Die Goldrute wird beim Pferd zur Durchspülung der Harnwege eingesetzt – und die Veterinärphytotherapie führt sie zusätzlich bei rheumatischen Beschwerden. Das sind zwei Anwendungsgebiete, und zusammen erklären sie, warum dieselbe Pflanze bei uns in einer Stoffwechselmischung und in zwei Mischungen für den Bewegungsapparat steht. Beim Einkauf entscheidet die Art: Was im Handel „Goldrute“ heißt, ist oft die eingeschleppte Kanadische Goldrute – und das ist eine andere Pflanze.
Auf einen Blick
- Verwendet wird das Kraut der Echten Goldrute (Solidago virgaurea), geerntet zur Blüte
- Mindestens 2,5 Prozent Flavonoide nach Arzneibuch, berechnet als Hyperosid – dazu die Artbestimmung
- Zwei Anwendungsgebiete – Durchspülung der Harnwege und rheumatische Beschwerden
- Aquaretisch, nicht harntreibend im engeren Sinn – sie erhöht die Wassermenge, nicht den Salzverlust
- Wasser ist die Grundbedingung, nicht eine Empfehlung – eine Durchspülung ohne Trinken ist keine
- Nicht bei Ödemneigung durch Herz- oder Nierenschwäche – und nicht bei Verdacht auf Steine, die die Harnwege verlegen
- Angelaufene Beine sind kein Anwendungsgebiet, sondern ein Grund für eine Untersuchung
- In LEBERWOHL, GELENKAKTIV und SEHNENSTARK – je nach Lage die passende
Steckbrief
| Drogenbezeichnung | Solidaginis virgaureae herba – das Goldrutenkraut |
|---|---|
| Familie | Korbblütler (Asteraceae) |
| Stammpflanze | Nur die Echte Goldrute – nicht die Kanadische (S. canadensis) und nicht die Riesengoldrute |
| Verwendeter Pflanzenteil | Das blühende Kraut, geerntet zur Blütezeit von August bis Oktober |
| Erkennungszeichen | Im Blütenkranz fehlt jedes zweite Zungenblütenblatt – die Lücke füllt der Nachbar |
| Stoffgruppen | Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, Saponine und Phenolglykoside |
| Arzneibuchprüfung | Ja – Artbestimmung und mindestens 2,5 Prozent Flavonoide, berechnet als Hyperosid |
| Bewertung | Kommission E (Harnwege); von HMPC und ESCOP nicht bearbeitet |
| Anwendungsgebiete | Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege; vorbeugend bei Harnsteinen und Nierengrieß; rheumatische Beschwerden |
| Gegenanzeigen | Ödemneigung bei Herz- oder Nierenschwäche; Verdacht auf Steine, die die Harnwege verlegen |
| In unseren Mischungen | LEBERWOHL, GELENKAKTIV und SEHNENSTARK |
Nicht jede Goldrute ist die Goldrute
Das ist bei dieser Pflanze die erste und wichtigste Frage, und sie entscheidet sich nicht am Preis, sondern an der Art. Verwendet wird die Echte Goldrute, eine heimische Staude, die bis zu einem Meter hoch wird und von August bis Oktober blüht. Was sich im Handel sonst „Goldrute“ nennt, ist häufig die Kanadische Goldrute oder die Riesengoldrute – im 19. Jahrhundert eingeschleppt, heute an Bahndämmen und Waldändern massenhaft verbreitet, und eine andere Pflanze.
Das Erkennungszeichen ist eine Lücke
Bei Korbblütlern sitzt um die mittigen Röhrenblüten ein Kranz aus Zungenblüten – bei der Sonnenblume oder dem Gänseblümchen lückenlos. Bei der Echten Goldrute fehlt jedes zweite Zungenblütenblatt. Auffallen tut das nicht, weil in jede Lücke ein Blatt der Nachbarblüte hineinragt – von weitem wirkt es wieder wie ein dichter Teppich. Die Kanadische Goldrute unterscheidet sich zudem durch kleinere Blütenkörbe in einer spitz zulaufenden Rispe.
