Kurz gesagt: Die meisten saisonalen Probleme beim Pferd folgen wiederkehrenden Mustern – Anweide im Frühjahr, Hitze und Insekten im Sommer, Futterumstellung und Fellwechsel im Herbst, Stallluft und Bewegungsmangel im Winter. Wer diese Muster kennt, kann zwei bis vier Wochen im Voraus handeln. Dieser Kalender zeigt für jede Jahreszeit die typischen Belastungen und die Stellschrauben im Management.
Vorab
Dieser Artikel beschreibt Management und Haltung. Er ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei akuten Symptomen – Kolik, Hufrehe, Atemnot, Lahmheit, Fieber – gehört das Pferd sofort in tierärztliche Behandlung, nicht auf einen Kalender.
Auf einen Blick
- Der Darm braucht bei jedem Futterwechsel zwei bis vier Wochen. Das gilt für die Anweide im Frühjahr genauso wie für die Umstellung auf Heu im Herbst.
- Fellwechsel ist Stoffwechselarbeit – im Frühjahr wie im Herbst. Ein auffällig verzögerter Wechsel ist ein Grund für die tierärztliche Abklärung.
- September und Oktober sind das Diagnosefenster für PPID, weil der ACTH-Spiegel dann natürlicherweise am höchsten ist.
- Im Winter ist Stallluft das Hauptthema, nicht Kälte. Belüftung schlägt Wärme.
- Was dieser Kalender nicht leistet: Er ersetzt keine Diagnose und keine individuelle Rationsberechnung.
Frühling: Fellwechsel und Anweide
Die Baustellen des Frühjahrs
Fellwechsel, Anweide und häufig auch die Entwurmung fallen in denselben Zeitraum. Für den Stoffwechsel ist das die anspruchsvollste Phase des Jahres.
Fellwechsel
Der Fellwechsel wird über die Tageslichtlänge gesteuert und setzt hormonell bereits kurz nach der Wintersonnenwende ein – sichtbar wird er erst Wochen später. Für den Körper bedeutet er erhebliche Stoffwechselarbeit: Haarkeratin besteht überwiegend aus schwefelhaltigen Aminosäuren, entsprechend steigt der Bedarf an Methionin und Cystein sowie an Zink, Kupfer und Biotin.
Unauffälliger Verlauf
- Dauert etwa vier bis sechs Wochen
- Gleichmäßiger Verlust des Winterfells
- Neues Fell liegt an und glänzt
- Allgemeinbefinden unverändert
Grund für eine Abklärung
- Zieht sich über zwei bis drei Monate
- Stumpfes, struppiges Restfell
- Auffällige Mattigkeit, Leistungsabfall
- Bereiche, die gar nicht wechseln
Wann an PPID zu denken ist
Wenn das Winterfell im Mai noch steht oder das Pferd auffällig langes, gewelltes Fell entwickelt, ist ein ACTH-Test angezeigt. PPID – umgangssprachlich Cushing – kommt bei Pferden ab etwa 15 Jahren häufiger vor, als vielen bewusst ist, und der Fellwechsel ist oft das erste auffällige Zeichen.
Anweide
Der Wechsel von Heu auf frisches Weidegras ist der größte Futterwechsel des Jahres. Die Darmflora braucht zwei bis vier Wochen, um sich auf die veränderte Zusammensetzung einzustellen.
Weidegang und Hufrehe – der aktuelle Stand
Lange galt Fruktan als Hauptursache der Weiderehe. Das Bild hat sich verschoben: Nach heutigem Verständnis steht bei der weideassoziierten Hufrehe die Störung des Insulinstoffwechsels im Mittelpunkt. Betroffen sind vor allem Pferde mit Insulindysregulation, EMS oder PPID – nicht jedes Pferd auf jeder Weide.
Wasserlösliche Kohlenhydrate, zu denen Fruktan gehört, spielen dabei weiterhin eine Rolle, weil sie die Insulinantwort beeinflussen. Der praktische Umgang bleibt deshalb derselbe – nur die Begründung ist präziser.
Wann der Zuckergehalt im Gras hoch ist: nach sonnigen Tagen mit kalten Nächten, bei kurzem oder gestresstem Aufwuchs und am Vormittag stärker als am Nachmittag. Praktisch heißt das: eher nachmittags anweiden, nicht auf abgefressene oder frostgeschädigte Flächen, und vorher Heu anbieten.
Beginn der Rossesaison
Stuten zyklisieren saisonal: Mit zunehmender Tageslichtlänge endet der Winteranöstrus, und die Übergangsphase beginnt – oft mit unregelmäßigen, lang gezogenen Rossen, bevor sich der Zyklus im Frühjahr einpendelt. Verhaltensänderungen in dieser Phase haben häufig hier ihre Ursache und nicht im Training. Anhaltende Dauerrosse oder auffällige Schmerzhaftigkeit gehören tierärztlich abgeklärt.
Checkliste Frühjahr
- Anweideplan über zwei bis vier Wochen, täglich in kleinen Schritten steigern
- Vor dem Weidegang Heu füttern
- Fellwechsel beobachten – auffällige Verzögerung tierärztlich abklären
- Mineralversorgung prüfen, insbesondere Zink und Kupfer
- Kotprobe statt pauschaler Wurmkur
- Hufe nach dem Winter kontrollieren – Feuchtigkeit, Strahlgesundheit
- Weide begehen: Giftpflanzen entfernen, Zäune und Tränken prüfen
- Bei Pferden mit EMS, PPID oder Rehe-Vorgeschichte: Weidemanagement mit der Tierärztin abstimmen
Aus unserem Sortiment
Für die Wochen der Anweide führen wir das ANWEIDE-BUNDLE aus MAGENWOHL und DARMWOHL. In die Fellwechselzeit fallen LEBERWOHL und, bei älteren Pferden, SENIORAKTIV. Beginnt die Rossesaison, ist HORMONSTABIL der Anlaufpunkt.
Sommer: Hitze, Insekten, Turniersaison
Äußere Belastungen statt Stoffwechselarbeit
Im Sommer kommen die Belastungen von außen: Wärme und Luftfeuchtigkeit fordern die Thermoregulation, Insekten Haut und Nerven, die Turniersaison bringt Transport und veränderte Routine. Gleichzeitig sind Futter- und Bewegungsangebot gut – bei passendem Management ist der Sommer eine unkomplizierte Jahreszeit.
Wärme und Luftfeuchtigkeit
Pferde regulieren ihre Körpertemperatur überwiegend über Schwitzen. Entscheidend ist deshalb nicht die Temperatur allein, sondern ihr Zusammenspiel mit der Luftfeuchtigkeit: Bei hoher Feuchte verdunstet Schweiß schlechter, und die Kühlung wird ineffizient.
Die Faustformel aus dem Pferdesport
In der Turnier- und Distanzreiterei wird eine einfache Summe verwendet: Temperatur in Grad Fahrenheit plus relative Luftfeuchtigkeit in Prozent. Sie ist nicht identisch mit dem in der Nutztierhaltung gebräuchlichen Temperatur-Feuchte-Index, der anders berechnet wird und in einem anderen Zahlenbereich liegt – die beiden werden häufig verwechselt.
- unter 130: unkritisch
- 130 bis 150: Belastung anpassen, Pausen einplanen
- 150 bis 180: kein intensives Training, Schatten und Wasser sicherstellen
- über 180: Belastung vermeiden
Rechenbeispiel: 30 °C entsprechen 86 °F. Bei 70 % Luftfeuchtigkeit ergibt das 86 + 70 = 156 – also Training deutlich zurücknehmen. Umrechnung: °F = °C × 1,8 + 32.
Insektendruck und Sommerekzem
Das Sommerekzem ist eine Überempfindlichkeitsreaktion auf Bestandteile des Speichels von Gnitzen der Gattung Culicoides. Betroffen sind veranlagte Pferde; die Ausprägung reicht von leichtem Juckreiz bis zu erheblichen Hautschäden durch Scheuern. Die Behandlung gehört in tierärztliche Hand, das Management liegt beim Halter.
