Spat ist die Arthrose, bei der das Fortschreiten am Ende eine Besserung bringen kann. Versteifen die betroffenen Gelenke vollständig, hört der Schmerz häufig auf – und das Pferd geht wieder. Das ist die ungewöhnlichste Eigenschaft dieser Erkrankung.
Auf einen Blick
- Betroffen sind die kleinen, wenig beweglichen Sprunggelenke – nicht das große obere
- Einlaufen ist das Leitsymptom, nicht die Entwarnung
- Häufig beidseitig – dann fällt die Lahmheit kaum auf
- Enge Wendungen sind die größte Belastung
- Beim Kauf gehört der Befund offengelegt
Was Spat ist
Arthrose der unteren Sprunggelenkreihen
Spat ist eine Arthrose der kleinen Gelenke im unteren Bereich des Sprunggelenks. Der Knorpel wird abgebaut, der Knochen reagiert mit Verdichtung und Zubildungen, die Kapsel verdickt – und im Endzustand können die beteiligten Knochen miteinander verschmelzen.
Er gehört zu den häufigsten Lahmheitsursachen beim Pferd und betrifft besonders Pferde, von denen viel Lastaufnahme auf der Hinterhand verlangt wird (Arthrose beim Pferd).
Warum die Lage alles erklärt
Das Sprunggelenk ist kein Gelenk, sondern mehrere
Oben liegt das große, bewegliche Gelenk, in dem Beugung und Streckung stattfinden. Darunter liegen mehrere kleine Gelenkreihen, die kaum Bewegung zulassen – sie übertragen vor allem Last.
Spat betrifft die unteren, wenig beweglichen Reihen. Und genau daraus folgt die Besonderheit dieser Erkrankung.
Wenn die Versteifung hilft
Was bei Arthrose wehtut, ist die Bewegung in einem geschädigten Gelenk. Verschmelzen die betroffenen Knochen vollständig, findet dort keine Bewegung mehr statt – und der Schmerz hört auf.
Weil diese Gelenke ohnehin kaum beweglich waren, fällt der Verlust kaum ins Gewicht. Viele Pferde gehen danach wieder lahmfrei und sind weiter nutzbar. Dieser Weg kann allerdings Monate bis Jahre dauern – und er lässt sich nicht erzwingen.
Woher er kommt
Belastung
Lastaufnahme auf der Hinterhand – Landungen nach dem Sprung, abruptes Abfangen, versammelte Arbeit, enge Wendungen. Dazu harter Boden.
Stellung
Abweichungen in der Hinterbeinstellung führen zu ungleicher Belastung der Gelenkreihen – der Punkt, an dem sich am meisten ändern lässt.
Veranlagung
Familiäre Häufung ist beschrieben, und bestimmte Rassen sind öfter betroffen – unter anderem Islandpferde.
Alter
Die Häufigkeit nimmt zu, weil sich kleine Belastungen über Jahre summieren.
| Gruppe | Warum |
|---|---|
| Springpferde | Hohe Last beim Landen |
| Westernpferde | Abruptes Abfangen, schnelle Wendungen |
| Dressurpferde | Versammelte Arbeit mit dauerhafter Lastaufnahme |
| Islandpferde | Veranlagung, dazu die Gangarbeit |
| Pferde mit Stellungsabweichungen | Ungleiche Belastung der Gelenkreihen |
Erkennen
Das Einlaufen – und was es bedeutet
Das Pferd ist nach Stehzeiten steif und unregelmäßig hinten, nach zehn bis zwanzig Minuten geht es deutlich besser. Die Gelenkflüssigkeit wird gleitfähiger, die Muskulatur wärmer.
Dass es besser wird, ist keine Entwarnung, sondern das Muster selbst. Und es ist kein Freibrief für intensive Arbeit danach – es zeigt, dass ein Gelenk Zeit braucht.
Woran es sonst auffällt
- Steife Hinterhand, besonders bei Kälte
- Taktunreinheit hinten
- Schleifende Zehen – das Hinterbein wird nicht sauber abgehoben
- Zu wenig Untertreten
- Unwilligkeit bei Versammlung, engen Wendungen und Rückwärtsrichten
- Leistungsabfall bei allem, was Last auf die Hinterhand bringt
Später
Lahmheit, die auch nach dem Aufwärmen bleibt, eine tastbare Verdickung an der Innenseite des Sprunggelenks, eingeschränkte Beugung – und Muskelabbau an der Hinterhand durch Schonhaltung.
Der beidseitige Fall
Warum er so oft übersehen wird
Spat tritt häufig an beiden Hinterbeinen auf. Und dann fehlt genau das, worauf man achtet: das Hinken auf einer Seite. Das Pferd belastet beide Seiten gleichmäßig weniger – es lahmt nicht, es geht nur anders.