Deshalb gehört die Artbestimmung zur Prüfung
Am geschnittenen Kraut ist die Art nicht mehr zu erkennen – weder die Lücke im Blütenkranz noch der Bau der Rispe. Deshalb ist sie Teil der Arzneibuchprüfung und nicht Sache des Augenscheins (Arzneibuchqualität bei Kräutern). Bei einer Pflanze, deren Doppelgängerin an jedem Bahndamm steht, ist das der ganze Unterschied zwischen geprüfter Ware und etwas Gelbem.
Und wenn die Kanadische Goldrute auf der Pferdeweide steht
Das ist die häufigere Frage, und sie hat mit dem Einkauf nichts zu tun. Die Kanadische Goldrute breitet sich auf Brachflächen, an Zäunen und Weiderändern stark aus, und viele Pferdebesitzer finden sie auf der eigenen Fläche. In den Giftpflanzenlisten für Pferde wird sie nicht geführt – sie ist aber auch nicht die Pflanze, die arzneilich verwendet wird, und zu einer Verfütterung sagen wir nichts. Was auf der Weide wächst und sich nicht sicher bestimmen lässt, gehört geprüft, bevor es im Pferd landet (Giftpflanzen für Pferde).
Wundkraut, Fuchsschwanz, Petrusstab
Der wissenschaftliche Name sagt zweimal dasselbe. Solidago geht wahrscheinlich auf solidare zurück – zusammenfügen, gesund machen – und virgaurea heißt schlicht goldene Rute. Im Volksmund hieß sie Fuchsschwanz, weil die locker verteilten Blüten am oberen Stängel von weitem wie ein buschiger Schwanz wirken.
Und eine Umbenennung, die nicht funktionierte
In der Antike war die Goldrute unbekannt. Die erste schriftliche Erwähnung stammt vom spanischen Arzt Arnald von Villanova im 13. Jahrhundert, der sie bei Blasenleiden einsetzte – also genau dort, wo sie heute bewertet ist.
Im Mittelalter trug sie den Namen „Heydnisch Wundkraut“. Während der Christianisierung versuchte man, daraus „St. Petrus-Stab-Kraut“ zu machen. Der Versuch scheiterte, weil die Leute am alten Namen festhielten. Beide Namen stehen bis heute in den Synonymlisten – und sie erinnern daran, dass die äußerliche Wundanwendung die ältere ist, während die bewertete Anwendung heute innerlich bei den Harnwegen liegt.
Was das Goldrutenkraut mitbringt
Vier Stoffgruppen stehen in der Literatur: Flavonoide, Phenolcarbonsäuren, Saponine und Phenolglykoside. Das Arzneibuch fordert mindestens 2,5 Prozent Flavonoide, berechnet als Hyperosid – geprüft wird also nicht nur, welche Pflanze geliefert wurde, sondern auch, wie viel sie mitbringt.
Die Saponine der Goldrute und ihre Wirkungsangaben
Saponine schäumen in Wasser – daran erkennt man sie im Labor. In der Literatur hängen an dieser Stoffgruppe die antimikrobielle und die krampflösende Angabe, während die wassertreibende Seite den Flavonoiden zugeschrieben wird. Für ein Ergänzungsfuttermittel leiten wir daraus keine Aussage ab – wir nennen es, weil es erklärt, warum bei dieser Pflanze mehrere Angaben nebeneinanderstehen.
Die Goldrute ist aquaretisch, nicht harntreibend
Der Unterschied klingt nach Haarspalterei und ist in der Praxis der wichtigste Satz dieses Abschnitts. Ein Diuretikum im arzneilichen Sinn schwemmt Wasser und Salze aus. Die Goldrute erhöht die Harnmenge, ohne den Salzhaushalt in gleichem Maß anzugreifen – dafür steht der Begriff aquaretisch.
Was daraus folgt
Eine Durchspülung ist kein Entwässern. Das Ziel ist mehr Flüssigkeit durch die Harnwege, nicht weniger Wasser im Pferd. Genau deshalb ist die Tränke keine Nebensache: Wer durchspülen will und das Trinken nicht sicherstellt, erreicht das Gegenteil von dem, was auf der Tüte steht.