Was im Management hilft
- Ekzemerdecke: der wirksamste Einzelbaustein, weil rein physikalisch
- Weidezeiten: Gnitzen fliegen vor allem in der Dämmerung – tagsüber Weide, dämmerungsnah Stall
- Luftbewegung: Gnitzen sind schwache Flieger; ein Ventilator im Stall hält sie fern
- Standort: stehende Gewässer und feuchte Senken sind Brutplätze
- Hautzustand: intakte Haut ist widerstandsfähiger; offene Stellen gehören tierärztlich versorgt
Turniersaison: Magen und Routine
Transport, fremde Umgebung, veränderte Fütterung und lange Fresspausen wirken zusammen. Der Zusammenhang zwischen Haltungs- und Fütterungsfaktoren und dem Equinen Magengeschwürsyndrom ist gut untersucht; in Untersuchungen an Sportpferden werden je nach Population und Disziplin hohe Prävalenzen berichtet.
Praktische Stellschrauben
- Vor dem Transport: Raufutter anbieten – Kauen und Faserfüllung wirken der Säurewirkung entgegen
- Während des Transports: Heunetz zugänglich halten, lange Fresspausen vermeiden
- Am Turnierort: gewohntes Futter mitnehmen, Kraftfutter in kleinen Portionen
- Wasser: eigenen Eimer mitführen, viele Pferde trinken fremdes Wasser zögerlich
- Danach: Ruhe und freier Zugang zu Raufutter
Checkliste Sommer
- Bei Wärme die Summe aus °F und Luftfeuchtigkeit bilden und die Belastung anpassen
- Schatten, Wasser und Luftbewegung sicherstellen
- Ekzemerdecke rechtzeitig vor Beginn der Gnitzensaison bereitlegen
- Weidezeiten an die Insektenaktivität anpassen
- Bei Transport und Turnier: Raufutter vor und während der Fahrt
- Bei starkem Schwitzen an den Elektrolytausgleich denken – Bedarf mit der Tierärztin klären
- Hufe bei trockenen Böden beobachten
Aus unserem Sortiment
Für die Sommermonate führen wir HAUTFEIN, zusammen mit LEBERWOHL auch als HAUT-FELL-BUNDLE. Rund um Transport und Turnier sind MAGENWOHL und GASTROPLUS gedacht – zusätzlich zum Raufutter, nicht an seiner Stelle. Während der Rossesaison: HORMONSTABIL.
Herbst: Futterumstellung und PPID-Diagnostik
Die unterschätzte Belastungsphase
Fellwechsel, Umstellung von Weide auf Heu, sinkende Temperaturen und kürzere Tage treffen zusammen. Hinzu kommt: Der Herbst ist das beste Zeitfenster für die PPID-Diagnostik.
Winterfell aufbauen
Der Aufbau des Winterfells ist energetisch aufwendiger als der Wechsel im Frühjahr, weil das Winterhaar dichter und länger ist. Der Bedarf an schwefelhaltigen Aminosäuren und Spurenelementen steigt entsprechend – während das Nährstoffangebot des Herbstgrases zurückgeht.
Umstellung Weide auf Heu
Auch dieser Wechsel braucht zwei bis vier Wochen. Viele Pferde zeigen in dieser Phase weicheren Kot oder Kotwasser.
Auch im Herbst hohe Zuckergehalte
Die Bedingungen, unter denen Gräser Zucker einlagern, treten im Oktober und November erneut auf: sonnige Tage bei kalten Nächten. Besonders auf kurzen, abgefressenen oder frostgeschädigten Flächen. Für Pferde mit Insulindysregulation, EMS, PPID oder Rehe-Vorgeschichte gilt im Herbst dieselbe Vorsicht wie im Frühjahr.
September und Oktober: das PPID-Diagnosefenster
Der ACTH-Spiegel steigt bei allen Pferden im Herbst physiologisch an – bei Pferden mit PPID deutlich stärker. Deshalb ist dieser Zeitraum für den ACTH-Test besonders aussagekräftig; für die Beurteilung gelten saisonal angepasste Referenzbereiche.
Anlass für einen Test: verzögerter oder unvollständiger Fellwechsel, auffällig langes oder gewelltes Fell, Fettpolster am Mähnenkamm oder über den Augen, vermehrtes Trinken und Harnabsatz, wiederkehrende Hufrehe, Muskelabbau trotz Arbeit. Ab etwa 15 Jahren ist eine jährliche Kontrolle sinnvoll – die Entscheidung trifft die Tierärztin.
