Kurz gesagt: Pferde sind Herbivoren. Ihr Gebiss, ihr Magen-Darm-Trakt und ihre Mikrobiota sind auf faserreiche Pflanzennahrung ausgelegt – das ist unstrittig und gut belegt. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass jedes tierische Erzeugnis im Ergänzungsfutter schädlich wäre. Was sich sagen lässt: Für die meisten Anwendungen gibt es pflanzliche Entsprechungen, tierische Zutaten sind bei einem Pflanzenfresser begründungsbedürftig, und bei einzelnen Nährstoffen – vor allem den langkettigen Omega-3-Fettsäuren – ist die pflanzliche Antwort komplizierter, als oft dargestellt.
Auf einen Blick
- Anatomie und Physiologie des Pferdes sind auf Pflanzen ausgerichtet – Mahlzähne, kleiner Magen, großer Fermentationsraum im Dickdarm.
- Zoopharmakognosie ist ein reales Forschungsfeld, die belastbaren Befunde stammen aber überwiegend von Primaten. Für gezielte Selbstmedikation beim Pferd fehlen belastbare Daten.
- Kollagen, Grünlippmuschel und Fischöl sind nicht pauschal wirkungslos oder schädlich – die Studienlage ist heterogen und beim Pferd dünner als die Werbung nahelegt.
- Bei EPA und DHA ist die pflanzliche Alternative schwächer: Lein liefert ALA, dessen Umwandlung begrenzt ist. Wer gezielt DHA möchte, kommt mit Leinsaat nicht ans Ziel.
- Unsere Entscheidung für rein pflanzliche Produkte ist eine Entscheidung über Zusammensetzung und Herkunft – keine Behauptung über Überlegenheit.
Das Pferd als Herbivore
Herbivore – von lateinisch herba für Kraut und vorare für fressen – bezeichnet einen Pflanzenfresser. Das Pferd ist ein besonders konsequenter Vertreter dieser Gruppe, und die Stammesgeschichte ist hier eindeutig.
Die stammesgeschichtliche Linie
- Die frühesten Equiden vor etwa 55 Millionen Jahren waren kleine Waldbewohner, die Blätter und weiche Pflanzenteile aufnahmen.
- Mit der Ausbreitung der Grasländer verschob sich die Ernährung hin zu faserreichem Gras – begleitet von hochkronigen Backenzähnen, die den Abrieb durch Kieselsäure im Gras aushalten.
- Eine Entwicklung hin zu Fleisch- oder Allesfressern hat in dieser Linie nicht stattgefunden.
Was auf der Steppe tatsächlich auf dem Speiseplan stand
Wer wissen will, worauf ein Pferd eingerichtet ist, schaut sich an, was es über Jahrtausende vorgefunden hat. Die Liste ist kürzer und ärmer, als romantische Vorstellungen von der „wilden Kräuterwiese" nahelegen:
- Gräser, ganzjährig und in Menge – die Hauptmasse der Ration, faserreich und im Winter überständig und rohfaserreich
- Wildkräuter, saisonal und in kleinen Anteilen – nicht als Hauptnahrung, sondern als schwankender Nebenbestandteil
- Zwergsträucher, Zweige und Rinde – vor allem im Winter, wenn Gras knapp wird
- Wurzeln und Knollen – ausgescharrt, wenn oberirdisch nichts mehr zu holen ist
- Mineralische Böden und Salzstellen – gezielt aufgesucht und aufgenommen
Der letzte Punkt ist der interessanteste, weil er nicht ins einfache Bild passt: Salz ist kein Pflanzenteil. Genau deshalb hängt in jeder Box ein Leckstein. Pferde haben also durchaus nicht-pflanzliches Material aufgenommen – nämlich dann, wenn ihnen etwas fehlte, das über Pflanzen nicht zu decken war.
Eine Präzisierung zum oft gelesenen „niemals"
Der Kern der Aussage stimmt: Kein Pferd sucht von sich aus Muscheln, Knochen oder Fischöl. Es gibt keine Beobachtung, wonach Pferde solche Quellen gezielt aufsuchen würden. Zwei Präzisierungen gehören trotzdem dazu, weil beide gern als Gegenargument angeführt werden.
Zum Knochenbenagen: Osteophagie – das Benagen von Knochen bei Mineralstoffmangel – ist vor allem bei Rindern und wilden Wiederkäuern gut dokumentiert. Beim Pferd ist sie berichtet, aber selten und kein typisches Verhalten. Als Beleg dafür, dass Pferde „auch tierisch fressen", taugt sie nicht.
Zu den Islandpferden: Dass sie Fisch fressen, ist keine Legende – die Einordnung ist aber eine andere, als oft erzählt wird. Isländische Züchter stellen im Winter Fässer mit Salzhering auf die Weiden, ursprünglich Abfälle aus der Fischverarbeitung, und die Pferde nehmen das an. Das ist eine menschliche Fütterungspraxis aus Futterknappheit, keine instinktive Selbstwahl. Sie geht zurück, seit die Fischverarbeitung weniger Abfall hinterlässt. Ebenfalls beschrieben ist, dass Pferde auf Island angeschwemmten Seetang aufnehmen – was angesichts der Jodgehalte von Meeresalgen eher zur Vorsicht mahnt, als zur Nachahmung einzuladen.
Was daraus folgt: Annahme ist nicht dasselbe wie Auswahl. Ein Pferd frisst unter Futterknappheit vieles, was es sonst nicht anrührt – daraus lässt sich weder ein Bedarf noch eine Eignung ableiten.
Der Verdauungstrakt und was daraus folgt
| Abschnitt | Merkmal | Bedeutung für die Fütterung |
|---|---|---|
| Gebiss | Schneidezähne zum Abbeißen, hochkronige Backenzähne mit Schmelzfalten | Auf Zermahlen faserreichen Materials ausgelegt |
| Magen | Klein, etwa 8 bis 15 Liter, kontinuierliche Säureproduktion | Viele kleine Portionen statt weniger großer; lange Fresspausen sind ungünstig |
| Dünndarm | Enzymatische Verdauung von Stärke, Zucker, Fett und Protein | Begrenzte Kapazität für Stärke; Überschüsse gelangen in den Dickdarm |
| Dickdarm | Blinddarm und großes Kolon zusammen rund 100 Liter, mikrobielle Fermentation | Hier entsteht der Großteil der Energie – aus Faser, nicht aus Protein |
Was daraus tatsächlich folgt
Der Dickdarm ist der eigentliche Motor der Pferdeverdauung, und er arbeitet mit Faser. Ein Ergänzungsfutter – gleich welcher Herkunft – trägt dazu mengenmäßig nichts bei; es geht dort um Gramm gegenüber Kilogramm Heu.
Die belastbare Schlussfolgerung lautet deshalb nicht „tierische Zutaten stören das Mikrobiom", sondern schlichter: Das Pferd ist auf pflanzliche Nahrung eingerichtet, und tierische Zutaten müssen erklären, warum sie da sind.
Zur Proteinversorgung
Ein häufiges Argument für tierische Zutaten lautet, Pferde bräuchten „hochwertiges" Protein. Dazu lässt sich sachlich sagen: Maßgeblich ist nicht die Herkunft des Proteins, sondern das Aminosäurenmuster – beim Pferd vor allem die Versorgung mit Lysin, in zweiter Linie Methionin und Threonin. Diese lässt sich über Leguminosen wie Luzerne und Esparsette sowie gutes Raufutter decken.
Zoopharmakognosie – was belegt ist und was nicht
Zoopharmakognosie bezeichnet die Beobachtung, dass Tiere Pflanzen oder andere Substanzen in einer Weise aufnehmen, die einem medizinischen Zweck zu dienen scheint. Das Feld ist real und wissenschaftlich bearbeitet – aber es wird in der Werbung regelmäßig weit über den Befundstand hinaus ausgedehnt.
Wo die Befunde herkommen
Die am besten dokumentierten Beispiele stammen aus der Primatenforschung: das Schlucken rauer Blätter und die Aufnahme bitterer Markstücke bei Schimpansen, jeweils im Zusammenhang mit Parasitenbefall untersucht. Weitere Beobachtungen betreffen Vögel, Insekten und einzelne Säugetierarten.
Für Pferde ist belegt, dass sie beim Grasen selektiv vorgehen und Pflanzenarten unterschiedlich stark meiden oder bevorzugen. Dass sie dabei gezielt bestimmte Heilpflanzen gegen bestimmte Beschwerden auswählen, ist eine attraktive Vorstellung – belastbar untersucht ist sie nicht.
Warum wir keine Zuordnungstabelle zeigen
In vielen Ratgebern – auch in einer früheren Fassung dieses Textes – finden sich Tabellen nach dem Muster „Beschwerde – vom Pferd gewählte Pflanze". Solche Aufstellungen sind aus zwei Gründen problematisch.
Erstens sind sie nicht belegt. Zweitens enthalten sie regelmäßig Pflanzen, deren Aufnahme man nicht nahelegen sollte: Rainfarn und Wermut etwa werden als „natürliche Wurmkur" genannt, obwohl beide für Pferde als bedenklich gelten. Eine Entwurmung gehört in tierärztliche Hand und richtet sich nach Kotprobe oder Befund – nicht nach einer Kräutertabelle.
Was sich aus dem Konzept sinnvoll ableiten lässt
Der brauchbare Kern ist ein anderer: Artenreiche Weiden und strukturreiches Raufutter bieten ein breiteres Pflanzenspektrum als intensiv bewirtschaftetes Grünland mit wenigen Grasarten. Wer Kräuter zufüttert, ergänzt damit ein Spektrum, das auf vielen Flächen tatsächlich fehlt. Das ist ein nachvollziehbares Argument – und es kommt ohne die Behauptung aus, das Pferd wisse selbst, was ihm fehlt.
Tierische Zutaten im Pferdefutter, sachlich eingeordnet
Vorweg: Was Fütterungsversuche zur Verträglichkeit zeigen
Die Behauptung, tierische Erzeugnisse würden „den Stoffwechsel belasten", findet sich in nahezu jedem Ratgeber. Belegt ist sie nicht. Es existieren Fütterungsversuche am Pferd zu Fischöl und zu Grünlippmuschelextrakt, und diese berichten in den untersuchten Dosierungen im Wesentlichen von guter Verträglichkeit – nicht von Stoffwechselschäden. Zu Kollagenhydrolysaten beim Pferd ist die Datenlage dünn.
Was fehlt, sind Langzeitdaten über Jahre. Aber „nicht untersucht“ ist etwas anderes als „belastend“, und wir halten es für redlicher, diesen Unterschied zu benennen, als eine Belastung zu behaupten, für die es keine Belege gibt. Damit ist allerdings nur die eine von zwei Fragen beantwortet – siehe unten.
Verträglichkeit ist nicht Wirksamkeit
Diese Unterscheidung wird in der Futtermittelwerbung systematisch verwischt, deshalb hier ausdrücklich: Es sind zwei unabhängige Fragen.
- Verträglichkeit ist ein Sicherheitsendpunkt: Schadet es nicht?
- Wirksamkeit ist ein Nutzenendpunkt: Bringt es etwas?
Aus der ersten Antwort folgt die zweite nicht. Ein Stoff kann tadellos verträglich und zugleich vollständig folgenlos sein. Die oben genannten Fütterungsversuche beantworten die Sicherheitsfrage – sie belegen nicht, dass die untersuchten Erzeugnisse etwas bewirken.
Und dieselbe Unterscheidung gilt für Kräuter. Dass eine pflanzliche Zubereitung gut vertragen wird, sagt nichts darüber aus, ob sie etwas bewirkt. Deshalb steht in diesem Artikel – und in keinem unserer Artikel – eine Aussage über die Wirkung eines Ergänzungsfuttermittels. Solche Aussagen sind futtermittelrechtlich unzulässig, und für keine Seite dieser Produktkategorie liegen Belege vor, die sie tragen würden.
Der Punkt, der schwerer wiegt als die Biologie
Es gibt einen Einwand gegen tierische Proteine im Pferdefutter, der belastbarer ist als jedes Evolutionsargument – und er wird fast nie genannt: das futtermittelrechtliche Verfütterungsverbot.
Nach der TSE-Verordnung (EG) Nr. 999/2001 ist die Verfütterung verarbeiteter tierischer Proteine an Nutztiere grundsätzlich verboten. Auf der Verbotsliste stehen ausdrücklich auch aus Wiederkäuern gewonnenes Kollagen und Gelatine sowie Blutprodukte. Ausnahmen bestehen für einzelne Erzeugnisse und Tierarten, sind aber an Bedingungen und an die Registrierung oder Zulassung der Betriebe geknüpft.
Pferde gelten futtermittelrechtlich als Nutztiere, solange sie nicht im Equidenpass von der Schlachtung ausgeschlossen sind. Damit stellt sich bei einem Ergänzungsfutter mit Rinderkollagen nicht nur die Frage der Artgerechtheit, sondern die der Zulässigkeit.
Wichtig zur Einordnung: Das Verbot geht auf die BSE-Krise zurück und dient der Seuchenprävention sowie der Beherrschbarkeit der Futtermittelkette – es ist keine Aussage darüber, dass tierisches Protein dem einzelnen Tier schade. Pferde gelten nach derzeitigem Kenntnisstand als nicht empfänglich für Prionenerkrankungen; sie fallen unter das Verbot, weil es alle Nutztiere erfasst. Dass die Begründung eine seuchenhygienische und keine ernährungsphysiologische ist, zeigen auch die seitherigen Lockerungen für einzelne Proteinquellen.
Und zur Rechtslage im Detail: Sie ist verschachtelt – Fischöl ist ein Fett und kein verarbeitetes tierisches Protein, für Fischmehl und einzelne weitere Erzeugnisse gelten eigene Ausnahmeregelungen, und der Status von Pferden mit Schlachtausschluss ist gesondert zu prüfen. Wer ein konkretes Produkt beurteilen will, sollte das im Einzelfall abklären lassen. Als Frage an den Hersteller taugt sie allemal.
Und nun die vier häufigsten Zutaten – mit dem, was sich belegen lässt, und dem, was nicht.
Kollagen und Gelatine
Was es ist: Strukturprotein aus Bindegewebe, Haut und Knochen von Schlachttieren, meist als hydrolysierte Kollagenpeptide.
Was oft behauptet wird: Es werde direkt in körpereigenes Kollagen eingebaut.
Was sich sagen lässt: Der beliebte Gegeneinwand – „wird ohnehin zu Aminosäuren zerlegt" – greift zu kurz. Kollagenhydrolysate werden teilweise als kurzkettige Peptide aufgenommen, und aus der Humanforschung liegen Studien zu Gelenkbeschwerden vor, deren Ergebnisse uneinheitlich ausfallen. Für das Pferd ist die Datenlage schmal. Wer Kollagen einsetzt, tut das auf einer dünneren Grundlage, als die Werbung nahelegt – aber nicht auf gar keiner.
Grünlippmuschel (Perna canaliculus)
Was es ist: Extrakt oder Pulver aus einer neuseeländischen Muschel, enthält Glykosaminoglykane und langkettige Omega-3-Fettsäuren.
Was sich sagen lässt: Anders als häufig behauptet existieren Untersuchungen am Pferd zu Grünlippmuschelextrakt mit positiven Befunden bei Gelenkparametern; die Studien sind allerdings meist klein und teils herstellerfinanziert. Direkte Vergleichsstudien gegen pflanzliche Zubereitungen gibt es nach unserer Kenntnis nicht – die verbreitete Aussage, Kräuter seien „gleichwertig" oder „überlegen", ist damit ebenso unbelegt wie das Gegenteil.
Der Punkt mit dem Filtrieren – präzise gefasst: Muscheln sind Filtrierer und reichern Stoffe aus dem Wasser an. Der konkrete Parameter heißt Cadmium. Der EU-Höchstgehalt für Muscheln liegt bei 1,0 mg/kg, Überschreitungen sind in amtlichen Untersuchungen dokumentiert, und bei getrockneten Pulvern kommt die Aufkonzentrierung durch den Wasserentzug hinzu.
Und die Einschränkung, die dazugehört: Pflanzen reichern Cadmium ebenfalls an – deshalb bestehen Höchstgehalte für Getreide, Reis, Weizenkleie und Hülsenfruchtproteine, die zuletzt sogar abgesenkt wurden, und deshalb schreibt das Arzneibuch für pflanzliche Drogen Schwermetallprüfungen vor. „Reichert Schadstoffe an" ist also kein Unterscheidungsmerkmal zwischen tierisch und pflanzlich.
Die brauchbare Frage lautet deshalb: Wird auf den relevanten Parameter geprüft, gegen welchen Grenzwert, und ist das dokumentiert? Bei einem filtrierenden Organismus ist Cadmium der naheliegende Prüfparameter – so wie bei Blattdrogen die Pyrrolizidinalkaloide. Weitere sachliche Einwände betreffen Chargenschwankungen im Gehalt und den Transportweg. Der Hinweis auf „Tierleid" trägt bei Muscheln dagegen wenig, und Muschelzucht gilt ökologisch als vergleichsweise günstige Form der Erzeugung.
Fischöl
Was es ist: Öl mit den langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.
Was sich sagen lässt: Hier ist Ehrlichkeit angebracht, auch wenn sie nicht für uns spricht. Fischöl liefert EPA und DHA direkt. Pflanzliche Quellen wie Leinsaat liefern Alpha-Linolensäure, und deren Umwandlung in EPA und insbesondere DHA ist begrenzt – Fütterungsversuche beim Pferd zeigen, dass sich der DHA-Status über Leinsaat nur schwer anheben lässt.
Was bleibt: Fischöl ist oxidationsempfindlich, wird von manchen Pferden abgelehnt, und Fangfragen sowie Rückstände sind reale Themen. Die nicht-tierische Alternative für DHA ist nicht Leinsaat, sondern Algenöl – gewonnen aus Mikroalgen, also aus der ursprünglichen Quelle dieser Fettsäuren.
Algen: Mikroalgenöl ist nicht Seetang
Weil im vorigen Abschnitt Algenöl als nicht-tierische DHA-Quelle genannt ist, gehört eine Unterscheidung dazu, die in Ratgebern regelmäßig verwischt wird.
Makroalgen – Seetang, Kelp, Knotentang, Blasentang – stammen überwiegend aus Wildsammlung oder Meereskulturen und reichern an, was im Wasser ist. Das gilt vor allem für Jod: Die Gehalte getrockneter Algen- und Seetangprodukte reichen laut Bundesinstitut für Risikobewertung von 5 bis 11.000 mg je Kilogramm Trockengewicht, je nach Art. Pferde reagieren auf Jodüberversorgung empfindlich; in der Fütterungsliteratur wird von Dauergaben über wenige Gramm täglich abgeraten. Im amtlichen Monitoring getrockneter Meeresalgen traten zudem Cadmium, Blei, Arsen und Aluminium in hohen Konzentrationen auf, und für Blei in Meeresalgen besteht bislang kein Höchstgehalt.
Zum Arsen eine Differenzierung, die selten mitgeliefert wird: Die Gesamtarsengehalte in Meeresalgen sind hoch, das Arsen liegt aber nahezu ausschließlich organisch gebunden vor. Toxikologisch relevant ist das anorganische Arsen, und dessen Gehalte lagen in Untersuchungen ganz überwiegend sehr niedrig. Wer nur die Gesamtarsenzahl nennt, dramatisiert.
Mikroalgenöl für DHA wird dagegen aus fermentativ kultivierten Mikroalgen in geschlossenen Anlagen mit definiertem Substrat gewonnen – nicht aus dem Meer geerntet. Das Kontaminationsprofil ist ein anderes, und ein Öl trägt wasserlösliche oder proteingebundene Kontaminanten kaum mit. Wer Algenöl kauft, sollte genau das prüfen: Herkunft aus Fermentation, deklarierter Jodgehalt, Analysenzertifikat. Seetangmehl ist keine Alternative zu Fischöl, sondern eine ganz andere Zutat mit einer ganz anderen Fragestellung.
Molke und Milcherzeugnisse
Was sich sagen lässt: Erwachsene Pferde bilden nur noch wenig Laktase; größere Mengen Milchzucker können deshalb zu Verdauungsstörungen führen. Das ist der belastbare Einwand. Der oft ergänzte Zusatz, Fremdeiweiß löse Allergien aus, ist so allgemein nicht haltbar – auch pflanzliche Proteine können Auslöser sein.
