeanteil und Länge der Fresspausen. Ein Pferd, das mehr Energie bekommt, als es verbraucht, hat sie übrig.
Praktisch: zuerst das Raufutter sichern, Kraftfutter auf mehrere kleine Portionen verteilen oder reduzieren. Bei den meisten Freizeitpferden ist die fehlende Energie gar nicht zu ersetzen.
Hilft Magnesium gegen Nervosität?
Nur bei einem tatsächlichen Mangel – und der ist bei pferdegerechter Ration selten und am Verhalten nicht abzulesen.
Magnesium ist an Muskel- und Nervenfunktion beteiligt, aber es ist kein Beruhigungsmittel: Ohne Mangel wird der Überschuss schlicht ausgeschieden. Sinnvoller ist, die Ration durchrechnen zu lassen.
Stimmt es, dass der Darm die Stimmung steuert?
In dieser Form nicht. Die oft zitierte Serotoninzahl führt in die Irre: Serotonin aus dem Darm gelangt nicht ins Gehirn, es wirkt auf die Darmbewegung – und die Zahl stammt aus der Humanmedizin.
Eine Verbindung zwischen Darm und Nervensystem gibt es, beim Pferd ist sie aber dünn belegt. Der praktische Zusammenhang reicht ohnehin: Ein Pferd mit Bauchschmerzen ist unruhig.
Mein Pferd erschrickt immer von derselben Seite – woran liegt das?
Das ist ein Hinweis, der oft übersehen wird: Ein Pferd, das auf einem Auge schlechter sieht, reagiert einseitig – und gilt dann als schreckhaft oder widersetzlich.
Wenn die Reaktionen immer von derselben Seite kommen, lohnt eine Augenuntersuchung.
Wie lange dauert es, bis sich etwas ändert?
Wochen, nicht Tage. Verhalten ändert sich langsam, und mehrere gleichzeitige Umstellungen machen es unmöglich zu erkennen, was gewirkt hat.
Besser: eine Veränderung auf einmal, und ihr Zeit geben.
Was können Kräuter leisten?
Sie gehören neben die Ursachenarbeit – am ehesten dort, wo etwas Konkretes ansteht: eine Umstellung, ein Ortswechsel, eine veränderte Gruppe.
Ohne Veränderung an Schmerzlage, Ration, Haltung und Umgang passiert nichts. Wer startet, prüft die Zusammensetzung – einzelne Pflanzen sind in der ADMR als verbotene Substanzen geführt, darunter Baldrian.