Checkliste Herbst
- Mineralversorgung an den Fellwechsel anpassen
- Heuqualität prüfen: Geruch, Staub, Schimmel – im Zweifel Heuanalyse
- Umstellung Weide auf Heu über zwei bis vier Wochen
- ACTH-Test bei Pferden ab etwa 15 Jahren oder bei Verdacht
- Impfstatus prüfen und rechtzeitig auffrischen
- Kotprobe vor der Entwurmung
- Stall vorbereiten: Belüftung prüfen, Einstreu und Lagerung organisieren
Aus unserem Sortiment
Für die Wochen, in denen Fellwechsel und Futterumstellung zusammenfallen, führen wir das FELLWECHSEL-BUNDLE aus LEBERWOHL und DARMWOHL, bei älteren Pferden SENIORAKTIV. Vor Beginn der Stallsaison: IMMUNSTARK.
Winter: Stallluft, Bewegung, Wasseraufnahme
Die stillen Belastungen
Im Winter gibt es selten akute Ereignisse, dafür schleichende: Stallluft belastet die Atemwege, weniger Bewegung wirkt auf den Bewegungsapparat, und die Wasseraufnahme sinkt oft unbemerkt.
Atemwege und Stallluft
Ein Pferd atmet in Ruhe etwa acht- bis sechzehnmal pro Minute – über den Tag summiert sich das auf mehr als zehntausend Atemzüge. Jeder bringt die Stallluft an die Schleimhäute der Atemwege. In schlecht belüfteten Ställen enthält diese Luft:
- Ammoniak aus Harn und Mist – reizt die Schleimhaut und beeinträchtigt die Selbstreinigung der Atemwege
- Heustaub mit Schimmelpilzsporen und Pflanzenpartikeln – der wesentliche Auslöser des equinen Asthmas
- Einstreustaub – Stroh staubt in der Regel stärker als Späne oder Pellets
Der wichtigste Zusammenhang im Winter
Equines Asthma – früher als RAO oder COB bezeichnet – hängt maßgeblich an der Staub- und Schadgasbelastung der Stallluft, nicht an der Kälte. Viele Pferde husten im Winter, weil sie mehr Zeit im Stall verbringen. Die wirksamste Einzelmaßnahme ist deshalb die Belüftung: ein kühler, gut durchlüfteter Stall ist besser als ein warmer, geschlossener. Bedampfen oder Wässern des Heus senkt die Staubbelastung erheblich.
Bewegung
Weniger Bewegung wirkt sich auf mehrere Systeme aus: Gelenkknorpel wird über die Bewegung mit Nährstoffen versorgt, weil er nicht durchblutet ist und auf den Austausch mit der Gelenkflüssigkeit angewiesen ist. Muskulatur baut bei Inaktivität ab, Sehnen und Bänder verlieren an Belastbarkeit.
Bewegung im Winter sicherstellen
- Täglicher Auslauf, auch bei ungünstigem Wetter – Bewegung wiegt schwerer als trockene Hufe
- Längere Aufwärmphase: mindestens 15 bis 20 Minuten Schritt, bei Kälte eher mehr
- Abwechslung: Bodenarbeit, Spaziergänge, Longe – nicht täglich dasselbe
- Gelände statt Zirkel, wo es die Bodenverhältnisse zulassen
Wasseraufnahme und Kotwasser
Kotwasser tritt im Winter häufiger auf und hat meist mehrere Ursachen zugleich: die Umstellung auf reine Heufütterung, eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora, geringere Wasseraufnahme bei kaltem Tränkwasser und Veränderungen in Haltung oder Gruppenzusammensetzung.
Was sich beeinflussen lässt
- Tränkwassertemperatur: Untersuchungen zeigen, dass Pferde im Winter deutlich mehr trinken, wenn das Wasser angewärmt statt eiskalt angeboten wird
- Raufutter: frei zugänglich, lange Fresspausen vermeiden
- Heuqualität: staubiges oder verpilztes Heu belastet Atemwege und Verdauung
- Ruhe in der Gruppe: stabile Zusammensetzung, ausreichend Fressplätze
Checkliste Winter
- Stallluft prüfen: riechbarer Ammoniak bedeutet zu wenig Luftaustausch
- Heu bedampfen oder wässern bei empfindlichen Atemwegen
- Täglichen Auslauf sicherstellen
- Aufwärmphase verlängern
- Wasseraufnahme beobachten, Tränkwasser anwärmen
- Zahnkontrolle – in der Heusaison wirkt sich jedes Kauproblem stärker aus
- Hufe und Strahl regelmäßig kontrollieren
- Gewicht kontrollieren: unter dem Winterfell fällt Abmagerung spät auf
Aus unserem Sortiment
Für die Stallsaison führen wir ATEMFREI und PULMOPLUS, zusammen mit IMMUNSTARK auch als WINTER-BUNDLE. In der Heusaison ist DARMWOHL die passende Mischung – begleitend zu angewärmtem Tränkwasser und geprüfter Heuqualität, die hier mehr bewirken.