Wofür Goldrute beim Pferd verwendet wird
Die medizinischen Anwendungsgebiete
Innerlich zur Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, zur vorbeugenden Behandlung von Harnsteinen und Nierengrieß sowie bei rheumatischen Beschwerden. So führt es die Veterinärphytotherapie (Brendieck-Worm/Melzig).
Volksheilkundlich kommt die äußerliche Wundanwendung hinzu – die ältere der beiden Traditionen, und die, aus der der Name „Wundkraut“ stammt.
Was über die Wirkung der Goldrute bekannt ist
Als Wirkungen nennt dieselbe Quelle vier: diuretisch, antiphlogistisch, spasmolytisch und antimikrobiell – also wassertreibend, entzündungshemmend, krampflösend und keimhemmend. Das sind pharmakologische Beschreibungen für Arzneizubereitungen beim Menschen. Für ein Ergänzungsfuttermittel leiten wir daraus keine Aussage ab – wir nennen sie, weil sie in der Quelle stehen, und das ist der Unterschied zwischen Berichten und Versprechen.
Beim Pferd ist die Studienlage schmal, wie bei den meisten Arzneipflanzen: Was vorliegt, sind Übertragungen aus der Humanmedizin und Erfahrungsberichte. Die vier Wirkungsangaben erklären aber, warum bei dieser Pflanze mehrere Anwendungsgebiete nebeneinanderstehen – die wassertreibende Seite führt zu den Harnwegen, die entzündungshemmende zu den rheumatischen Beschwerden (was Belege in der Phytotherapie bedeuten).
Zwei Einträge, die beim Pferd nicht gelten
Die Liste nennt zusätzlich Gicht und Prostataerkrankungen. Beides sind humanmedizinische Angaben, und wir übertragen sie nicht: Gicht im menschlichen Sinn kommt beim Pferd nicht vor, und Prostatabeschwerden spielen in der Pferdepraxis keine Rolle. Wir nennen sie, damit die Herkunft der übrigen Angaben einzuordnen ist – dieselbe Monographie, verschiedene Tierarten.
Und was zusätzlich aus der Volksheilkunde kommt
Innerlich bei Verdauungsstörungen wie kolikartigen Schmerzen, Blähungen und Übelkeit; äußerlich als Wundmittel. Das ist Überlieferung, nicht bewertete Indikation. Und beim ersten Punkt gehen Überlieferung und heutige Praxis ausdrücklich auseinander: Kolikartige Schmerzen sind beim Pferd ein Notfall und kein Anwendungsgebiet (Kotwasser beim Pferd).
Zwei Anwendungsgebiete, drei Mischungen
Die Goldrute steht bei uns dreimal, und es wäre zu einfach, das mit „Ausscheidung“ zu begründen. Die beiden Einträge der Monographie erklären es genauer.
Der erste Eintrag: die Harnwege
Das ist die Seite, für die die Goldrute bekannt ist, und sie ist der Grund für ihren Platz in der Stoffwechselmischung. Leber und Niere sind die beiden Organe, über die ausgeschieden wird – die Leberkräuter deckten dort nur eine Hälfte ab (Leberfunktion beim Pferd · Stoffwechsel beim Pferd).
Der zweite Eintrag: rheumatische Beschwerden
Das ist der Grund, der in Gelenk- und Sehnenmischungen trägt – und er steht in der Veterinärphytotherapie (Brendieck-Worm/Melzig), nicht in der Harnwegsmonographie. Getragen wird er von der entzündungshemmenden Wirkungsangabe, und damit ist er keine Hilfskonstruktion. „Rheumatische Beschwerden“ heißt in Alltagssprache: Beschwerden am Bewegungsapparat, die mit Entzündung einhergehen (Arthrose beim Pferd · Sehnen und Bänder). Dass die Goldrute dort steht, beruht also auf einem eigenen Eintrag und nicht nur darauf, dass Abbauprodukte den Körper verlassen müssen.
