Kurz gesagt: Pferde sind Pflanzenfresser – Herbivoren im strengen Sinn. Ihr Gebiss, ihr Magen-Darm-Trakt und ihre Mikrobiota sind auf faserreiche Pflanzennahrung ausgelegt – das ist unstrittig und gut belegt. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass jedes tierische Erzeugnis im Ergänzungsfutter schädlich wäre. Was sich sagen lässt: Für die meisten Anwendungen gibt es pflanzliche Entsprechungen, tierische Zutaten sind bei einem Pflanzenfresser begründungsbedürftig, und bei einzelnen Nährstoffen – vor allem den langkettigen Omega-3-Fettsäuren – ist die pflanzliche Antwort komplizierter, als oft dargestellt.
Auf einen Blick
- Pferde sind Pflanzenfresser bis in die Anatomie – Mahlzähne, kleiner Magen, großer Fermentationsraum im Dickdarm.
- Zoopharmakognosie ist ein reales Forschungsfeld, die belastbaren Befunde stammen aber überwiegend von Primaten. Für gezielte Selbstmedikation beim Pferd fehlen belastbare Daten.
- Tierische Zutaten sind nicht pauschal wirkungslos oder schädlich – die Studienlage ist heterogen und beim Pferd dünner, als die Werbung nahelegt. Die Gelenkrohstoffe mit ihren Messwerten stehen in einem eigenen Artikel.
- Bei EPA und DHA ist die pflanzliche Alternative schwächer: Lein liefert ALA, dessen Umwandlung begrenzt ist. Wer gezielt DHA möchte, kommt mit Leinsaat nicht ans Ziel.
- Unsere Entscheidung für rein pflanzliche Produkte ist eine Entscheidung über Zusammensetzung und Herkunft – keine Behauptung über Überlegenheit.
Das Pferd als Pflanzenfresser: Herbivore im strengen Sinn
Herbivore – von lateinisch herba für Kraut und vorare für fressen – bezeichnet einen Pflanzenfresser. Das Pferd ist ein besonders konsequenter Pflanzenfresser, und die Stammesgeschichte ist hier eindeutig.
Die stammesgeschichtliche Linie
- Die frühesten Equiden vor etwa 55 Millionen Jahren waren kleine Waldbewohner, die Blätter und weiche Pflanzenteile aufnahmen.
- Mit der Ausbreitung der Grasländer verschob sich die Ernährung hin zu faserreichem Gras – begleitet von hochkronigen Backenzähnen, die den Abrieb durch Kieselsäure im Gras aushalten.
- Eine Entwicklung hin zu Fleisch- oder Allesfressern hat in dieser Linie nicht stattgefunden.
Was Pferde auf der Steppe tatsächlich vorfanden
Wer wissen will, worauf ein Pflanzenfresser eingerichtet ist, schaut sich an, was er über Jahrtausende vorgefunden hat. Die Liste ist kürzer und ärmer, als romantische Vorstellungen von der „wilden Kräuterwiese" nahelegen:
- Gräser, ganzjährig und in Menge – die Hauptmasse der Ration, faserreich und im Winter überständig und rohfaserreich
- Wildkräuter, saisonal und in kleinen Anteilen – nicht als Hauptnahrung, sondern als schwankender Nebenbestandteil
- Zwergsträucher, Zweige und Rinde – vor allem im Winter, wenn Gras knapp wird
- Wurzeln und Knollen – ausgescharrt, wenn oberirdisch nichts mehr zu holen ist
- Mineralische Böden und Salzstellen – gezielt aufgesucht und aufgenommen
Der letzte Punkt ist der interessanteste, weil er nicht ins einfache Bild passt: Salz ist kein Pflanzenteil. Genau deshalb hängt in jeder Box ein Leckstein. Pferde haben also durchaus nicht-pflanzliches Material aufgenommen – nämlich dann, wenn ihnen etwas fehlte, das über Pflanzen nicht zu decken war.
Eine Präzisierung zum oft gelesenen „niemals"
Der Kern der Aussage stimmt: Kein Pferd sucht von sich aus Muscheln, Knochen oder Fischöl. Es gibt keine Beobachtung, wonach Pferde solche Quellen gezielt aufsuchen würden. Zwei Präzisierungen gehören trotzdem dazu, weil beide gern als Gegenargument angeführt werden.
Zum Knochenbenagen: Osteophagie – das Benagen von Knochen bei Mineralstoffmangel – ist vor allem bei Rindern und wilden Wiederkäuern gut dokumentiert. Beim Pferd ist sie berichtet, aber selten und kein typisches Verhalten. Als Beleg dafür, dass Pferde „auch tierisch fressen", taugt sie nicht.
Zu den Islandpferden: Dass sie Fisch fressen, ist keine Legende – die Einordnung ist aber eine andere, als oft erzählt wird. Isländische Züchter stellen im Winter Fässer mit Salzhering auf die Weiden, ursprünglich Abfälle aus der Fischverarbeitung, und die Pferde nehmen das an. Das ist eine menschliche Fütterungspraxis aus Futterknappheit, keine instinktive Selbstwahl. Sie geht zurück, seit die Fischverarbeitung weniger Abfall hinterlässt. Ebenfalls beschrieben ist, dass Pferde auf Island angeschwemmten Seetang aufnehmen – was angesichts der Jodgehalte von Meeresalgen eher zur Vorsicht mahnt, als zur Nachahmung einzuladen.
Was daraus folgt: Annahme ist nicht dasselbe wie Auswahl. Ein Pferd frisst unter Futterknappheit vieles, was es sonst nicht anrührt – daraus lässt sich weder ein Bedarf noch eine Eignung ableiten.
Der Verdauungstrakt eines Pflanzenfressers
| Abschnitt | Merkmal | Bedeutung für die Fütterung |
|---|---|---|
| Gebiss | Schneidezähne zum Abbeißen, hochkronige Backenzähne mit Schmelzfalten | Auf Zermahlen faserreichen Materials ausgelegt |
| Magen | Klein, etwa 8 bis 15 Liter, kontinuierliche Säureproduktion | Viele kleine Portionen statt weniger großer; lange Fresspausen sind ungünstig |
| Dünndarm | Enzymatische Verdauung von Stärke, Zucker, Fett und Protein | Begrenzte Kapazität für Stärke; Überschüsse gelangen in den Dickdarm |
| Dickdarm | Blinddarm und großes Kolon zusammen rund 100 Liter, mikrobielle Fermentation | Hier entsteht der Großteil der Energie – aus Faser, nicht aus Protein |
Was daraus tatsächlich folgt
Der Dickdarm ist der eigentliche Motor der Pferdeverdauung, und er arbeitet mit Faser. Ein Ergänzungsfutter – gleich welcher Herkunft – trägt dazu mengenmäßig nichts bei; es geht dort um Gramm gegenüber Kilogramm Heu.
Die belastbare Schlussfolgerung lautet deshalb nicht „tierische Zutaten stören das Mikrobiom", sondern schlichter: Das Pferd ist Pflanzenfresser, und tierische Zutaten müssen erklären, warum sie da sind.
Zur Proteinversorgung beim Pferd
Ein häufiges Argument für tierische Zutaten lautet, Pferde bräuchten „hochwertiges" Protein. Dazu lässt sich sachlich sagen: Maßgeblich ist nicht die Herkunft des Proteins, sondern das Aminosäurenmuster – beim Pferd vor allem die Versorgung mit Lysin, in zweiter Linie Methionin und Threonin. Diese lässt sich über Leguminosen wie Luzerne und Esparsette sowie gutes Raufutter decken; was im eigenen Heu steckt, sagt die Heuanalyse.