Pflanzliche Entsprechungen – und wo sie an Grenzen stoßen
| Anwendungsbereich | Tierische Zutat | Pflanzliche Option | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Bewegungsapparat | Grünlippmuschel, Kollagen | Teufelskralle, Weidenrinde, Mädesüß | Traditionell etabliert; beachte die Hinweise unten |
| Bindegewebe | Kollagen | Schachtelhalm, Hagebutte | Kieselsäure aus Schachtelhalm liegt überwiegend in schwer verfügbarer Form vor |
| Omega-3 (ALA) | – | Leinsaat, Hanfsaat, frisches Weidegras | Gut abgedeckt |
| Omega-3 (EPA, DHA) | Fischöl | Algenöl | Leinsaat ist hier kein gleichwertiger Ersatz |
| Protein | Molke, tierisches Eiweiß | Luzerne, Esparsette | Aminosäurenmuster beachten, insbesondere Lysin |
Drei Hinweise, die in solchen Listen meist fehlen
- Turniereinsatz: Teufelskralle, Weidenrinde und Mädesüß sind ADMR-relevant. Für Teufelskralle gelten deutlich längere Fristen als für die meisten anderen Kräuter. Die Prüfung obliegt der verantwortlichen Person.
- Salicylate: Weidenrinde und Mädesüß enthalten natürliche Salicylate. Bei gleichzeitiger Gabe von entzündungshemmenden Tierarzneimitteln oder bei Magenempfindlichkeit ist tierärztliche Rücksprache angezeigt.
- Angabe der Fettsäuren: Wenn für Leinsaat „55 % Omega-3" angegeben wird, bezieht sich das auf den Anteil an den Fettsäuren des Öls – nicht auf die Samen. Bezogen auf die ganze Saat liegt der Wert bei rund einem Fünftel davon. Achte darauf, worauf sich eine Prozentzahl bezieht.
Was wir bewusst nicht behaupten
Wir sagen nicht, dass pflanzliche Zubereitungen tierischen überlegen sind. Für einen solchen Vergleich bräuchte es direkte Vergleichsstudien, und die liegen nicht vor. Was wir sagen können: Für die meisten Anwendungsbereiche existieren pflanzliche Optionen mit langer Anwendungstradition, und für ein Tier, dessen gesamte Verdauung auf Pflanzen ausgelegt ist, ist das die naheliegendere Wahl.
Warum VOTANA rein pflanzlich arbeitet
Unsere Entscheidung
- Ja: 100 % Kräuter: keine tierischen Bestandteile, keine Trägerstoffe, keine technologischen Zusatzstoffe
- Ja: Arzneibuchqualität: alle Einzelkräuter nach Ph. Eur., mit Analysenzertifikat je Charge
- Ja: Vollständige Deklaration: jede Position mit Mengenangabe, Art und Pflanzenteil benannt
- Ja: Nachvollziehbare Herkunft: dokumentierte Lieferkette
Der Grund ist eine Passungsentscheidung, keine Überlegenheitsbehauptung: Das Pferd ist ein Pflanzenfresser, wir stellen pflanzliche Produkte her, und was ein Pferd bekommt, soll aus derselben Stoffgruppe stammen, auf die sein Verdauungstrakt seit Jahrmillionen eingerichtet ist.
Und was daraus nicht folgt
Aus der Zusammensetzung eines Produkts folgt keine Aussage darüber, was es bei einem einzelnen Pferd bewirkt. Solche Aussagen sind für Ergänzungsfuttermittel weder zulässig noch wären sie seriös. Wenn Dein Pferd ein gesundheitliches Problem hat, gehört die Abklärung in tierärztliche Hand – und die Frage, ob eine Ergänzung sinnvoll ist, ebenfalls.
VOTANA Kräuterprodukte
100 % Kräuter in Arzneibuchqualität, jede Position mit Mengenangabe deklariert – ohne tierische Bestandteile, ohne Trägerstoffe.
Häufige Fragen
Was bedeutet Herbivore beim Pferd konkret?
Dass Gebiss, Magen-Darm-Trakt und Mikrobiota auf faserreiche Pflanzennahrung ausgelegt sind: Schneidezähne zum Abbeißen, hochkronige Backenzähne zum Zermahlen, ein kleiner Magen für kontinuierliche Aufnahme und ein großer Fermentationsraum im Dickdarm, in dem die Energie überwiegend aus Faser gewonnen wird.
Fressen Pferde wirklich niemals tierisches Material?
Von sich aus suchen Pferde weder Muscheln noch Knochen noch Fischöl; dafür gibt es keine Beobachtung. Osteophagie, das Benagen von Knochen bei Mineralstoffmangel, ist vor allem bei Rindern und wilden Wiederkäuern dokumentiert, beim Pferd dagegen selten und kein typisches Verhalten. Nicht-pflanzliches Material nehmen Pferde regelmäßig in anderer Form auf: Salz und mineralische Böden, gezielt aufgesucht. Deshalb hängt in jeder Box ein Leckstein.
Wählen Pferde instinktiv Heilkräuter aus?
Belegt ist, dass Pferde beim Grasen selektiv vorgehen und Pflanzenarten unterschiedlich bevorzugen oder meiden. Dass sie gezielt bestimmte Heilpflanzen gegen bestimmte Beschwerden auswählen, ist dagegen nicht belastbar untersucht. Die gut dokumentierten Beispiele für Selbstmedikation stammen überwiegend aus der Primatenforschung.
Sind Wermut und Rainfarn eine natürliche Wurmkur?
Nein, und davon ist abzuraten. Beide Pflanzen gelten für Pferde als bedenklich. Eine Entwurmung richtet sich nach Kotprobe oder klinischem Befund und gehört in tierärztliche Hand. Kräutertabellen aus dem Internet sind dafür keine Grundlage.
Ist Kollagen für Pferde wirkungslos?
So einfach ist es nicht. Der verbreitete Einwand, Kollagen werde ohnehin nur zu Aminosäuren zerlegt, greift zu kurz – Kollagenhydrolysate werden teilweise als kurzkettige Peptide aufgenommen. Aus der Humanforschung liegen Studien mit uneinheitlichen Ergebnissen vor; für das Pferd ist die Datenlage schmal. Die Werbeaussage, Kollagen werde direkt in körpereigenes Gewebe eingebaut, ist in dieser Form allerdings nicht haltbar.
Ersetzt Leinsaat Fischöl?
Nicht vollständig. Leinsaat liefert Alpha-Linolensäure, Fischöl liefert EPA und DHA direkt. Die Umwandlung von ALA in die langkettigen Fettsäuren ist begrenzt, für DHA besonders stark. Wer gezielt DHA zuführen möchte, kommt mit Leinsaat nicht ans Ziel – die nicht-tierische Option ist hier Algenöl aus Mikroalgen.
Sind pflanzliche Produkte tierischen überlegen?
Für eine solche Aussage bräuchte es direkte Vergleichsstudien, und die liegen nicht vor. Was sich sagen lässt: Für die meisten Anwendungsbereiche gibt es pflanzliche Optionen mit langer Anwendungstradition, und bei einem Pflanzenfresser ist das die naheliegendere Wahl. Wer mehr behauptet, überzeichnet – in beide Richtungen.
Kann ein Pferd alle Nährstoffe aus Pflanzen bekommen?
Die Grundversorgung ja – Energie, Protein und Faser stammen beim Pferd ohnehin aus pflanzlichen Quellen. Ob im Einzelfall ein Bedarf an ergänzenden Nährstoffen besteht, hängt von Haltung, Raufutterqualität und Leistung ab und lässt sich nur anhand der gesamten Ration beurteilen, am besten mit fütterungsfachlicher oder tierärztlicher Begleitung.
Gibt es Studien zur Verträglichkeit tierischer Erzeugnisse beim Pferd?
Ja, wenn auch begrenzt. Zu Fischöl und zu Grünlippmuschelextrakt existieren Fütterungsversuche am Pferd, die in den untersuchten Dosierungen im Wesentlichen gute Verträglichkeit berichten. Zu Kollagenhydrolysaten ist die Datenlage beim Pferd dünn. Was fehlt, sind Langzeitdaten über Jahre. Die verbreitete Aussage, tierische Erzeugnisse würden den Stoffwechsel belasten, ist durch diese Studien nicht gestützt.
Sind tierische Proteine im Pferdefutter überhaupt erlaubt?
Nicht uneingeschränkt. Nach der TSE-Verordnung (EG) Nr. 999/2001 ist die Verfütterung verarbeiteter tierischer Proteine an Nutztiere grundsätzlich verboten; auf der Verbotsliste stehen unter anderem aus Wiederkäuern gewonnenes Kollagen und Gelatine sowie Blutprodukte. Pferde gelten futtermittelrechtlich als Nutztiere, solange sie nicht im Equidenpass von der Schlachtung ausgeschlossen sind. Für einzelne Erzeugnisse und Tierarten bestehen Ausnahmen, die an Bedingungen geknüpft sind. Bei einem konkreten Produkt lohnt die Nachfrage beim Hersteller.
