Ein Pferd, das sich morgens erst einlaufen muss, gehört zu den häufigsten Bildern im Stall. Und die Teufelskralle zu den ältesten Antworten darauf – eine Wurzel aus der Kalahari, die es als einzige Bewegungsdroge zu einem festgelegten Mindestgehalt im Europäischen Arzneibuch gebracht hat.
Auf einen Blick
- Die am besten dokumentierte Droge des Bewegungsapparats
- Verwendet wird die sekundäre Speicherwurzel, nicht die Hauptwurzel
- Das Arzneibuch fordert mindestens 1,2 Prozent Harpagosid
- Gegenanzeige bei Magengeschwüren, nicht an tragende Stuten
- Mehrere Gelenkprodukte addieren sich – und verwischen, was wirkt
- Im Turniersport dopingrelevant – Karenzzeiten lassen sich nicht angeben
Steckbrief
| Drogenbezeichnung | Harpagophyti radix – Teufelskrallenwurzel |
|---|---|
| Familie | Sesamgewächse (Pedaliaceae) |
| Herkunft | Trockensavannen des südlichen Afrika – Namibia, Botswana, Südafrika |
| Verwendeter Pflanzenteil | Sekundäre Speicherwurzeln – nicht die Hauptwurzel |
| Leitsubstanz | Harpagosid, ein Iridoidglykosid |
| Arzneibuch | Mindestens 1,2 Prozent Harpagosid nach Ph. Eur. |
| Monographien | Kommission E, ESCOP, HMPC |
Woher der Name kommt
Nicht von der Wurzel, sondern von der Frucht. Sie bildet verholzte, hakenförmige Auswüchse, die sich im Fell vorbeiziehender Tiere verfangen – eine Verbreitungsstrategie, die der Pflanze ihren Namen gab. Nach Europa kam sie zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts; seither ist sie eine der am gründlichsten untersuchten Drogen der Phytotherapie.
Warum die Wurzel entscheidet
Sekundär, nicht primär
Die Pflanze bildet eine tiefe Hauptwurzel und davon abzweigende Speicherwurzeln. Die Arzneibuchmonographie ist auf die sekundären Speicherwurzeln definiert – dort reichert sich das Harpagosid an. Die Hauptwurzel enthält deutlich weniger.
Beides heißt im Verkauf „Teufelskralle“, und der gemahlenen Ware sieht man den Unterschied nicht an. Das ist der häufigste Grund, warum zwei Produkte mit demselben Namen nicht dasselbe sind (Arzneibuchqualität).
Und ein Punkt, der zur Herkunft gehört
Teufelskralle stammt überwiegend aus Wildsammlung. Da für die Ernte die Speicherwurzeln ausgegraben werden, ist die Nachhaltigkeit der Sammlung ein ernstes Thema – und ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Anbietern. Wer die Herkunft dokumentieren kann, tut es meist auch.
Was die Droge mitbringt
Die Leitsubstanz
Harpagosid gehört zu den Iridoidglykosiden und ist die Substanz, auf die sich die gesamte Literatur zur Teufelskralle bezieht. Das Europäische Arzneibuch fordert einen Mindestgehalt von 1,2 Prozent – eine Charge darunter ist keine Arzneibuchware.
Daneben enthält die Wurzel weitere Iridoide wie Harpagid und Procumbid sowie Flavonoide – und sie ist zugleich eine Bitterdroge. Das erklärt die überlieferte Verwendung bei nachlassendem Appetit – eine zweite Seite dieser Droge, die häufig untergeht.
Zum Stand der Forschung
Die Teufelskralle ist beim Menschen gut untersucht und als traditionelles pflanzliches Arzneimittel geführt. Beim Pferd ist die Datenlage schmal – es gibt einzelne ältere Untersuchungen, aber keine breite Studienbasis. Wir leiten daraus keine Wirkungsversprechen ab, sondern beschreiben, was die Droge enthält und wie sie traditionell verwendet wird.
Warum gerade diese Wurzel
Sie ist die am besten untersuchte ihrer Gruppe
Unter den Drogen, die der Bewegungsapparat kennt, steht die Teufelskrallenwurzel allein da: Kommission E, ESCOP und das HMPC der Europäischen Arzneimittel-Agentur haben sie bewertet, und das Europäische Arzneibuch führt eine eigene Monographie.
Das ist mehr, als für die meisten Kräuter vorliegt – und der Grund, warum sie in nahezu jeder ernstzunehmenden Bewegungsmischung steht.
Und ihre Qualität ist überprüfbar
Das Arzneibuch fordert mindestens 1,2 Prozent Harpagosid. Damit ist für diese Droge etwas festgelegt, das bei Kräutern selten ist: ein Mindestgehalt, der gemessen werden kann und muss.