Für den Bewegungsapparat in der bewegungsärmeren Jahreszeit stehen GELENKAKTIV, ARTHRO-PLUS und SEHNENSTARK zur Verfügung, bei älteren Pferden SENIORAKTIV.
Jahresüberblick: Leber, Darm, Immunsystem
Drei Systeme ziehen sich durch alle Jahreszeiten. Die folgenden Übersichten ordnen ein, wann sie besonders gefordert sind – als Beobachtungshilfe, nicht als Behandlungsplan.
Die Leber
| Zeitraum | Anlass | Hintergrund |
|---|---|---|
| März bis April | Fellwechsel | Ab- und Aufbau von Haarkeratin beanspruchen den Aminosäurenstoffwechsel |
| April bis Mai | Anweide, häufig Entwurmung | Futterwechsel und Arzneimittelabbau fallen zusammen |
| September bis Oktober | Zweiter Fellwechsel, Futterumstellung | Wie im Frühjahr, zusätzlich der Wechsel auf konserviertes Futter |
| Ganzjährig | Arzneimittel, Futterqualität | Verpilztes Futter und Medikamente beanspruchen den Leberstoffwechsel |
Zur Einordnung dieser Tabelle
In diesen Phasen leistet die Leber mehr Stoffwechselarbeit – das ist Physiologie, keine Erkrankung. Ein gesundes Pferd bewältigt das ohne Zutun.
Traditionell werden in Frühjahr und Herbst Drogen wie Mariendistelfrüchte, Artischockenblätter und Löwenzahnwurzel eingesetzt – in LEBERWOHL stehen genau diese drei. Bei auffälligen Leberwerten gehört die Beurteilung in tierärztliche Hand, nicht in einen Saisonkalender.
Der Darm
| Zeitraum | Thema | Management |
|---|---|---|
| April bis Mai | Anweide | Langsam steigern, vorher Raufutter, Risikopferde gesondert planen |
| Juni bis August | Transport und Turnier | Fresspausen begrenzen, gewohntes Futter, eigenes Wasser |
| Oktober bis November | Umstellung auf Heu | Über zwei bis vier Wochen, Heuqualität prüfen |
| Dezember bis Februar | Reine Heufütterung | Raufutter frei zugänglich, Wasseraufnahme fördern |
| Nach Entwurmung | Veränderung der Darmflora | Gezielt nach Kotprobe entwurmen statt pauschal |
Das Immunsystem
Der zeitliche Ablauf
- August bis September: Versorgungslage prüfen, Impfstatus auffrischen – vor Beginn der Stallsaison
- Oktober bis November: Übergangsphase mit Temperaturwechseln und zunehmender Stallhaltung
- Dezember bis Februar: höchster Infektionsdruck durch Stallhaltung und geringen Luftaustausch
- März bis April: Fellwechsel beansprucht den Stoffwechsel zusätzlich
Der praktische Punkt ist der zeitliche Vorlauf: Impfungen und die Prüfung der Mineralversorgung gehören in den Spätsommer, nicht in den November.
Häufige Fragen
Wann sollte ich mit dem Anweiden beginnen?
Wenn der Aufwuchs ausreichend hoch ist und keine Frostnächte mehr zu erwarten sind. Beginne eher am Nachmittag, wenn die Zuckergehalte niedriger liegen, und steigere die Weidezeit über zwei bis vier Wochen in kleinen Schritten. Vor dem Weidegang Raufutter anbieten.
Bei Pferden mit Insulindysregulation, EMS, PPID oder Rehe-Vorgeschichte gehört das Weidemanagement mit der Tierärztin abgestimmt – in Einzelfällen ist vom Weidegang abzuraten.
