Das Stiefmütterchen ist das klassische Hautkraut der europäischen Pflanzenheilkunde – und in Pferdemischungen kommt es trotzdem selten vor. Die Veterinärphytotherapie nennt es innerlich und äußerlich bei Ekzemen, und sie nennt für das Stiefmütterchen keine einzige Gegenanzeige. Beim Einkauf entscheidet ein Wort: cum flore – mit Blüten.
Auf einen Blick
- Die Droge ist das Kraut mit Blüten – Violae herba cum flore, und das hat einen Grund
- Eingesetzt bei leicht seborrhoischer Haut und bei Ekzemen – innerlich und äußerlich
- Keine Gegenanzeigen beschrieben – bei einer Droge, die über eine ganze Saison gegeben wird, zählt das
- Leitstoff sind die Flavonoide, berechnet als Violanthin – und die sitzen vor allem in den Blüten
- In HAUTFEIN als das mengenmäßig tragende Hautkraut und im HAUT & FELL BUNDLE
- Gartenstiefmütterchen sind nicht die Droge – das Wilde Stiefmütterchen ist eine andere Pflanze
- Enthält Salicylverbindungen – dafür gilt im Turniersport ein Schwellenwert
Steckbrief
| Drogenbezeichnung | Violae herba cum flore – blühendes Kraut mit Blüten |
|---|---|
| Familie | Veilchengewächse (Violaceae) |
| Weitere Namen | Dreifaltigkeitsblume, Ackerveilchen, Muttergottesschuh, Mauserkraut |
| Charakteristisch | Flavonoide, Schleimstoffe, Salicylverbindungen |
| Verwendung beim Pferd | Bei leicht seborrhoischer Haut und Ekzemen – innerlich in Hautmischungen, äußerlich als Aufguss |
| Arzneibuchprüfung | Ja – Flavonoide, berechnet als Violanthin |
| Gegenanzeigen | Keine beschrieben |
| Nicht verwechseln | Gartenstiefmütterchen sind eine Züchtung und nicht die Droge |
| Blütezeit | April bis Oktober |
Die Stiefmütterchenpflanze
Das Wilde Stiefmütterchen ist die Urform dessen, was im Frühjahr in jedem Balkonkasten steht – nur viel kleiner: zehn bis dreißig Zentimeter hoch, mit Blüten von kaum Fingernagelgröße in Violett, Gelb und Weiß.
Es blüht von April bis Oktober, und darin liegt die erste Schwierigkeit für den Anbau: Geerntet werden muss das blühende Kraut, und die Pflanze gibt pro Fläche sehr wenig her. Das ist der eine Grund, warum diese Droge in Pferdemischungen so selten steht – nicht ein fachlicher.
Bei Hildegard von Bingen steht es schon
Das Stiefmütterchen gehört zu den Drogen, die seit dem Mittelalter ohne Unterbrechung in Gebrauch sind, und es war von Anfang an der Haut zugeordnet. Das ist eine Tradition von rund neunhundert Jahren, in denen sich die Zuordnung nie verschoben hat – bei Arzneipflanzen ist das eher die Ausnahme als die Regel.
Die Stiefmutter, die Töchter und die Stieftöchter
Die Namensgeschichte sitzt in der Blüte selbst, und man muss nur einmal von unten hineinsehen.
Fünf Blütenblätter und drei Kelchblätter
Das große untere Blütenblatt ist die Stiefmutter – es sitzt breit auf zwei Kelchblättern. Die beiden seitlichen sind die leiblichen Töchter, jede mit einem eigenen Sessel. Und die beiden oberen, kleineren, sind die Stieftöchter – sie müssen sich einen teilen.
Wer die Anordnung einmal gesehen hat, vergisst sie nicht. Die anderen Namen erzählen dieselbe Geschichte anders: Dreifaltigkeitsblume wegen der drei Farben in einer Blüte, Muttergottesschuh wegen der Form – und Mauserkraut, weil es beim Federwechsel der Vögel gegeben wurde. Der Fellwechsel beim Pferd ist derselbe Gedanke mit einem anderen Tier.