Was dann auffällt, ist unspezifisch: allgemeine Steifheit, kurze Tritte hinten, fehlender Schwung, Unwilligkeit bei Lektionen, die Last verlangen. Das wird oft als Charakter, Trainingsstand oder Alter gedeutet – und bleibt Jahre unerkannt.
Die Diagnose
Der Ablauf
- Schritt: Vorbericht – wann es schlechter ist, wie es sich entwickelt hat
- Schritt: Gangbeurteilung, vor und nach dem Aufwärmen – der Unterschied ist die Information
- Schritt: Abtasten auf Verdickung und Wärme
- Schritt: Beugeprobe – das Sprunggelenk wird gehalten, dann wird vorgetrabt
- Schritt: Diagnostische Anästhesie – sie verbindet Befund und Schmerz
- Schritt: Röntgen – zeigt Zubildungen, verschmälerte Gelenkspalten, Verdichtung
Zwei Einschränkungen, die dazugehören
Die Beugeprobe ist nicht spezifisch. Sie belastet mehr als nur die kleinen Sprunggelenke, und ein positives Ergebnis benennt keine Diagnose – es weist eine Richtung.
Und der Röntgenbefund sagt nichts über den Schmerz. Manche Pferde haben ausgeprägte Veränderungen und gehen gut; andere haben wenig zu sehen und deutliche Beschwerden. Erst die Anästhesie stellt den Zusammenhang her (Wenn das Pferd lahmt).
Management
Bewegung
Täglich, niemals Boxenruhe, mit langem Aufwärmen im Schritt – und freier Bewegung auf Paddock oder Weide (Training bei Arthrose).
Hufbearbeitung
Gleichmäßige Belastung und leichteres Abrollen. Welche Ausführung das leistet, entscheidet sich am einzelnen Huf – und wird über mehrere Perioden angepasst, nicht in einer.
Tierärztliche Behandlung
Entzündungshemmende Mittel in Schüben, Injektionen in die betroffenen Gelenkreihen, Mittel mit Wirkung auf den Knochenstoffwechsel – und in hartnäckigen Fällen Verfahren, die die Versteifung gezielt herbeiführen.
Gewicht
Der Hebel, der nichts kostet – jedes Kilogramm weniger wirkt bei jedem Schritt.
Was dem Pferd guttut
- Ausritte auf weichem Boden, möglichst geradeaus
- Schrittarbeit in großem Umfang
- Leichte Arbeit auf großen Linien
- Freie Bewegung über den Tag
Und was ihm schadet
- Enge Wendungen – die größte Einzelbelastung bei Spat
- Longieren auf kleinen Zirkeln
- Harte Böden
- Springen in größerem Umfang
- Versammelte Arbeit im akuten Schub
- Und Stehen – das Schlechteste von allem
Ein Punkt, der selten dabeisteht
Ein Pferd unter Schmerzmitteln bewegt sich besser, als sein Gelenk verträgt. Der Schmerz, der sonst begrenzt, fällt weg. Das Pensum richtet sich deshalb nach der Vorgabe der Praxis – nicht danach, was gerade möglich wirkt.
Die Aussicht
| Lage | Was zu erwarten ist |
|---|---|
| Früh erkannt, konsequent begleitet | Häufig über Jahre nutzbar, Freizeitreiten meist problemlos |
| Fortgeschritten, aber ansprechbar | Mit Anpassungen oft weiter reitbar |
| Vollständige Versteifung | Häufig günstig – schmerzfrei, etwas steifer |
| Anhaltende Beschwerden ohne Versteifung | Eingeschränkt – der Schwerpunkt verschiebt sich zur Lebensqualität |
Was man dabei wissen sollte
Die Aussicht bei Spat ist häufig besser als bei anderen Arthroseformen – wegen der geringen Beweglichkeit der betroffenen Gelenke. Nur lässt sich der Weg dorthin nicht vorhersagen, und nicht jedes Pferd nimmt ihn. Eine belastbare Einschätzung ergibt sich erst über längere Beobachtung.
Kauf und Zucht
Ein häufiger Befund in der Ankaufsuntersuchung
Spat fällt dort regelmäßig auf – auch bei Pferden, die unauffällig gehen. Die Frage ist dann, was der Befund wert ist, und das beurteilt die untersuchende Praxis anhand von Ausmaß, Lage und klinischem Bild.
Als Käufer lautet die Frage nicht, ob etwas zu sehen ist, sondern ob es die geplante Nutzung begrenzt – und bei einem Pferd, von dem Lastaufnahme verlangt wird, fällt die Antwort anders aus als beim Freizeitpferd (vergleichbar der Schale).
Und beim Verkauf
Ein bekannter Befund gehört offengelegt, ebenso eine zurückliegende Behandlung. Da eine Veranlagung beschrieben ist, gehört Spat zudem in die Zuchtentscheidung – nicht als alleiniges Ausschlusskriterium, aber auch nicht als Nebensache.