Der Unterschied zwischen zwei Beuteln Teufelskralle lässt sich deshalb beziffern – nicht nur behaupten. Das ist der eigentliche Grund, warum wir sie in Arzneibuchqualität beziehen und nicht in Futtermittelqualität (Arzneibuchqualität).
Wofür sie verwendet wird
Die überlieferten Anwendungsbereiche
In der Phytotherapie gehört die Teufelskrallenwurzel zu den klassischen Drogen des Bewegungsapparats – bei Pferden mit dauerhaft erhöhtem Bedarf an Gelenken und Stützgewebe, bei alters- oder belastungsbedingter Steifheit, und begleitend bei Arthrose, Spat und Schale.
Als Bitterdroge wird sie außerdem bei nachlassendem Appetit verwendet – ein Einsatzgebiet, das häufig untergeht.
Wofür sie nicht geeignet ist
Für akute Situationen. Eine Kräutergabe ist keine Antwort auf eine neu aufgetretene Lahmheit, auf ein warmes, geschwollenes Gelenk oder auf erkennbare Schmerzen – das gehört angesehen (Wenn das Pferd lahmt).
Und sie ist kein Ersatz für das, was tatsächlich trägt: Bewegung, Normalgewicht und eine ausbalancierte Hufbearbeitung. Ohne diese drei bringt keine Droge etwas (Gelenkgesundheit).
Teufelskralle beim Pferd: die übliche Menge
Für ein Großpferd von 500 bis 600 Kilogramm werden üblicherweise 20 bis 30 Gramm getrocknete, geschnittene oder gemahlene Teufelskrallenwurzel pro Tag angesetzt, aufgeteilt auf zwei Gaben und zusammen mit dem Futter. Begonnen wird mit der halben Menge und über etwa eine Woche gesteigert.
| Körpergewicht | Tagesmenge | Hinweis |
|---|---|---|
| 300 bis 400 kg | 10 bis 15 g | Auf zwei Gaben aufteilen, mit dem Futter geben – nicht auf leeren Magen |
| 500 bis 600 kg | 20 bis 30 g | |
| 650 bis 750 kg | 30 bis 40 g |
Zwei Einschränkungen zu diesen Zahlen
Sie gelten für die reine getrocknete Wurzel. Bei Extrakten, Pellets oder Mischungen gelten die Angaben des jeweiligen Produkts – ein Extrakt ist konzentriert, und dieselbe Grammzahl bedeutet dort etwas anderes.
Und sie sind Anhaltspunkte, keine Verordnung. Was für ein bestimmtes Pferd passt, hängt von seinem Zustand, seiner übrigen Ration und einer etwaigen Behandlung ab.
Zur Akzeptanz
Die Wurzel schmeckt ausgeprägt bitter, und manche Pferde lehnen sie zunächst ab. Was hilft: mit eingeweichtem Futter mischen, langsam einschleichen, und die Menge über zwei Gaben verteilen statt alles auf einmal anzubieten.
Dauer und Pausen
Kurweise statt dauerhaft
Üblich ist eine Gabe über mehrere Wochen mit anschließender Pause – so wie bei den meisten bitterstoffhaltigen Drogen.
Die Pause ist zugleich die Gelegenheit zu prüfen, ob die Gabe noch gebraucht wird – eine Frage, die bei Dauergaben selten gestellt wird.
Und zur Geduld
Eine Beurteilung nach wenigen Tagen ist nicht möglich. Wer etwas beobachten will, plant mehrere Wochen ein – und notiert zu Beginn, worauf er achten will. Ohne Ausgangspunkt lässt sich später nicht sagen, ob sich etwas geändert hat.
Qualität erkennen
Worauf sich achten lässt
- Punkt: Pflanzenteil benannt – sekundäre Speicherwurzel, nicht nur „Wurzel“
- Punkt: Arzneibuchqualität ausgewiesen – damit der Mindestgehalt geprüft ist
- Punkt: Herkunft dokumentiert
- Punkt: Keine Zusätze – bei reiner Droge steht nur die Droge drauf
- Punkt: Zerkleinerungsgrad angegeben – geschnitten oder gemahlen macht für die Handhabung einen Unterschied
Woran sehr günstige Ware meist spart
Am Pflanzenteil – Hauptwurzel statt Speicherwurzel. Am Gehalt – überlagerte Ware verliert. Und an der Reinheit – Streckmittel sind im gemahlenen Zustand nicht zu erkennen. Keines davon sieht man, riecht man oder schmeckt man; es steht entweder in der Dokumentation oder nirgends.
Gegenanzeigen
Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
Die Monographie der Kommission E führt Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre als Gegenanzeige auf. Der Grund liegt in der Bitterstoffwirkung: Sie regt die Magensaftsekretion an – genau das, was bei einer bereits geschädigten Schleimhaut nicht gebraucht wird.
Das ist keine Vorsichtsformel, sondern eine Gegenanzeige – und sie gilt auch dann, wenn die Droge Teil einer Mischung ist (Magengeschwüre).
Der Fall, der am häufigsten übersehen wird
Ein Pferd mit Gelenkbeschwerden bekommt häufig bereits ein entzündungshemmendes Arzneimittel. Diese Mittel belasten die Magenschleimhaut ihrerseits – und genau in dieser Lage kommt die Teufelskralle am häufigsten dazu.
Beides zusammen trifft denselben Punkt. Deshalb gehört eine zusätzliche Gabe bei laufender Behandlung vorher mit der betreuenden Praxis besprochen – nicht nebenher entschieden.
Weitere Einschränkungen
- Tragende Stuten – für die Trächtigkeit wird Zurückhaltung empfohlen; bei laktierenden Stuten nur nach Rücksprache
- Pferde mit bekannten Magenproblemen – auch ohne gesicherten Befund ist Zurückhaltung angebracht
- Bei Gallensteinen wird in den Monographien ebenfalls zur Rücksprache geraten
- Bei jeder Dauermedikation – vorher abstimmen
Turniersport
Dopingrelevant – und keine Karenzzeit, die wir nennen können
Teufelskrallenwurzel ist im Turniersport als dopingrelevant zu behandeln. Die ADMR führt keine abschließende Liste erlaubter oder verbotener Pflanzen; maßgeblich ist die mögliche Beeinflussung der Leistungsfähigkeit.
Angaben wie „achtundvierzig Stunden reichen“ sind nicht belastbar. Nachweisdauern hängen von Menge, Dauer der Gabe und dem einzelnen Pferd ab. Wer startet, prüft rechtzeitig im geltenden Regelwerk und hält im Zweifel größeren Abstand (ADMR-Regeln).
Der praktisch relevante Zeitpunkt
Das Thema wird meist nicht während der Beschwerden aktuell, sondern danach: Eine Gabe, die über Monate als Begleitung läuft, gerät aus dem Blick, wenn die Saison wieder beginnt.
Aus unserem Sortiment
ARTHRO-PLUS
Neun Arzneidrogen in Arzneibuchqualität mit Teufelskrallenwurzel – als längerfristige Begleitung bei dauerhaft erhöhtem Bedarf am Bewegungsapparat.
GELENKAKTIV
Sieben Bewegungskräuter in Arzneibuchqualität, als Kur über sechs bis acht Wochen – etwa nach einer Phase erhöhter Beanspruchung.
MAGENWOHL
Für die Magenseite – ein Thema bei Pferden, die länger begleitet werden, und bei langen Fresspausen.
Mehrere Produkte gleichzeitig
Bei Gelenkthemen steht selten ein Produkt im Eimer. Eine Gelenkmischung, dazu ein Pulver aus dem Reitsportversand, ein Mash mit Kräutern, vielleicht noch lose Wurzel – und die Teufelskralle steckt in dreien davon. Das hat zwei Folgen, und beide werden übersehen.
Die Mengen addieren sich
Auf keinem der Etiketten steht eine auffällige Zahl – jedes für sich bleibt im üblichen Bereich. In der Summe kann daraus leicht das Zwei- bis Dreifache werden.
Bei einer Droge mit Gegenanzeige ist das mehr als eine Rechenfrage – dazu der Abschnitt weiter unten.
Und niemand erfährt, was etwas gebracht hat
Wer vier Dinge gleichzeitig beginnt, kann hinterher nicht sagen, welches davon nötig war. Geht es dem Pferd besser, bleiben alle vier im Einsatz – aus Vorsicht, weil niemand weiss, welches das entscheidende war.
Das kostet dauerhaft Geld für Produkte, die vielleicht nichts beitragen, und es nimmt die Möglichkeit, die Gabe irgendwann wieder zu beenden. Geht es dem Pferd schlechter, ist die Lage genauso unübersichtlich – dann lässt sich eine Unverträglichkeit keiner Quelle zuordnen.
Was stattdessen funktioniert
Eines nach dem anderen, und lange genug. Wer wissen will, ob etwas hilft, beginnt mit einem Produkt, notiert vorher, worauf er achten will, und gibt der Sache mehrere Wochen.