Warum diese Unterscheidung uns wichtig ist
„Entgiftung“ ist ein Begriff, den wir nicht verwenden. Er klingt nach einer Leistung, die sich messen ließe, und beschreibt in Wirklichkeit etwas, was ein gesunder Körper fortlaufend selbst tut. Wo wir eine Pflanze in eine Mischung stellen, nennen wir den Eintrag, auf dem das beruht – und wo es keinen gibt, sagen wir das (was Belege in der Phytotherapie bedeuten).
Goldrute in LEBERWOHL, GELENKAKTIV und SEHNENSTARK
LEBERWOHL
Sieben Arzneidrogen in Arzneibuchqualität mit Goldrutenkraut – die Nierenseite neben den Leberkräutern (Leberfunktion unterstützen).
GELENKAKTIV
Sieben Bewegungskräuter mit Goldrutenkraut – hier für den zweiten Eintrag, die rheumatischen Beschwerden (Gelenkgesundheit).
SEHNENSTARK
Acht Kräuter für Sehnen und Bänder mit Goldrutenkraut – angelegt für längere Phasen mit eingeschränkter Bewegung (Sehnen stärken).
Viel bringt nicht viel
Die Goldrute steht in fast jeder Nieren- und Blasenmischung am Markt, meist ohne Angabe von Art und Gehalt. Wer drei, vier davon nebeneinander füttert, füttert deshalb nicht vier verschiedene Dinge – sondern großteils dasselbe Kraut aus vier Tüten, und bei der Goldrute oft nicht einmal dieselbe Art.
Eine Mischung, und die richtig – oder man lässt es ganz (mehrere Ergänzungsfutter kombinieren).
Warum die Bundles etwas anderes sind
Im FELLWECHSEL-BUNDLE steht LEBERWOHL neben DARMWOHL, und zwar für die gleichzeitige Gabe. Das Goldrutenkraut kommt dabei nur aus einer der beiden Mischungen – es wird also nicht mehr vom Gleichen gefüttert, sondern an einer zweiten Stelle angesetzt (Fellwechsel beim Pferd).
Goldrute für Pferde: Dosierung und Wasser
Für ein Großpferd werden üblicherweise 20 bis 30 Gramm getrocknetes Goldrutenkraut pro Tag angesetzt, beim Pony 10 bis 20 Gramm, verteilt auf zwei Gaben. Gegeben wird kurweise über mehrere Wochen, danach folgt eine Pause – eine Durchspülung ist kein Dauerzustand.
Wasser ist die Bedingung, nicht die Empfehlung
Die Literatur schreibt ausdrücklich, dass eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr gewährleistet sein muss. Beim Pferd heißt das: freier Zugang zu sauberem Wasser, und im Winter angewärmtes Wasser, weil viele Pferde aus einer eiskalten Tränke deutlich weniger trinken. Wer das nicht sicherstellen kann, füttert diese Pflanze nicht. Dasselbe gilt für die anderen Durchspülungskräuter unseres Sortiments (Brennnessel · Schachtelhalm · Petersilienwurzel).
Zur Akzeptanz beim Pferd
Goldrutenkraut ist leicht bitter, aber keine der schwierigen Pflanzen. Mit der halben Menge beginnen und über etwa eine Woche steigern reicht in der Regel. Versprechen zur Annahme machen wir nicht – das entscheidet das Pferd.
Und warum die Pflanze bei uns nicht einzeln zu haben ist: Die Goldrute hat zwei Anwendungsgebiete und steht deshalb dreimal. Welches gemeint ist, erkennt man an der Nachbarschaft: in LEBERWOHL die Harnwege, in GELENKAKTIV und SEHNENSTARK die rheumatische Seite.
Was bei Goldrute zu beachten ist
Nicht bei Ödemneigung durch Herz- oder Nierenschwäche
Das ist die Gegenanzeige der Monographie, und sie gilt auch dann, wenn die Pflanze nur Bestandteil einer Mischung ist. Wo eine eingeschränkte Herz- oder Nierenfunktion hinter einer Schwellung steht, gehört die Durchspülung nicht dazu – dort entscheidet die Praxis, und zwar nach einer Untersuchung.
Und nicht bei Verdacht auf Steine, die die Harnwege verlegen
Das ist die zweite Gegenanzeige, und sie ist die unbekanntere. Die Goldrute ist zur vorbeugenden Behandlung von Harnsteinen und Nierengrieß bewertet. Steht ein Stein aber schon und verlegt den Abfluss, ist mehr Flüssigkeit von oben genau das Falsche. Beim Pferd gehören Zeichen wie häufiges, erfolgloses Urinieren, Unruhe beim Wasserlassen oder blutiger Harn sofort in die Praxis und nicht in eine Kur.
Angelaufene Beine beim Pferd sind kein Anwendungsgebiet
Das ist der Irrtum, der bei harntreibenden Kräutern am häufigsten vorkommt: Ein Bein, das anläuft, wird mit einer Schwemmkur beantwortet. Dahinter können Herz, Niere, eine Entzündung oder einfach Bewegungsmangel stehen, und die Unterscheidung entscheidet alles Weitere. Erst abklären, dann füttern – nicht umgekehrt.
Korbblütler, tragende Stuten, laufende Medikation
Bei bekannter Empfindlichkeit gegen Korbblütler nicht geben – zur Familie gehören auch Schafgarbe, Ringelblume und Sonnenhut. Bei tragenden Stuten sind wir zurückhaltend, bei laktierenden gilt: nur nach Rücksprache. Und wird ein Pferd dauerhaft behandelt, gehört eine zusätzliche Gabe vorher abgestimmt – bei einer Pflanze, die die Harnmenge erhöht, kann das die Ausscheidung von Arzneimitteln betreffen.
Zum Turniersport – hier besonders
Wir behandeln Kräutermischungen grundsätzlich als dopingrelevant, unabhängig davon, ob ein einzelner Bestandteil namentlich in einer Liste geführt wird: Die ADMR-Liste ist nicht abschließend, und die Abwesenheit eines Namens bedeutet keine Unbedenklichkeit (ADMR-Regeln).
Bei einer Pflanze, die die Harnmenge erhöht, kommt ein zweiter Punkt hinzu: Im Sport stehen wassertreibende Stoffe nicht nur wegen ihrer eigenen Wirkung unter besonderer Beobachtung, sondern weil sie die Nachweisbarkeit anderer Substanzen beeinflussen können. Karenzzeiten können wir nicht angeben; die Prüfung der Bestimmungen obliegt der verantwortlichen Person. Unsere Empfehlung: in der turnierfreien Zeit füttern und rechtzeitig vor der Saison absetzen.
Nicht selbst sammeln
Bei dieser Pflanze ist das Sammeln besonders ungünstig, weil die Doppelgängerin häufiger ist als das Original und am geschnittenen Kraut niemand mehr unterscheiden kann. Dazu kommt die Trocknung, die bei einem blühenden Kraut über Erfolg oder Schimmel entscheidet.
Häufige Fragen zur Goldrute beim Pferd
Wofür wird Goldrute beim Pferd eingesetzt?
Die Literatur nennt zwei Bereiche: innerlich zur Durchspülung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und vorbeugend bei Harnsteinen, sowie bei rheumatischen Beschwerden.
Der zweite Eintrag ist der Grund, warum sie auch in Gelenk- und Sehnenmischungen steht – nicht nur, weil Abbauprodukte ausgeschieden werden müssen. Volksheilkundlich kommen Verdauungsstörungen und die äußerliche Wundanwendung hinzu; das ist Überlieferung und keine bewertete Indikation.
Mein Pferd hat angelaufene Beine – hilft Goldrute?
Das ist die häufigste Frage und die, bei der wir am deutlichsten abraten. Ein Bein, das anläuft, kann von Bewegungsmangel kommen – aber auch von Herz, Niere oder einer Entzündung. Bei Ödemen durch Herz- oder Nierenschwäche ist eine Durchspülung ausdrücklich gegenangezeigt.
Erst abklären, dann entscheiden. Eine Schwemmkur auf gut Glück ersetzt keine Untersuchung und kann im falschen Fall schaden.
Was heißt aquaretisch?
Dass die Harnmenge steigt, ohne dass der Salzhaushalt in gleichem Maß angegriffen wird. Ein Diuretikum im arzneilichen Sinn schwemmt Wasser und Salze aus; die Goldrute erhöht vor allem die Flüssigkeitsmenge, die durch die Harnwege läuft.
Praktisch heißt das: Durchspülen ist nicht Entwässern. Das Ziel ist mehr Flüssigkeit durch die Harnwege, nicht weniger Wasser im Pferd – und deshalb gehört zu dieser Pflanze das Trinken.
Wie viel Wasser muss mein Pferd dabei trinken?
Die Literatur nennt keine Zahl, sondern eine Bedingung: ausreichende Flüssigkeitszufuhr muss gewährleistet sein. Beim Pferd heißt das freier Zugang zu sauberem Wasser – und im Winter angewärmtes Wasser, weil viele Pferde aus einer eiskalten Tränke deutlich weniger trinken.
Wenn Du nicht sicher bist, wie viel Dein Pferd trinkt, ist das der erste Punkt, nicht die Kräuter. Eine Durchspülung ohne Trinken ist keine.
Ist Goldrute dasselbe wie die Goldrute am Bahndamm?
Meist nicht. Was an Bahndämmen, Waldändern und Seeufern massenhaft steht, ist in der Regel die im 19. Jahrhundert eingeschleppte Kanadische Goldrute oder die Riesengoldrute. Verwendet wird die Echte Goldrute, eine heimische Staude.
Das Erkennungszeichen ist eine Lücke: Bei der Echten Goldrute fehlt im Blütenkranz jedes zweite Zungenblütenblatt. Am geschnittenen Kraut sieht man das nicht mehr – deshalb gehört die Artbestimmung zur Prüfung und nicht zum Augenschein.
Ist die Kanadische Goldrute für Pferde giftig?
In den Giftpflanzenlisten für Pferde wird sie nicht geführt. Sie breitet sich auf Brachflächen und an Weiderändern stark aus, und Pferde gehen in der Regel nicht gezielt daran.
Sie ist aber nicht die Pflanze, die arzneilich verwendet wird, und zu einer Verfütterung sagen wir nichts: Verwendet wird die Echte Goldrute, und der Unterschied ist am geschnittenen Kraut nicht mehr zu erkennen. Was auf der Weide steht und sich nicht sicher bestimmen lässt, gehört geprüft, bevor es im Pferd landet.
Welche Wirkung hat Goldrute beim Pferd?
Was die Goldrute beim Pferd bewirkt, lässt sich an vier Wirkungsangaben der Literatur ablesen: diuretisch, antiphlogistisch, spasmolytisch und antimikrobiell – wassertreibend, entzündungshemmend, krampflösend und keimhemmend. Das sind Angaben zu Arzneizubereitungen beim Menschen, und für ein Ergänzungsfuttermittel leiten wir daraus keine Aussage ab.
Was sie erklären, ist die Struktur der Anwendungsgebiete: Die wassertreibende Seite führt zu den Harnwegen, die entzündungshemmende zu den rheumatischen Beschwerden. Beim Pferd ist die Studienlage schmal; was vorliegt, sind Übertragungen und Erfahrungsberichte.
Darf ich Goldrute bei Harnsteinen füttern?
Hier kommt es auf den Unterschied zwischen Vorbeugen und Behandeln an. Bewertet ist die vorbeugende Anwendung bei Harnsteinen und Nierengrieß. Bei Verdacht, dass ein Stein die Harnwege verlegt, ist die Anwendung gegenangezeigt – dann ist mehr Flüssigkeit von oben das Falsche.
Häufiges, erfolgloses Urinieren, Unruhe beim Wasserlassen oder blutiger Harn gehören sofort in die Praxis. Das ist ein Fall für eine Untersuchung, nicht für eine Kur.
Warum steht Goldrute in einer Gelenkmischung?
Weil die Literatur sie bei rheumatischen Beschwerden führt – das ist ein eigener Eintrag und keine Hilfsbegründung. „Rheumatische Beschwerden“ heißt in Alltagssprache: Beschwerden am Bewegungsapparat, die mit Entzündung einhergehen.
Das Wort „Entgiftung“ verwenden wir dabei nicht. Es klingt nach einer messbaren Leistung und beschreibt etwas, das ein gesunder Körper fortlaufend selbst tut. Wo wir eine Pflanze in eine Mischung stellen, nennen wir den Eintrag, auf dem das beruht.
Ist Goldrute für Pferde giftig?
Nein. Das Goldrutenkraut ist eine Arzneidroge mit eigener Arzneibuchmonographie und steht in keiner Giftpflanzenliste für Pferde. Was es gibt, sind Gegenanzeigen, und die sind etwas anderes als Giftigkeit: nicht bei Ödemneigung durch Herz- oder Nierenschwäche, und nicht bei Verdacht auf Steine, die die Harnwege verlegen.
Dazu gehört die Bedingung, die bei dieser Pflanze wichtiger ist als jede Mengenangabe: Eine Durchspülung ohne Trinken ist keine. Ein Pferd, das zu wenig säuft, bekommt kein Goldrutenkraut, und zwar unabhängig von der Dosis.
Darf mein Pferd frische Goldrute fressen?
Verwendet wird getrocknetes blühendes Kraut der Echten Goldrute aus geprüfter Ware – und zur Verfütterung frischer Pflanzen vom Weiderand sagen wir nichts. Der Grund ist die Art: Was dort steht, ist häufig die Kanadische Goldrute oder die Riesengoldrute, und beide sind nicht die arzneilich verwendete Pflanze.
Dazu kommt der Gehalt. Die 2,5 Prozent Flavonoide sind eine Anforderung an geprüfte Ware und keine Eigenschaft, die jede Pflanze mitbringt – sie schwankt mit Standort und Erntezeitpunkt. Am geschnittenen oder frischen Kraut ist die Art nicht mehr sicher zu erkennen, und genau deshalb gehört die Artbestimmung zur Arzneibuchprüfung.
Wie viel Goldrute bekommt ein Pferd am Tag?
Für ein Großpferd werden üblicherweise 20 bis 30 Gramm getrocknetes Goldrutenkraut pro Tag angesetzt, beim Pony 10 bis 20 Gramm, verteilt auf zwei Gaben und mit der halben Menge begonnen. Bei Mischungen gelten die Angaben des jeweiligen Produkts, nicht diese Zahlen.
Wichtiger als die Grammzahl ist zweierlei: Gegeben wird kurweise und nicht dauerhaft – und das Wasser muss dazu frei verfügbar sein, im Winter angewärmt. Ohne das ist die Menge gleichgültig.
Darf ich Goldrute vor einem Turnier füttern?
Davon raten wir ab. Wir behandeln Kräutermischungen grundsätzlich als dopingrelevant, weil die ADMR-Liste nicht abschließend ist. Bei einer Pflanze, die die Harnmenge erhöht, kommt hinzu, dass wassertreibende Stoffe im Sport besonders beobachtet werden – auch deshalb, weil sie die Nachweisbarkeit anderer Substanzen beeinflussen können.
Karenzzeiten können wir nicht angeben. Unsere Empfehlung: in der turnierfreien Zeit füttern und rechtzeitig vor der Saison absetzen; die Prüfung der Bestimmungen liegt bei der verantwortlichen Person.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Monographie Solidaginis virgaureae herba – Stammpflanze Solidago virgaurea L., blühendes Kraut; Artbestimmung und mindestens 2,5 Prozent Flavonoide, berechnet als Hyperosid; Mindestgehalt an Flavonoiden
- Kommission E: Monographie Solidaginis virgaureae herba – Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, vorbeugend bei Harnsteinen und Nierengrieß; Gegenanzeigen Ödeme bei eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme – Anwendungsgebiete, Wirkungsangaben, Gegenanzeigen und der Hinweis zur Flüssigkeitszufuhr
- WALA Heilmittel: Pflanzenlexikon Goldrute – Botanik, Erkennungszeichen im Blütenkranz, Abgrenzung zur Kanadischen Goldrute, Namensgeschichte
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)