Zoopharmakognosie beim Pferd – was belegt ist und was nicht
Zoopharmakognosie bezeichnet die Beobachtung, dass Tiere Pflanzen oder andere Substanzen in einer Weise aufnehmen, die einem medizinischen Zweck zu dienen scheint. Das Feld ist real und wissenschaftlich bearbeitet – aber es wird in der Werbung regelmäßig weit über den Befundstand hinaus ausgedehnt.
Wo die Befunde herkommen
Die am besten dokumentierten Beispiele stammen aus der Primatenforschung: das Schlucken rauer Blätter und die Aufnahme bitterer Markstücke bei Schimpansen, jeweils im Zusammenhang mit Parasitenbefall untersucht. Weitere Beobachtungen betreffen Vögel, Insekten und einzelne Säugetierarten.
Für Pferde ist belegt, dass sie als Pflanzenfresser beim Grasen selektiv vorgehen und Pflanzenarten unterschiedlich stark meiden oder bevorzugen. Dass sie dabei gezielt bestimmte Heilpflanzen gegen bestimmte Beschwerden auswählen, ist eine attraktive Vorstellung – belastbar untersucht ist sie nicht.
Warum wir keine Zuordnungstabelle zeigen
In vielen Ratgebern – auch in einer früheren Fassung dieses Textes – finden sich Tabellen nach dem Muster „Beschwerde – vom Pferd gewählte Pflanze". Solche Aufstellungen sind aus zwei Gründen problematisch.
Erstens sind sie nicht belegt. Zweitens enthalten sie regelmäßig Pflanzen, deren Aufnahme man nicht nahelegen sollte: Rainfarn und Wermut etwa werden als „natürliche Wurmkur" genannt, obwohl beide für Pferde als bedenklich gelten. Eine Entwurmung gehört in tierärztliche Hand und richtet sich nach Kotprobe oder Befund – nicht nach einer Kräutertabelle.
Was sich aus dem Konzept sinnvoll ableiten lässt
Der brauchbare Kern ist ein anderer: Artenreiche Weiden und strukturreiches Raufutter bieten ein breiteres Pflanzenspektrum als intensiv bewirtschaftetes Grünland mit wenigen Grasarten. Wer Kräuter zufüttert, ergänzt damit ein Spektrum, das auf vielen Flächen tatsächlich fehlt. Das ist ein nachvollziehbares Argument – und es kommt ohne die Behauptung aus, das Pferd wisse selbst, was ihm fehlt.
Tierische Zutaten im Pferdefutter, sachlich eingeordnet
Vorweg: Was Fütterungsversuche zur Verträglichkeit zeigen
Die Behauptung, tierische Erzeugnisse würden „den Stoffwechsel belasten", findet sich in nahezu jedem Ratgeber. Belegt ist sie nicht. Es existieren Fütterungsversuche am Pferd zu Fischöl und zu Grünlippmuschelextrakt, und diese berichten in den untersuchten Dosierungen im Wesentlichen von guter Verträglichkeit – nicht von Stoffwechselschäden. Zu Kollagenhydrolysaten beim Pferd ist die Datenlage dünn.
Was fehlt, sind Langzeitdaten über Jahre. Aber „nicht untersucht" ist etwas anderes als „belastend", und wir halten es für redlicher, diesen Unterschied zu benennen, als eine Belastung zu behaupten, für die es keine Belege gibt.
Verträglichkeit ist nicht Wirksamkeit
Diese Unterscheidung wird in der Futtermittelwerbung systematisch verwischt, deshalb hier ausdrücklich: Es sind zwei unabhängige Fragen.
- Verträglichkeit ist ein Sicherheitsendpunkt: Schadet es nicht?
- Wirksamkeit ist ein Nutzenendpunkt: Bringt es etwas?
Aus der ersten Antwort folgt die zweite nicht. Ein Stoff kann tadellos verträglich und zugleich vollständig folgenlos sein. Die oben genannten Fütterungsversuche beantworten die Sicherheitsfrage – sie belegen nicht, dass die untersuchten Erzeugnisse etwas bewirken.
