Bei PSSM stehen zwei sehr verschiedene Dinge unter einem Namen. Das eine ist eine klar beschriebene Erbkrankheit mit einem zuverlässigen Test. Das andere ist ein Sammelbegriff – und die dafür angebotenen Gentests halten dem, was sie versprechen, nicht stand.
Auf einen Blick
- PSSM1 ist gesichert – eine Genvariante, ein verlässlicher Test, dominant vererbt
- PSSM2 ist ein Befund aus der Muskelprobe, keine testbare Diagnose
- Von den kommerziellen PSSM2-Gentests ist abzuraten – dazu unten die Zahlen
- Das Management ist bei beiden ähnlich: wenig Stärke, Öl, tägliche Bewegung
- Stehen ist das Schlechteste, was man einem betroffenen Pferd antun kann
PSSM1 – was gesichert ist
Eine Genvariante, ein Test
PSSM1 beruht auf einer Veränderung in einem Gen, das an der Bildung von Glykogen beteiligt ist. Die Folge ist eine übermäßige Speicherung in der Muskulatur, und daraus entstehen die Beschwerden.
Die Variante lässt sich über eine Haarwurzel- oder Blutprobe zuverlässig nachweisen – das ist einer der wenigen Gentests beim Pferd, der tatsächlich das beantwortet, was er beantworten soll. Sie wird dominant vererbt, ein betroffenes Elterntier gibt sie also an etwa die Hälfte der Nachkommen weiter.
Wer betroffen ist
Gehäuft bei Quarter Horses und verwandten Rassen sowie bei Kaltblutrassen, seltener bei anderen. Nicht jedes Pferd mit der Variante zeigt Beschwerden – Haltung, Fütterung und Arbeit entscheiden erheblich mit. Das ist die gute Nachricht an einer Erbkrankheit: Es lässt sich etwas tun.
PSSM2 – was der Begriff bedeutet
Eine Beschreibung, keine Diagnose
PSSM2 bezeichnet ursprünglich einen Befund in der Muskelprobe: auffällige Speicherungen, ohne dass die PSSM1-Variante vorliegt. Es ist damit eher eine Restkategorie als eine Krankheit – verschiedene Ursachen können zu einem ähnlichen Bild führen.
Die Forschung hat inzwischen einen Teil dieser Fälle genauer gefasst und als eigenes Krankheitsbild mit veränderten Muskeleiweißen beschrieben, das sich in der Probe anders darstellt. Das ist ein Fortschritt – aber kein Grund, PSSM2 als einheitliche, testbare Erkrankung zu behandeln.
Zu den kommerziellen Gentests
Was die unabhängigen Untersuchungen gefunden haben
Für PSSM2 werden Gentests auf mehrere Varianten angeboten, bezeichnet mit Buchstaben und Zahlen. Diese Tests sind nicht unabhängig bestätigt – und als sie überprüft wurden, fiel das Ergebnis eindeutig aus.
Bei Pferden, deren Befund über eine Muskelprobe gesichert war, trugen Erkrankte diese Varianten nicht häufiger als gesunde Vergleichstiere. In einer Untersuchung an Quarter Horses trugen 57 Prozent der gesunden und 61 Prozent der erkrankten Tiere mindestens eine davon. Die Tests hätten also einen Großteil der Gesunden als auffällig eingestuft und zugleich etwa 40 Prozent der tatsächlichen Fälle übersehen.
Die Autoren sprechen sich ausdrücklich dagegen aus, diese Genotypen für Zuchtauswahl, Ankaufsuntersuchung oder die Diagnose einer Muskelerkrankung heranzuziehen.
Warum wir das so deutlich sagen
Ein positives Ergebnis aus einem solchen Test führt zu Entscheidungen – ein Pferd wird aus der Zucht genommen, ein Kauf platzt, eine Fütterung wird umgestellt, eine Behandlung unterbleibt, weil man die Ursache gefunden zu haben glaubt. Und ein negatives Ergebnis beruhigt bei einem Pferd, das untersucht gehört. Beides ist teurer als der Test.
Erkennen
Beim typischen Bild
Steifheit, Muskelzittern, Schwitzen und Bewegungsunwilligkeit während oder nach der Arbeit – bis hin zum ausgeprägten Kreuzverschlag (Kreuzverschlag).
Beim unauffälligeren Bild
Leistung, die nachlässt, Muskulatur, die abbaut, Unwilligkeit, die als Charakter gilt – ohne dass es je zu einem deutlichen Anfall kommt.
Das Muster
Nach Ruhetagen bei unveränderter Kraftfuttergabe, nach Pausen, bei kaltem Wetter – und häufig schon kurz nach Beginn der Arbeit.
Und der dunkle Urin
Er weist auf erheblichen Muskelschaden hin und macht den Fall dringlich – dann wird nicht gewartet, sondern angerufen.
Wie abgeklärt wird
In dieser Reihenfolge
- Schritt: Muskelenzyme im Blut – in Ruhe und nach kontrollierter Belastung; sie zeigen, ob tatsächlich Muskulatur zerfällt
- Schritt: Der Gentest auf PSSM1 – einfach, aus Haarwurzeln oder Blut, und bei positivem Befund eindeutig
- Schritt: Andere Ursachen ausschließen – Lahmheiten, Rücken, Sattel, Stoffwechselerkrankungen; vieles davon sieht ähnlich aus
- Schritt: Erst dann die Muskelprobe, wenn PSSM1 ausgeschlossen ist und die Beschwerden bestehen bleiben
Und was dabei nicht hilft
Ein Gentest auf PSSM2-Varianten beantwortet die Frage nicht – weder im positiven noch im negativen Fall. Wer Klarheit braucht, kommt an der Muskelprobe nicht vorbei; wer sie nicht will, kann stattdessen das Management umstellen und beobachten. Beides ist ehrlicher als ein Ergebnis, das nichts trägt.
Die Fütterung
Die Richtung ist bei beiden Formen dieselbe
Stärke und Zucker herunter, einen Teil der Energie über Öl. Das heißt praktisch: weniger Getreide und melassierte Futtermittel, mehr Raufutter als Grundlage, und Öl als Energieträger, langsam angewöhnt.
Auf das Heu kommt es dabei genauso an wie auf das Kraftfutter – der Zuckergehalt schwankt erheblich, und ohne Analyse rechnet man mit einer unbekannten Größe (Heuanalyse beim Pferd).
Zum Eiweiß – hier widersprechen sich viele Quellen
Man liest sowohl „eiweißreich füttern“ als auch „proteinarm füttern“, häufig im selben Text. Beides geht an der Sache vorbei. Eiweiß ist nicht der Auslöser, und ein Überschuss hilft keinem Muskel. Was zählt, ist eine bedarfsdeckende Versorgung mit guter Eiweißqualität – also die normale Rationsberechnung, nicht eine Sonderdiät.
Und zur Weide
Weidegang ist nicht verboten, im Gegenteil – die Bewegung ist wertvoller als der Zucker schadet, solange die Menge im Blick bleibt. Entscheidend ist nicht der Fruktangehalt, von dem häufig die Rede ist, sondern die Summe aus Zucker und Stärke. Vorsicht gilt bei jungem Aufwuchs, nach Frostnächten und an sonnigen, kühlen Tagen; bei empfindlichen Pferden hilft eine Begrenzung der Zeit oder der Fläche.
Vitamin E und Selen
Beide gehören zu den Größen, die bei Muskelthemen geprüft werden. Heu liefert kaum Vitamin E, und die Spanne nach oben ist weit. Bei Selen ist es umgekehrt – die Spanne zwischen Bedarf und Zuviel ist eng, deshalb wird dort gemessen, bevor ergänzt wird (Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen).
Die Bewegung
Der Punkt, an dem die meisten das Falsche tun
Ein Pferd mit PSSM gehört nicht geschont, sondern täglich bewegt. Boxenruhe und Ruhetage machen den nächsten Vorfall wahrscheinlicher – das ist das Gegenteil dessen, was das Gefühl nahelegt.
Nur unmittelbar nach einem akuten Vorfall gilt Ruhe, und zwar so lange, wie die Praxis es vorgibt. Danach wird wieder aufgebaut, vorsichtig und ohne Pausen.
Wie das aussieht
- Täglich etwas – lieber kurz und regelmäßig als zweimal wöchentlich lang
- Lange, ruhige Aufwärmphasen – und ebenso langes Abwärmen
- Gleichmäßig über die Woche, keine Sprünge in der Belastung
- Weidegang oder Auslauf auch an trainingsfreien Tagen – freie Bewegung zählt
- Die Kraftfuttergabe folgt der Arbeit, nicht dem Kalender
- Und Geduld: Bis eine Umstellung sichtbar wird, vergehen Monate, nicht Wochen
Zucht und Kauf
Bei PSSM1 ist die Lage klar
Die Variante wird dominant vererbt und lässt sich zuverlässig nachweisen – damit ist sie züchterisch steuerbar. Und beim Verkauf gehört ein bekannter Befund offengelegt, weil er über Jahre Aufwand und Nutzbarkeit bestimmt.
Bei PSSM2 ist sie es nicht
Ein Pferd aufgrund eines nicht bestätigten Gentests aus der Zucht zu nehmen, ist nicht begründet – dieselben Varianten finden sich bei gesunden Pferden ebenso häufig. Was zählt, ist das Pferd: ob es Beschwerden hat, wie oft, und was eine Untersuchung ergeben hat. Nicht ein Buchstabe auf einem Zertifikat.
Aus unserem Sortiment
Zur Einordnung: PSSM ist eine Erkrankung des Muskelstoffwechsels. Keine Kräutermischung verändert daran etwas – was wirkt, sind Ration und Bewegung. Was unten steht, begleitet den Alltag eines solchen Pferdes.
SEHNENSTARK
Acht Kräuter für Sehnen und Bänder – angelegt für die längerfristige Gabe beim vorsichtigen Wiederaufbau nach einer Pause.
NERVENSTARK
Nervendrogen in Arzneibuchqualität – für Pferde, bei denen Anspannung zum Alltag gehört.
MAGENWOHL
Für die Magenseite – ein Thema, wenn die Ration auf viel Raufutter und Öl umgestellt wird.
Für alle Mischungen gilt
Kräutermischungen sind im Turniersport grundsätzlich als dopingrelevant zu behandeln. Die ADMR stellt nicht auf eine abschließende Pflanzenliste ab, sondern auf die mögliche Beeinflussung der Leistungsfähigkeit. Wer startet, prüft die vollständige Zusammensetzung im geltenden Regelwerk (ADMR-Regeln).
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen PSSM1 und PSSM2?
PSSM1 ist eine klar beschriebene Erbkrankheit mit einer bekannten Genvariante und einem zuverlässigen Test.
PSSM2 ist dagegen ein Befund aus der Muskelprobe – auffällige Speicherungen ohne die PSSM1-Variante. Eher eine Restkategorie als eine einheitliche Krankheit.
Soll ich einen PSSM2-Gentest machen lassen?
Davon ist abzuraten. Als die angebotenen Varianten unabhängig überprüft wurden, trugen gesunde Pferde sie ebenso häufig wie erkrankte.
Die Autoren sprechen sich ausdrücklich dagegen aus, sie für Zucht, Ankaufsuntersuchung oder Diagnose zu verwenden. Der Test auf PSSM1 ist davon nicht betroffen – der ist verlässlich.
Was darf ein Pferd mit PSSM nicht fressen?
Stärke und Zucker sind die Größen, die herunter sollen – also Getreide und melassierte Futtermittel. Ein Teil der Energie wird stattdessen über Öl gedeckt.
Auf das Heu kommt es dabei genauso an; der Zuckergehalt schwankt erheblich und lässt sich nur über eine Analyse einschätzen.
Soll ich mehr oder weniger Eiweiß füttern?
Weder noch – und beide Angaben kursieren, oft im selben Text. Eiweiß ist nicht der Auslöser, und ein Überschuss hilft keinem Muskel.
Was zählt, ist eine bedarfsdeckende Versorgung mit guter Qualität – also die normale Rationsberechnung, keine Sonderdiät.
Darf mein Pferd auf die Weide?
Ja – die Bewegung ist wertvoller, als der Zucker schadet, solange die Menge im Blick bleibt.
Entscheidend ist dabei die Summe aus Zucker und Stärke, nicht der häufig genannte Fruktangehalt. Vorsicht bei jungem Aufwuchs, nach Frostnächten und an sonnigen, kühlen Tagen.
Soll ich mein Pferd schonen?
Nein – außer unmittelbar nach einem akuten Vorfall, und dann nur so lange, wie die Praxis es vorgibt.
Boxenruhe und Ruhetage machen den nächsten Vorfall wahrscheinlicher. Täglich etwas Bewegung ist besser als zweimal wöchentlich viel.
Wie schnell wirkt eine Umstellung?
In Monaten, nicht in Wochen. Das ist der häufigste Grund, warum eine an sich richtige Umstellung wieder aufgegeben wird.
Hilfreich ist, den Ausgangszustand festzuhalten – wie oft Beschwerden auftraten, wie die Muskulatur aussah – sonst fällt die Veränderung gar nicht auf.
Wie alt werden Pferde mit PSSM?
Bei gutem Management normal alt. PSSM1 ist eine Erkrankung, mit der sich leben lässt – nicht jedes Pferd mit der Variante zeigt überhaupt Beschwerden.
Entscheidend sind Ration und tägliche Bewegung, nicht die Diagnose selbst.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Valberg, S. J. et al. (2021): Commercial genetic testing for type 2 polysaccharide storage myopathy and myofibrillar myopathy does not correspond to a histopathological diagnosis. Equine Veterinary Journal
- Valberg, S. J. et al. (2023): Absence of myofibrillar myopathy in Quarter Horses with a histopathological diagnosis of type 2 polysaccharide storage myopathy and lack of association with commercial genetic tests
- Valberg, S. J.: Weitere Arbeiten zu belastungsbedingten Muskelerkrankungen des Pferdes
- Geor, R. J., Harris, P. A. & Coenen, M. (Hrsg.): Equine Applied and Clinical Nutrition. Saunders Elsevier
- Reed, S. M., Bayly, W. M. & Sellon, D. C. (Hrsg.): Equine Internal Medicine. Elsevier