Was die Zahlen im Blutbild wirklich bedeuten – und wann du handeln solltest
Was bedeuten erhöhte Leberwerte beim Pferd? Die wichtigsten Leberwerte sind GGT (leberspezifisch, zeigt chronische Belastung), GLDH (leberspezifisch, zeigt akute Schäden) und AST (nur aussagekräftig zusammen mit CK!). Eine 2-3fache Erhöhung gilt als geringgradig, ab 5-10fach wird es ernst. Wichtig: Die Leber zeigt erst bei 70-80% Schädigung deutliche Symptome – erhöhte Blutwerte sind oft das erste Warnsignal!
Das Wichtigste auf einen Blick
- GGT (Gamma GT): Leberspezifisch, steigt langsam → ideal für Verlaufskontrollen
- GLDH: Leberspezifisch, steigt schnell → zeigt akute Schäden
- AST: Nicht leberspezifisch! → Immer mit CK vergleichen
- Gallensäuren: Hochsensibel, zeigt Probleme früh → wird selten gemessen
- Bilirubin: Beim Pferd auch bei Hungern erhöht (Inanitionsikterus)
Goldene Regel: Bei gleichzeitig erhöhten GGT, GLDH und AST (2-3fach) → Ursachenforschung mit dem Tierarzt!
1. Die Leber: Multitalent im Pferdekörper
Die Leber ist das größte innere Organ deines Pferdes – und gleichzeitig das am meisten unterschätzte. Mit einem Gewicht von 5-10 kg (bei 500 kg Pferd) leistet sie täglich Schwerstarbeit:
Stoffwechsel & Synthese
- Produktion von Plasmaproteinen (Albumin, Gerinnungsfaktoren)
- Speicherung von Glykogen (Energiereserve)
- Galleproduktion für Fettverdauung
- Cholesterinsynthese
Entgiftung & Abbau
- Abbau von Ammoniak zu Harnstoff
- Entgiftung von Medikamenten
- Abbau von Hormonen
- Ausscheidung von Bilirubin
⚠️ Das Problem: Die stille Überlastung
Die Leber hat eine enorme Reservekapazität. Erst wenn 70-80% des Gewebes geschädigt sind, zeigen sich deutliche klinische Symptome! Das bedeutet: Erhöhte Blutwerte können das einzige Frühwarnsignal sein – lange bevor dein Pferd sichtbar krank wirkt.
2. Die wichtigsten Leberwerte im Überblick
Nicht alle "Leberwerte" sind wirklich leberspezifisch. Hier die wichtigsten Parameter und was sie aussagen:
GGT (Gamma-Glutamyltransferase)
Auch: Gamma-GT, γ-GT
✓ LeberspezifischWas ist das? Ein Enzym, das am Transport von Aminosäuren und Glutathion beteiligt ist. Beim Pferd kommt GGT fast ausschließlich in der Leber und den Gallenwegen vor.
Verhalten: Steigt langsam an und sinkt langsam ab → ideal für Verlaufskontrollen!
Erhöht bei:
- Chronischen Lebererkrankungen
- Gallenstau (Cholestase)
- Medikamentenbelastung
- Mykotoxinen im Futter
- Heulage Fütterung (oft leicht erhöht)
Wichtig: Bei chronischen Leberproblemen ist GGT oft der einzige erhöhte Parameter!
GLDH (Glutamatdehydrogenase)
✓ LeberspezifischWas ist das? Ein Enzym, das tief in den Leberzellen (Mitochondrien) sitzt. GLDH wird nur bei Zellzerstörung freigesetzt – nicht bei leichten Schäden.
Verhalten: Steigt schnell an und sinkt schnell ab → zeigt akute Schäden an
Erhöht bei:
- Akuter Leberschädigung
- Vergiftungen (Giftpflanzen, Mykotoxine)
- Plötzlichem Sauerstoffmangel in der Leber
- Aufsteigenden Infekten
Wichtig: GLDH Werte über dem 10-fachen Referenzwert weisen auf eine Hepatitis hin – pflanzliche Hepatotoxine (z.B. Jakobskreuzkraut) als wahrscheinlichste Ursache.
AST (Aspartat-Aminotransferase)
Früher: GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase)
⚠ Nicht leberspezifisch!Was ist das? Ein Enzym, das am Abbau von Eiweißbausteinen beteiligt ist. AST kommt sowohl in der Leber als auch in der Muskulatur, dem Herzmuskel, den Nieren und der Lunge vor.
Verhalten: Wird bei Zellzerstörung freigesetzt und langsam ins Blut abgegeben
Erhöht bei:
- Leberschäden
- Intensivem Training / Muskelbelastung
- Muskeltrauma, Kreuzverschlag
- Herzmuskelschäden
Wichtig: AST muss immer zusammen mit CK (Creatinkinase) beurteilt werden! Siehe Abschnitt 6.
AP (Alkalische Phosphatase)
Auch: ALP
⚠ Nicht leberspezifisch!Was ist das? Ein Enzym, das Stoffwechselprozesse beschleunigt. AP kommt in fast allen Geweben vor – Leber, Knochen, Darm, Niere.
Erhöht bei:
- Problemen im Abtransport von Giftstoffen (Gallenstau)
- Knochenerkrankungen, Knochenregeneration
- Fohlen und Jungpferde (Wachstum!)
- Anämie
Wichtig: Bei jungen Pferden kann AP physiologisch erhöht sein – kein Grund zur Sorge!
Bilirubin
○ LeberbezogenWas ist das? Ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Die Leber verarbeitet Bilirubin und scheidet es über die Galle aus.
Formen:
- Indirektes Bilirubin: Noch nicht von der Leber verarbeitet
- Direktes Bilirubin: Bereits in der Leber konjugiert
- Gesamt Bilirubin: Meist bestimmt, aber geringere Aussagekraft
Erhöht bei:
- Lebererkrankungen (beide Formen)
- Gallenstau (besonders direktes Bilirubin)
- Hämolyse (Blutverlust, Anämie)
- Inanitionsikterus: Beim Pferd steigt Bilirubin auch bei Nahrungsverweigerung/Hungern!
Wichtig: Beim Pferd liegt der Referenzbereich für Bilirubin erheblich höher als bei Hund oder Katze – ein „physiologischer Ikterus" ist normal.
Gallensäuren
✓ Hochsensibel für LeberfunktionWas ist das? Gallensäuren werden in der Leber aus Bilirubin gebildet und sind wichtig für die Fettverdauung im Darm. Eine gesunde Leber resorbiert etwa 90% der Gallensäuren zurück aus dem Blut.
Vorteil: Zeigt Leberfunktionsstörungen bereits 24-48 Stunden nach Beginn an – hochsensibel!
Problem: Wird in den meisten Standardblutprofilen nicht bestimmt, da aufwendiger.
Empfehlung: Bei Verdacht auf Leberprobleme gezielt anfordern – es lohnt sich!
Albumin
○ LeberbezogenWas ist das? Ein Eiweiß, das in der Leber gebildet wird. Albumin bindet Wasser, transportiert fettlösliche Vitamine, Spurenelemente und Hormone und ist wichtig für die Entgiftung.
Erniedrigt bei:
- Chronischen Leberschäden (verminderte Synthese)
- Chronischen Darmproblemen
- Nierenerkrankungen (Proteinverlust)
- Schweren Infekten, Entzündungen
Wichtig: Niedrige Albuminwerte können zu Ödemen (Wassereinlagerungen) führen.
3. Referenzwerte: Die Zahlen verstehen
⚠️ Wichtig: Labore sind nicht vergleichbar!
Jedes Labor verwendet unterschiedliche Messverfahren und Geräte. Die Referenzwerte unterscheiden sich daher von Labor zu Labor. Für Verlaufskontrollen solltest du immer dasselbe Labor nutzen!
| Parameter | Referenzbereich | Einheit | Leberspezifität |
|---|---|---|---|
| GGT | 10 – 30 | U/l | ✓ Hoch |
| GLDH | < 8 – 13 | U/l | ✓ Hoch |
| AST | 150 – 350 | U/l | ⚠ Niedrig (auch Muskel!) |
| AP | 100 – 300 | U/l | ⚠ Niedrig (auch Knochen!) |
| Bilirubin gesamt | 17 – 51 | µmol/l | ○ Mittel |
| Gallensäuren | < 20 | µmol/l | ✓ Sehr hoch |
| Albumin | 28 – 37 | g/l | ○ Mittel |
| CK (Muskel!) | 100 – 300 | U/l | — Muskelspezifisch |
Tipp: Das Ergebnis immer im Kontext sehen
Referenzwerte decken statistisch 95% der gesunden Pferde ab. Das heißt: 5% der gesunden Pferde liegen außerhalb – ohne krank zu sein. Leicht erhöhte Werte sind daher kein Grund zur Panik, aber Anlass zur Beobachtung!
Besonderheiten bei bestimmten Rassen
Islandpferde zeigen oft höhere GGT und GLDH Werte als Warmblüter – ohne klinische Symptome. Dies wird auf genetische Unterschiede zurückgeführt.
Fohlen haben in den ersten 3 Lebenswochen physiologisch erhöhte GGT Werte (bis 300 U/l!) – das ist normal und kein Grund zur Sorge.
4. Erhöhungsgrad: Wann wird es ernst?
Nicht jede Erhöhung ist gleich dramatisch. Die Unterscheidung nach Erhöhungsgrad hilft bei der Einschätzung:
| Erhöhungsgrad | Faktor | Bedeutung | Handlung |
|---|---|---|---|
| Geringgradig | 2-3fach | Leichte Belastung, oft reversibel | Beobachten, Ursache suchen |
| Mittelgradig | 5-10fach | Deutliche Leberschädigung | Tierarzt! Ursachenforschung |
| Hochgradig | >10fach | Schwere Schädigung, Hepatitis | Sofort Tierarzt! Intensivdiagnostik |
Alarmzeichen
- GGT, GLDH und AST gemeinsam 2-3fach erhöht → bereits bedenklich
- GGT 6fach über Referenz → massive Leberschädigung zu erwarten
- GLDH >10fach erhöht → Hepatitis wahrscheinlich, pflanzliche Gifte als häufigste Ursache
- Erhöhte Gallensäuren + erhöhte Enzyme → deutlicher Hinweis auf Leberfunktionsstörung
„Das Ausmaß des Anstiegs der Enzymaktivität korreliert dabei nicht unmittelbar mit der Schwere der Erkrankung oder dem Grad der funktionellen Einschränkung."
Das bedeutet: Hohe Werte sind ein Warnsignal, aber die Prognose hängt von der Ursache ab. Und: Leicht erhöhte Werte sollten ernst genommen werden – sie zeigen, dass die Kompensationsfähigkeit der Leber bereits überschritten ist.
5. Ursachen für erhöhte Leberwerte
Die Ursachensuche ist oft „Detektivarbeit", wie es eine Tierärztin formulierte. Hier die häufigsten Auslöser:
Fütterung (häufigste Ursache!)
- Mykotoxine/Schimmelpilze in Heu, Stroh, Getreide
- Giftpflanzen: Jakobskreuzkraut, Herbstzeitlose, Bergahorn
- Heulage/Silage: Biogene Amine durch Fehlgärungen
- Zu viel Kraftfutter: Endotoxine durch verschobene Darmflora
- Hohe Eisengehalte im Grundfutter
Medikamente & Erkrankungen
- Dauermedikation (v.a. Antibiotika, NSAID)
- Wurmkuren
- EMS (Equines Metabolisches Syndrom)
- Cushing (PPID)
- Übergewicht/Fettleber
- Parasiten (Leberegel, Strongyliden)
⚠️ Pyrrolizidinalkaloide: Die unterschätzte Gefahr in Luzerne
In einer Studie wurden Pyrrolizidinalkaloide (PA) in 74% der untersuchten Luzerne-Proben und sogar in 100% der luzernehaltigen Pferdefutter nachgewiesen (Gottschalk et al.). Die Kontamination erfolgt durch Jakobs- und Wasserkreuzkraut, das bei der Ernte mit ins Futter gelangt.
Pferde reagieren besonders empfindlich: Schon geringe Mengen können zu schweren Leberschäden führen. Das Tückische: Die Giftstoffe akkumulieren – die Wirkung zeigt sich oft erst Wochen oder Monate später.
Harmlose Ursachen für erhöhte Werte
Nicht jede Erhöhung bedeutet ein Problem:
- Fohlen: Erhöhte GGT in den ersten 3 Lebenswochen – physiologisch!
- Islandpferde: Oft höhere Werte ohne klinische Symptome
- Nach intensivem Training: AST und CK vorübergehend erhöht
- Heuchargenwechsel oder Anweiden: Kann moderate Erhöhungen verursachen
- Nahrungsverweigerung: Bilirubin steigt (Inanitionsikterus)
6. Der wichtige Unterschied: AST vs. CK
Einer der häufigsten Fehler bei der Interpretation von Leberwerten: AST wird isoliert betrachtet. Dabei ist AST nicht leberspezifisch!
✓ So interpretierst du richtig
AST erhöht + CK normal
→ Hinweis auf Leberschaden
AST erhöht + CK erhöht
→ Hinweis auf Muskelschaden
(Training, Kreuzverschlag, Trauma)
✗ Häufiger Fehler
AST erhöht
→ „Die Leber ist krank!"
Ohne CK Kontrolle ist diese Aussage nicht zulässig!
Praxis Tipp
Wurde dein Pferd vor der Blutabnahme intensiv bewegt? Gab es Transport, Stress oder ungewohnte Belastung? Das kann AST und CK erhöhen – ohne dass die Leber betroffen ist. Im Zweifel: Nach 2-3 Tagen Ruhe erneut kontrollieren.
Die wichtigsten Kombinationen
| Befund | Wahrscheinliche Ursache |
|---|---|
| GGT ↑, GLDH ↑, AST ↑ | Leberschädigung (akut oder chronisch) |
| Nur GGT ↑ | Chronisches Leberproblem oder Gallenstau |
| GLDH stark ↑ (>10x) | Akute Hepatitis, Vergiftung (Giftpflanzen!) |
| AST ↑, CK ↑ | Muskelschaden, nicht Leber |
| AST ↑, CK normal | Leberschaden wahrscheinlich |
| Gallensäuren ↑ | Leberfunktionsstörung (sehr sensitiv!) |
| Bilirubin ↑, Enzyme normal | Inanitionsikterus prüfen (hat Pferd gefressen?) |
7. Symptome bei Leberproblemen
Die Leber zeigt erst spät klinische Symptome – aber wenn sie auftreten, sind sie ernst zu nehmen:
Deutliche Warnsignale
- Gelbfärbung (Ikterus): Schleimhäute, Augen, Haut gelblich
- Apathie/Mattigkeit: Pferd wirkt schlapp, teilnahmslos
- Fressunlust: Trotz normalem Angebot kein Appetit
- Gewichtsverlust: Trotz ausreichend Futter
- Kolik: Kann durch Gallenstau ausgelöst werden
- Kopfpressen: Pferd drückt Kopf gegen Wand (hepatische Enzephalopathie)
- Verhaltensänderungen: Aggression, Desorientiertheit
Die subtilen Zeichen
Viele Pferde mit leicht erhöhten Leberwerten zeigen keine offensichtlichen Symptome. Achte auf: Leistungsabfall, mattes Fell, Empfindlichkeit in der Sattel-/Gurtlage rechts, vermehrtes Gähnen, leicht angelaufene Beine.
8. Wann zum Tierarzt?
Sofort zum Tierarzt
- Gelbfärbung von Schleimhäuten/Augen
- Apathie, Mattigkeit
- Anhaltende Fressunlust
- Kolik
- Verhaltensänderungen (Kopfpressen!)
- GLDH >10fach erhöht
⚠️ Zeitnah abklären
- GGT, GLDH, AST gemeinsam 2-3fach erhöht
- Einzelner Wert >5fach erhöht
- Werte steigen trotz Maßnahmen weiter
- Leistungsabfall ohne andere Ursache
- Gewichtsverlust
Was der Tierarzt machen kann
- Erweitertes Blutbild: Gallensäuren, Albumin, Gerinnungsfaktoren
- Ultraschall: Lebergröße, Leberstruktur, Gallenwege
- Leberbiopsie: Bei unklaren Befunden zur genauen Diagnose
- Kotuntersuchung: Parasiten, Leberegel
- Futtermittelanalyse: Mykotoxine, Schwermetalle
9. Stoffwechselunterstützung vs. Therapie
⚠️ Wichtige Unterscheidung
Stoffwechselunterstützung mit Kräutern kann die Leber bei leichten Belastungen entlasten und die Regeneration fördern. Sie ersetzt aber keine tierärztliche Diagnose und Therapie bei echten Erkrankungen!