Aus unserem Sortiment
Zur Einordnung: Bewegung, Hufbearbeitung und Gewicht sind die tragenden Maßnahmen. Keine Mischung ersetzt sie, und keine ersetzt eine verordnete Behandlung.
ARTHRO-PLUS
Neun Arzneidrogen in Arzneibuchqualität, als längerfristige Begleitung bei dauerhaft erhöhtem Bedarf am Bewegungsapparat.
GELENKAKTIV
Sieben Bewegungskräuter in Arzneibuchqualität, als Kur über sechs bis acht Wochen.
MAGENWOHL
Für die Magenseite – ein Thema bei Pferden, die länger begleitet werden.
Zwei Punkte bei Gelenkdrogen
Der Magen: Für die Teufelskrallenwurzel sind Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre als Gegenanzeige aufgeführt. Sinngemäß gilt das für salicylathaltige Drogen wie Weidenrinde und Mädesüß – und es wiegt schwerer bei Pferden, die ohnehin entzündungshemmende Mittel bekommen (Magengesundheit).
Die Kombination: Enthalten zwei Produkte dieselbe Droge, addieren sich die Mengen – bei Drogen mit zeitlicher Begrenzung gilt die Grenze für die Summe.
Für alle Mischungen gilt
Kräutermischungen sind im Turniersport grundsätzlich als dopingrelevant zu behandeln. Die ADMR stellt nicht auf eine abschließende Pflanzenliste ab, sondern auf die mögliche Beeinflussung der Leistungsfähigkeit. Wer startet, prüft die vollständige Zusammensetzung rechtzeitig im geltenden Regelwerk (ADMR-Regeln).
Häufige Fragen
Was ist Spat?
Eine Arthrose der kleinen, wenig beweglichen Gelenke im unteren Sprunggelenk – nicht des großen oberen Gelenks.
Genau daraus folgt die Besonderheit: Versteifen diese Gelenke, fällt der Verlust kaum ins Gewicht, und der Schmerz hört auf.
Mein Pferd läuft sich ein – ist das Spat?
Es ist das Leitsymptom, aber keine Diagnose. Einlaufen tritt auch bei anderen Gelenkveränderungen auf.
Entscheidend ist: Dass es nach zehn Minuten besser wird, ist keine Entwarnung – es gehört zum Muster.
Warum lahmt mein Pferd nicht, obwohl Spat festgestellt wurde?
Weil Spat häufig beidseitig auftritt. Dann belastet das Pferd beide Seiten gleichmäßig weniger – es lahmt nicht, es geht anders.
Auffällig sind dann allgemeine Steifheit, kurze Tritte hinten und fehlender Schwung. Das wird oft als Charakter oder Alter gedeutet.
Kann ich mein Pferd mit Spat noch reiten?
Häufig ja – und Bewegung ist sogar Teil der Behandlung. Wichtig sind langes Aufwärmen, große Linien, weiche Böden.
Enge Wendungen sind die größte Belastung und gehören zurückgenommen. Den Rahmen steckt die behandelnde Praxis ab.
Wie lange muss ich aufwärmen?
Mindestens zwanzig Minuten Schritt, bei Kälte oder nach langen Stehzeiten länger.
Erst wenn das Pferd locker und taktklar geht, wird gesteigert – nicht nach der Uhr.
Darf ich longieren?
Nur sehr zurückhaltend. Kleine Zirkel sind bei Spat besonders belastend.
Wenn überhaupt: große Zirkel, kurze Einheiten, häufige Handwechsel. Arbeit auf gerader Linie ist die bessere Wahl.
Wird Spat wieder besser?
Manchmal ja. Versteifen die betroffenen Gelenke vollständig, endet die schmerzauslösende Bewegung – viele Pferde gehen danach wieder lahmfrei.
Dieser Weg kann Monate bis Jahre dauern und lässt sich nicht erzwingen – nicht jedes Pferd nimmt ihn.
Welche Haltung ist die beste?
Eine mit viel Bewegung – Offenstall oder ganztägiger Auslauf mit ruhigen Artgenossen.
Dauerndes Stehen ist das Schlechteste, was einem Pferd mit Spat widerfährt. Boxenhaltung nur mit täglichem Auslauf.
Was bedeutet der Befund beim Kauf?
Spat fällt in der Ankaufsuntersuchung regelmäßig auf, auch bei unauffällig gehenden Pferden.
Die Frage ist nicht, ob etwas zu sehen ist, sondern ob es die geplante Nutzung begrenzt – und beim Verkauf gehört ein bekannter Befund offengelegt.
Weiterführende Artikel
Quellen
- McIlwraith, C. W. et al.: Joint Disease in the Horse. Elsevier
- Baxter, G. M. (Hrsg.): Adams and Stashak's Lameness in Horses. Wiley-Blackwell
- Ross, M. W. & Dyson, S. J.: Diagnosis and Management of Lameness in the Horse. Elsevier
- Kommission E: Monographie Harpagophyti radix – einschließlich der Gegenanzeigen
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)