Reichern Muscheln Schadstoffe an?
Ja, Muscheln sind Filtrierer und reichern Stoffe aus dem Wasser an; der relevanteste Parameter ist Cadmium, für das in Muscheln ein EU-Höchstgehalt von 1,0 mg/kg gilt und für das Überschreitungen dokumentiert sind. Bei getrockneten Pulvern kommt die Aufkonzentrierung hinzu. Daraus folgt allerdings kein grundsätzlicher Vorteil pflanzlicher Rohstoffe: Auch Pflanzen reichern Cadmium an, weshalb für Getreide, Reis und Hülsenfruchtproteine Höchstgehalte bestehen und das Arzneibuch für pflanzliche Drogen Schwermetallprüfungen vorschreibt. Entscheidend ist, ob auf den jeweils relevanten Parameter geprüft wird und ob das dokumentiert ist.
Sind Algen als Alternative unbedenklich?
Das kommt darauf an, welche Algen gemeint sind. Makroalgen wie Seetang, Kelp oder Knotentang reichern an, was im Wasser ist; der kritischste Parameter ist Jod, dessen Gehalte in getrockneten Produkten laut BfR zwischen 5 und 11.000 mg je Kilogramm Trockengewicht schwanken. Pferde reagieren auf Jodüberversorgung empfindlich. Im amtlichen Monitoring fielen zudem Cadmium, Blei, Arsen und Aluminium auf. Mikroalgenöl für DHA stammt dagegen aus geschlossener Fermentation und hat ein anderes Kontaminationsprofil. Beim Kauf sollten Herkunft, deklarierter Jodgehalt und Analysenzertifikat geprüft werden.
Fressen Islandpferde wirklich Fisch?
Ja, aber anders als meist erzählt. Isländische Züchter stellen im Winter Fässer mit Salzhering auf die Weiden, ursprünglich Abfälle aus der Fischverarbeitung, und die Pferde nehmen das an. Das ist eine menschliche Fütterungspraxis aus Futterknappheit und keine instinktive Selbstwahl; sie geht zurück, seit die Fischverarbeitung weniger Abfall hinterlässt. Die Darstellung, Islandpferde wüssten instinktiv um den Wert von Omega-3-Fettsäuren, findet sich vor allem bei Anbietern von Fischöl. Annahme unter Futterknappheit ist nicht dasselbe wie gezielte Auswahl.
Heißt gut verträglich auch wirksam?
Nein. Verträglichkeit ist ein Sicherheitsendpunkt und beantwortet die Frage, ob etwas schadet. Wirksamkeit ist ein Nutzenendpunkt und beantwortet die Frage, ob etwas bewirkt. Aus dem einen folgt das andere nicht; ein Stoff kann tadellos verträglich und zugleich folgenlos sein. Das gilt für tierische wie für pflanzliche Erzeugnisse gleichermaßen. Für Ergänzungsfuttermittel sind Aussagen über eine Wirkung ohnehin futtermittelrechtlich unzulässig.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Coenen, M. & Vervuert, I. (2020): Pferdefütterung. 6. Auflage. Stuttgart: Thieme
- Kamphues, J. et al. (2014): Supplemente zur Tierernährung. 12. Auflage. Hannover: Schaper
- Huffman, M. A. (2003): Animal self-medication and ethno-medicine – exploration and exploitation of the medicinal properties of plants. Proceedings of the Nutrition Society
- Engel, C. (2002): Wild Health – How Animals Keep Themselves Well
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2018): Phytotherapie in der Tiermedizin. Stuttgart: Thieme
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.), EDQM: Monographien zu pflanzlichen Drogen
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Anti-Doping- und Medikamentenkontrollregeln (ADMR)
- Verordnung (EG) Nr. 999/2001 mit Vorschriften zur Verhütung, Kontrolle und Tilgung bestimmter transmissibler spongiformer Enzephalopathien, Anhang IV – Tierernährung
- Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Monitoring getrockneter Meeresalgen