Strahlfäule gilt als Hygieneproblem – und ist häufig eines. Bei Pferden, bei denen sie immer wiederkommt, liegt die Ursache aber meist nicht im Mist, sondern in der Form des Hufs. Das erklärt, warum bei manchen Pferden alles Putzen nichts nützt.
Auf einen Blick
- Der Geruch ist das sicherste Zeichen – unverwechselbar und früh da
- Eine tiefe, spaltförmige Strahlfurche ist ein Formproblem, kein Schmutzproblem
- Sauerstoff ist das Behandlungsprinzip – deshalb kein Fett und kein Teer
- Strahlfäule und Hufkrebs sind verschiedene Dinge, die oft verwechselt werden
- Zink und Kupfer bauen das Horn – aber keine Fütterung behandelt den akuten Befall
Was dabei passiert
Eine Zersetzung unter Luftabschluss
Im Strahlhorn siedeln sich Keime an, die ohne Sauerstoff leben – es handelt sich um eine Mischbesiedlung, in der verschiedene Bakterien zusammenwirken; am bekanntesten ist Fusobacterium necrophorum. Sie zersetzen das Horn, und dabei entsteht die schwarze, schmierige Masse mit dem typischen Geruch.
Diese Keime sind überall, auch im Kot gesunder Pferde. Die Frage ist nie, ob sie da sind, sondern ob sie Bedingungen vorfinden: feucht, warm, ohne Luft. Genau deshalb ist Sauerstoff das Behandlungsprinzip – und nicht das Abtöten.
Warum der Strahl betroffen ist und nicht die Sohle
Strahlhorn ist weicher und elastischer als Sohlenhorn – es muss nachgeben können, weil es bei jedem Schritt zusammengedrückt wird. Dieselbe Eigenschaft macht es angreifbar. Dazu kommen die Furchen: enge, tiefe Spalten, in denen sich Feuchtigkeit und Schmutz halten.
Erkennen
Der Geruch
Unverwechselbar und das früheste Zeichen. Wer beim Auskratzen etwas riecht, braucht nicht weiterzusuchen.
Die schwarze Masse
Schmierig, feucht, lässt sich herauskratzen. Dahinter kommt oft eine tiefere Tasche zum Vorschein, als man erwartet.
Der Daumentest
In eine gesunde mittlere Strahlfurche passt der Daumen flach hinein. Ist sie ein enger Spalt, in den nur eine Sonde geht, stimmt etwas nicht – unabhängig vom Geruch.
Und das Verhalten
Empfindlichkeit beim Auskratzen, Wegziehen des Hufs – und in fortgeschrittenen Fällen Lahmheit, besonders auf hartem Boden.
Welche Hufe betroffen sind
Häufiger die Hinterhufe – sie stehen regelmäßiger im Kot. Und häufiger Pferde mit engen Trachten, aus einem Grund, der im nächsten Abschnitt steht.
Der übersehene Faktor: die Hufform
Warum es bei manchen Pferden immer wiederkommt
Eine tiefe, spaltförmige mittlere Strahlfurche entsteht nicht durch Schmutz. Sie entsteht, wenn die Trachten zusammenstehen und der Strahl zwischen ihnen eingeengt wird – dann faltet er sich in der Mitte zu einem engen Kanal. In einem solchen Kanal herrschen genau die Bedingungen, die die Fäulniskeime brauchen: feucht, warm, luftdicht.
Daraus folgt: Bei einem Pferd mit wiederkehrender Strahlfäule ist die Frage nicht, ob genug geputzt wird, sondern warum der Strahl so aussieht. Diese Frage gehört an die Hufbearbeitung – und sie ist der einzige Weg, aus dem Kreislauf herauszukommen.
Und der Kreislauf schließt sich
Ein schmerzender Strahl wird entlastet. Ein Pferd, das die Trachten schont, belastet den Strahl noch weniger – und ein Strahl ohne Belastung wird schmaler. Deshalb ist Bewegung Teil der Behandlung, nicht nur Vorbeugung.
Woher es kommt
| Bereich | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Nässe | Matschige Ausläufe, feuchte Einstreu, Matratzenhaltung – das Horn weicht auf |
| Hygiene | Selten ausgemistet, selten ausgekratzt – Schmutz schließt die Furchen luftdicht ab |
| Hufform | Enge Trachten, eingeengter Strahl, spaltförmige Furche – der häufigste Grund für Wiederkehr |
| Bewegung | Wenig Belastung bedeutet wenig Hufmechanismus und einen schwächeren Strahl |
| Hornqualität | Rissiges, weiches Horn bietet Angriffsflächen – hier spielt die Ration mit hinein |
Die Behandlung
Der Ablauf
- Schritt: Gründlich auskratzen, auch die Taschen – und das täglich, nicht einmal die Woche
- Schritt: Loses, zersetztes Horn entfernen lassen – das gehört in die Hände der Hufbearbeitung, damit Luft an die Stelle kommt
- Schritt: Ein geeignetes Mittel einbringen, nach Empfehlung von Praxis oder Hufbearbeiter; bei tiefen Taschen mit getränkter Einlage
- Schritt: Trocken halten – saubere Einstreu, Matschzonen meiden
- Schritt: Bewegen, weil der Strahl Belastung braucht
- Schritt: Die Hufform klären lassen, wenn es nicht das erste Mal ist
Wann es in die Praxis gehört
- Lahmheit oder deutliche Schmerzreaktion
- Freiliegende Lederhaut – rosa oder rotes Gewebe
- Wucherndes Gewebe am Strahl
- Keine Besserung nach ein bis zwei Wochen konsequenter Behandlung
- Immer wiederkehrender Befall trotz guter Haltung
Häufige Fehler
Alles, was abdichtet
Huföl, Huffett und Hufteer versiegeln die Oberfläche – und schaffen damit genau die Bedingungen, unter denen die Keime am besten gedeihen. Bei Strahlfäule gehört nichts Fettendes an den Huf. Dasselbe gilt für dicke Verbände, die länger als nötig draufbleiben.
Und alles, was ätzt
Scharfe Hausmittel – konzentrierte Desinfektionsmittel, Wasserstoffperoxid, unverdünnte ätherische Öle – schädigen auch das gesunde Gewebe, das gerade nachwachsen soll. Was verwendet wird, empfiehlt die tierärztliche Praxis oder die Hufbearbeitung, abgestimmt auf den Befund.
Abgrenzung zum Hufkrebs
Zwei verschiedene Erkrankungen am selben Ort
Strahlfäule zersetzt Horn – es entsteht eine schwarze, schmierige Masse, und es wird weniger Gewebe. Beim Hufkrebs ist es umgekehrt: Dort wächst Gewebe wuchernd nach, blumenkohlartig, hell und feucht. Mit Krebs hat das trotz des Namens nichts zu tun; es handelt sich um eine Verhornungsstörung (Hufkrebs beim Pferd).
Dass das eine zwangsläufig aus dem anderen entsteht, ist nicht belegt. Beide können nebeneinander bestehen und werden deshalb häufig verwechselt – behandelt werden sie aber völlig verschieden. Wucherndes Gewebe gehört angesehen und nicht weiter mit Strahlfäulemitteln behandelt.
Was von innen zählt
Klar gesagt
Keine Fütterung behandelt einen akuten Befall. Strahlfäule wird am Huf behandelt – durch Reinigen, Freilegen, Trockenhalten und Bewegen. Wer darauf wartet, dass ein Pulver die Sache erledigt, verliert Wochen.
Wo die Ration trotzdem hineinspielt
Horn ist ein Eiweißgewebe mit hohem Umsatz. Was dabei knapp wird, zeigt sich dort: Zink und Kupfer sind für die Hornbildung zentral, und ein Mangel äußert sich unter anderem in schlechter Hornqualität. Bei einem Pferd mit wiederkehrenden Hufproblemen lohnt deshalb die Rationsberechnung – nicht das nächste Ergänzungsmittel (Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen).
Und bei einem älteren Pferd mit schlechtem Horn gehört an eine Stoffwechselerkrankung gedacht – PPID verändert Hornqualität und Infektanfälligkeit (EMS und Cushing). Begleitend kommen bei dauerhaft schlechter Hornqualität Leberdrogen der Phytotherapie in Betracht (LEBERWOHL).
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Strahlfäule?
Am Geruch – er ist unverwechselbar und das früheste Zeichen. Dazu eine schwarze, schmierige Masse in den Strahlfurchen und Horn, das sich ablösen lässt.
Ein guter Test: In eine gesunde mittlere Strahlfurche passt der Daumen flach hinein. Ist sie ein enger Spalt, stimmt etwas nicht.
Warum kommt sie bei meinem Pferd immer wieder?
Meist liegt es nicht am Putzen, sondern an der Hufform: Stehen die Trachten eng zusammen, wird der Strahl eingeengt und faltet sich in der Mitte zu einem engen Kanal – feucht, warm und luftdicht.
Dann ist die Frage nicht, ob genug geputzt wird, sondern warum der Strahl so aussieht. Das gehört an die Hufbearbeitung.
Hilft Huffett oder Hufteer?
Nein – es verschlimmert. Die beteiligten Keime leben ohne Sauerstoff; fettende Mittel versiegeln die Oberfläche und schaffen genau diese Bedingungen.
Bei Strahlfäule gehört nichts Fettendes an den Huf, und dicke Verbände bleiben nicht länger drauf als nötig.
Welche Hausmittel kann ich nehmen?
Von scharfen Mitteln ist abzuraten – konzentrierte Desinfektionsmittel, Wasserstoffperoxid oder unverdünnte ätherische Öle schädigen auch das Gewebe, das nachwachsen soll.
Was wirklich hilft, kostet nichts: täglich auskratzen, trocken halten, bewegen – und das lose Horn fachgerecht entfernen lassen. Welches Mittel dazukommt, empfiehlt die Praxis oder die Hufbearbeitung.
Kann ich mein Pferd damit reiten?
Solange es nicht schmerzt: ja – und Bewegung gehört sogar zur Behandlung, weil der Strahl Belastung braucht, um sich zu entwickeln.
Bei Lahmheit oder deutlicher Empfindlichkeit wird nicht gearbeitet, sondern abgeklärt.
Wird aus Strahlfäule Hufkrebs?
Das ist nicht belegt. Es handelt sich um zwei verschiedene Erkrankungen am selben Ort: Strahlfäule zersetzt Horn, beim Hufkrebs wächst Gewebe wuchernd nach.
Beide können nebeneinander bestehen und werden deshalb verwechselt. Wucherndes Gewebe gehört angesehen und nicht weiter mit Strahlfäulemitteln behandelt.
Ist es ansteckend?
Nicht im eigentlichen Sinn. Die beteiligten Keime sind überall, auch im Kot gesunder Pferde – die Frage ist nicht, ob sie da sind, sondern ob sie Bedingungen vorfinden.
Wenn mehrere Pferde eines Betriebs betroffen sind, liegt das an den gemeinsamen Bedingungen, nicht an Übertragung.
Hilft eine bestimmte Fütterung?
Gegen den akuten Befall nicht. Strahlfäule wird am Huf behandelt – reinigen, freilegen, trocken halten, bewegen.
Bei wiederkehrenden Hufproblemen lohnt der Blick auf die Ration: Zink und Kupfer sind für die Hornbildung zentral. Und bei einem älteren Pferd mit schlechtem Horn gehört an PPID gedacht.
Aus unserem Sortiment
Zur Einordnung: Keine dieser Mischungen behandelt einen akuten Befall – der wird am Huf behandelt. Sie gehören zu der Baustelle daneben, und erst, wenn Hufform, Haltung und Ration geprüft sind.
LEBERWOHL
Leberdrogen der Phytotherapie – für Pferde mit dauerhaft schlechter Hornqualität, bei denen die Ration bereits durchgerechnet wurde. Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan; in der traditionellen Phytotherapie wird ihre Unterstützung bei Haut- und Hornthemen begleitend eingesetzt.
HAUTFEIN
Hautdrogen in Arzneibuchqualität – für die Zeit, in der sich Haut und Horn erholen sollen.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Stashak, T. S.: Adams' Lameness in Horses. Lippincott Williams & Wilkins
- O'Grady, S. E. & Redding, W. R.: Arbeiten zu Erkrankungen des Hufes und zur Hufbearbeitung, Veterinary Clinics of North America: Equine Practice
- Pollitt, C. C.: Arbeiten zu Anatomie und Physiologie der Hufkapsel
- Knottenbelt, D. C.: Pascoe's Principles and Practice of Equine Dermatology
- Gesellschaft für Ernährungsphysiologie: Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden