Ein Pferd, das beim Reiten den Kopf schlägt, gilt schnell als widersetzlich. Beim echten Headshaking ist das Gegenteil der Fall: Hier reagiert ein Nerv auf Reize, die kein anderes Pferd bemerken würde – und das Pferd kann nichts dagegen tun.
Auf einen Blick
- Die meisten kopfschlagenden Pferde haben etwas anderes – und das ist oft behebbar
- Beim echten Headshaking ist der Trigeminusnerv überempfindlich
- Licht ist der häufigste Auslöser, und daran lässt sich etwas tun
- Es ist schmerzhaft – und beim Reiten eine Gefahr für den Menschen
- Die Allergietheorie trägt nicht so weit, wie oft behauptet
Erst das Häufigere ausschließen
Die gute Nachricht steht am Anfang
Die Mehrzahl der Pferde, die den Kopf schlagen, hat kein Headshaking, sondern eine Ursache, die sich beheben lässt. Das gehört deshalb zuerst geprüft:
- Zähne – Kanten, Haken, Wolfszähne, schmerzende Wurzeln
- Ohren – Milben, Entzündungen, Fremdkörper
- Augen – auch eine wiederkehrende Entzündung im Augeninneren (Augenerkrankungen)
- Nase und Nebenhöhlen – Entzündungen, Umfangsvermehrungen und die allergische Rhinitis, die dasselbe Bild macht (siehe unten)
- Genick und Halswirbelsäule
- Ausrüstung – Gebiss, Zaum, Nasenriemen, und die Einwirkung der Hand
| Echtes Headshaking | Andere Ursache | |
|---|---|---|
| Auftreten | Auch ohne Reiter – auf der Weide, beim Führen | Meist nur unter dem Reiter |
| Jahreszeit | Oft saisonal, Frühjahr und Sommer schlechter | Ganzjährig gleich |
| Licht | Besser im Schatten und bei Bewölkung | Unabhängig |
| Nase | Reiben an Bein, Wand, Boden; heftiges Schnauben | Meist nicht |
| Ausrüstungswechsel | Bringt nichts | Bringt oft deutliche Besserung |
| Eindruck | Gequält | Unwillig |
Die Verwechslung, die am nächsten liegt
Die allergische Rhinitis
Eine allergisch gereizte Nasenschleimhaut erzeugt dasselbe Bild: Nasenjucken, Reiben an Bein und Wand, heftiges Schnauben, ruckartiges Kopfschlagen – und ein saisonales Muster, das im Frühjahr beginnt und im Winter verschwindet. Allein am Verhalten lässt sich das nicht unterscheiden, und genau deshalb wird sie übersehen.
Sie gehört deshalb auf die Ausschlussliste ganz nach oben – nicht hinter Zähne und Ohren, sondern neben sie. Der Unterschied ist erheblich: Eine Rhinitis ist behandelbar.
| Allergische Rhinitis | Trigeminusvermitteltes Headshaking | |
|---|---|---|
| Nasenausfluss | Häufig, oft wässrig, beidseitig | In der Regel keiner |
| Lichtbezug | Fehlt meist | Häufig deutlich – besser im Schatten |
| Endoskopie | Gereizte, schwellende Schleimhaut sichtbar | Unauffällig |
| Weitere Zeichen | Mitunter Husten, Atemgeräusche, Augentränen | Auf den Kopf beschränkt |
| Antihistaminika | Sprechen häufig an | Überwiegend enttäuschend |
Der aussagekräftigste Punkt
Das Ansprechen auf eine antiallergische Behandlung ist das deutlichste Unterscheidungsmerkmal – und zugleich eine Erklärung dafür, warum solche Mittel in Untersuchungen zum Headshaking insgesamt enttäuschen, einzelne Pferde aber klar davon profitieren. Bei diesen Pferden war die Diagnose möglicherweise eine andere. Ob ein solcher Behandlungsversuch sinnvoll ist, entscheidet die tierärztliche Praxis.
Was beim echten Headshaking passiert
Ein Nerv mit zu niedriger Schwelle
Der Trigeminusnerv versorgt das Gesicht – beim Headshaking ist vor allem der Ast betroffen, der Nase und Oberlippe erreicht. Bei betroffenen Pferden feuert dieser Nerv schon bei Reizen, die sonst unterschwellig bleiben.
Was dabei entsteht, ist kein Juckreiz, sondern Schmerz – beim Menschen gilt die entsprechende Erkrankung als eine der schmerzhaftesten überhaupt, beschrieben als einschießende elektrische Schläge im Gesicht. Das Kopfschlagen, das Reiben und das Schnauben sind Reaktionen darauf.
Und was man dabei nicht findet
Untersuchungen des Nervs zeigen in der Regel keine fassbare Schädigung – die Struktur ist unauffällig, die Funktion nicht. Das macht die Erkrankung schwer zu fassen und erklärt, warum es keinen Test gibt, der sie beweist. Sie bleibt eine Ausschlussdiagnose.
Woran es zu erkennen ist
Die Richtung
Typisch ist das Schlagen nach oben, ruckartig und wiederholt – nicht das seitliche Schütteln, das eher für Ohrenprobleme spricht.
Die Nase
Reiben am Vorderbein, an der Wand, am Boden. Dazu heftiges, wiederholtes Schnauben, als wolle das Pferd etwas loswerden.
Die Jahreszeit
Viele Pferde sind im Winter nahezu frei von Symptomen. Dieses Muster ist diagnostisch wertvoll und gehört notiert.
Wer betroffen ist
Wallache häufiger als Stuten, der Beginn meist im mittleren Alter – häufig plötzlich, bei einem Pferd, das vorher unauffällig war.
Der Lichtauslöser
Der häufigste – und der einzige, gegen den es ein einfaches Mittel gibt
Bei einem großen Teil der betroffenen Pferde ist helles Licht der Auslöser. Sie sind im Schatten, bei Bewölkung und in der Dämmerung deutlich besser, in der prallen Sonne schlechter – besonders beim Wechsel zwischen Schatten und Licht.
Daraus folgt der einfachste Behandlungsversuch überhaupt: eine lichtdichte Gesichtsmaske. In Untersuchungen hat sich das bei einem erheblichen Teil der lichtabhängigen Pferde bewährt – und es kostet wenig, es auszuprobieren.
Und das Nasennetz
Ein Netz vor den Nüstern hilft einem Teil der Pferde – nicht allen, und meist weniger deutlich als die Maske bei Lichtabhängigkeit. Beides ist einen Versuch wert, weil es nichts schadet und bei den Pferden, bei denen es greift, den Alltag verändert.
Zur Allergietheorie
Warum sie verbreitet ist – und wo sie nicht hinreicht
Dass viele Pferde im Frühjahr und Sommer schlechter sind, legt einen Zusammenhang mit Pollen nahe, und dieselben Monate bringen auch mehr Licht, Wind und Wärme. Der entscheidende Einwand kommt aus der Behandlung: Antihistaminika wirken bei dieser Erkrankung überwiegend enttäuschend. Wäre Histamin der Treiber, müssten sie zuverlässig helfen.
Was das praktisch bedeutet: Eine allergische Komponente kann im Einzelfall mitspielen und gehört abgeklärt, wo Hinweise bestehen. Sie taugt aber nicht als Erklärung für das Krankheitsbild – und schon gar nicht als Begründung dafür, über Darm und Leber etwas gegen einen Gesichtsnerv ausrichten zu wollen. Wovon das zu trennen ist: die allergische Rhinitis, bei der die Nasenschleimhaut selbst betroffen ist – sie macht dasselbe Bild und ist behandelbar (siehe oben).
Die Sicherheitsfrage
Was zu selten gesagt wird
Ein Pferd, das im Anfall den Kopf hochreißt, ist für den Reiter gefährlich – die Bewegung kommt ohne Vorwarnung, mit voller Kraft und auf Höhe des Gesichts. Dazu kommt, dass manche Pferde im Anfall stehenbleiben, rückwärts gehen oder sich der Kontrolle entziehen.
Deshalb gehört die Frage, ob geritten wird, ehrlich beantwortet – nach dem Zustand des Pferdes und nach dem Risiko für den Menschen. Und bei schwerer Ausprägung ist das Tierwohl die eigentliche Frage: Ein Pferd mit dauerhaften Gesichtsschmerzen leidet, auch wenn es ansonsten gesund wirkt. Diese Abwägung gehört mit der behandelnden Praxis besprochen.
Was behandelt wird
Ein Stufenweg, kein Rezept
Am Anfang stehen die einfachen Maßnahmen – Gesichtsmaske, Nasennetz, Anpassung von Arbeitszeiten und Umgebung. Sie kosten wenig und helfen einem Teil der Pferde deutlich.
Dann folgt die Medikation. Eingesetzt werden Mittel, die ursprünglich aus anderen Anwendungsgebieten stammen – mit sehr unterschiedlichem Erfolg und mit Nebenwirkungen, die beobachtet gehören. Auswahl und Dosierung legt ausschließlich die tierärztliche Praxis fest.
Darüber hinaus gibt es Verfahren am Nerv selbst, darunter die elektrische Nervenstimulation, die in spezialisierten Einrichtungen angeboten wird. Sie führt bei einem Teil der Pferde zu Beschwerdefreiheit über Monate, muss aber häufig wiederholt werden. Dafür braucht es eine gesicherte Diagnose – ein weiterer Grund, die Abklärung nicht abzukürzen.
Der Alltag
Was sich einrichten lässt
- Empfehlung: Gesichtsmaske und Nasennetz ausprobieren – verschiedene Modelle, nicht jedes Pferd nimmt jedes an
- Empfehlung: Arbeitszeiten verlegen: früher Morgen, Abend, bedeckte Tage
- Empfehlung: Schatten nutzen – Halle statt Platz, schattige Wege
- Empfehlung: Staub senken: Heu bedämpfen oder wässern, staubarme Einstreu
- Empfehlung: Ein Tagebuch führen – Wetter, Licht, Uhrzeit, Arbeit, Stärke der Symptome
- Empfehlung: Im Anfall nicht weiterreiten: in den Schatten führen, ruhig bleiben, absitzen
Warum das Tagebuch sich lohnt
Es ist das einzige Mittel, mit dem sich ein Muster sichtbar machen lässt – und das Muster entscheidet, welche Maßnahme überhaupt in Frage kommt. Ob ein Pferd lichtabhängig ist, zeigt sich nicht in einer Untersuchung, sondern in Aufzeichnungen über Wochen.
Wo Kräuter stehen
Klar gesagt
Es gibt keine Kräutermischung, die Headshaking behandelt. Der Trigeminusnerv lässt sich nicht über das Futter beeinflussen, und Darm oder Leber zu unterstützen ändert an seiner Reizschwelle nichts.
Wer das anders darstellt, verkauft Hoffnung – bei einer schmerzhaften Erkrankung, bei der verlorene Zeit das Pferd etwas kostet. Das sagen wir, obwohl wir Kräuter verkaufen.
Und wo sie trotzdem einen Platz haben
Stress senkt die Reizschwelle des Nervensystems allgemein, und betroffene Pferde stehen unter Dauerbelastung – durch die Schmerzen, durch veränderte Arbeit, oft durch einen Stallwechsel oder eine Nutzungsänderung. In dieser Begleitung lassen sich Nervendrogen einsetzen, als eines von mehreren Mitteln, nicht als Behandlung.
Dasselbe gilt für die Magenseite: Ein Pferd, das über Wochen Schmerzmittel bekommt und angespannt ist, hat häufig ein zweites Thema.
NERVENSTARK
Nervendrogen in Arzneibuchqualität, für Phasen anhaltender Anspannung – begleitend, nicht gegen das Headshaking.
MAGENWOHL
Für die Magenseite – ein Thema bei Pferden, die unter anhaltender Belastung stehen oder lange Fresspausen haben.
Für alle Mischungen gilt
Kräutermischungen sind im Turniersport grundsätzlich als dopingrelevant zu behandeln. Die ADMR stellt nicht auf eine abschließende Pflanzenliste ab, sondern auf die mögliche Beeinflussung der Leistungsfähigkeit. Wer startet, prüft die vollständige Zusammensetzung im geltenden Regelwerk; die Verantwortung liegt bei der verantwortlichen Person (ADMR-Regeln).
Häufige Fragen
Mein Pferd schlägt den Kopf – ist das Headshaking?
Meistens nicht. Die Mehrzahl der kopfschlagenden Pferde hat eine behebbare Ursache: Zähne, Ohren, Augen, Nebenhöhlen, Genick oder Ausrüstung.