Und dieselbe Unterscheidung gilt für Kräuter. Dass eine pflanzliche Zubereitung gut vertragen wird, sagt nichts darüber aus, ob sie etwas bewirkt. Deshalb steht in diesem Artikel – und in keinem unserer Artikel – eine Aussage über die Wirkung eines Ergänzungsfuttermittels. Solche Aussagen sind futtermittelrechtlich unzulässig, und für keine Seite dieser Produktkategorie liegen Belege vor, die sie tragen würden.
Die Gelenkrohstoffe stehen in einem eigenen Artikel
Glucosamin, Chondroitin, MSM, Hyaluronsäure, Kollagen und Grünlippmuschel sind die Zutaten, bei denen sich die Frage am häufigsten stellt – und bei denen sie sich am genauesten beantworten lässt, weil es Messwerte gibt. Wie viel von einer gefütterten Menge beim Pferd überhaupt im Blut ankommt, welche Höchstgehalte im Futtermittelrecht gelten und wie die Zusatzstoffkategorien auf dem Etikett zu lesen sind, steht deshalb gesammelt im Artikel Gelenkpräparate fürs Pferd: was belegt ist.
Zwei Punkte daraus, weil sie das Bild hier vervollständigen: Zu Grünlippmuschelextrakt existieren Untersuchungen am Pferd mit positiven Befunden bei Gelenkparametern – meist klein und teils herstellerfinanziert. Direkte Vergleichsstudien gegen pflanzliche Zubereitungen gibt es nach unserer Kenntnis nicht; die verbreitete Aussage, Kräuter seien „gleichwertig" oder „überlegen", ist damit ebenso unbelegt wie das Gegenteil.
Bleiben die Zutaten, bei denen es nicht um Gelenke geht – und bei denen die pflanzliche Antwort einmal schwächer ausfällt als die tierische.
Fischöl
Was es ist: Öl mit den langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.
Was sich sagen lässt: Hier ist Ehrlichkeit angebracht, auch wenn sie nicht für uns spricht. Fischöl liefert EPA und DHA direkt. Pflanzliche Quellen wie Leinsaat liefern Alpha-Linolensäure, und deren Umwandlung in EPA und insbesondere DHA ist begrenzt – Fütterungsversuche beim Pferd zeigen, dass sich der DHA-Status über Leinsaat nur schwer anheben lässt.
Was bleibt: Fischöl ist oxidationsempfindlich, wird von manchen Pferden abgelehnt, und Fangfragen sowie Rückstände sind reale Themen. Die nicht-tierische Alternative für DHA ist nicht Leinsaat, sondern Algenöl – gewonnen aus Mikroalgen, also aus der ursprünglichen Quelle dieser Fettsäuren. Zu den Leinerzeugnissen und ihren Unterschieden gibt es einen eigenen Artikel.
Molke und Milcherzeugnisse
Was sich sagen lässt: Erwachsene Pferde bilden nur noch wenig Laktase; größere Mengen Milchzucker können deshalb zu Verdauungsstörungen führen. Das ist der belastbare Einwand. Der oft ergänzte Zusatz, Fremdeiweiß löse Allergien aus, ist so allgemein nicht haltbar – auch pflanzliche Proteine können Auslöser sein.
Algen: Mikroalgenöl ist nicht Seetang
Weil im vorigen Abschnitt Algenöl als nicht-tierische DHA-Quelle genannt ist, gehört eine Unterscheidung dazu, die in Ratgebern regelmäßig verwischt wird.
Makroalgen – Seetang, Kelp, Knotentang, Blasentang – stammen überwiegend aus Wildsammlung oder Meereskulturen und reichern an, was im Wasser ist. Das gilt vor allem für Jod: Die Gehalte getrockneter Algen- und Seetangprodukte reichen laut Bundesinstitut für Risikobewertung von 5 bis 11.000 mg je Kilogramm Trockengewicht, je nach Art. Pferde reagieren auf Jodüberversorgung empfindlich; in der Fütterungsliteratur wird von Dauergaben über wenige Gramm täglich abgeraten. Im amtlichen Monitoring getrockneter Meeresalgen traten zudem Cadmium, Blei, Arsen und Aluminium in hohen Konzentrationen auf, und für Blei in Meeresalgen besteht bislang kein Höchstgehalt.