Warum beim Stiefmütterchen „mit Blüten“ im Namen steht
Der Drogenname ist hier eine Einkaufsanweisung. Violae herba cum flore – das Kraut mit den Blüten. Das steht nicht dabei, um vollständig zu sein, sondern weil der Leitstoff dort sitzt: Das Arzneibuch prüft die Flavonoide, berechnet als Violanthin, und der Gehalt liegt in den Blüten deutlich höher als im übrigen Kraut.
Deshalb sieht man dem Stiefmütterchen an, was es wert ist
Blühenreiche Ware ist bunt – man erkennt die kleinen violett-gelben Blüten zwischen Blatt und Stengel. Ware, die nach Heu aussieht, wurde entweder zu spät geschnitten oder zu grob verarbeitet, und dann fehlt genau der Teil, auf den es ankommt.
Das Erntefenster ist eng, weil zur Blüte geschnitten werden muss, und die Pflanze ist klein. Deshalb kostet Stiefmütterchenkraut in Arzneibuchqualität ein Vielfaches unspezifizierter Ware (Arzneibuchqualität bei Kräutern).
Und die Gartensorten sind eine andere Pflanze
Was im Handel als Stiefmütterchen verkauft wird, ist eine großblütige Züchtung – nicht das Wilde Stiefmütterchen, auf das sich die Monographien beziehen. Das ist bei dieser Droge die erste Frage an den Lieferanten, und sie ist der Grund, warum wir die Art auf dem Etikett ausschreiben.
Wofür Stiefmütterchen beim Pferd verwendet wird
Als medizinische Anwendung nennt die Veterinärphytotherapie leicht seborrhoische Haut, Ekzeme und Impetigo – und sie nennt sie innerlich und äußerlich.
Das „innerlich“ ist der entscheidende Punkt
Die Humanmonographie der Kommission E bewertet diese Droge für die äußere Anwendung – was bei einem Kraut, das in einem Futtereimer liegt, eine berechtigte Frage aufwirft.
Die Antwort steht in der Veterinärphytotherapie, und sie ist eindeutig: innerlich und äußerlich. Dieselbe Richtung nennen auch ESCOP und der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der EMA, die beide die innere Anwendung führen. Damit hat das Stiefmütterchen etwas, das die meisten Kräuter in Hautmischungen nicht haben: eine Hautindikation für genau den Weg, auf dem es gegeben wird.
Volksheilkundlich reichte die Liste weit
Genannt werden Wunden und Hauterkrankungen aller Art – ausdrücklich Milchschorf, Ekzeme und Juckreiz –, dazu Katarrhe der Atemwege, Keuchhusten, Halsentzündungen und fiebrige Erkrankungen, die Blutreinigung, die Harnausscheidung und das Schwitzen, Rheuma und Gicht.
Das ist Überlieferung und nicht bewertetes Anwendungsgebiet – aber die Liste zeigt, in welchem Rang diese kleine Ackerpflanze in der Hausapotheke stand. Und sie zeigt, dass der Schwerpunkt immer die Haut war: Alles andere kam dazu, die Haut war der Kern.
Warum Stiefmütterchen in HAUTFEIN steht
Weil eine Hautmischung ein Kraut braucht, das die Mischung trägt – und nicht sieben Kräuter, die alle ein bisschen mit der Haut zu tun haben.
Das mengenmäßig tragende Kraut
Das Stiefmütterchen steht in HAUTFEIN an erster Stelle, und es ist die Droge mit der bewerteten Hautindikation. Die anderen sechs stehen daneben und haben eigene Aufgaben: Schachtelhalmkraut für das lösliche Silicium, Brennnesselblätter für die Mineralstoffe, Klettenwurzel, Erdrauchkraut und Petersilienwurzel (Kräuter sinnvoll kombinieren).
Und bewusst ohne immunanregende Kräuter
Die häufigsten Hautprobleme beim Pferd sind allergisch. Das Sommerekzem ist eine Überempfindlichkeit gegen Gnitzenstiche – eine Reaktion, die zu stark ausfällt, nicht eine, die zu schwach ist. Deshalb steht in HAUTFEIN kein Sonnenhut, und deshalb raten wir in der Insektenzeit davon ab, IMMUNSTARK gleichzeitig zu füttern (Sommerekzem beim Pferd).
Stiefmütterchen in HAUTFEIN
HAUTFEIN
Sieben Kräuter für Haut und Fell, geführt von Stiefmütterchenkraut mit Blüten – fünf davon nach Europäischem Arzneibuch geprüft, chargenweise.
HAUT & FELL BUNDLE
HAUTFEIN zusammen mit LEBERWOHL – die Kombination für die Saison, in der Haut und Stoffwechsel gleichzeitig gefordert sind (Leber und Haut).
Warum das Bundle bei der Haut Sinn ergibt
Nicht, weil die Haut entgiftet – das tut sie nicht, dafür sind Leber und Nieren da. Sondern weil beides Zeit braucht und in denselben Monaten fällt: Die Oberhaut erneuert sich fortlaufend, das Haarkleid wird zweimal im Jahr umgebaut, und der Fellwechsel ist die Phase, in der sich beides überschneidet (Fellwechsel beim Pferd).
Stiefmütterchen für Pferde: Dosierung und Dauer
Zur Dosierung: Für ein Großpferd werden üblicherweise 20 bis 30 Gramm getrocknetes Stiefmütterchenkraut pro Tag angesetzt, bei Ponys entsprechend weniger. Begonnen wird mit der halben Menge. Bei Mischungen gelten die Angaben des jeweiligen Produkts, nicht diese Zahlen.
Bei der Haut rechnet man in Monaten
Angelegt sind acht bis zwölf Wochen, bei saisonalen Themen die ganze Saison – begonnen vor der Insektenzeit und nicht erst, wenn die Mähne schon offen ist. Wer nach drei Wochen abbricht, hat nichts getestet: Die Oberhaut erneuert sich fortlaufend, aber nicht schnell, und das Haarkleid wird nur zweimal im Jahr umgebaut.
Äußerlich als Aufguss
Das ist die zweite Anwendung, und sie ist genauso alt wie die innere: zwei Esslöffel Kraut mit einem halben Liter kochendem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen, abkühlen und damit gereizte Stellen waschen. Frisch ansetzen, nicht aufbewahren – ein Aufguss ohne Konservierung ist nach einem Tag etwas anderes als am Anfang.
Zur Akzeptanz
Stiefmütterchenkraut schmeckt mild und wird von den meisten Pferden ohne Umstände genommen. Die Schleimstoffe machen es weich, wenn das Futter angefeuchtet wird – was ohnehin zu empfehlen ist.
Was bei Stiefmütterchen zu beachten ist
Gegenanzeigen sind für das Stiefmütterchen nicht beschrieben
Das ist bei Hautdrogen bemerkenswert und steht so in der Veterinärphytotherapie: keine Gegenanzeige. Bei einer Droge, die über eine ganze Saison gefüttert wird, ist das ein Argument – und es ist der Grund, warum diese Mischung ohne Einschränkungsliste auskommt. Bei tragenden und laktierenden Stuten bleiben wir trotzdem bei der Rücksprache, weil für die Trächtigkeit zu kaum einer Droge Daten vorliegen.
Die Salicylverbindungen im Turniersport
Das Stiefmütterchen enthält Salicylverbindungen, und für Salicylsäure gilt im Turniersport ein Schwellenwert – gemessen wird der Wert in der Probe, nicht der Absetzzeitpunkt. Unsere Empfehlung für startende Pferde: in der turnierfreien Zeit füttern. Kräutermischungen behandeln wir ohnehin grundsätzlich als dopingrelevant; die Prüfung der Bestimmungen obliegt nach Regelwerk ausschließlich der verantwortlichen Person (ADMR beim Pferd).
Und eine Hautveränderung gehört zuerst eingeordnet
Die Ursachen sind verschieden und die Behandlungen teils gegensätzlich – Räude und Milben brauchen eine gezielte Behandlung, Pilz eine andere, Mauke eine dritte. Aufgeriebene, nässende oder verkrustete Stellen gehören angesehen, bevor etwas angewendet wird (Hautprobleme einordnen · Milben und Räude · Mauke beim Pferd).
Häufige Fragen zum Stiefmütterchen beim Pferd
Wofür wird Stiefmütterchenkraut beim Pferd verwendet?
Für die Haut. Die Veterinärphytotherapie nennt leicht seborrhoische Haut, Ekzeme und Impetigo – innerlich und äußerlich. Damit ist es eines der wenigen Kräuter in Hautmischungen, deren Anwendungsgebiet genau dort liegt, wo die Mischung hinwill.
Volksheilkundlich wurde es darüber hinaus breit genutzt, bei Wunden, Milchschorf und Juckreiz, aber auch bei Atemwegsthemen.
Warum mit Blüten – reicht das Kraut nicht?
Nein, und der Drogenname sagt es ausdrücklich: Violae herba cum flore. Das Arzneibuch prüft die Flavonoide, berechnet als Violanthin, und der Gehalt liegt in den Blüten deutlich höher als im übrigen Kraut.
Das sieht man der Ware an: blütenreiche Ware ist bunt, Ware ohne Blüten sieht nach Heu aus. Wer zu spät schneidet, verliert genau den Teil, auf den es ankommt.
Sind Gartenstiefmütterchen dasselbe?
Nein. Die großblütigen Gartenstiefmütterchen sind eine Züchtung. Die Droge ist das Wilde Stiefmütterchen, Viola tricolor – eine kleine Ackerpflanze mit Blüten von Fingernagelgröße.
Alle Monographien beziehen sich auf diese Art, und deshalb schreiben wir sie auf dem Etikett aus. Eine Angabe ohne Art lässt offen, was in der Packung liegt.
Hilft Stiefmütterchen beim Sommerekzem?
Es ist die Droge mit der bewerteten Hautindikation, und Ekzeme werden dabei ausdrücklich genannt. Was beim Sommerekzem am meisten bewirkt, ist allerdings der Schutz vor den Gnitzen selbst – Decke, Stallzeiten zur Dämmerung, Weidemanagement.
Eine Fütterung begleitet das und ersetzt es nicht, und sie wird vor der Insektenzeit begonnen, nicht mitten darin (Sommerekzem beim Pferd).
Gibt es Gegenanzeigen?
In der Veterinärphytotherapie sind für diese Droge keine Gegenanzeigen beschrieben. Das ist bei einem Kraut, das über Monate gefüttert wird, keine Nebensache.
Zwei Punkte bleiben trotzdem: Bei tragenden und laktierenden Stuten raten wir zur Rücksprache, und die Salicylverbindungen sind im Turniersport relevant.
Kann ich damit gereizte Stellen waschen?
Ja, das ist die alte äußere Anwendung. Zwei Esslöffel Kraut mit einem halben Liter kochendem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen, abkühlen. Frisch ansetzen und nicht aufbewahren.
Nässende, verkrustete oder aufgeriebene Stellen gehören zuerst angesehen – dahinter können Milben, Pilz oder Mauke stecken, und die brauchen etwas anderes.
Wie lange muss ich füttern, bis sich etwas zeigt?
Bei der Haut rechnet man in Monaten, nicht in Wochen. Angelegt sind acht bis zwölf Wochen, bei saisonalen Themen die Saison. Wer nach drei Wochen abbricht, hat nichts getestet.
Der Grund liegt im Gewebe: Die Oberhaut erneuert sich fortlaufend, aber langsam, und das Haarkleid wird nur zweimal im Jahr umgebaut.
Warum steht Stiefmütterchen so selten in Pferdemischungen?
Weil die Ware teuer ist. Geerntet werden muss das blühende Kraut, das Fenster ist eng, und die Pflanze ist klein – Arzneibuchqualität kostet hier ein Vielfaches unspezifizierter Ware.
Das ist der ganze Grund, und es ist kein fachlicher: Es ist das klassische Hautkraut der europäischen Pflanzenheilkunde, in Gebrauch seit dem Mittelalter.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Brendieck-Worm, C. & Melzig, M. F. (2021): Phytotherapie in der Tiermedizin. 2. Auflage. Stuttgart: Thieme – Anwendungsgebiete innerlich und äußerlich; keine Gegenanzeigen beschrieben
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Monographie Violae herba cum flore – Prüfung auf Flavonoide, berechnet als Violanthin
- Kommission E des Bundesgesundheitsamtes (1986): Monographie Violae tricoloris herba – äußerliche Anwendung
- ESCOP (2016): Monograph Violae herba cum flore
- HMPC/EMA: Monograph Viola tricolor L., herba cum flore
- Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
- Deutsche Reiterliche Vereinigung: Allgemeine Bestimmungen zu Doping und Medikation (ADMR)