Für echtes Headshaking spricht, wenn es auch ohne Reiter auftritt, saisonal schwankt, im Schatten besser wird und sich durch Ausrüstungswechsel nichts ändert.
Ist es eine Unart?
Nein. Es handelt sich um eine Erkrankung des Gesichtsnervs, und was das Pferd dabei empfindet, ist Schmerz – beim Menschen gilt das Gegenstück als eine der schmerzhaftesten Erkrankungen überhaupt.
Strafen oder stärkere Einwirkung verschlimmern die Lage, weil sie zusätzlichen Stress erzeugen.
Was hilft am ehesten?
Bei lichtabhängigen Pferden eine lichtdichte Gesichtsmaske – der einfachste und günstigste Versuch, der bei einem erheblichen Teil deutlich hilft. Ein Nasennetz hilft einem weiteren Teil.
Dazu: Arbeitszeiten verlegen, Schatten nutzen, Staub senken. Erst danach kommt die Medikation, und sie legt die Praxis fest.
Hat es mit Allergien zu tun?
Weniger, als oft behauptet wird. Der entscheidende Einwand: Antihistaminika wirken bei dieser Erkrankung überwiegend enttäuschend – wäre Histamin der Treiber, müssten sie zuverlässig helfen.
Eine allergische Komponente kann im Einzelfall mitspielen und gehört abgeklärt. Als Erklärung für das Krankheitsbild taugt sie nicht.
Helfen Kräuter?
Gegen das Headshaking nicht. Der Trigeminusnerv lässt sich nicht über das Futter beeinflussen, und Darm oder Leber zu unterstützen ändert an seiner Reizschwelle nichts. Das sagen wir, obwohl wir Kräuter verkaufen.
Einen Platz haben sie in der Begleitung: bei einem Pferd unter Dauerbelastung, und auf der Magenseite bei längerer Medikation.
Kann ich mein Pferd noch reiten?
Das hängt von der Stärke ab – und es ist auch eine Sicherheitsfrage: Ein Pferd, das im Anfall den Kopf hochreißt, ist für den Reiter gefährlich. Die Bewegung kommt ohne Vorwarnung und auf Höhe des Gesichts.
Bei leichter Ausprägung mit Maske und angepassten Zeiten oft ja. Bei schwerer Ausprägung gehört auch die Frage des Tierwohls besprochen.
Warum ist es im Winter besser?
Weniger Licht, weniger Pollen, kühlere Temperaturen – und das erklärt, warum viele betroffene Pferde über Monate nahezu frei von Symptomen sind.
Dieses Muster ist diagnostisch wertvoll: Es spricht für echtes Headshaking und gegen eine mechanische Ursache.
Gibt es einen Test?
Nein. Untersuchungen des Nervs zeigen in der Regel keine fassbare Schädigung – die Struktur ist unauffällig, die Funktion nicht.
Die Diagnose bleibt deshalb eine Ausschlussdiagnose, und das Aufzeichnen über Wochen trägt mehr bei als jede Einzeluntersuchung.
Kann es einfach Heuschnupfen sein?
Das ist die nächstliegende Verwechslung. Eine allergisch gereizte Nasenschleimhaut macht dasselbe Bild: Nasenjucken, Reiben, heftiges Schnauben, Kopfschlagen – und dasselbe saisonale Muster.
Dafür sprechen wässriger Nasenausfluss, fehlender Lichtbezug und eine endoskopisch sichtbar gereizte Schleimhaut. Das deutlichste Merkmal ist das Ansprechen auf eine antiallergische Behandlung – und der Unterschied lohnt sich: Eine Rhinitis ist behandelbar.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Madigan, J. E. & Bell, S. A.: Owner survey of headshaking in horses. Journal of the American Veterinary Medical Association
- Aleman, M. et al.: Arbeiten zur Funktion und Histologie des Nervus trigeminus bei Pferden mit Headshaking
- Roberts, V. L. et al.: Arbeiten zur lichtblockierenden Maske und zur perkutanen elektrischen Nervenstimulation beim trigeminusvermittelten Headshaking
- Mills, D. S. & Taylor, K.: Field study of the efficacy of three types of nose net for the treatment of headshaking. Equine Veterinary Journal
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)