Zum Arsen eine Differenzierung, die selten mitgeliefert wird: Die Gesamtarsengehalte in Meeresalgen sind hoch, das Arsen liegt aber nahezu ausschließlich organisch gebunden vor. Toxikologisch relevant ist das anorganische Arsen, und dessen Gehalte lagen in Untersuchungen ganz überwiegend sehr niedrig. Wer nur die Gesamtarsenzahl nennt, dramatisiert.
Mikroalgenöl für DHA wird dagegen aus fermentativ kultivierten Mikroalgen in geschlossenen Anlagen mit definiertem Substrat gewonnen – nicht aus dem Meer geerntet. Das Kontaminationsprofil ist ein anderes, und ein Öl trägt wasserlösliche oder proteingebundene Kontaminanten kaum mit. Wer Algenöl kauft, sollte genau das prüfen: Herkunft aus Fermentation, deklarierter Jodgehalt, Analysenzertifikat. Seetangmehl ist keine Alternative zu Fischöl, sondern eine ganz andere Zutat mit einer ganz anderen Fragestellung.
Pflanzliche Entsprechungen für das Pferd – und wo sie an Grenzen stoßen
| Anwendungsbereich | Tierische Zutat | Pflanzliche Option | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Bewegungsapparat | Grünlippmuschel, Kollagen | Teufelskralle, Weidenrinde, Mädesüß | Traditionell etabliert; beachte die Hinweise unten |
| Bindegewebe | Kollagen | Schachtelhalm, Hagebutte | Kieselsäure aus Schachtelhalm liegt überwiegend in schwer verfügbarer Form vor |
| Omega-3 (ALA) | – | Leinsaat, Hanfsaat, frisches Weidegras | Gut abgedeckt |
| Omega-3 (EPA, DHA) | Fischöl | Algenöl | Leinsaat ist hier kein gleichwertiger Ersatz |
| Protein | Molke, tierisches Eiweiß | Luzerne, Esparsette | Aminosäurenmuster beachten, insbesondere Lysin |
Drei Hinweise, die in solchen Listen meist fehlen
- Turniereinsatz: Teufelskralle, Weidenrinde und Mädesüß sind ADMR-relevant. Für Teufelskralle gelten deutlich längere Fristen als für die meisten anderen Kräuter – was der ADMR-Artikel im Einzelnen aufführt. Die Prüfung obliegt der verantwortlichen Person.
- Salicylate: Weidenrinde und Mädesüß enthalten natürliche Salicylate. Bei gleichzeitiger Gabe von entzündungshemmenden Tierarzneimitteln oder bei Magenempfindlichkeit ist tierärztliche Rücksprache angezeigt.
- Angabe der Fettsäuren: Wenn für Leinsaat „55 % Omega-3" angegeben wird, bezieht sich das auf den Anteil an den Fettsäuren des Öls – nicht auf die Samen. Bezogen auf die ganze Saat liegt der Wert bei rund einem Fünftel davon. Achte darauf, worauf sich eine Prozentzahl bezieht; wie man solche Angaben liest, zeigt der Artikel über Füllstoffe im Pferdefutter.
Was wir bewusst nicht behaupten
Wir sagen nicht, dass pflanzliche Zubereitungen tierischen überlegen sind. Für einen solchen Vergleich bräuchte es direkte Vergleichsstudien, und die liegen nicht vor. Was wir sagen können: Für die meisten Anwendungsbereiche existieren pflanzliche Optionen mit langer Anwendungstradition, und für einen Pflanzenfresser, dessen gesamte Verdauung darauf ausgelegt ist, ist das die naheliegendere Wahl.
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Unsere Entscheidung
- Ja: 100 % Kräuter: keine tierischen Bestandteile, keine Trägerstoffe, keine technologischen Zusatzstoffe
- Ja: Arzneibuchqualität: alle Einzelkräuter nach Ph. Eur., mit Analysenzertifikat je Charge
- Ja: Vollständige Deklaration: jede Position mit Mengenangabe, Art und Pflanzenteil benannt
- Ja: Nachvollziehbare Herkunft: dokumentierte Lieferkette
Der Grund ist eine Passungsentscheidung, keine Überlegenheitsbehauptung: Das Pferd ist Pflanzenfresser, wir stellen pflanzliche Produkte her, und was ein Pferd bekommt, soll aus derselben Stoffgruppe stammen, auf die sein Verdauungstrakt seit Jahrmillionen eingerichtet ist.
Und was daraus nicht folgt
Aus der Zusammensetzung eines Produkts folgt keine Aussage darüber, was es bei einem einzelnen Pferd bewirkt. Solche Aussagen sind für Ergänzungsfuttermittel weder zulässig noch wären sie seriös. Wenn Dein Pferd ein gesundheitliches Problem hat, gehört die Abklärung in tierärztliche Hand – und die Frage, ob eine Ergänzung sinnvoll ist, ebenfalls.
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Häufige Fragen zum Pferd als Pflanzenfresser
Was bedeutet Herbivore beim Pferd konkret?
Dass Gebiss, Magen-Darm-Trakt und Mikrobiota auf faserreiche Pflanzennahrung ausgelegt sind: Schneidezähne zum Abbeißen, hochkronige Backenzähne zum Zermahlen, ein kleiner Magen für kontinuierliche Aufnahme und ein großer Fermentationsraum im Dickdarm, in dem die Energie überwiegend aus Faser gewonnen wird.
Fressen Pferde wirklich niemals tierisches Material?
Von sich aus suchen Pferde weder Muscheln noch Knochen noch Fischöl; dafür gibt es keine Beobachtung. Osteophagie, das Benagen von Knochen bei Mineralstoffmangel, ist vor allem bei Rindern und wilden Wiederkäuern dokumentiert, beim Pferd dagegen selten und kein typisches Verhalten. Nicht-pflanzliches Material nehmen Pferde regelmäßig in anderer Form auf: Salz und mineralische Böden, gezielt aufgesucht. Deshalb hängt in jeder Box ein Leckstein.
Wählen Pferde instinktiv Heilkräuter aus?
Belegt ist, dass Pferde beim Grasen selektiv vorgehen und Pflanzenarten unterschiedlich bevorzugen oder meiden. Dass sie gezielt bestimmte Heilpflanzen gegen bestimmte Beschwerden auswählen, ist dagegen nicht belastbar untersucht. Die gut dokumentierten Beispiele für Selbstmedikation stammen überwiegend aus der Primatenforschung.
Sind Wermut und Rainfarn eine natürliche Wurmkur?
Nein, und davon ist abzuraten. Beide Pflanzen gelten für Pferde als bedenklich. Eine Entwurmung richtet sich nach Kotprobe oder klinischem Befund und gehört in tierärztliche Hand. Kräutertabellen aus dem Internet sind dafür keine Grundlage.
Ersetzt Leinsaat Fischöl?
Nicht vollständig. Leinsaat liefert Alpha-Linolensäure, Fischöl liefert EPA und DHA direkt. Die Umwandlung von ALA in die langkettigen Fettsäuren ist begrenzt, für DHA besonders stark. Wer gezielt DHA zuführen möchte, kommt mit Leinsaat nicht ans Ziel – die nicht-tierische Option ist hier Algenöl aus Mikroalgen.
Sind pflanzliche Produkte tierischen überlegen?
Für eine solche Aussage bräuchte es direkte Vergleichsstudien, und die liegen nicht vor. Was sich sagen lässt: Für die meisten Anwendungsbereiche gibt es pflanzliche Optionen mit langer Anwendungstradition, und für einen Pflanzenfresser ist das die naheliegendere Wahl. Wer mehr behauptet, überzeichnet – in beide Richtungen.
Kann ein Pferd alle Nährstoffe aus Pflanzen bekommen?
Die Grundversorgung ja – Energie, Protein und Faser stammen beim Pferd ohnehin aus pflanzlichen Quellen. Ob im Einzelfall ein Bedarf an ergänzenden Nährstoffen besteht, hängt von Haltung, Raufutterqualität und Leistung ab und lässt sich nur anhand der gesamten Ration beurteilen, am besten mit fütterungsfachlicher oder tierärztlicher Begleitung.
Gibt es Studien zur Verträglichkeit tierischer Erzeugnisse beim Pferd?
Ja, wenn auch begrenzt. Zu Fischöl und zu Grünlippmuschelextrakt existieren Fütterungsversuche am Pferd, die in den untersuchten Dosierungen im Wesentlichen gute Verträglichkeit berichten. Zu Kollagenhydrolysaten ist die Datenlage beim Pferd dünn. Was fehlt, sind Langzeitdaten über Jahre. Die verbreitete Aussage, tierische Erzeugnisse würden den Stoffwechsel belasten, ist durch diese Studien nicht gestützt.
Sind Algen als Alternative unbedenklich?
Das kommt darauf an, welche Algen gemeint sind. Makroalgen wie Seetang, Kelp oder Knotentang reichern an, was im Wasser ist; der kritischste Parameter ist Jod, dessen Gehalte in getrockneten Produkten laut BfR zwischen 5 und 11.000 mg je Kilogramm Trockengewicht schwanken. Pferde reagieren auf Jodüberversorgung empfindlich. Im amtlichen Monitoring fielen zudem Cadmium, Blei, Arsen und Aluminium auf. Mikroalgenöl für DHA stammt dagegen aus geschlossener Fermentation und hat ein anderes Kontaminationsprofil. Beim Kauf sollten Herkunft, deklarierter Jodgehalt und Analysenzertifikat geprüft werden.
Fressen Islandpferde wirklich Fisch?
Ja, aber anders als meist erzählt. Isländische Züchter stellen im Winter Fässer mit Salzhering auf die Weiden, ursprünglich Abfälle aus der Fischverarbeitung, und die Pferde nehmen das an. Das ist eine menschliche Fütterungspraxis aus Futterknappheit und keine instinktive Selbstwahl; sie geht zurück, seit die Fischverarbeitung weniger Abfall hinterlässt. Annahme unter Futterknappheit ist nicht dasselbe wie gezielte Auswahl.
Heißt gut verträglich auch wirksam?
Nein. Verträglichkeit ist ein Sicherheitsendpunkt und beantwortet die Frage, ob etwas schadet. Wirksamkeit ist ein Nutzenendpunkt und beantwortet die Frage, ob etwas bewirkt. Aus dem einen folgt das andere nicht; ein Stoff kann tadellos verträglich und zugleich folgenlos sein. Das gilt für tierische wie für pflanzliche Erzeugnisse gleichermaßen. Für Ergänzungsfuttermittel sind Aussagen über eine Wirkung ohnehin futtermittelrechtlich unzulässig.
Weiterführende Artikel
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- Leinextraktionsschrot oder Leinkuchen? Der Unterschied
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Quellen
- Coenen, M. & Vervuert, I. (2020): Pferdefütterung. 6. Auflage. Stuttgart: Thieme
- Kamphues, J. et al. (2014): Supplemente zur Tierernährung. 12. Auflage. Hannover: Schaper
- Huffman, M. A. (2003): Animal self-medication and ethno-medicine – exploration and exploitation of the medicinal properties of plants. Proceedings of the Nutrition Society
- Engel, C. (2002): Wild Health – How Animals Keep Themselves Well
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2018): Phytotherapie in der Tiermedizin. Stuttgart: Thieme
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), EDQM: Monographien zu pflanzlichen Drogen
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Anti-Doping- und Medikamentenkontrollregeln (ADMR)
- Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Monitoring getrockneter Meeresalgen