Der Ackerschachtelhalm ist die siliciumreichste der gebräuchlichen Arzneipflanzen – und eine der ältesten Pflanzen überhaupt: Seine Verwandten bedeckten vor 350 Millionen Jahren die Erde als dreißig Meter hohe Wälder. Beim Pferd wird Schachtelhalm harntreibend und bindegewebsfestigend eingesetzt – und bei einem Bein, das vom Stehen einläuft.
Auf einen Blick
- Die Droge ist das grüne Kraut – Equiseti herba, der sterile Sommertrieb
- Diuretisch und bindegewebsfestigend – so beschreibt die Veterinärphytotherapie die Droge
- Angewendet bei statischen und posttraumatischen Ödemen – also beim Bein, das vom Stehen oder nach einer Verletzung anläuft
- Beim HMPC geführt; äußerlich zur Unterstützung schlecht heilender Wunden
- In ARTHRO-PLUS, SEHNENSTARK und HAUTFEIN, dazu in zwei Bundles
- Bei einer harntreibenden Droge entscheidet die Tränke
Steckbrief
| Drogenbezeichnung | Equiseti herba – das grüne, sterile Kraut |
|---|---|
| Familie | Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae) |
| Name | Von lateinisch equus (Pferd) und saeta (Tierhaar) – das Pferdehaar |
| Weitere Namen | Zinnkraut, Fegekraut, Scheuerkraut, Katzenwedel, Pferdeschwanz, Schaftheu |
| Charakteristisch | Kieselsäure, Kaliumsalze, Flavonoide, Kaffeesäurederivate |
| Verwendung beim Pferd | Harntreibend und bindegewebsfestigend; bei statischen und posttraumatischen Ödemen |
| Bewertungen | Beim HMPC geführt; von der Kommission E positiv bewertet |
| Nicht verwechseln | Sumpfschachtelhalm (E. palustre) – die giftige Verwandte |
Die Schachtelhalmpflanze
Der Schachtelhalm sieht filigran aus und fühlt sich kratzig an. Vom gerillten Hauptstengel gehen in Büscheln kantige Seitentriebe ab, die an Kiefernnadeln erinnern; Stengel und Triebe sind in Segmente unterteilt, die wie ineinandergeschachtelt aussehen – daher der Name. An den Knoten bricht die Pflanze leicht.
Der größte Teil des Schachtelhalms liegt unter der Erde, wo die Stengel sich waagerecht weit verzweigen. Im Winter zieht er sich vollständig dorthin zurück.
Eine Pflanze ohne Blüten – und mit zwei Trieben
Der Schachtelhalm ist ein Sporengewächs und blüht nicht. Im zeitigen Frühjahr schiebt er zuerst bräunliche Stengel mit Sporähren aus dem Boden – unscheinbar, und viele halten sie für etwas anderes. Erst Wochen später folgen die verzweigten grünen Triebe, und die sind die Droge.
Das ist der erste Grund, warum diese Droge Erfahrung verlangt: Geerntet wird der sterile Sommertrieb, nicht der frühe Sporentrieb – zwei Pflanzenteile derselben Pflanze, die sich nicht einmal ähnlich sehen.
350 Millionen Jahre, und einmal dreißig Meter hoch
Schachtelhalme gehören zu den urtümlichsten Pflanzen überhaupt. Im Karbon bedeckten sie zusammen mit Farnen und Bärlapp riesige Wälder und wurden dreißig Meter hoch – aus diesen Wäldern ist über Jahrmillionen unsere Steinkohle geworden. Was heute auf dem Acker steht, ist ein Nachkomme von dreißig bis vierzig Zentimetern.
Pferdehaar und Zinnkraut
Der botanische Name nennt das Pferd
Equisetum setzt sich aus equus für Pferd und saeta für Tierhaar zusammen – gemeint sind die steifen Stengel. Im Deutschen heißt die Pflanze entsprechend Pferdeschwanz, neben Katzenwedel und Schaftheu. Der Zusatz arvense kommt von arva, dem Ackerland.
Zinnkraut, Fegekraut, Scheuerkraut
Diese drei Namen beschreiben alle dasselbe: Mit dem Schachtelhalm wurde geputzt. Zinn, Aluminium und Kupfer werden damit blank, und Instrumentenbauer polieren feine Hölzer bis heute mit getrocknetem Schachtelhalm – ein Naturschmirgelpapier.
Die Ursache ist dieselbe wie der Grund, warum die Droge verwendet wird: das Silicium in den Zellwänden. Die Asche verbrannten Schachtelhalms besteht zu einem erheblichen Teil aus Kieselsäure und behält dabei die Form der Pflanze – ein Abdruck, der liegen bleibt.
Schachtelhalm: die Zahl, die immer falsch zitiert wird
„Bis zu zehn Prozent Kieselsäure“ – der Satz steht in fast jedem Text über diese Pflanze. Er ist nicht erfunden, aber er wird falsch gelesen.
Zehn Prozent sind der Gesamtmineralstoffanteil
Nicht der lösliche Anteil – und auf den kommt es an. Nur gelöstes Silicium kann aufgenommen werden, und dieser Anteil liegt deutlich unter zehn Prozent.
Wir nennen die Unterscheidung, weil sie in der Werbung für diese Droge regelmäßig untergeht – und weil der Schachtelhalm die Zahl nicht braucht: Er ist auch mit dem richtigen Wert die siliciumreichste der gebräuchlichen Drogen (Kieselsäure beim Pferd).
Und warum das Arzneibuch hier ins Mikroskop schaut
Die Gattung umfasst Arten, die nicht ins Futter gehören – vor allem den Sumpfschachtelhalm. An getrockneter, geschnittener Ware ist das Unterscheidungsmerkmal nur mikroskopisch zu erkennen, nicht mit dem Auge und nicht am Geruch. Deshalb ist bei dieser Droge die Identitätsprüfung der entscheidende Schritt und nicht ein Gehaltswert (Arzneibuchqualität).
Wofür Schachtelhalm beim Pferd verwendet wird
Diuretisch und bindegewebsfestigend
So beschreibt die Veterinärphytotherapie die Droge in zwei Worten, und die medizinische Anwendung nennt vier Felder: die Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, Nierengrieß, statische und posttraumatische Ödeme – und äußerlich die Unterstützung schlecht heilender Wunden.
Das dritte Feld ist dasjenige, das beim Pferd am häufigsten vorkommt, und es hat den eigenen Abschnitt darunter verdient.
Und was die Volksheilkunde dazu führt
Lungenleiden, Rheuma und Gicht. Das ist Überlieferung und keine Bewertung – aber es erklärt, warum der Schachtelhalm in so vielen alten Rezepturen auftaucht. Sebastian Kneipp hat die zwischenzeitlich vergessene Droge im neunzehnten Jahrhundert wieder bekannt gemacht, unter anderem bei Rheuma und zur Wundbehandlung (was Belege in der Phytotherapie bedeuten).
Schachtelhalm und das Bein, das vom Stehen einläuft
Beim Schachtelhalm macht die Fachliteratur eine Unterscheidung, die sonst kaum jemand macht – und sie ist der Nützlichste Satz in diesem ganzen Artikel.
Statisch und posttraumatisch: dafür wird er verwendet
Ein statisches Ödem ist das Bein, das vom Stehen anläuft – nach einer Nacht in der Box, nach Tagen ohne Bewegung, bei einem Pferd, das aus anderen Gründen stehen muss. Ein posttraumatisches Ödem ist die Schwellung nach einer Verletzung, wenn die akute Phase vorbei ist.
Für genau diese beiden nennt die Veterinärphytotherapie den Ackerschachtelhalm als Anwendung – innerlich, und als medizinische Anwendung, nicht als Volksheilkunde. Das ist bei einer Pferdedroge eine Seltenheit, denn dicke Beine sind der häufigste Anlass, aus dem Besitzer nach Kräutern fragen.
Und das andere Ödem: dafür nicht
Die Gegenanzeige betrifft die Neigung zu Ödemen infolge einer Herz- oder Niereninsuffizienz – also eine Schwellung, hinter der eine Erkrankung steht. Das ist der Unterschied, auf den es ankommt: Ein Bein, das nach einer Standnacht dick ist und sich beim Bewegen wieder gibt, ist etwas anderes als eines, das bleibt oder wiederkehrt. Beim zweiten gehört das Pferd untersucht, und zwar vorher.
Deshalb steht er in SEHNENSTARK und im BOXENRUHE-BUNDLE
Das BOXENRUHE-BUNDLE ist für Pferde gedacht, die längere Zeit stehen müssen – und das statische Ödem ist genau das, was dabei entsteht. Die Droge und der Anlass passen hier ohne Umweg zusammen, und das ist bei Kräutern seltener, als die Werbung vermuten lässt.
Schachtelhalm in drei Mischungen
SEHNENSTARK
Acht Kräuter für Sehnen und Bänder mit Schachtelhalmkraut als siliciumreichster Droge – und mit dem Ödem-Anwendungsgebiet, das zum Stehen passt.
ARTHRO-PLUS
Für Pferde mit dauerhaft erhöhtem Bedarf an den Gelenken – mit Schachtelhalmkraut und Brennnesselblättern.
HAUTFEIN
Sieben Kräuter für Haut und Fell – Schachtelhalmkraut steht hier für das lösliche Silicium, neben Stiefmütterchenkraut.
Und in zwei Bundles
Über SEHNENSTARK steht der Schachtelhalm im BOXENRUHE-BUNDLE, über HAUTFEIN im HAUT & FELL BUNDLE. Beides sind Kuren über Wochen – und genau so wird eine bindegewebswirksame Droge gegeben, weil sich am Gewebe nichts in Tagen zeigt.
Und deshalb nicht zwei davon gleichzeitig
Wer zwei unserer Mischungen nebeneinander füttert, füttert den Schachtelhalm zweimal. Dasselbe gilt für Produkte anderer Hersteller: Er steht in beinahe jeder Gelenk-, Sehnen- und Hufmischung am Markt (mehrere Ergänzungsfutter kombinieren).
Schachtelhalm für Pferde: Dosierung und Wasser
Zur Dosierung: Für ein Großpferd werden üblicherweise 20 bis 40 Gramm getrocknetes Schachtelhalmkraut pro Tag angesetzt, bei Ponys entsprechend weniger. Begonnen wird mit der halben Menge. Bei Mischungen gelten die Angaben des jeweiligen Produkts.
Wasser ist hier die Grundbedingung
Die Veterinärphytotherapie nennt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ausdrücklich – bei einer Durchspülungsdroge ist das kein Hinweis am Rand. Frisches Wasser rund um die Uhr, und im Winter nicht eiskalt: Pferde trinken bei kaltem Wasser deutlich weniger, und dann arbeitet eine durchspülende Droge gegen sich selbst.
Am Gewebe rechnet man in Monaten
Bindegewebe baut sich langsam um – Sehnen brauchen Monate, nicht Wochen. Angelegt ist der Schachtelhalm deshalb über acht bis zwölf Wochen, mit Pause danach. Vier Wochen sind kein Zeitraum, in dem man etwas beurteilen kann, und das gilt hier stärker als bei den meisten Drogen.
Zur Akzeptanz
Schachtelhalmkraut schmeckt heuartig und unauffällig – es gehört zu den Drogen, die im Trog niemandem auffallen. In einer Mischung ist das nützlich, weil daneben Bitterdrogen stehen können, die es nicht sind.
Was bei Schachtelhalm zu beachten ist
Nicht bei Ödemneigung durch Herz- oder Niereninsuffizienz
Diese Gegenanzeige nennt die Veterinärphytotherapie fürs Tier. Sie ist die Kehrseite des Anwendungsgebiets: Beim statischen und beim posttraumatischen Ödem wird die Droge verwendet, beim kardial oder renal bedingten nicht. Eine Schwellung, die bleibt oder wiederkehrt, gehört deshalb eingeordnet, bevor etwas gefüttert wird.
Und bei Verdacht auf Harnsteine nicht geben
Vergeblicher Harndrang und Koliksymptome sind die Zeichen, die dabei genannt werden – und sie sind ein Fall für die Praxis, sofort. Eine Droge, die die Harnmenge erhöht, ist genau dann nicht das Richtige, wenn der Abfluss das Problem sein könnte (Kolik beim Pferd).
Vom Selbersammeln raten wir ab
Der Sumpfschachtelhalm ist die giftige Verwandte, und an getrockneter Ware ist der Unterschied nur mikroskopisch zu sehen. Am frischen Standort unterscheiden sich die beiden – aber nicht so deutlich, dass man es sich für einen Futtereimer leisten sollte. Dazu kommt, dass unvollständig getrocknetes Kraut schimmelt.
Weitere Punkte
- Kurweise statt dauerhaft – acht bis zwölf Wochen, dann eine Pause
- Nicht zwei schachtelhalmhaltige Mischungen nebeneinander
- Bei laufender Dauermedikation vorher mit der Praxis abstimmen
- Tragende und laktierende Stuten – nur nach Rücksprache
Zum Turniersport
Wir behandeln Kräutermischungen grundsätzlich als dopingrelevant, unabhängig davon, ob ein Bestandteil namentlich in einer Liste geführt wird: Die ADMR-Liste ist nicht abschließend. Unsere Empfehlung lautet: in der turnierfreien Zeit füttern. Karenzzeiten können wir nicht angeben; die Prüfung der Bestimmungen obliegt der verantwortlichen Person (ADMR-Regeln).