Die richtige Reihenfolge
- Ursache finden: Blutbild, Futter prüfen, Umgebung checken
- Ursache beseitigen: Schlechtes Heu raus, Medikamente absetzen, Giftpflanzen entfernen
- Regeneration unterstützen: Erst jetzt machen Kräuter Sinn!
- Kontrollieren: Nach 4-6 Wochen erneut Blutbild
Die Leber hat ein enormes Regenerationspotenzial. Aber: Ohne Beseitigung der Ursache kann auch die beste „Leberkur" nicht wirken. Wenn schimmeliges Heu oder Jakobskreuzkraut der Auslöser ist, hilft keine Mariendistel der Welt – solange das Problem weiterbesteht.
Was bei einer Stoffwechselkur sinnvoll ist
- Qualitativ hochwertiges Grundfutter: Einwandfreies Heu, kein Schimmel, keine Giftpflanzen
- Silage/Heulage meiden: Besonders bei bekannten Leberproblemen
- Kraftfutter reduzieren: Kleine Portionen, gut aufgeschlossen
- Ausreichend Wasser: Für die Entgiftung essentiell
- Unterstützende Kräuter: Mariendistel (Silymarin!), Artischocke, Löwenzahn – aber in hoher Qualität und wirksamer Menge
Mariendistel: Die Königin der Leberkräuter
Silymarin aus der Mariendistel ist wissenschaftlich gut untersucht und nachweislich leberschützend. Aber: Die Dosierung entscheidet! 1,2% Mariendistel Extrakt in einem Produkt mit 25% Kreide ist keine wirksame Therapie.
Achte auf Produkte mit hohem Kräuteranteil (40% und mehr) und Arzneibuchqualität – nicht auf Marketing Versprechen wie „Diät-Ergänzungsfuttermittel".
Was ist Calciumcarbonat (Kreide)?
Calciumcarbonat ist ein mineralischer Zusatzstoff, der in vielen Ergänzungsfuttermitteln als Trägerstoff oder Calcium Quelle eingesetzt wird. Erkennbar an hohen Rohasche Werten (über 15-20%) oder direkt deklariert als „Calciumcarbonat", „Kreide" oder „Futterkalk". Da Pferde über Heu und Gras in der Regel ausreichend Calcium aufnehmen, ist eine zusätzliche Zufuhr selten notwendig. Hohe Calciumcarbonat Anteile reduzieren den Anteil anderer Inhaltsstoffe im Produkt entsprechend.
10. Häufig gestellte Fragen
Was sind die wichtigsten Leberwerte beim Pferd?
Die wichtigsten Leberwerte sind GGT (Gamma-GT), GLDH und AST. GGT und GLDH sind leberspezifisch, während AST auch bei Muskelbelastung steigt (deshalb immer mit CK vergleichen!). Ergänzend werden oft Bilirubin, Gallensäuren und Albumin bestimmt. Gallensäuren sind besonders sensibel und zeigen Probleme früh an, werden aber in Standardprofilen oft nicht gemessen.
Was bedeutet ein erhöhter GGT Wert beim Pferd?
Ein erhöhter GGT Wert (Gamma-GT) deutet auf eine Leberbelastung oder Erkrankung der Gallenwege hin. GGT ist leberspezifisch und steigt langsam an – ideal für Verlaufskontrollen. Bei chronischen Leberproblemen ist GGT oft der einzig erhöhte Parameter. Leicht erhöhte Werte können auch bei übergewichtigen Pferden, EMS, Magengeschwüren oder Heulage-Fütterung auftreten – auch ohne weitere klinische Symptome.
Warum ist AST beim Pferd nicht leberspezifisch?
AST (früher GOT) kommt sowohl in der Leber als auch in der Muskulatur (Skelett- und Herzmuskel), den Nieren und der Lunge vor. Nach intensivem Training, Transport oder Muskelbelastung steigt AST ebenfalls an – ohne dass die Leber betroffen ist. Deshalb muss AST immer zusammen mit CK (Creatinkinase) beurteilt werden: Ist CK normal und AST erhöht, deutet das auf die Leber hin. Sind beide erhöht, ist wahrscheinlich die Muskulatur die Ursache.
Ab wann sind Leberwerte beim Pferd bedenklich?