Und vor jedem neuen Produkt lohnt ein Blick auf die Zusammensetzungen, die schon im Eimer sind – nicht auf die Namen, sondern auf die Drogenliste. Was doppelt vorkommt, addiert sich; bei Drogen mit zeitlicher Begrenzung gilt die Grenze für die Summe.
Häufige Fragen
Wie dosiert man Teufelskralle beim Pferd?
Für ein Großpferd von 500 bis 600 Kilogramm üblicherweise 20 bis 30 Gramm getrocknete Wurzel pro Tag, aufgeteilt auf zwei Gaben und mit dem Futter. Mit der halben Menge beginnen und über eine Woche steigern.
Das gilt für die reine Wurzel – bei Extrakten, Pellets und Mischungen gelten die Angaben des jeweiligen Produkts.
Wofür wird Teufelskralle beim Pferd verwendet?
In der Phytotherapie gehört sie zu den klassischen Drogen des Bewegungsapparats – bei dauerhaft erhöhtem Bedarf an Gelenken und Stützgewebe und bei alters- oder belastungsbedingter Steifheit.
Als Bitterdroge wird sie außerdem bei nachlassendem Appetit eingesetzt. Für akute Beschwerden ist sie nicht geeignet – die gehören angesehen.
Wann darf Teufelskralle nicht gefüttert werden?
Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren – das ist eine Gegenanzeige nach Monographie, keine bloße Vorsichtsformel. Die Bitterstoffe regen die Magensaftsekretion an.
Außerdem nicht an tragende Stuten, und bei laufender Behandlung mit entzündungshemmenden Mitteln nur nach Absprache – beides trifft denselben Punkt im Magen.
Kann ich Teufelskralle dauerhaft füttern?
Üblich ist eine Gabe über mehrere Wochen mit anschließender Pause. Der Grund ist der Magen: Was zeitlich begrenzt unproblematisch ist, wiegt bei monatelanger Dauergabe schwerer.
Die Pause ist zugleich die Gelegenheit zu prüfen, ob die Gabe noch gebraucht wird.
Welcher Pflanzenteil wird verwendet?
Die sekundären Speicherwurzeln – nicht die Hauptwurzel. Dort reichert sich die Leitsubstanz an; die Hauptwurzel enthält deutlich weniger.
Beides heißt im Verkauf „Teufelskralle“, und der gemahlenen Ware sieht man den Unterschied nicht an. Deshalb lohnt der Blick auf die Pflanzenteilangabe.
Woran erkenne ich gute Ware?
Am benannten Pflanzenteil, an der ausgewiesenen Arzneibuchqualität und an der dokumentierten Herkunft. Das Arzneibuch fordert mindestens 1,2 Prozent Harpagosid – eine Charge darunter ist keine Arzneibuchware.
Was sich nicht prüfen lässt: Gehalt, Pflanzenteil und Reinheit sieht man der gemahlenen Droge nicht an. Sie stehen in der Dokumentation oder nirgends.
Ist Teufelskralle im Turniersport erlaubt?
Sie ist als dopingrelevant zu behandeln. Die ADMR führt keine abschließende Pflanzenliste; maßgeblich ist die mögliche Beeinflussung der Leistungsfähigkeit.
Karenzzeiten können wir nicht angeben – Nachweisdauern hängen von Menge, Dauer der Gabe und dem einzelnen Pferd ab. Wer startet, prüft rechtzeitig im Regelwerk und hält im Zweifel größeren Abstand.
Ich füttere mehrere Gelenkprodukte – ist das ein Problem?
Häufig ja, in zweierlei Hinsicht. Teufelskrallenwurzel steckt in vielen Gelenkprodukten; mehrere davon addieren sich zu einer Menge, die auf keinem Etikett steht – und das bei einer Droge, die nicht unbegrenzt gegeben werden soll.
Und wer mehreres gleichzeitig beginnt, erfährt nie, was nötig war. Dann bleiben alle Produkte im Einsatz, weil niemand weiss, welches das entscheidende ist. Besser: eines nach dem anderen – und vorher die Drogenlisten vergleichen, nicht die Namen.
Wie schnell zeigt sich etwas?
Eine Beurteilung nach wenigen Tagen ist nicht möglich. Wer etwas beobachten will, plant mehrere Wochen ein.
Und notiert zu Beginn, worauf er achten will – ohne Ausgangspunkt lässt sich später nicht sagen, ob sich etwas geändert hat.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Monographie Harpagophyti radix
- Kommission E des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte: Monographie Harpagophyti radix – einschließlich der Gegenanzeigen
- ESCOP: Monograph Harpagophyti radix
- HMPC der Europäischen Arzneimittel-Agentur: Monographie zu Harpagophytum procumbens
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)