Ist Fruktan die Ursache der Weiderehe?
Nach heutigem Verständnis nicht allein. Im Mittelpunkt der weideassoziierten Hufrehe steht die Störung des Insulinstoffwechsels; betroffen sind vor allem Pferde mit Insulindysregulation, EMS oder PPID.
Wasserlösliche Kohlenhydrate einschließlich Fruktan spielen weiterhin eine Rolle, weil sie die Insulinantwort beeinflussen. Am praktischen Weidemanagement ändert das nichts – nur die Begründung ist präziser geworden.
Wann ist der beste Zeitpunkt für den ACTH-Test?
September und Oktober. Der ACTH-Spiegel steigt bei allen Pferden im Herbst physiologisch an, bei Pferden mit PPID deutlich stärker – der Unterschied ist in diesem Zeitraum am besten erkennbar. Für die Beurteilung gelten saisonal angepasste Referenzbereiche.
Anlass für einen Test sind verzögerter Fellwechsel, auffällig langes Fell, Fettpolster am Mähnenkamm, vermehrtes Trinken, wiederkehrende Hufrehe oder Muskelabbau trotz Arbeit.
Warum hat mein Pferd im Winter Kotwasser?
Meist wirken mehrere Faktoren zusammen: die Umstellung auf reine Heufütterung, eine veränderte Darmflora, geringere Wasseraufnahme bei kaltem Tränkwasser, weniger Bewegung und Veränderungen in der Gruppe.
Beeinflussen lässt sich vor allem die Wasseraufnahme – angewärmtes Tränkwasser wird im Winter deutlich besser angenommen –, außerdem freier Zugang zu Raufutter, geprüfte Heuqualität und Ruhe in der Gruppe. Mehr dazu unter Kotwasser beim Pferd.
Wie schütze ich die Atemwege im Winter?
Die wichtigste Maßnahme ist Belüftung: ein kühler, gut durchlüfteter Stall ist besser als ein warmer, geschlossener. Riechbarer Ammoniak zeigt an, dass der Luftaustausch nicht reicht.
Heu bedampfen oder wässern senkt die Staubbelastung erheblich, staubarme Einstreu hilft zusätzlich, und ausmisten sollte man nach Möglichkeit, wenn das Pferd nicht im Stall steht. Täglicher Auslauf im Freien wirkt stärker als jede Maßnahme im Stall.
Ist der Zuckergehalt im Herbst auch ein Thema?
Ja. Die Bedingungen, unter denen Gräser Zucker einlagern – sonnige Tage bei kalten Nächten –, treten im Oktober und November erneut auf. Besonders auf kurzen, abgefressenen oder frostgeschädigten Flächen.
Für Pferde mit Insulindysregulation, EMS, PPID oder Rehe-Vorgeschichte gilt im Herbst dieselbe Vorsicht wie im Frühjahr.
Ab wann sollte ich das Immunsystem für den Winter vorbereiten?
Im Spätsommer, nicht im November. Impfungen sollten vor Beginn der Stallsaison aufgefrischt sein, die Mineralversorgung vorher überprüft.
Sinnvoll sind außerdem eine Kotprobe mit gezielter Entwurmung statt pauschaler Gabe, stabile Haltungsbedingungen und beibehaltene Bewegung.
Muss ich die Fütterung wirklich jede Saison umstellen?
Nein, umstellen nicht – nachjustieren. Die Grundfütterung aus Raufutter und bedarfsgerechter Mineralversorgung bleibt im Kern gleich.
Saisonal ändert sich der Bedarf beim Fellwechsel, bei starkem Schwitzen im Sommer und bei der Wasseraufnahme im Winter. Und jeder Futterwechsel braucht zwei bis vier Wochen Übergang. Es geht weniger um neue Produkte als um Aufmerksamkeit zum richtigen Zeitpunkt.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Coenen M. & Vervuert I. (2020): Pferdefütterung. 6. Auflage. Stuttgart: Thieme
- Sykes B.W. et al. (2015): European College of Equine Internal Medicine Consensus Statement, Equine Gastric Ulcer Syndrome in Adult Horses. Journal of Veterinary Internal Medicine
- Couëtil L.L. et al. (2016): Inflammatory Airway Disease of Horses, Revised Consensus Statement. Journal of Veterinary Internal Medicine
- