Kurz gesagt: Die Angaben auf Kräuterverpackungen beantworten unterschiedliche Fragen. Lebensmittel- und Futtermittelqualität beschreiben Rechtsrahmen und regeln die Verkehrsfähigkeit. Bio beschreibt die Anbaumethode. Arzneibuchqualität nach Ph. Eur. ist als einzige eine Prüfspezifikation für den Rohstoff selbst: Sie legt fest, welche Art und welcher Pflanzenteil vorliegen müssen, welche Reinheitsgrenzen gelten und – bei den Drogen, deren Monographie das vorsieht – welchen Mindestgehalt bestimmter Inhaltsstoffe die Ware aufweisen muss.
Auf einen Blick
- Arzneibuchqualität regelt die Beschaffenheit der Ware, nicht den Anbau und nicht die Rezeptur des Endprodukts.
- Ein Mindestgehalt ist nicht bei jeder Droge definiert. Wo die Monographie eine Gehaltsbestimmung vorsieht, ist er in Prozent oder ml/kg festgelegt; wo nicht, greifen Identität, Reinheit und Ersatzkennzahlen wie die Quellungszahl.
- Bio und Ph. Eur. schließen sich nicht aus – sie prüfen verschiedene Dinge und lassen sich kombinieren.
- Für Pyrrolizidinalkaloide gibt es im Futtermittelrecht keinen Grenzwert. Die Rohstoffspezifikation ist deshalb die Stelle, an der dieser Parameter überhaupt geprüft wird.
- „Arzneibuchqualität" ist kein Siegel einer unabhängigen Stelle, sondern eine Einkaufsspezifikation, belegt durch Analysenzertifikate je Charge.
Drei Begriffe, drei verschiedene Fragen
Die Angaben auf Kräuterverpackungen klingen wie Stufen einer Rangfolge. Tatsächlich beantworten sie unterschiedliche Fragen – wer sie als Rangliste liest, vergleicht Äpfel mit Birnen.
| Angabe | Was sie regelt | Geprüft wird | Was offenbleibt |
|---|---|---|---|
| Arzneibuchqualität (Ph. Eur.) | Spezifikation des Rohstoffs | Identität, Reinheit, Trocknungsverlust, je nach Monographie der Gehalt | Die Rezeptur des Endprodukts |
| Lebensmittelqualität | Verkehrsfähigkeit für Menschen | Hygiene, Kontaminanten, Rückstände | Pflanzenteil und Gehalt |
| Futtermittelqualität | Verkehrsfähigkeit als Futter | Kennzeichnung, unerwünschte Stoffe | Pflanzenteil und Gehalt |
| Bio | Anbau und Verarbeitung | Betriebskontrolle durch eine anerkannte Stelle | Botanische Reinheit und Gehalt |
| Ohne Angabe | – | Gesetzliches Minimum | Alles Übrige |
Der Unterschied, auf den es ankommt
Lebensmittel- und Futtermittelrecht definieren Mindestanforderungen an die Verkehrsfähigkeit. Das Arzneibuch definiert dagegen eine Prüfspezifikation für einen bestimmten Rohstoff – es beschreibt, welche Pflanze in welchem Zustand vorliegen muss und wie man das feststellt.
Beides gilt parallel: Kräuter für Pferde unterliegen immer dem Futtermittelrecht, unabhängig davon, nach welcher Spezifikation sie eingekauft wurden.
Arzneibuchqualität nach Ph. Eur. und DAB
Das Europäische Arzneibuch (Pharmacopoea Europaea, Ph. Eur.) ist ein amtliches Regelwerk, herausgegeben von der EDQM beim Europarat. Das Deutsche Arzneibuch (DAB) ergänzt es national um Monographien für Stoffe, die dort nicht enthalten sind. Beide enthalten für einzelne pflanzliche Drogen verbindliche Monographien.
Was eine Monographie festlegt
- Enthalten: Identität: welche Art und welcher Pflanzenteil vorliegen muss, mit makroskopischen, mikroskopischen und chromatographischen Prüfvorschriften
- Enthalten: Reinheit: Grenzwerte für fremde Bestandteile, Asche, Schwermetalle, Pestizidrückstände und mikrobiologische Belastung
- Enthalten: Trocknungsverlust: ein monographiespezifischer Höchstwert für die Restfeuchte
- Enthalten: Gehalt: dort, wo die Monographie es vorsieht, ein Mindestgehalt bestimmter Inhaltsstoffe
- Enthalten: Prüfmethoden: die exakte Vorschrift, wie all das zu bestimmen ist
Eine Präzisierung, die oft fehlt
Arzneibuchqualität bedeutet nicht „frei von" Schwermetallen oder Pestiziden, sondern innerhalb definierter Grenzwerte. Ein Rückstandswert von null ist bei einem Naturprodukt weder erreichbar noch gefordert.
Und eine Einordnung in eigener Sache
„Arzneibuchqualität" ist kein Siegel, das eine unabhängige Stelle vergibt und überwacht. Es ist eine Spezifikation, die der Einkäufer beim Lieferanten festlegt und die durch Analysenzertifikate je Charge belegt wird. Wer damit wirbt, sollte diese Angaben auf Nachfrage nennen können – bei uns wie bei anderen.
Wie ein Mindestgehalt definiert wird
Hier lohnt Genauigkeit, weil die Aussage „garantierter Wirkstoffgehalt" in der Werbung inflationär verwendet wird. Das Arzneibuch arbeitet mit drei verschiedenen Konstruktionen.
1. Monographien mit Gehaltsbestimmung
Wo eine Gehaltsbestimmung vorgesehen ist, wird der Mindestgehalt gegen eine namentlich benannte Substanz oder Substanzgruppe festgelegt, mit vorgeschriebener Methode und bezogen auf die nicht speziell getrocknete Droge. Drei Beispiele:
| Droge | Geforderter Mindestgehalt |
|---|---|
| Thymiankraut (Thymi herba) | mindestens 1,2 % ätherisches Öl sowie mindestens 0,5 % Phenole, berechnet als Thymol |
| Kamillenblüten (Matricariae flos) | mindestens 4 ml/kg blaues ätherisches Öl sowie mindestens 0,25 % Apigenin-7-glucosid |
| Baldrianwurzel (Valerianae radix) | mindestens 0,5 % ätherisches Öl, dazu eine Anforderung an die Sesquiterpensäuren |
2. Monographien mit funktionellen Kennzahlen
Bei manchen Drogen ist nicht ein Stoffgehalt maßgeblich, sondern eine messbare Eigenschaft. Schleimdrogen wie Eibischwurzel werden über die Quellungszahl geregelt, Bitterdrogen über den Bitterwert. Das sind ebenfalls quantitative Anforderungen – nur eben keine Gehaltsangaben.
3. Monographien ohne Gehaltsbestimmung
Und dann gibt es Drogen, für die kein Mindestgehalt festgelegt ist. Dort wird die Qualität über Identität, Reinheitsgrenzen und Trocknungsverlust definiert, häufig ergänzt um die mit Wasser oder Ethanol extrahierbaren Stoffe als Maß für die Substanzdichte. Für diese Drogen gibt es schlicht keinen Mindestgehalt, auf den man sich berufen könnte.
Leitsubstanz oder analytischer Marker?
Auch dort, wo ein Gehalt bestimmt wird, ist die gemessene Substanz nicht in jedem Fall der Träger der Wirkung. Die europäische Systematik unterscheidet zwischen Inhaltsstoffen mit bekannter therapeutischer Aktivität und reinen analytischen Markern, die als Qualitätsindikator dienen, ohne dass ihre Rolle geklärt wäre.
Praktisch heißt das: Ein Mindestgehalt ist eine belastbare Aussage über die Beschaffenheit der Ware. Er ist keine Aussage darüber, was diese Ware bei einem einzelnen Tier bewirkt.
Was daraus für die Kaufentscheidung folgt
Belastbar wird eine Qualitätsaussage, wenn sie drogenbezogen statt pauschal formuliert ist. „Alle Kräuter mit garantiertem Wirkstoffgehalt" ist eine Behauptung. „Thymiankraut nach Ph. Eur. mit mindestens 1,2 % ätherischem Öl" ist eine überprüfbare Angabe – und für die Drogen ohne Gehaltsbestimmung nennt ein sauberer Anbieter eben die Kennzahl, die dort gilt.
Lebensmittelqualität
Kräuter in Lebensmittelqualität sind für den menschlichen Verzehr verkehrsfähig und unterliegen dem Lebensmittelrecht mit seinen Vorgaben zu Hygiene, Kontaminanten und Rückständen. Das ist ein sinnvoller Standard – er sagt aber nichts über Pflanzenteil, Gehalt oder botanische Reinheit im Sinne einer Monographie aus.
Warum die Angabe bei Pferdefutter schief ist
Manche Hersteller werben bei Pferdefutter mit „Lebensmittelqualität". Das klingt nach mehr, ist aber ein Kategorienwechsel: Futtermittel unterliegen dem Futtermittelrecht mit eigenen Anforderungen und teils anderen Grenzwerten für unerwünschte Stoffe. „Für Menschen zugelassen" ist keine Aussage über die Eignung für Pferde – und umgekehrt genauso wenig.
Futtermittelqualität
Futtermittel müssen sicher und verkehrsfähig sein, korrekt gekennzeichnet werden und die Vorgaben zu unerwünschten Stoffen einhalten. Das ist die gesetzliche Grundlage, auf der jedes Kräuterprodukt für Pferde steht – auch unseres.
Was geregelt ist
- Geregelt: Sicherheit und Verkehrsfähigkeit der Ware
- Geregelt: Kennzeichnung nach Verordnung (EG) Nr. 767/2009
- Geregelt: Grenzwerte für unerwünschte Stoffe
- Geregelt: Registrierung oder Zulassung der Betriebe
Was offenbleibt
- Nicht geregelt: Der Pflanzenteil – Blatt, Stängel oder Gemisch
- Nicht geregelt: Der Gehalt an Inhaltsstoffen
- Nicht geregelt: Die Trocknungsqualität
- Nicht geregelt: Ein spezifischer Grenzwert für Pyrrolizidinalkaloide
Ein Kräuterfutter kann also sämtliche gesetzlichen Anforderungen erfüllen und trotzdem überwiegend aus Stängelanteilen bestehen. Das ist kein Vorwurf an das Futtermittelrecht – es regelt Sicherheit, nicht Rohstoffgüte. Wer mehr will, muss es zusätzlich spezifizieren.
Bio – ein häufiges Missverständnis
Bio beschreibt den Anbau
Die Bio-Zertifizierung regelt, wie angebaut und verarbeitet wurde: ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, ohne Gentechnik, mit Kontrolle des Betriebs durch eine anerkannte Stelle. Das ist ein echter, nachprüfbarer Standard.
Was er nicht regelt: welcher Pflanzenteil geerntet wurde, wie sorgfältig getrocknet wurde, welchen Gehalt die Ware aufweist und ob artfremde Beikräuter mitgeerntet wurden.
| Kriterium | Bio | Arzneibuchqualität |
|---|---|---|
| Gegenstand | Anbau und Verarbeitung | Beschaffenheit der Ware |
| Pflanzenschutzmittel | Chemisch-synthetische ausgeschlossen | Grenzwerte für Rückstände definiert |
| Botanische Identität | Nicht Gegenstand der Prüfung | Prüfvorschrift in der Monographie |
| Pflanzenteil | Nicht geregelt | In der Monographie festgelegt |
| Gehaltsbestimmung | Nicht vorgesehen | Je nach Monographie vorgesehen |
| Überwachung | Unabhängige Kontrollstelle | Analysenzertifikat je Charge |
Beide Systeme schließen sich nicht aus. Die Kombination aus Bio-Anbau und Arzneibuchspezifikation ist im Handel allerdings selten und entsprechend teuer. Wer beides sucht, sollte gezielt danach fragen, statt anzunehmen, das eine impliziere das andere.
Woran es bei Ware ohne Spezifikation fehlt
Kräuter ohne Angabe zu Spezifikation und Herkunft sind nicht automatisch schlecht. Man weiß nur nichts über sie – und genau das ist das Problem.
- Offen: Pflanzenteil: Stängelanteile statt Blätter, Kraut statt Wurzel
- Offen: Botanische Identität: Verwechslungsarten sind bei einigen Drogen ein bekanntes Thema
- Offen: Botanische Reinheit: mitgeerntete Beikräuter, im zerkleinerten Zustand nicht mehr erkennbar
- Offen: Rückstände und Schwermetalle: abhängig von Anbaugebiet und Kontrolle
- Offen: Trocknung: zu langsam getrocknete Ware verdirbt, zu heiß getrocknete verliert flüchtige Bestandteile
- Offen: Rückverfolgbarkeit: ohne Chargendokumentation nicht gegeben
Zum Preis als Indikator
Prüfungen kosten Geld, das ist richtig – ein hoher Preis ist deshalb aber noch kein Qualitätsnachweis, und ein niedriger kein Mangelnachweis. Teuer sein kann jeder. Aussagekräftig ist allein, ob eine Spezifikation genannt und belegt wird.
Pyrrolizidinalkaloide – die Zahlen
Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind Pflanzeninhaltsstoffe, die zahlreiche Arten als Fraßschutz bilden – bekannt vor allem Kreuzkraut-Arten, daneben Huflattich, Pestwurz, Beinwell, Natternkopf und Borretsch. Für Pferde sind sie relevant, weil sie in der Leber zu reaktiven Verbindungen umgesetzt werden und die Aufnahme meist unbemerkt über konserviertes Futter erfolgt: Im getrockneten Zustand fehlt der abschreckende Geruch der Pflanze.
Was tatsächlich gemessen wurde
In einer vom Bundesinstitut für Risikobewertung zusammengestellten Übersicht zu PA in Futtermitteln finden sich unter anderem folgende Befunde. Die Prozentzahlen bezeichnen den Anteil positiver Proben, nicht Grenzwertüberschreitungen:
- Heu: 37 Proben, davon rund 3 % positiv
- Gras und Graspellets: 23 Proben, rund 17 % positiv
- Luzerne: 31 Proben, rund 74 % positiv, mit deutlich höheren Gehalten
- Luzernehaltiges Pferdefutter: 6 Proben, alle positiv
Wie diese Zahlen einzuordnen sind
Der Befund ist ernst zu nehmen. Die Unterschiede zwischen Heu und luzernehaltigem Futter sind erheblich, und als Ursache gelten mitgeerntete Beikräuter, nicht die Luzerne selbst.
Zugleich sind die Stichproben klein. Sechs untersuchte Pferdefutter sind keine Marktübersicht, und „positiv" bedeutet nachweisbar, nicht gesundheitsschädlich. Wir halten es für richtiger, das dazuzusagen, als eine Prozentzahl ohne Bezugsgröße als Schlagzeile zu verwenden.
Der rechtliche Stand
Für Lebensmittel gelten seit Juli 2022 EU-weite Höchstgehalte für PA, unter anderem für Tee, Kräutertee und Kräuter; sie finden sich heute in der Kontaminanten-Verordnung (EU) 2023/915. Für Futtermittel existiert bislang kein spezifischer PA-Höchstgehalt. Es gilt die allgemeine Anforderung, dass Futtermittel sicher sein müssen, sowie Vorgaben zu bestimmten unerwünschten Pflanzenbestandteilen.
Das BfR hat in seiner Stellungnahme Nr. 026/2020 die Risikobewertung aktualisiert. PA zeigen in Tierversuchen genotoxische und kanzerogene Eigenschaften, für die sich kein sicherer Schwellenwert ableiten lässt – weshalb der Eintrag so weit wie möglich zu minimieren ist.
Wo die Rohstoffspezifikation greift
Weil das Futtermittelrecht hier keinen Grenzwert setzt, liegt die Verantwortung beim Hersteller. Das Europäische Arzneibuch hat für pflanzliche Drogen eine allgemeine Prüfung auf Pyrrolizidinalkaloide mit zugehörigen Grenzwerten eingeführt. Wer Ware nach Arzneibuchspezifikation bezieht, hat diesen Parameter damit im Prüfumfang – belegt durch das Analysenzertifikat der Charge. Das ist der konkreteste praktische Vorteil der Spezifikation, den wir benennen können.
Qualität erkennen
Woran Du Dich orientieren kannst
- Positiv: Vollständige Deklaration: jede Position mit Prozentangabe
- Positiv: Botanische Präzision: Art und Pflanzenteil sind benannt – Kamillenblüten statt „Kamille"
- Positiv: Genannte Spezifikation: Ph. Eur., DAB oder eine andere nachprüfbare Vorgabe
- Positiv: Analysenzertifikate: Angaben zur Charge auf Nachfrage erhältlich
- Positiv: Herkunft: Anbauland oder Lieferregion wird genannt
- Positiv: Sinnesprüfung: arttypische Farbe, arttypischer Geruch, geringer Stängelanteil
Woran es meist hakt
- Negativ: Kräuter ohne Mengenangabe
- Negativ: Pflanzenteil nicht genannt
- Negativ: Qualitätsversprechen ohne nachprüfbaren Bezug
- Negativ: Selbst entworfene Siegel ohne dahinterstehende Prüfung
- Negativ: Keine Auskunft auf konkrete Rückfragen
Fünf Fragen, die weiterhelfen
- Nach welcher Spezifikation kaufen Sie Ihre Kräuter ein?
- Welcher Pflanzenteil ist enthalten?
- Sieht die Monographie für diese Droge eine Gehaltsbestimmung vor – und wie lautet der Wert?
- Werden die Chargen auf Pyrrolizidinalkaloide geprüft?
- Wie hoch ist der prozentuale Anteil jedes einzelnen Krauts?
Wer diese Fragen konkret beantwortet, hat eine Antwort gegeben. Wer allgemein bleibt, hat ebenfalls eine gegeben.
Warum VOTANA nach Ph. Eur. beschafft
Unsere Spezifikation
Alle Einzelkräuter unserer Produkte werden nach Arzneibuchqualität eingekauft. Das bedeutet konkret:
- Umfasst: Geprüfte Identität: die Art und der Pflanzenteil, die deklariert sind
- Umfasst: Definierte Reinheitsgrenzen für fremde Bestandteile, Schwermetalle und Rückstände
- Umfasst: Pyrrolizidinalkaloide im Prüfumfang – dort, wo das Futtermittelrecht keinen Grenzwert vorgibt
- Umfasst: Gehalt, wo die Monographie ihn vorsieht – nicht jede tut es, und wir behaupten es nicht pauschal
- Umfasst: Chargendokumentation: jede Lieferung mit Analysenzertifikat
Der Grund ist unspektakulär: Ohne Spezifikation ist ein Kräutereinkauf ein Vertrauensgeschäft, und der Kunde am Ende der Kette kann nichts davon nachprüfen. Mit Spezifikation ist definiert, was geliefert wird – und es ist dokumentiert.
Was wir daraus nicht ableiten
Eine Rohstoffspezifikation ist eine Aussage über den Rohstoff. Sie ist keine Aussage darüber, was ein Kräuterprodukt bei einem einzelnen Pferd bewirkt – solche Aussagen sind für Ergänzungsfuttermittel weder zulässig noch wären sie seriös. Was wir zusagen können, betrifft die Beschaffenheit dessen, was in der Dose ist. Alles Weitere entscheidest Du, im Zweifel gemeinsam mit Deiner Tierärztin oder Deinem Tierarzt.
VOTANA Kräuterprodukte
100 % Kräuter, alle Einzelkräuter nach Arzneibuchqualität, jede Position mit Mengenangabe deklariert.
Häufige Fragen zur Kräuterqualität
Was bedeutet Arzneibuchqualität bei Kräutern?
Dass die Ware der Monographie des Europäischen Arzneibuchs für diese Droge entspricht. Die Monographie legt fest, welche Art und welcher Pflanzenteil vorliegen müssen, welche Reinheitsgrenzen gelten, wie hoch der Trocknungsverlust höchstens sein darf und – wo vorgesehen – welchen Mindestgehalt bestimmter Inhaltsstoffe die Ware aufweisen muss. Nachgewiesen wird das über ein Analysenzertifikat je Charge.
Wie wird ein Mindestgehalt im Arzneibuch definiert?
Gegen eine namentlich benannte Substanz oder Substanzgruppe, mit vorgeschriebener Methode und bezogen auf die nicht speziell getrocknete Droge. Thymiankraut muss mindestens 1,2 % ätherisches Öl und mindestens 0,5 % Phenole, berechnet als Thymol, enthalten; Kamillenblüten mindestens 4 ml/kg blaues ätherisches Öl und mindestens 0,25 % Apigenin-7-glucosid; Baldrianwurzel mindestens 0,5 % ätherisches Öl. Bei anderen Drogen tritt an die Stelle des Gehalts eine funktionelle Kennzahl wie die Quellungszahl.
Garantiert Ph. Eur. immer einen Mindestgehalt an Wirkstoffen?
Nein. Nicht jede Monographie für pflanzliche Drogen enthält eine Gehaltsbestimmung. Wo keine vorgesehen ist, wird die Qualität über Identität, Reinheit, Trocknungsverlust und häufig die extrahierbaren Stoffe definiert – einen Mindestgehalt gibt es dort nicht. Hinzu kommt, dass die bestimmte Substanz nicht immer ein Inhaltsstoff mit bekannter therapeutischer Aktivität ist, sondern teils ein rein analytischer Marker. Eine pauschale Zusage „garantierter Wirkstoffgehalt" über alle Kräuter hinweg ist deshalb nicht haltbar.
Ist Bio besser als Arzneibuchqualität?
Die Frage lässt sich so nicht beantworten, weil beide verschiedene Dinge regeln. Bio betrifft den Anbau: keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, Kontrolle durch eine anerkannte Stelle. Arzneibuchqualität betrifft die Beschaffenheit der gelieferten Ware: Identität, Pflanzenteil, Reinheitsgrenzen und je nach Monographie den Gehalt. Ein Bio-Kraut kann botanisch unsauber sein, ein Ph.-Eur.-Kraut konventionell angebaut. Beides zusammen ist möglich, aber selten.
Was sind Pyrrolizidinalkaloide?
Pflanzeninhaltsstoffe, die zahlreiche Arten als Fraßschutz bilden – Kreuzkraut-Arten, Huflattich, Pestwurz, Beinwell, Natternkopf, Borretsch. Sie gelangen meist über mitgeerntete Beikräuter in Futtermittel und sind im zerkleinerten Zustand nicht erkennbar. Sie werden in der Leber zu reaktiven Verbindungen umgesetzt; das BfR leitet aufgrund genotoxischer Eigenschaften keinen sicheren Schwellenwert ab und empfiehlt Minimierung. Für Lebensmittel gelten seit 2022 EU-Höchstgehalte, für Futtermittel bislang nicht.
Stimmt es, dass 43 % der Pferdefutter mit Pyrrolizidinalkaloiden belastet sind?
Diese Zahl kursiert, lässt sich aber keiner Untersuchung zuordnen. Belegt sind andere Werte: In einer vom BfR zusammengestellten Übersicht waren rund 3 % der Heuproben, rund 74 % der Luzerneproben und alle sechs untersuchten luzernehaltigen Pferdefutter PA-positiv. Positiv bedeutet nachweisbar, nicht gesundheitsschädlich, und sechs Proben sind keine Marktübersicht. Wer mit Prozentzahlen argumentiert, sollte die Stichprobengröße dazusagen.
Muss Pferdefutter Lebensmittelqualität haben?
Nein. Futtermittel unterliegen dem Futtermittelrecht mit eigenen Anforderungen. „Lebensmittelqualität" ist bei Pferdefutter weder erforderlich noch ein spezifisches Qualitätsmerkmal – es ist eine Angabe aus einem anderen Rechtsgebiet und sagt nichts über Pflanzenteil, Gehalt oder Eignung für Pferde.
Was ist der Unterschied zwischen Ph. Eur. und DAB?
Das Europäische Arzneibuch (Ph. Eur.) gilt in allen Vertragsstaaten und wird von der EDQM beim Europarat herausgegeben. Das Deutsche Arzneibuch (DAB) ergänzt es national um Monographien für Stoffe, die dort nicht enthalten sind. Die allgemeinen Vorschriften des Europäischen Arzneibuchs gelten auch für DAB-Monographien.
Kann ich ein Analysenzertifikat verlangen?
Fragen kannst Du immer, und ein Hersteller, der nach einer Spezifikation einkauft, kann die Angaben zur Charge nennen. Ein vollständiges Zertifikat enthält allerdings auch Lieferantendaten, weshalb manche Anbieter nur Auszüge herausgeben. Entscheidend ist, dass konkrete Antworten kommen: Spezifikation, Pflanzenteil, geprüfte Parameter. Ausweichende Antworten auf konkrete Fragen sind selbst eine Information.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Europäisches Arzneibuch (Pharmacopoea Europaea, Ph. Eur.), EDQM, Europarat: Monographien zu pflanzlichen Drogen, allgemeine Reinheitsprüfungen sowie Prüfung auf Pyrrolizidinalkaloide
- Deutsches Arzneibuch (DAB), Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Pyrrolizidinalkaloide in Futtermitteln, Vortragsunterlage zum 16. BfR-Forum Verbraucherschutz, Berlin 2015 (Zusammenstellung u. a. nach Mulder et al. 2009, Gottschalk et al. 2015, Huybrechts et al. 2015)
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Stellungnahme Nr. 026/2020, Aktualisierte Risikobewertung zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln
- Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln
- Richtlinie 2002/32/EG über unerwünschte Stoffe in der Tierernährung
- Europäische Arzneimittel-Agentur, Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel: Systematik zu Inhaltsstoffen mit bekannter therapeutischer Aktivität und analytischen Markern