Vorab
Dieser Artikel erklärt Bau und Aufgaben der Pferdeleber. Er ist keine Diagnose- und keine Therapieanleitung. Bei Anzeichen wie Gelbfärbung der Schleimhäute, ausgeprägter Mattigkeit, Gewichtsverlust oder Verhaltensänderungen gehört das Pferd tierärztlich untersucht.
Kurz gesagt: Die Leber ist das größte Stoffwechselorgan des Pferdes und erfüllt hunderte verschiedener Aufgaben – von der Umwandlung von Ammoniak über die Bildung von Bluteiweißen bis zur Gallebildung. Zwei Besonderheiten prägen sie: Sie erhält den größten Teil ihres Blutes über die Pfortader direkt aus dem Darm und ist damit die erste Station für alles Aufgenommene. Und das Pferd besitzt keine Gallenblase – die Galle fließt kontinuierlich, passend zu einem Tier, das über den ganzen Tag frisst.
Auf einen Blick
- Lage: überwiegend rechts im vorderen Bauchraum, unmittelbar hinter dem Zwerchfell
- Doppelte Blutversorgung: arteriell über die Leberarterie, überwiegend aber venös über die Pfortader aus dem Darm
- Keine Gallenblase: kontinuierlicher Gallefluss statt stoßweiser Abgabe
- Große Reservekapazität: klinische Zeichen treten erst bei erheblichem Funktionsverlust auf
- Regenerationsfähig – aber nur, solange kein Bindegewebe an die Stelle des Lebergewebes tritt
Lage und Aufbau
Die Leber liegt beim Pferd überwiegend rechts im vorderen Bauchraum, unmittelbar hinter dem Zwerchfell und weitgehend vom Rippenbogen verdeckt. Sie ist damit von außen nicht tastbar; für die Ultraschalluntersuchung wird zwischen den Rippen geschallt.
Ihr Gewicht liegt bei einem erwachsenen Großpferd in der Größenordnung von etwa einem Prozent des Körpergewichts, also im Bereich mehrerer Kilogramm. Sie gliedert sich in mehrere Lappen.
Der mikroskopische Aufbau
Funktionell besteht die Leber aus einer Vielzahl von Leberläppchen. Jedes Läppchen ist gleich aufgebaut:
- Hepatozyten – die eigentlichen Leberzellen, in denen die Stoffwechselarbeit stattfindet
- Sinusoide – erweiterte Kapillaren zwischen den Zellreihen, in denen der Stoffaustausch mit dem Blut erfolgt
- Gallenkanälchen – nehmen die gebildete Galle auf und leiten sie ab
- Kupffer-Zellen – ortsständige Fresszellen, die Bakterien und Zelltrümmer aufnehmen
Eine verbreitete Übertreibung
Man liest häufig, die Leber sei „das einzige Organ, das sich selbst regenerieren kann". Das stimmt so nicht – Haut, Knochen, Darmschleimhaut und Blut erneuern sich fortlaufend. Bemerkenswert ist etwas anderes: der Umfang, in dem verlorenes Lebergewebe ersetzt werden kann. Dazu weiter unten mehr.
Die doppelte Blutversorgung
Die Leber wird über zwei Gefäßsysteme versorgt – und daraus folgt fast alles, was sie zur Schwachstelle bei Futterproblemen macht.
Leberarterie
Liefert den kleineren Teil des Blutvolumens, dafür sauerstoffreiches Blut. Sie versorgt das Lebergewebe selbst mit Sauerstoff.
Pfortader
Liefert den größeren Teil des Blutvolumens – nährstoffreiches, aber sauerstoffärmeres Blut direkt aus dem Verdauungstrakt.
Warum das praktisch bedeutsam ist
Alles, was über den Darm aufgenommen wird, gelangt über die Pfortader zuerst zur Leber, bevor es in den übrigen Kreislauf gelangt. Das gilt für Nährstoffe ebenso wie für Pflanzengifte, Schimmelpilzgifte und Arzneistoffe. Die Leber ist damit die erste Kontroll- und Umbaustation – und trägt die Hauptlast, wenn mit dem Futter etwas nicht stimmt.
Die Hauptaufgaben
Die Leber ist an einer sehr großen Zahl von Stoffwechselwegen beteiligt. Die folgenden Aufgaben sind die praktisch bedeutsamsten.
| Aufgabe | Was konkret passiert |
|---|---|
| Umbau und Ausscheidung | Ammoniak aus dem Eiweißstoffwechsel wird zu Harnstoff umgewandelt; Arzneistoffe und Pflanzeninhaltsstoffe werden in wasserlösliche Formen überführt, die über Niere oder Galle ausgeschieden werden können |
| Gallebildung | Gallensäuren werden aus Cholesterin gebildet und mit Bilirubin und weiteren Bestandteilen ausgeschieden; sie ermöglichen die Fettverdauung und die Aufnahme fettlöslicher Vitamine |
| Eiweißbildung | Albumin, Gerinnungsfaktoren, Transport- und Akute-Phase-Proteine entstehen in der Leber |
| Kohlenhydratstoffwechsel | Speicherung von Glukose als Glykogen, Neubildung von Glukose bei Bedarf, Beteiligung an der Blutzuckerregulation |
| Fettstoffwechsel | Cholesterinsynthese, Bildung von Transportformen für Fette, Bildung von Ketonkörpern als Ausweichenergie |
| Speicherung | Glykogen, fettlösliche Vitamine, Vitamin B12, Eisen und Kupfer |
| Hormonabbau | Abbau von Steroid- und weiteren Hormonen; Beteiligung an der Umwandlung von Schilddrüsenhormonen |
Vernetzt mit dem übrigen Stoffwechsel
Leber und Niere arbeiten arbeitsteilig: Was die Leber wasserlöslich macht, kann die Niere ausscheiden. Über die Pfortader ist die Leber unmittelbar an den Darm gekoppelt, und über Glykogen und Glukoseneubildung an die Energieversorgung der Muskulatur. Eine Störung an einer Stelle wirkt deshalb selten nur dort.
Warum Pferde keine Gallenblase haben
Das Pferd gehört zu den Säugetieren ohne Gallenblase. Diese Besonderheit passt zur Ernährungsweise: Ein Tier, das über den größten Teil des Tages kleine Mengen faserreiches Futter aufnimmt, braucht keinen Speicher für stoßweise Abgabe.
Mit Gallenblase
Die Galle wird gesammelt und eingedickt und nach einer Mahlzeit konzentriert in den Dünndarm abgegeben – passend zu wenigen, größeren Mahlzeiten.
Ohne Gallenblase
Die Galle fließt kontinuierlich in den Dünndarm – passend zu ständiger Futteraufnahme in kleinen Portionen.
Eine Richtigstellung zur Fütterung
In Ratgebern findet sich die Aussage, bei langen Fresspausen fließe die Galle „in den leeren Darm" und verursache dadurch Magengeschwüre. Diese Kausalkette trifft nicht zu: Magengeschwüre entstehen im Magen und hängen an der Magensäure, nicht am Gallefluss in den Dünndarm.
Richtig bleibt der Grundsatz – nur mit anderer Begründung: Lange Fresspausen sind ungünstig, weil ohne Kauen kein Speichel gebildet wird und der ungeschützte obere Magenabschnitt dann unmittelbar mit Säure in Kontakt kommt. Ausführlich steht das im Artikel Der Pferdemagen: Anatomie, Säure und Speichel.
Was aus der fehlenden Gallenblase tatsächlich folgt, ist schlichter: Die Fettverdauung des Pferdes ist auf eine gleichmäßige, moderate Fettzufuhr eingerichtet, nicht auf große Fettmengen in einer Mahlzeit.
Was die Leber belastet
Pflanzengifte
| Pflanze | Stoffgruppe | Einordnung |
|---|---|---|
| Jakobs- und Wasserkreuzkraut | Pyrrolizidinalkaloide | Die praktisch bedeutsamste Gruppe; wirkt kumulativ, im getrockneten Futter nicht erkennbar |
| Herbstzeitlose | Colchicin | Keine Pyrrolizidinalkaloide – ein häufig zu lesender Irrtum; hochgiftig, mit Wirkung vor allem auf Magen-Darm-Trakt und Zellteilung |
| Eiche, Eichenlaub und Eicheln | Gerbstoffe | Im Vordergrund stehen Schäden an Magen-Darm-Trakt und Nieren |
| Robinie | Toxalbumine | Vor allem Magen-Darm-, Kreislauf- und Nervenwirkungen |
Pyrrolizidinalkaloide – der wichtigste Punkt
Sie gelangen über GIftpflanzen bei der Ernte ins konservierte Futter und sind dort nicht mehr zu erkennen, weil der abschreckende Geruch der frischen Pflanze fehlt. Ihre Wirkung ist kumulativ – Schäden entstehen über längere Zeit und werden oft erst spät bemerkt. Für Futtermittel besteht bislang kein spezifischer Höchstgehalt; die Empfehlung lautet, den Eintrag so weit wie möglich zu minimieren.
Schimmelpilzgifte
Mykotoxine in Heu, Stroh, Getreide oder verdorbener Silage zählen zu den häufigsten futterbedingten Belastungen. Sichtbarer Schimmel ist ein Ausschlusskriterium – Mykotoxine können allerdings auch in optisch unauffälligem Futter vorkommen, weshalb bei Verdacht eine Futtermittelanalyse sinnvoll ist.
Arzneimittel
Viele Arzneistoffe werden in der Leber verstoffwechselt. Ob und in welchem Umfang daraus eine Belastung entsteht, hängt vom Wirkstoff, der Dosierung und der Anwendungsdauer ab – das beurteilt die behandelnde Tierärztin.
Störungen des Fettstoffwechsels
Bei Ponys, Eseln und Kleinpferden kann eine negative Energiebilanz – etwa bei Futterverweigerung, Erkrankung, Stress oder einer zu strengen Diät – zu einer massiven Mobilisierung von Körperfett führen. Die Leber wird dabei mit Fett überschwemmt; das Krankheitsbild verläuft schwer und ist ein tierärztlicher Notfall.
Die häufigste Verwechslung
Diese Störung wird oft dem Übergewicht zugeschrieben. Tatsächlich ist der Auslöser die plötzliche Unterversorgung – häufig bei einem Tier, das zuvor übergewichtig war. Genau deshalb gehört jede Gewichtsreduktion begleitet und darf nicht als Radikaldiät erfolgen.
Fellwechsel und Belastungsphasen
Fellwechsel, Trächtigkeit, Laktation und hohe Leistung erhöhen den Stoffwechselumsatz. Das ist Physiologie, keine Erkrankung – ein gesundes Pferd bewältigt es ohne Zutun.
Zur oft zitierten Prozentzahl
Die Angabe, der Fellwechsel erhöhe die Stoffwechselbelastung „um bis zu 40 Prozent", kursiert weit – belegen lässt sie sich nicht. Dass der Bedarf an schwefelhaltigen Aminosäuren und an einzelnen Spurenelementen in dieser Phase steigt, ist unstrittig. Eine bezifferte Gesamtbelastung ist es nicht.
Anzeichen erkennen
Das Grundproblem
Die Leber verfügt über eine erhebliche Reservekapazität. Deutliche klinische Zeichen treten in der Regel erst auf, wenn ein Großteil der Funktion verloren ist. Frühe Auffälligkeiten sind entsprechend unspezifisch – und ein Blutbild kann lange vor sichtbaren Symptomen Hinweise geben.
Unspezifische Frühzeichen
Stumpfes Fell, verzögerter Fellwechsel, nachlassende Leistungsbereitschaft, verändertes Fressverhalten, weicher Kot oder Kotwasser, wiederkehrende leichte Koliken. Diese Zeichen haben viele mögliche Ursachen und taugen nicht als Diagnose – wohl aber als Anlass, genauer hinzusehen.
Deutliche Zeichen – sofort tierärztlich abklären
- Gelbfärbung von Schleimhäuten, Augen oder Haut
- Lichtempfindlichkeit an unpigmentierten Hautstellen mit Rötung, Schwellung oder Blasenbildung – Ursache ist eine gestörte Ausscheidung von Phylloerythrin, einem Abbauprodukt des Blattgrüns
- Verhaltens- und Bewusstseinsänderungen bis hin zum Pressen des Kopfes gegen Wände, Benommenheit oder Kreislaufen – Hinweis auf eine Beteiligung des Nervensystems infolge unzureichender Ammoniakentgiftung
- Anhaltende Futterverweigerung, ausgeprägte Mattigkeit, Gewichtsverlust
Zur Beurteilung der Laborwerte – GGT, GLDH, AST und weitere – haben wir einen eigenen Artikel: Leberwerte beim Pferd verstehen.
Regeneration und ihre Grenzen
Lebergewebe kann in beträchtlichem Umfang nachgebildet werden – das ist der Grund, warum sich auch deutlich erhöhte Werte wieder normalisieren können, wenn die Ursache beseitigt wird.
Die Grenze heißt Bindegewebe
Regeneration setzt voraus, dass die Grundstruktur des Gewebes erhalten bleibt. Bei anhaltender oder wiederholter Schädigung tritt Bindegewebe an die Stelle von Leberzellen. Dieser Umbau ist nicht rückgängig zu machen, und die betroffene Funktion bleibt verloren.
Genau deshalb ist die Ursachenklärung der entscheidende Schritt – nicht die Frage, was man zusätzlich gibt.
Zu Zeitangaben
Angaben wie „vier bis acht Wochen bei leichter, acht bis zwölf bei mittelschwerer Schädigung" suggerieren eine Vorhersagbarkeit, die es nicht gibt. Wie lange eine Erholung dauert und ob sie vollständig gelingt, hängt von Ursache, Ausmaß und Dauer der Einwirkung ab. Belastbare Auskunft gibt der Verlauf der Kontrolluntersuchungen, nicht eine Faustregel.
Heilpflanzen für Leber und Galle
Die Phytotherapie kennt für Leber und Galle eine ganze Reihe gut untersuchter Arzneidrogen. Mehrere davon sind im Europäischen Arzneibuch monographiert und von europäischen Fachgremien bewertet worden – das ist mehr, als sich über die meisten Zutaten des Ergänzungsfuttermarktes sagen lässt.
Mariendistelfrüchte (Silybi mariani fructus)
Wertbestimmend ist das Silymarin, ein Flavonolignan-Komplex aus Silybin, Silydianin und Silychristin. Er sitzt in den Früchten – nicht in der fetten Ölfraktion. Wer Mariendistelöl deklariert, liefert deshalb etwas anderes als wer die Droge deklariert.
Bewertung: Positive Monographien liegen von Kommission E, HMPC, WHO und ESCOP vor. Die HMPC-Monographie führt für die traditionelle Anwendung die symptomatische Behandlung von Verdauungsbeschwerden sowie die Unterstützung der Leberfunktion. Die ESCOP-Monographie nennt darüber hinaus toxische Leberschäden und die unterstützende Anwendung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen.
Artischockenblätter (Cynarae folium)
Enthalten Cynarin, Caffeoylchinasäuren und Sesquiterpenlactone als Bitterstoffe. Die Droge ist im Arzneibuch monographiert und wird in der europäischen Phytotherapie den cholagog – also gallenflussfördernd – wirkenden Drogen zugeordnet. Bei einem Tier ohne Gallenblase, dessen Galle ohnehin kontinuierlich fließt, ist das ein besonders naheliegender Ansatzpunkt.
Löwenzahn (Taraxaci officinalis herba cum radice)
Kraut und Wurzel sind gemeinsam wie auch die Wurzel allein im Arzneibuch monographiert. Bitterstoffe vom Typ der Sesquiterpenlactone und Flavonoide bestimmen das Profil; traditionell zählt Löwenzahn zu den klassischen Frühjahrsdrogen und wird ebenfalls den gallenwirksamen Pflanzen zugerechnet.
Weitere monographierte Drogen
Im selben Zusammenhang stehen unter anderem Curcumawurzelstock, Schafgarbenkraut, Wermutkraut und Erdrauchkraut – sämtlich Arzneibuchdrogen. Einigen dieser Pflanzen wird eine gallenflussfördernde, einigen auch eine leberschützende Wirkung zugeschrieben.
Was in tierärztliche Hand gehört
Bei einem auffälligen Leberbefund steht die Ursachenklärung an erster Stelle, und Behandlung wie Verlaufskontrolle entscheidet der Tierarzt.
Häufige Fragen
Wo liegt die Leber beim Pferd?
Überwiegend rechts im vorderen Bauchraum, unmittelbar hinter dem Zwerchfell und weitgehend vom Rippenbogen verdeckt. Von außen ist sie nicht tastbar; für eine Ultraschalluntersuchung wird zwischen den Rippen geschallt.
Warum haben Pferde keine Gallenblase?
Weil sie Dauerfresser sind. Eine Gallenblase speichert Galle und gibt sie nach einer Mahlzeit konzentriert ab – sinnvoll bei wenigen, größeren Mahlzeiten. Ein Pferd nimmt über den größten Teil des Tages kleine Mengen auf, entsprechend fließt die Galle kontinuierlich in den Dünndarm. Praktisch folgt daraus, dass die Fettverdauung auf eine gleichmäßige, moderate Fettzufuhr eingerichtet ist.
Verursacht die fehlende Gallenblase Magengeschwüre bei langen Fresspausen?
Nein, diese Kausalkette trifft nicht zu. Magengeschwüre entstehen im Magen und hängen an der Magensäure, nicht am Gallefluss in den Dünndarm. Richtig bleibt, dass lange Fresspausen ungünstig sind – aber aus einem anderen Grund: Ohne Kauen wird kein Speichel gebildet, und der ungeschützte obere Magenabschnitt kommt dann unmittelbar mit Säure in Kontakt.
Warum ist die Pfortader so wichtig?
Weil über sie der größere Teil des Leberblutes fließt – und zwar direkt aus dem Verdauungstrakt. Alles über den Darm Aufgenommene passiert damit zuerst die Leber, bevor es in den übrigen Kreislauf gelangt: Nährstoffe ebenso wie Pflanzengifte, Schimmelpilzgifte und Arzneistoffe. Deshalb wirkt sich Futterqualität auf kaum ein Organ so unmittelbar aus.
Ist die Leber das einzige Organ, das sich regenerieren kann?
Nein. Haut, Knochen, Darmschleimhaut und Blut erneuern sich fortlaufend. Bemerkenswert an der Leber ist der Umfang, in dem verlorenes Gewebe ersetzt werden kann. Die Grenze liegt dort, wo bei anhaltender Schädigung Bindegewebe an die Stelle von Leberzellen tritt – dieser Umbau ist nicht rückgängig zu machen.
Welche Giftpflanzen schädigen die Leber?
Praktisch am bedeutsamsten sind Kreuzkraut Arten wegen ihrer Pyrrolizidinalkaloide: Sie gelangen ins konservierte Futter, sind dort nicht erkennbar und wirken kumulativ. Häufig falsch zugeordnet wird die Herbstzeitlose – sie enthält Colchicin, keine Pyrrolizidinalkaloide, und ist hochgiftig mit Wirkung vor allem auf Magen-Darm-Trakt und Zellteilung. Bei Eiche und Robinie stehen andere Organe im Vordergrund.
Was ist eine Fettleber beim Pferd?
Gemeint ist meist eine massive Fetteinlagerung infolge einer negativen Energiebilanz: Bei Futterverweigerung, Erkrankung, Stress oder zu strenger Diät wird Körperfett in großem Umfang mobilisiert und überschwemmt die Leber. Besonders betroffen sind Ponys, Esel und Kleinpferde. Auslöser ist also die plötzliche Unterversorgung – häufig bei einem zuvor übergewichtigen Tier. Das Krankheitsbild verläuft schwer und ist ein tierärztlicher Notfall.
Wie lange dauert es, bis sich die Leber erholt?
Das lässt sich nicht vorhersagen. Angaben wie „vier bis acht Wochen" suggerieren eine Regelhaftigkeit, die es nicht gibt – Dauer und Ausmaß der Erholung hängen von Ursache, Schweregrad und Einwirkdauer ab. Belastbare Auskunft geben die Kontrolluntersuchungen im Verlauf. Entscheidend ist ohnehin der erste Schritt: die Ursache zu finden und abzustellen.
Welche Heilpflanzen werden bei Leber und Galle eingesetzt?
In der Phytotherapie stehen dafür mehrere Arzneibuchdrogen zur Verfügung, unter anderem Mariendistelfrüchte, Artischockenblätter, Löwenzahnkraut mit Wurzel, Curcumawurzelstock, Schafgarben- und Wermutkraut. Einigen dieser Pflanzen wird eine gallenflussfördernde, einigen auch eine leberschützende Wirkung zugeschrieben. Für Mariendistelfrüchte liegen positive Monographien von Kommission E, HMPC, WHO und ESCOP vor.
Was sagt die HMPC-Monographie zur Mariendistelsamen?
Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der Europäischen Arzneimittel Agentur hat 2018 eine finale Monographie zu Mariendistelfrüchten verabschiedet. Für die traditionelle Anwendung nennt sie die symptomatische Behandlung von Verdauungsbeschwerden sowie die Unterstützung der Leberfunktion. Die ESCOP-Monographie führt darüber hinaus toxische Leberschäden und die unterstützende Anwendung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen an.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Durham, A. E. (2009): Liver disease in the horse. Veterinärmedizinische Fachliteratur
- Peek, S. F., Divers, T. J. (2018): Hepatic disease in horses. In: Equine Internal Medicine
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Pyrrolizidinalkaloide in Futtermitteln – Zusammenstellung vorliegender Untersuchungen
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), EDQM: Monographien zu pflanzlichen Drogen
- Coenen, M. & Vervuert, I. (2020): Pferdefütterung. 6. Auflage. Stuttgart: Thieme
- Europäische Arzneimittel-Agentur, HMPC: European Union herbal monograph on Silybum marianum (L.) Gaertn., fructus, EMA/HMPC/294187/2013, final 5 June 2018
- ESCOP, Kommission E und WHO: Monographien zu Silybi mariani fructus
- Europäisches Arzneibuch: Monographien Silybi mariani fructus, Cynarae folium, Taraxaci officinalis herba cum radice sowie allgemeine Prüfung auf Pyrrolizidinalkaloide