Das Futter, das jahrelang passte, passt plötzlich nicht mehr: Das Gewicht schwindet, das Fell wird stumpf, die Verdauung macht Ärger. Der häufigste Grund dafür steckt im Maul – und der zweithäufigste ist eine Ration, die gekürzt wurde, obwohl sie hätte wachsen müssen.
Auf einen Blick
- Der Bedarf sinkt im Alter nicht automatisch – die Verwertung wird schlechter
- Raufutter bleibt die Grundlage, notfalls in anderer Form
- Cobs werden fast immer zu knapp bemessen
- Eingeweichtes Futter verdirbt schnell – besonders im Sommer
- Trockene Cobs können zur Schlundverstopfung führen
Was sich verändert
Im Verdauungstrakt
- Zähne: stärkere Abnutzung, scharfe Kanten, Lücken – das Kauen wird ineffizienter
- Darmbewegung: kann langsamer werden
- Darmflora: verändert sich, oft weniger vielfältig
- Aufnahme: Nährstoffe werden schlechter verwertet
| Veränderung | Folge | Anpassung |
|---|---|---|
| Schlechteres Kauen | Futter wird nicht mehr zerkleinert | Weicheres Futter, eingeweicht |
| Langsamere Verdauung | Futter verweilt länger | Kleinere Portionen, häufiger |
| Schlechtere Verwertung | Weniger kommt an | Höhere Qualität – und meist mehr, nicht weniger |
| Veränderte Darmflora | Verdauung instabiler | Keine abrupten Wechsel |
Jedes Pferd ist anders
Nicht jedes alte Pferd zeigt all das. Manche kauen mit 25 noch einwandfrei, andere haben mit 18 Zahnprobleme. Die Fütterung richtet sich nach dem, was man sieht – nicht nach dem Geburtsjahr.
Der Bedarf – das größte Missverständnis
Er sinkt nicht automatisch
Weit verbreitet ist die Annahme, alte Pferde bräuchten weniger. Das trifft so nicht zu: Was nachlässt, ist die Verwertung – nicht der Bedarf.
Viele alte Pferde brauchen bei gleicher Arbeit eher mehr Energie und besseres Eiweiß als früher, um Gewicht und Muskulatur zu halten. Wer die Ration pauschal kürzt, trifft oft genau das Pferd, das zulegen müsste.
Und die Gegenrichtung
Alte Pferde, die zunehmen, bewegen sich meist schlicht weniger – oder es steckt eine Stoffwechselerkrankung dahinter. Das ist eine andere Lage und verlangt eine andere Antwort, nicht dieselbe Faustregel in umgekehrter Richtung.
Die fünf Grundregeln
- Punkt: Raufutter bleibt die Grundlage – mindestens anderthalb Kilogramm je hundert Kilogramm Körpergewicht
- Punkt: Qualität vor Menge – leicht verdaulich, sauber, staubfrei
- Punkt: Mehrere kleine Mahlzeiten statt zwei großer
- Punkt: Keine abrupten Wechsel – Umstellungen über zwei bis drei Wochen
- Punkt: Wasser jederzeit, im Winter nicht eiskalt
Raufutter bleibt die Grundlage
Das passende Heu
Weich und blattreich statt grob und stängelig, sauber und staubfrei. Und mit bekanntem Zuckergehalt, wenn eine Stoffwechselerkrankung im Spiel ist – das lässt sich nur über eine Analyse einschätzen (Heuanalyse beim Pferd).
Wenn Heu nicht mehr geht
Heucobs können Heu teilweise oder ganz ersetzen – eingeweicht, staubfrei und mit gleichbleibender Qualität. Grascobs liefern mehr Eiweiß und eignen sich als Ergänzung bei Gewichtsverlust.
Und zum Stroh: Als Einstreu in Ordnung, als Futter für alte Pferde ungeeignet – schwer verdaulich, hart und nährstoffarm. Wird es aus Langeweile gefressen, fehlt Heu, nicht Abwechslung.
Der Fehler, der am häufigsten gemacht wird
Cobs werden fast immer zu knapp bemessen. Wer Heu ersetzt, muss es der Menge nach ersetzen – und ein Pferd, das zehn Kilogramm Heu gefressen hat, braucht entsprechend viel Trockenmasse an Cobs.
Zwei Kilogramm Cobs sind kein Heuersatz, sondern eine Beilage. Wenn ein Pferd trotz Umstellung abnimmt, liegt es meistens hieran – nicht an der Qualität des Futters.
Wenn die Zähne nicht mehr mitmachen
Woran man es erkennt
- Wickelkauen – das Pferd formt Heu zu Rollen und lässt sie fallen
- Gewichtsverlust trotz gutem Appetit
- Lange, unzerkleinerte Fasern im Kot
- Deutlich langsameres Fressen
- Schiefe Kopfhaltung beim Kauen, Mundgeruch, vermehrter Speichel
Was dann umgestellt wird
Raufutter: Heucobs eingeweicht statt Heu, Grascobs als Ergänzung, weiches kurzes Weidegras, wo möglich.
Kraftfutter: alles eingeweicht – keine ganzen Körner, die unzerkleinert durchgehen. Mash und eingeweichte Rübenschnitzel sind gebräuchlich.
Und der Rhythmus: mehrere kleine Mahlzeiten, längere Fresszeiten einplanen.
Die Fütterung ersetzt die Zahnbehandlung nicht
Vieles lässt sich behandeln – scharfe Kanten glätten, lockere Zähne entfernen. Wer nur das Futter umstellt, löst das Symptom und lässt die Ursache stehen – und manches wird dabei schlimmer, nicht besser.
Zum Einweichen
Cobs niemals trocken füttern
Trockene Cobs quellen im Schlund auf und können ihn verstopfen – ein Notfall, der sich vollständig vermeiden lässt. Eingeweicht wird, bis keine festen Anteile mehr zu erkennen sind; wie lange das dauert, steht auf der Packung und hängt von Wassertemperatur und Pressung ab.
Und der Punkt, der im Sommer zählt
Eingeweichtes Futter verdirbt schnell. Bei warmem Wetter kann es binnen weniger Stunden gären – erkennbar an säuerlichem Geruch und Bläschen. Es wird deshalb frisch angesetzt und zügig verfüttert, nicht auf Vorrat. Im Winter lässt sich am Vorabend vorbereiten, im Sommer besser nicht.
Gewicht in beide Richtungen
| Ursache | Hinweis darauf | Was ansteht |
|---|---|---|
| Zähne | Wickelkauen, lange Fasern im Kot | Zahnbehandlung und Futter einweichen |
| Zu knappe Ration | Cobs ersetzen das Heu nur dem Namen nach | Menge nachrechnen |
| Parasiten | Kotprobe | Gezielte Behandlung |
| Stoffwechsel | Langes Fell, Muskelabbau | Blutuntersuchung (EMS und Cushing) |
| Rangordnung | Wird vom Heu weggedrängt | Getrennt füttern |
Wenn das Pferd zulegen soll
- Zuerst die Ursache klären – Zähne, Kotprobe, Blutwerte
- Die Raufuttermenge nachrechnen, bevor etwas dazukommt
- Öl als Energieträger – langsam angewöhnt, über zwei bis drei Wochen gesteigert
- Gutes Eiweiß für den Muskelerhalt, etwa über Luzerne
- Häufiger füttern und bei Bedarf getrennt
- Und dokumentieren – ohne Maßband oder Fotos fällt langsamer Fortschritt nicht auf
Wenn es zu viel wird
Übergewicht belastet Gelenke und Stoffwechsel und erhöht das Rehe-Risiko. Gekürzt wird dann beim Kraftfutter – nicht beim Raufutter, denn lange Fresspausen schaffen ein neues Problem. Und auffällige Fettpolster bei einem alten Pferd gehören abgeklärt, nicht nur weggefüttert.
Nährstoffe im Alter
Eiweiß – worauf es ankommt
Im Alter geht Muskulatur verloren, und gutes Eiweiß verlangsamt das. Dabei zählt nicht die Menge allein, sondern die Qualität – also das Aminosäuremuster. Luzerne und Leinsamen sind gebräuchliche Quellen, Bierhefe liefert zusätzlich B-Vitamine.
Vitamine und Mengenelemente
Vitamin E ist bei Muskelthemen relevant, und Heu liefert davon kaum etwas – die Spanne nach oben ist weit (Vitamin E). Bei Selen ist es umgekehrt: enge Spanne, deshalb wird gemessen, bevor ergänzt wird (Selen).
Zink und Kupfer sind im Grundfutter häufig knapp. Beim Calcium zählt das Verhältnis zum Phosphor, nicht die Höhe.
Vitamin C braucht ein Pferd nicht über das Futter – es bildet es selbst. Hagebutte wird aus anderen Gründen verwendet, nicht als Vitamin-C-Quelle.
Wasser – und ein Warnzeichen
Ein Großpferd trinkt mehrere Dutzend Liter am Tag, bei Hitze mehr. Im Winter wird lauwarmes Wasser deutlich besser angenommen als eiskaltes – und wer eingeweicht füttert, deckt einen Teil über das Futter.
Trinkt ein altes Pferd plötzlich deutlich mehr als sonst, gehört das abgeklärt – das kann auf eine Stoffwechsel- oder Nierenerkrankung hinweisen.
Ergänzungen
Was üblicherweise dazukommt
Leinsamen liefert Öl, Eiweiß und Schleimstoffe; Flohsamenschalen werden bei Kotwasser verwendet; Bierhefe steuert B-Vitamine bei. Präbiotisch wirksame Bestandteile unterstützen die Darmflora, etwa beim Wechsel auf eine neue Heuernte (Darmflora beim Pferd).
Und die Drogen der Phytotherapie
Bei alten Pferden gebräuchlich sind Weißdornblätter mit Blüten für das Herz-Kreislauf-System, Taigawurzel für Phasen erhöhter Anforderung, Brennnesselblätter und Löwenzahn für den Stoffwechsel sowie Alantwurzel für die Verdauung. Die Zuordnung beschreibt die Überlieferung, nicht eine nachgewiesene Wirkung beim Pferd.
SENIORAKTIV
Neun Kräuter in Arzneibuchqualität, abgestimmt auf die Bereiche, die sich im Alter am deutlichsten verändern – Verdauung, Bewegung, Herz-Kreislauf und Vitalität. Enthält Taigawurzel und wird deshalb zeitlich begrenzt gegeben.
DARMWOHL
Für Phasen der Umstellung – etwa beim Wechsel auf eine neue Heuernte oder wenn die Ration an veränderte Zähne angepasst wird.
MAGENWOHL
Für die Magenseite – ein Thema bei langen Fresspausen, wie sie entstehen, wenn ein Pferd Heu nicht mehr bewältigt.
LEBERWOHL
Leberdrogen der Phytotherapie – für Phasen, in denen vom Stoffwechsel mehr verlangt wird.
Zwei Hinweise
Mischungen nicht beliebig kombinieren: Enthalten zwei Produkte dieselbe Droge, addieren sich die Mengen – bei Drogen mit zeitlicher Begrenzung gilt die Grenze für die Summe. Und bei laufender Behandlung gehört Neues mit der betreuenden Praxis besprochen.
Kräutermischungen sind im Turniersport grundsätzlich als dopingrelevant zu behandeln. Die ADMR stellt nicht auf eine abschließende Pflanzenliste ab, sondern auf die mögliche Beeinflussung der Leistungsfähigkeit (ADMR-Regeln).
Häufige Fehler
Was immer wieder vorkommt
- Die Ration kürzen, weil das Pferd alt ist – der Bedarf sinkt nicht automatisch
- Cobs zu knapp bemessen – sie müssen das Heu der Menge nach ersetzen
- Cobs trocken füttern – Gefahr einer Schlundverstopfung
- Eingeweichtes auf Vorrat ansetzen – es verdirbt rasch
- Abrupt umstellen statt über zwei bis drei Wochen
- Zu lange Fresspausen zulassen
- Gewichtsveränderungen hinnehmen, in beide Richtungen
- Die Zahnbehandlung durch Fütterung ersetzen wollen
Häufige Fragen
Braucht ein altes Pferd weniger Futter?
Meist nicht – das ist der häufigste Irrtum. Was nachlässt, ist die Verwertung, nicht der Bedarf. Viele alte Pferde brauchen eher mehr Energie und besseres Eiweiß als früher.
Wer pauschal kürzt, trifft oft genau das Pferd, das zulegen müsste.
Was füttere ich bei Zahnproblemen?
Eingeweichte Heucobs statt Heu, Kraftfutter eingeweicht, keine ganzen Körner – und mehrere kleine Mahlzeiten mit längeren Fresszeiten.
Die Fütterung ersetzt die Zahnbehandlung aber nicht – vieles lässt sich behandeln, und unbehandelt wird manches schlimmer.
Wie viele Cobs ersetzen das Heu?
So viel Trockenmasse, wie vorher Heu gefressen wurde – und das ist meist deutlich mehr, als gegeben wird.
Zwei Kilogramm Cobs sind kein Heuersatz, sondern eine Beilage. Nimmt ein Pferd trotz Umstellung ab, liegt es meistens hieran.
Muss ich Cobs wirklich einweichen?
Ja – trockene Cobs quellen im Schlund auf und können ihn verstopfen. Das ist ein Notfall, der sich vollständig vermeiden lässt.
Eingeweicht wird, bis keine festen Anteile mehr zu erkennen sind. Und nicht auf Vorrat: Bei warmem Wetter verdirbt eingeweichtes Futter binnen Stunden.
Mein altes Pferd nimmt ab – was tun?
Zuerst die Ursache klären: Zähne, Kotprobe, Blutwerte – und nachrechnen, ob die Raufuttermenge wirklich stimmt.
Dann erst ergänzen: Öl als Energieträger, langsam angewöhnt, dazu gutes Eiweiß und häufigere Mahlzeiten.
Braucht mein Pferd spezielles Seniorenfutter?
Nicht wegen des Alters allein. Manche alten Pferde kommen mit der gewohnten Ration gut zurecht, andere brauchen alles eingeweicht.
Was sich lohnt, ist die Rationsberechnung – sie beantwortet die Frage besser als jedes Etikett.
Ist Weidegang noch sinnvoll?
Ja – wegen Bewegung, Sozialkontakt und weichem Gras. Bei Stoffwechselerkrankungen wird die Zeit oder die Fläche begrenzt.
Maßgeblich ist dabei die Summe aus Zucker und Stärke, nicht der häufig genannte Fruktangehalt. Und bei Zahnproblemen gehört geprüft, ob das Pferd tatsächlich genug aufnimmt.
Welche Nährstoffe sind besonders wichtig?
Gutes Eiweiß für den Muskelerhalt, dazu Zink und Kupfer, die im Grundfutter häufig knapp sind. Vitamin E ist bei Muskelthemen relevant, Selen nur nach Messung.
Vitamin C braucht ein Pferd nicht über das Futter – es bildet es selbst.
Mein Pferd trinkt plötzlich viel mehr – ist das normal?
Nein, das gehört abgeklärt. Deutlich vermehrtes Trinken kann auf eine Stoffwechsel- oder Nierenerkrankung hinweisen.
Bei alten Pferden ist das einer der Befunde, die am häufigsten als Alterserscheinung abgetan werden – und es ist keine.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Coenen, M. & Vervuert, I.: Pferdefütterung. Stuttgart: Thieme
- Geor, R. J., Harris, P. A. & Coenen, M. (Hrsg.): Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier
- Ralston, S. L.: Arbeiten zur Ernährung geriatrischer Pferde. Veterinary Clinics of North America – Equine Practice
- Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (2014): Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme