E-Nummern, Konservierungsstoffe und künstliche Aromen: Was Du wissen musst
Schnellantwort: Zusatzstoffe sind Substanzen, die Futtermitteln gezielt zugesetzt werden – für Haltbarkeit, Geschmack, Konsistenz oder Optik. In der EU sind sie einzeln zugelassen, sicherheitsbewertet und mit Höchstgehalten versehen. Die Frage ist deshalb weniger, ob sie gefährlich sind – sondern ob sie nötig sind. Bei reinen Kräutern lautet die Antwort: nein. Richtig getrocknete Kräuter in Arzneibuchqualität brauchen weder Konservierung noch Aroma noch Bindemittel. Jeder Zusatzstoff, der gar nicht erst im Produkt ist, muss auch nicht bewertet werden.
Was sind Futtermittelzusatzstoffe?
Futtermittelzusatzstoffe sind Substanzen, die einem Futtermittel absichtlich zugesetzt werden, um eine technische oder sensorische Funktion zu erfüllen. Sie stehen damit im Gegensatz zu den Futtermitteln selbst, die der Nährstoffversorgung dienen.
Der rechtliche Rahmen
Maßgeblich ist die Verordnung (EG) Nr. 1831/2003. Sie definiert Zusatzstoffe als Stoffe, Mikroorganismen oder Zubereitungen, die Futtermitteln oder Wasser absichtlich zugesetzt werden, und teilt sie in Kategorien und funktionelle Gruppen ein – etwa technologische Zusatzstoffe (Konservierung, Antioxidation, Bindung), sensorische Zusatzstoffe (Aroma, Farbe) und ernährungsphysiologische Zusatzstoffe (Vitamine, Spurenelemente).
Wichtig: Jeder einzelne Zusatzstoff muss zugelassen werden. Die Zulassung erfolgt für bestimmte Tierarten, oft mit Höchstgehalten, und stützt sich auf eine Sicherheitsbewertung durch die EFSA. Zusatzstoffe sind also keine rechtsfreie Zone – sie sind reguliert.
E-Nummer ist nicht gleich Futtermittelnummer
Ein häufiges Missverständnis: E-Nummern stammen aus dem Lebensmittelrecht (Verordnung (EG) Nr. 1333/2008). Futtermittelzusatzstoffe tragen eigene Identifikationsnummern nach dem Schema der funktionellen Gruppe – Kaliumsorbat etwa die Nummer 1k202, Silierzusatzstoffe beginnen generell mit 1k, Bindemittel mit 1g, Vitamine mit 3a. Viele Stoffe tragen beide Nummern, weil sie in beiden Bereichen zugelassen sind. Wer im Futtermittelrecht mit reinen E-Nummern argumentiert, vergleicht zwei verschiedene Systeme.
Warum werden sie verwendet?
Haltbarkeit verlängern
Konservierungsstoffe und Antioxidantien verhindern Schimmel, Bakterienwachstum und das Ranzigwerden von Fetten. Bei feuchten oder fetthaltigen Produkten ist das eine reale Funktion – bei trockenen Kräutern nicht.
Geschmack verbessern
Aromastoffe erhöhen die Akzeptanz. Das kann sinnvoll sein, wenn ein Pferd ein Futter sonst verweigert – es kann aber auch den Eigengeschmack minderwertiger Rohstoffe überdecken.
Optik aufwerten
Farbstoffe verändern das Aussehen des Produkts. Für das Pferd hat das keinen Nutzen; die Zielgruppe der Optik sitzt vor dem Regal, nicht in der Box.
Verarbeitung ermöglichen
Binde- und Fließhilfsmittel machen Pelletierung, Pastenherstellung oder flüssige Darreichung erst möglich. Wer lose Kräuter anbietet, braucht sie nicht.
Kategorien und häufige Vertreter
Die folgenden Beispiele sind zugelassene Stoffe. Die Einordnung beschreibt jeweils, was sie tun und wo die fachliche Diskussion steht – nicht, dass sie verboten oder generell schädlich wären.
1. Konservierungsstoffe und Antioxidantien
BHA und BHT E320 / E321
Butylhydroxyanisol / Butylhydroxytoluol
Kaliumsorbat 1k202 / E202
Natriumpropionat 1k281 / E281
2. Farbstoffe
Farbstoffe erfüllen für das Tier keine Funktion. In Ergänzungsfuttermitteln für Pferde spielen sie eine geringere Rolle als in der Heimtiernahrung – ein Blick auf die Deklaration lohnt trotzdem.