Eine 2-3fache Erhöhung gilt als geringgradig, 5-10fach als mittelgradig und über 10fach als hochgradig. Bei 2-3facher Erhöhung von GGT, GLDH und AST gemeinsam ist das bereits bedenklich und sollte abgeklärt werden. Wichtig zu wissen: Die Leber zeigt erst bei 70-80% Schädigung deutliche klinische Symptome – erhöhte Werte sollten daher immer ernst genommen werden.
Sind Leberwerte von Labor zu Labor vergleichbar?
Nein! Leberwerte verschiedener Labore sind nicht direkt vergleichbar, da jedes Labor unterschiedliche Messsysteme und Methoden verwendet. Die Referenzbereiche werden vom Labor selbst mit statistischen Verfahren ermittelt. Für aussagekräftige Verlaufskontrollen sollte daher immer dasselbe Labor genutzt werden.
Können erhöhte Leberwerte harmlos sein?
Ja, in einigen Fällen: Fohlen haben in den ersten 3 Lebenswochen physiologisch erhöhte GGT Werte. Islandpferde zeigen oft höhere Werte ohne klinische Symptome. Nach intensivem Training steigen AST und CK vorübergehend. Auch Futterwechsel oder Anweiden kann moderate Erhöhungen verursachen. Und: Bilirubin steigt, wenn Pferde hungern (Inanitionsikterus).
Was ist der Unterschied zwischen direktem und indirektem Bilirubin?
Indirektes Bilirubin entsteht beim Abbau roter Blutkörperchen und wird zur Leber transportiert. Direktes Bilirubin wurde bereits in der Leber verarbeitet (konjugiert). Bei Lebererkrankungen steigt meist beides, bei Gallenstau vor allem das direkte Bilirubin. Beim Pferd ist auch der Inanitionsikterus zu beachten: Bei Nahrungsverweigerung steigt Bilirubin an – ohne Lebererkrankung.
Warum werden Gallensäuren selten bestimmt?
Gallensäuren sind hochsensible Marker für Leberfunktionsstörungen und zeigen Probleme bereits 24-48 Stunden nach Beginn an – früher als andere Parameter. Sie werden jedoch selten im Standardprofil gemessen, da die Bestimmung aufwendiger und teurer ist. Bei Verdacht auf Leberprobleme lohnt sich die zusätzliche Analyse – sprich deinen Tierarzt darauf an.
Kann sich die Leber beim Pferd regenerieren?
Ja! Die Leber hat ein enormes Regenerationspotenzial. Wird die Ursache der Schädigung beseitigt (z.B. schlechtes Futter ausgetauscht, Giftpflanzen entfernt, Medikamente abgesetzt), können sich auch erhöhte Werte wieder normalisieren. Voraussetzung ist, dass die Schädigung nicht zu weit fortgeschritten ist und die Ursache tatsächlich beseitigt wird.
Wann sollte ich mit meinem Pferd zum Tierarzt?
Sofort bei: Gelbfärbung von Schleimhäuten oder Augen, Apathie/Mattigkeit, anhaltender Fressunlust, Kolik, Verhaltensänderungen wie Kopfpressen. Bei Routineblutbildern mit erhöhten Werten: Tierärztliche Ursachenforschung – nicht einfach pauschal „entgiften". Ein Blutbild zeigt Probleme, bevor sie sichtbar werden – das ist deine Chance zur Früherkennung.
Ist eine prophylaktische „Leberkur" sinnvoll?
Eine Stoffwechselunterstützung zum Fellwechsel mit echten Kräutern (Mariendistel, Artischocke, Löwenzahn) in wirksamer Dosierung kann sinnvoll sein – besonders bei Pferden mit Heulage Fütterung oder bekannter Stoffwechselbelastung. Wichtig: Das ersetzt keine Diagnose bei echten Problemen! Bei Verdacht auf Lebererkrankung: Erst Blutbild, dann Ursachenforschung, dann gezielt handeln.
Worauf sollte ich bei „Leberprodukten" achten?
Achte auf: Hohen Kräuteranteil (40% und mehr), Arzneibuchqualität der Kräuter, transparente Deklaration der Inhaltsstoffe. Vorsicht bei: Produkten mit nur 1-2% Mariendistel aber großen Werbeversprechen, hoher Rohasche (viel Kreide/Mineralien), „Diät Ergänzungsfuttermittel für chronische Leberinsuffizienz" als Marketing Versprechen ohne tierärztliche Begleitung.