Häufige Fragen zum Schachtelhalm beim Pferd
Wofür wird Ackerschachtelhalm beim Pferd eingesetzt?
Harntreibend und bindegewebsfestigend – so beschreibt es die Veterinärphytotherapie. Als medizinische Anwendung nennt sie die Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege, Nierengrieß, statische und posttraumatische Ödeme sowie äußerlich die Unterstützung schlecht heilender Wunden.
Beim Pferd ist das Ödem-Anwendungsgebiet das praktisch wichtigste: das Bein, das vom Stehen anläuft, und die Schwellung nach einer Verletzung, wenn die akute Phase vorbei ist.
Hilft Schachtelhalm bei angelaufenen Beinen?
Hier kommt es auf die Art der Schwellung an, und das ist bei dieser Droge ausdrücklich so beschrieben. Für das statische Ödem – das Bein, das nach einer Standnacht dick ist und sich beim Bewegen wieder gibt – und für das posttraumatische wird der Schachtelhalm verwendet.
Bei einer Ödemneigung infolge einer Herz- oder Niereninsuffizienz gilt dagegen die Gegenanzeige. Eine Schwellung, die bleibt oder wiederkehrt, gehört deshalb eingeordnet, bevor etwas gefüttert wird.
Stimmt es, dass Schachtelhalm zehn Prozent Kieselsäure enthält?
Die Zahl stimmt, aber sie wird falsch gelesen. Zehn Prozent sind der Gesamtmineralstoffanteil – nicht der lösliche Siliciumanteil, und nur gelöstes Silicium kann aufgenommen werden. Der liegt deutlich darunter.
Der Schachtelhalm braucht die Zahl auch nicht: Er ist auch mit dem richtigen Wert die siliciumreichste der gebräuchlichen Drogen.
Kann ich Schachtelhalm selbst sammeln?
Davon raten wir ab. Der Sumpfschachtelhalm ist die giftige Verwandte, und an getrockneter, geschnittener Ware ist der Unterschied nur mikroskopisch zu erkennen – nicht mit dem Auge und nicht am Geruch.
Deshalb ist bei dieser Droge die Identitätsprüfung der entscheidende Schritt, und deshalb prüft das Arzneibuch hier mikroskopisch. Dazu kommt, dass unvollständig getrocknetes Kraut schimmelt.
Warum heißt die Pflanze Pferdeschwanz?
Weil der botanische Name das Pferd nennt. Equisetum kommt von equus für Pferd und saeta für Tierhaar – gemeint sind die steifen Stengel.
Die anderen Volksnamen erzählen vom Gebrauch: Zinnkraut, Fegekraut, Scheuerkraut. Mit getrocknetem Schachtelhalm wurde Zinn geputzt, und Instrumentenbauer polieren damit bis heute feine Hölzer.
Wie lange muss ich füttern, bis sich etwas zeigt?
Bei dieser Droge länger als bei den meisten. Bindegewebe baut sich langsam um, Sehnen brauchen Monate. Angelegt ist der Schachtelhalm über acht bis zwölf Wochen, dann eine Pause.
Vier Wochen sind kein Zeitraum, in dem man etwas beurteilen kann – wer dann abbricht, hat nichts getestet.
Warum muss das Pferd dabei mehr trinken?
Weil die Droge die Harnmenge erhöht. Die Fachliteratur nennt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ausdrücklich als Hinweis zur Anwendung.
Im Winter lohnt der Blick auf die Wassertemperatur: Pferde trinken bei eiskaltem Wasser deutlich weniger – und dann arbeitet eine durchspülende Droge gegen sich selbst.
Ist Schachtelhalm wirklich so alt?
Die Gattung ist etwa 350 Millionen Jahre alt. Im Karbon bedeckten Schachtelhalme zusammen mit Farnen und Bärlapp riesige Wälder und wurden dreißig Meter hoch.
Aus diesen Wäldern ist unsere Steinkohle geworden. Was heute auf dem Acker steht, ist ein Nachkomme von dreißig bis vierzig Zentimetern – mit demselben Silicium in den Zellwänden.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme – Anwendungsgebiete, Gegenanzeigen und Hinweise
- Kommission E des Bundesgesundheitsamtes: Monographie Equiseti herba – positiv bewertet
- HMPC/EMA: Monographie Equisetum arvense L., herba
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Equiseti herba – mit mikroskopischer Identitätsprüfung
- Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)