Azofarbstoffe, z. B. Tartrazin und Cochenillerot A E102 / E124
3. Aromastoffe
Künstliche und naturidentische Aromen
Apfel-, Bananen-, Vanillearoma und andere
4. Bindemittel und Verdickungsmittel
Xanthan E415
Carrageen E407
5. Vitamine als Zusatzstoffe
Synthetisch hergestellte Vitamine
Übersicht
| Nummer | Name | Funktion | Woran es Dich erinnern sollte |
|---|---|---|---|
| E102 / E124 | Tartrazin, Cochenillerot A | Farbstoff | Optik für den Menschen, nicht fürs Pferd |
| 1k202 | Kaliumsorbat | Konservierung | Feuchte oder flüssige Darreichung |
| 1k281 | Natriumpropionat | Konservierung | Feuchtigkeitsempfindliches Material |
| E320 / E321 | BHA, BHT | Antioxidans | Nennenswerter Fettanteil im Produkt |
| E407 | Carrageen | Gelier- und Bindemittel | Emulsion oder Paste |
| E415 | Xanthan | Verdickungsmittel | Flüssige Darreichungsform |
Die rechte Spalte ist der eigentliche Erkenntnisgewinn: Zusatzstoffe verraten mehr über die Beschaffenheit eines Produkts als über seine Gefährlichkeit. Wo konserviert werden muss, ist Feuchtigkeit im Spiel. Wo gebunden wird, ist etwas flüssig oder gepresst. Wo aromatisiert wird, schmeckt etwas nicht von allein.
Was das für Dein Pferd bedeutet
Hier ist Ehrlichkeit angebracht: Zugelassene Zusatzstoffe sind in den erlaubten Mengen bewertet, und die Vorstellung, sie würden Leber und Nieren „vergiften", ist durch nichts belegt. Es gibt trotzdem gute Gründe, ihre Zahl klein zu halten.
1. Einzelbewertung ist nicht Gesamtbewertung
Jeder Zusatzstoff wird für sich geprüft und mit Höchstgehalten versehen. Bekommt ein Pferd aber täglich mehrere Produkte – Müsli, Mineralfutter, Ergänzungsfutter, Leckerlis –, summieren sich Stoffe aus verschiedenen Quellen. Die Wechselwirkungen zwischen Zusatzstoffen sind deutlich schlechter untersucht als die Einzelstoffe. Das ist kein Beleg für Schaden, aber ein Argument für Sparsamkeit.
2. Individuelle Unverträglichkeiten kommen vor
Bei einzelnen Pferden werden Unverträglichkeitsreaktionen auf Futterbestandteile beobachtet. Belastbare Daten speziell zu Zusatzstoffen beim Pferd sind allerdings dünn; das meiste stammt aus der Humanmedizin und ist nicht direkt übertragbar. Wenn Du ein Pferd mit unklaren Reaktionen hast, ist eine kurze und übersichtliche Zutatenliste schlicht leichter auszuwerten.
3. Zusatzstoffe sind ein Signal
Der praktisch wichtigste Punkt: Zusatzstoffe stehen selten allein. Ein Produkt mit Konservierung, Aroma und Bindemittel ist meist auch eines mit Trägerstoffen, Feuchtigkeit und einem entsprechend geringen Anteil dessen, wofür Du eigentlich bezahlst.
Das eigentliche Argument
Es geht nicht darum, zugelassene Stoffe zu dämonisieren. Es geht darum, dass ein Produkt aus getrockneten Kräutern sie nicht braucht. Was nicht enthalten ist, muss weder bewertet noch verstoffwechselt noch diskutiert werden.
Worauf Du sonst noch achten kannst
Neben Zusatzstoffen lohnt der Blick auf weitere Bestandteile:
- Nein: Melasse und Zucker: Wird zum Süßen, Binden und Staubbinden verwendet. Für Pferde mit Störungen des Zuckerstoffwechsels – etwa EMS oder Insulindysregulation – ist der Zuckergehalt der Ration ein relevanter Faktor. Bei diesen Pferden gehört die Fütterung in tierärztliche Begleitung.
- Nein: Unspezifische Sammelbezeichnungen: Angaben wie „pflanzliche Nebenerzeugnisse" oder „Getreideerzeugnisse" lassen offen, was tatsächlich enthalten ist. Einzelne Nennung ist immer aussagekräftiger.
- Nein: Aromen ohne erkennbaren Grund: Bei einem Kräuterprodukt ist das Aroma bereits vorhanden.
- Nein: Farbstoffe: Rein optischer Zweck ohne Nutzen für das Tier.
- Nein: Kräuter ohne Mengenangabe: „Mit Kräutern" sagt nichts. Ohne prozentuale Deklaration lässt sich nicht beurteilen, wie viel tatsächlich enthalten ist.
