Bei Arthrose ist Bewegung die wirksamste Maßnahme, die ein Halter in der Hand hat – und Stillstand das Schlechteste. Entscheidend ist die Dosis: regelmäßig, moderat, abwechslungsreich.
Auf einen Blick
- Regelmäßigkeit vor Intensität – täglich wenig schlägt selten viel
- Mindestens 15 bis 20 Minuten Schritt, bevor es weitergeht
- Freie Bewegung ist Pflicht, nicht Zugabe
- Boxenruhe verschlechtert Arthrose – auch im akuten Schub
- Die Hufbearbeitung wirkt mit – oft mehr als jedes Training
Warum Bewegung wirkt
Der Knorpel wird ernährt
Gelenkknorpel hat keine eigenen Blutgefäße. Er bezieht seine Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit – und das funktioniert nur, wenn das Gelenk wechselnd belastet und entlastet wird.
Die Gelenkflüssigkeit verteilt sich
Sie wird durch Bewegung dünnflüssiger und gleitfähiger. Das erklärt den Einlauf-Effekt, den viele kennen.
Die Muskulatur trägt mit
Starke Muskulatur entlastet das Gelenk – sie fängt einen Teil dessen ab, was sonst auf den Knorpel wirkt.
Die Beweglichkeit bleibt
Ohne Bewegung schrumpft die Gelenkkapsel und das Gelenk versteift. Was einmal verloren ist, kommt schwer zurück.
Was bei Stillstand geschieht
- Der Knorpel wird schlechter versorgt – ohne Lastwechsel keine Ernährung
- Die Muskulatur baut ab – weniger Stütze für das Gelenk
- Die Kapsel schrumpft, die Beweglichkeit nimmt ab
- Und der Schmerz nimmt zu – daraus entsteht ein Kreislauf aus Schonung und Verschlechterung
Boxenruhe ist bei Arthrose fast immer falsch
Sie führt zu schnellerer Verschlechterung, nicht zur Erholung. Ausnahmen sind akute Verletzungen oder eine ausdrückliche tierärztliche Anweisung. Selbst im akuten Arthroseschub ist leichte Bewegung besser als Stillstand – dazu der Abschnitt weiter unten.
Die Grundregeln
Fünf Punkte, auf die es hinausläuft
- Punkt: Regelmäßigkeit vor Intensität – lieber täglich moderat als selten intensiv
- Punkt: Langsam aufwärmen – mindestens 15 bis 20 Minuten Schritt
- Punkt: Auf das Pferd hören – bei Unwilligkeit oder Verschlechterung zurückschalten
- Punkt: Weiche, ebene Böden – Sand und Gras statt Asphalt
- Punkt: Abwechslung bieten – verschiedene Bewegungsarten, nicht nur Reiten
| Intensität | Was dazugehört | Bei Arthrose |
|---|---|---|
| Leicht | Schritt, leichter Trab, freie Bewegung | Ideal – täglich |
| Moderat | Arbeitstrab, leichte Lektionen, Ausritte | Gut – mehrmals wöchentlich |
| Mittel | Galopp, anspruchsvollere Lektionen | Mit Vorsicht – je nach Befund |
| Intensiv | Springen, schnelle Galopparbeit | Meist nicht angezeigt |
Zur Einordnung des Befundes
Was ein einzelnes Pferd verträgt, lässt sich nicht aus einer Stufe ablesen – eine allgemein anerkannte Einteilung in Arthrosegrade gibt es in dieser Form nicht. Entscheidend ist, welches Gelenk betroffen ist, wie es sich im Verlauf verhält und wie das Pferd auf Belastung reagiert. Den Rahmen steckt die behandelnde Praxis ab (Arthrose beim Pferd).
Richtig aufwärmen
Der wichtigste Teil der Einheit
Niemals ohne ausreichendes Aufwärmen in intensivere Arbeit gehen. Das kalte, steife Gelenk ist besonders empfindlich – und was in den ersten Minuten passiert, entscheidet darüber, wie der Rest der Einheit verläuft.
Die Reihenfolge
Zuerst Schritt am langen Zügel, zehn bis fünfzehn Minuten: fleißig und raumgreifend, geradeaus und in großen Bögen, mit der Möglichkeit, den Hals fallen zu lassen. Keine engen Wendungen.
Dann leichter Trab, fünf bis zehn Minuten: entspannter Arbeitstrab, große Zirkel, Leichttraben. Hier zeigt sich, ob das Pferd lockerer wird – das ist die eigentliche Information.
Erst danach die eigentliche Arbeit, angepasst an den Tag. Galopp frühestens nach zwanzig Minuten.
Im Winter länger
Bei Kälte brauchen arthrotische Gelenke mehr Zeit. Zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten Schritt sind dann keine Übertreibung – und eine Decke während der ersten Minuten hilft, besonders bei älteren Pferden.
Geeignete Trainingsarten
Schrittarbeit
Die schonendste Form – fördert die Gelenkschmierung, kann täglich stattfinden. Ausritte im Schritt sind ideal.
Ausritte im Gelände
Abwechslungsreiche Bewegung, verschiedene Untergründe, natürliche Bewegungsmuster – und psychisch entspannend.
Stangenarbeit
Flach gelegt, großzügige Abstände, im Schritt beginnen. Fördert Beweglichkeit und aktiviert die Hinterhand.
Wassertraining
Wo verfügbar eine gute Ergänzung – wie belastend es ist, hängt allerdings von der Wassertiefe ab und gehört vorher besprochen.
Longenarbeit
Nur mit Einschränkungen: große Zirkel, kurze Einheiten, häufige Handwechsel. Besondere Vorsicht bei Spat (Spat).
Dressurarbeit
Leichte Lektionen sind möglich – keine extremen Biegungen, Versammlung nur kurz, und immer auf Losgelassenheit achten.
Freie Bewegung – unverzichtbar
Kein Reittraining ersetzt die natürliche Bewegung auf Paddock oder Weide. Sie findet über den ganzen Tag statt, in kleinen Portionen, ohne Reitergewicht – genau das, was ein arthrotisches Gelenk braucht.
Mehrere Stunden täglich sind das Mindeste, ganztägiger Auslauf das Beste. Der Untergrund sollte eben sein, weder zu tief noch zu hart, und die Gesellschaft ruhig – wildes Toben ist nicht gemeint.
Der Huf – der unterschätzte Teil
Was kein Training ausgleicht
Ein Gelenk wird nicht nur dadurch belastet, wie viel sich das Pferd bewegt, sondern auch dadurch, wie es auftritt. Eine ungleichmäßig belastete Gliedmaße bringt bei jedem Schritt mehr Last auf eine Gelenkseite – und das lässt sich durch noch so gutes Training nicht ausgleichen.
Deshalb gehört die Hufbearbeitung zur Arthrosebehandlung, nicht in die Rubrik Pflege. Ziel ist eine gleichmäßige Belastung und ein leichteres Abrollen, damit weniger Dreh- und Scherkräfte auf die Gelenkränder wirken.
Und die Einschränkung, die dazugehört
Eine bestehende Fehlstellung wird nicht in einem Zug korrigiert. Gewebe, das sich über Jahre angepasst hat, verändert sich langsam – eine rasche Umstellung verlagert Belastung, statt sie zu verteilen. Hier wird über mehrere Beschlagsperioden gearbeitet, in Absprache zwischen Praxis und Hufbearbeitung.
Was zu vermeiden ist
Die häufigsten Fehler
- Das kalte Pferd belasten – nie ohne Aufwärmen traben oder galoppieren
- Harte Böden – Asphalt und gefrorener Boden bedeuten maximale Stoßbelastung
- Enge Wendungen – besonders belastend, vor allem bei Spat
- Springen – hohe Stoßbelastung, meist nicht angezeigt
- Überlastung – zu lange, zu intensiv, zu oft
- Boxenruhe – verschlechtert Arthrose fast immer
- Unregelmäßiges Training – die Woche über Stehen und am Wochenende alles nachholen
- Tiefer, schwerer Boden – belastet Sehnen und Gelenke
Warnsignale während der Arbeit
Reduzieren oder beenden, wenn das Pferd lahmer wird statt lockerer, deutliche Unwilligkeit zeigt, stolpert oder trippelt, bei leichter Arbeit stark schwitzt, oder wenn Taktfehler und Kopfschlagen zunehmen.
Und ein Punkt, der selten dabeisteht
Ein Pferd unter Schmerzmitteln bewegt sich besser, als sein Gelenk verträgt. Der Schmerz, der sonst begrenzt, fällt weg. Deshalb wird das Pensum nicht an das angepasst, was unter Medikation möglich wirkt, sondern an das, was die Praxis vorgibt – sonst ist die Erleichterung mit mehr Verschleiß bezahlt.
Ein Beispiel für die Woche
Als Anhaltspunkt, nicht als Vorschrift
Der folgende Plan beschreibt ein Pferd mit mäßigen Veränderungen, das noch leicht geritten werden kann. Er ist ein Beispiel – was für ein bestimmtes Pferd passt, hängt vom Gelenk, vom Verlauf und von der Haltung ab.
| Tag | Aktivität | Dauer |
|---|---|---|
| Tag 1 | Schrittausritt im Gelände | 45 bis 60 Minuten |
| Tag 2 | Leichte Platzarbeit in Schritt und Trab | 30 bis 40 Minuten |
| Tag 3 | Nur freie Bewegung | ganztägig |
| Tag 4 | Stangenarbeit im Schritt, dazu leichter Trab | 30 Minuten |
| Tag 5 | Ausritt in Schritt und Trab | 45 Minuten |
| Tag 6 | Leichte Platzarbeit oder Handpferd | 30 Minuten |
| Tag 7 | Nur freie Bewegung | ganztägig |
Und an jedem dieser Tage
Mehrere Stunden freie Bewegung auf Paddock oder Weide – auch an den Tagen mit Reittraining. Das ist kein Zusatz, sondern die Grundlage, auf der alles andere aufbaut.
Im akuten Schub
Woran er zu erkennen ist
Verstärkte Lahmheit, Wärme und gegebenenfalls Schwellung am Gelenk – das Gelenk ist entzündet, und das ist etwas anderes als die gewohnte Steifheit am Morgen.
Was dann gilt
- Schritt: Tierärztlich abklären lassen, ob eine Behandlung ansteht
- Schritt: Kühlen, solange Wärme und Schwellung bestehen
- Schritt: Das Training reduzieren – nicht einstellen
- Schritt: Nur Schritt, bis es besser wird
- Schritt: Die freie Bewegung beibehalten – gerade jetzt
Der Punkt, der dem Gefühl widerspricht
Auch im akuten Schub ist vollständige Boxenruhe meist das Falsche. Reduziert wird das Reittraining – nicht die Bewegung überhaupt. Ein Pferd, das drei Tage steht, geht am vierten schlechter, nicht besser.
Aus unserem Sortiment
Zur Einordnung: Bewegung und Hufbearbeitung sind die tragenden Maßnahmen. Keine Mischung ersetzt sie, und keine ersetzt eine verordnete Behandlung. Was unten steht, begleitet ein Pferd, bei dem diese Grundlagen stimmen.
ARTHRO-PLUS
Neun Arzneidrogen in Arzneibuchqualität, als längerfristige Begleitung bei dauerhaft erhöhtem Bedarf am Bewegungsapparat.
GELENKAKTIV
Sieben Bewegungskräuter in Arzneibuchqualität, als Kur über sechs bis acht Wochen – etwa nach einer Phase erhöhter Beanspruchung.
SEHNENSTARK
Acht Kräuter für Sehnen und Bänder – für den vorsichtigen Wiederaufbau nach einer Belastungspause.
MAGENWOHL
Für die Magenseite – ein Thema bei Pferden unter anhaltender Belastung oder mit langen Fresspausen.
Für alle Mischungen gilt
Kräutermischungen sind im Turniersport grundsätzlich als dopingrelevant zu behandeln. Die ADMR stellt nicht auf eine abschließende Pflanzenliste ab, sondern auf die mögliche Beeinflussung der Leistungsfähigkeit. Wer startet, prüft die vollständige Zusammensetzung rechtzeitig im geltenden Regelwerk (ADMR-Regeln).
Häufige Fragen
Wie lange muss ich ein Arthrosepferd aufwärmen?
Mindestens 15 bis 20 Minuten im Schritt, bevor es in den Trab geht. Bei Kälte oder älteren Pferden eher 20 bis 25.
Das steife Gelenk braucht Zeit. Erst wenn das Pferd locker und taktklar geht, wird gesteigert – nicht nach der Uhr allein.
Darf ich mein Arthrosepferd noch reiten?
In den meisten Fällen ja – und es ist sogar sinnvoll. Die Bewegung unter dem Reiter stärkt die Muskulatur, und die entlastet wiederum das Gelenk.
Wichtig sind angepasste Intensität, ausreichendes Aufwärmen und weiche Böden. Den Rahmen steckt die behandelnde Praxis ab, abhängig vom Gelenk und vom Verlauf.
Ist Longieren bei Arthrose erlaubt?
Mit Einschränkungen. Kleine Zirkel sind für Gelenke sehr belastend – besonders bei Spat.
Wenn longiert wird: große Zirkel, kurze Einheiten, häufige Handwechsel. Arbeit auf gerader Linie ist bei Arthrose oft die bessere Wahl.
Besser täglich trainieren oder Ruhetage einlegen?
Tägliche Bewegung ist wichtig – tägliches Reittraining nicht. Sinnvoll ist eine Mischung: an einigen Tagen leichte Arbeit, an anderen nur freie Bewegung.
Was vermieden gehört, sind Tage ohne jede Bewegung. Regelmäßigkeit schlägt Intensität.
Darf mein Pferd noch springen?
Meist nicht. Springen bedeutet hohe Stoßbelastung auf die Gelenke – genau das, was bei Arthrose vermieden werden soll.
Bodenstangen oder flache Cavaletti sind je nach Befund möglich. Die Entscheidung gehört in die tierärztliche Praxis, nicht in den Trainingsplan.
Welcher Boden ist der beste?
Weich, aber nicht zu tief. Gepflegter Sand, Grasnarbe und Waldboden sind gut; Asphalt, gefrorener Boden und sehr tiefer Sand sind es nicht.
Auch unebene Böden sind ungünstig. Abwechslung zwischen mehreren guten Böden ist besser als immer derselbe.
Was hat die Hufbearbeitung damit zu tun?
Mehr, als die meisten denken. Eine ungleichmäßig belastete Gliedmaße bringt bei jedem Schritt mehr Last auf eine Gelenkseite – das gleicht kein Training aus.
Ziel sind gleichmäßige Belastung und leichteres Abrollen. Eine bestehende Fehlstellung wird dabei über mehrere Beschlagsperioden korrigiert, nicht in einer.
Mein Pferd bekommt Schmerzmittel – kann ich mehr arbeiten?
Nein – eher im Gegenteil. Ein Pferd unter Schmerzmitteln bewegt sich besser, als sein Gelenk verträgt; der Schmerz, der sonst begrenzt, fällt weg.
Das Pensum richtet sich deshalb nach der Vorgabe der Praxis, nicht danach, was gerade möglich wirkt.
Was tun bei einem akuten Schub?
Reduzieren, nicht stoppen. Reittraining zurückfahren, nur Schritt, kühlen bei Wärme und Schwellung – und abklären lassen, ob eine Behandlung ansteht.
Die freie Bewegung bleibt: Ein Pferd, das drei Tage steht, geht am vierten schlechter.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Baxter, G. M. (Hrsg.): Adams and Stashak's Lameness in Horses. Wiley-Blackwell
- Ross, M. W. & Dyson, S. J.: Diagnosis and Management of Lameness in the Horse. Elsevier
- Arbeiten zur Ernährung des Gelenkknorpels über die Synovialflüssigkeit und zum Einfluss von Bewegung
- Kommission E: Monographie Harpagophyti radix – einschließlich der Gegenanzeigen
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)