- Nein: Kräuter ohne Qualitätsangabe: Ohne Angabe zu botanischer Identität, Pflanzenteil und Prüfung bleibt offen, was verarbeitet wurde – Blatt oder Stängel, geprüft oder ungeprüft.
Ein Wort zu Palmöl und Soja
Beide werden häufig pauschal kritisiert. Sachlich lässt sich sagen: Pferde verwerten Fette gut, auch pflanzliche – das Argument gegen Palmöl ist in erster Linie ein ökologisches, kein verdauungsphysiologisches. Und die Allergenität von Soja hängt am Sojaprotein, nicht an der Gentechnik. Wer Gentechnik ablehnt, hat dafür gute Gründe – nur sind es andere als Allergien.
Warum „natürlich" oft nichts aussagt
Ein Begriff ohne Definition
„Natürlich" ist futtermittelrechtlich nicht geschützt und sagt für sich genommen nichts über Qualität, Menge oder Herkunft aus.
Typische Formulierungen und was sie bedeuten
„Natürliches Aroma"
Kann aus natürlichen Ausgangsstoffen gewonnen sein – die Gewinnung ist trotzdem ein industrieller Prozess, und das Ergebnis kann chemisch identisch mit dem synthetischen Pendant sein.
„Mit natürlichen Kräutern"
Sagt nichts über Menge oder Qualität. Ein Produkt mit 95 % Trägerstoffen und 5 % Kräutern darf so beworben werden.
„Ohne künstliche Farbstoffe"
Bezieht sich nur auf Farbstoffe. Konservierungsmittel, Aromen und Bindemittel können enthalten sein.
Eigene Siegel
Selbst entworfene „Qualitätssiegel" sind keine Zertifizierung. Aussagekräftig sind nur nachprüfbare Standards – etwa Bio-Zertifizierung durch eine anerkannte Kontrollstelle oder Arzneibuchqualität.
Woran Du Dich stattdessen orientieren kannst
- Prozentuale Mengenangaben: Steht dort, wie viel von jedem Bestandteil enthalten ist?
- Botanische Präzision: Wird der Pflanzenteil genannt – Blatt, Wurzel, Kraut, Frucht?
- Nachprüfbare Standards: Arzneibuchqualität (Ph. Eur.) oder Bio-Zertifizierung einer anerkannten Stelle
- Kurze Zutatenlisten: Weniger Bestandteile bedeuten weniger Interpretationsspielraum
Alternativen und was Arzneibuchqualität bedeutet
Für die meisten Funktionen technologischer Zusatzstoffe gibt es Alternativen – häufig besteht sie schlicht darin, die Funktion nicht zu benötigen:
| Funktion | Zusatzstoff | Alternative |
|---|---|---|
| Konservierung | Sorbate, Propionate, BHA/BHT | Ausreichende Trocknung, dichte Verpackung, kühle und lichtgeschützte Lagerung |
| Geschmack | Aromastoffe | Rohstoffe mit Eigengeschmack |
| Optik | Farbstoffe | Entfällt – Pferde wählen nicht nach Farbe |
| Bindung | Xanthan, Carrageen | Lose Kräuter statt Pellets, Pasten oder Flüssigprodukte |
Eine Einschränkung, der Ehrlichkeit halber
Auch „natürliche" Konservierung ist häufig ein Zusatzstoff: Tocopherol-Extrakte, also natürliches Vitamin E, sind selbst zulassungspflichtige Antioxidantien. Der Unterschied zwischen synthetisch und natürlich ist an dieser Stelle kleiner, als das Marketing nahelegt. Der wirkliche Unterschied liegt darin, ob konserviert werden muss.
Arzneibuchqualität (Ph. Eur.) – was sie regelt
Das Europäische Arzneibuch enthält Monographien für pflanzliche Drogen. Diese legen je nach Monographie fest:
- Identität: Die botanische Art und der verwendete Pflanzenteil sind eindeutig bestimmt und werden geprüft
- Reinheit: Grenzwerte für fremde Bestandteile, Asche, Schwermetalle, Pestizidrückstände und mikrobiologische Belastung
- Trocknungsverlust: Ein monographiespezifischer Höchstwert für den Restfeuchtegehalt
- Gehalt: Wo die Monographie es vorsieht, ein Mindestgehalt bestimmter Inhaltsstoffe – etwa an ätherischem Öl
Zwei Präzisierungen: Ph. Eur. bedeutet nicht „frei von" Schwermetallen oder Pestiziden, sondern innerhalb definierter Grenzwerte. Und nicht jede Monographie enthält eine Gehaltsbestimmung – manche regeln ausschließlich Identität und Reinheit. Wer etwas anderes behauptet, hat das Arzneibuch nicht gelesen.
Für die Frage der Zusatzstoffe ist vor allem der Trocknungsverlust relevant: Ausreichend getrocknete Kräuter sind bei sachgerechter Lagerung lange haltbar – ohne Konservierungsmittel. Braucht ein trockenes Kräuterprodukt Konservierung, lohnt die Frage, warum.
Häufig gestellte Fragen
Sind alle E-Nummern schlecht?
Nein. E-Nummern sind ein Kennzeichnungssystem, keine Bewertung. Auch unproblematische Stoffe haben eine – E300 ist Vitamin C, E330 Zitronensäure. Umgekehrt sagt das Fehlen einer E-Nummer nichts über Qualität. Entscheidend ist der konkrete Stoff, seine Menge und die Frage, wofür er im Produkt ist.
Warum brauchen manche Produkte Konservierungsstoffe?
Vor allem wegen Wasser und Fett. Flüssige Produkte, Pasten und Mash bieten Mikroorganismen Lebensbedingungen; fetthaltige Produkte oxidieren. Trockene Kräuter mit ausreichend niedrigem Restfeuchtegehalt sind bei kühler, trockener und lichtgeschützter Lagerung dagegen lange haltbar. Konservierung ist deshalb weniger ein Qualitätsmangel als ein Hinweis auf die Produktart.
Können Zusatzstoffe beim Pferd Unverträglichkeiten auslösen?
Im Einzelfall werden Reaktionen auf Futterbestandteile beobachtet. Die Datenlage speziell zu Zusatzstoffen beim Pferd ist allerdings schmal – vieles wird aus der Humanmedizin übertragen, was methodisch fragwürdig ist. Bei einem Pferd mit unklaren Reaktionen ist eine übersichtliche Ration mit wenigen, klar deklarierten Bestandteilen vor allem deshalb hilfreich, weil sie sich systematisch auswerten lässt. Die Abklärung selbst gehört in tierärztliche Hand.
Was bedeutet „naturidentisch"?
Die chemische Struktur entspricht der des natürlich vorkommenden Stoffs, die Herstellung erfolgt synthetisch. Naturidentisches Vanillin etwa wird aus Lignin oder petrochemischen Vorstufen gewonnen, nicht aus Vanilleschoten. Für den Organismus ist das Molekül dasselbe. Der Unterschied zu einem pflanzlichen Auszug liegt darin, dass dieser ein Stoffgemisch ist und nicht eine isolierte Einzelsubstanz.
Braucht mein Pferd zugesetzte Vitamine?
Das hängt vom Vitamin ab. B-Vitamine bildet das Pferd im Dickdarm mikrobiell, Vitamin C in der Leber – hier ist eine Zufuhr bei gesunden Pferden meist entbehrlich. Bei den fettlöslichen Vitaminen A, D und E hängt die Versorgung dagegen von Weidegang, Heuqualität und Lagerdauer ab. Ob im Einzelfall ein Bedarf besteht, lässt sich nur anhand der gesamten Ration beurteilen – am besten mit tierärztlicher oder fütterungsfachlicher Begleitung.
Wie erkenne ich Zusatzstoffe auf der Deklaration?
Bei Mischfuttermitteln stehen sie unter der Überschrift „Zusatzstoffe", mit Angabe der funktionellen Gruppe, des Namens und der Identifikationsnummer. Achte außerdem auf Begriffe wie Konservierungsmittel, Antioxidans, Farbstoff, Aroma, Verdickungsmittel. Nicht jede lange Bezeichnung bedeutet etwas Schlechtes – aber jede Position, deren Zweck Du nicht erkennst, ist eine Frage wert.
Sind Bio-Produkte frei von Zusatzstoffen?
Nein. Die Bio-Zertifizierung schränkt den Einsatz deutlich ein, verbietet aber nicht alle Zusatzstoffe. Sie regelt vor allem den Anbau: keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, keine Gentechnik, Vorgaben zur Tierhaltung. Über die botanische Identität eines Krauts oder seinen Gehalt an Inhaltsstoffen sagt ein Bio-Siegel dagegen nichts – dafür ist die Arzneibuchqualität der genauere Maßstab. Beide Systeme prüfen unterschiedliche Dinge.
VOTANA – Kräuter in Arzneibuchqualität
Alle VOTANA-Produkte bestehen zu 100 % aus Kräutern. Keine Konservierungsstoffe, keine Aromen, keine Farbstoffe, keine Bindemittel – weil ein Produkt aus getrockneten Kräutern sie nicht braucht.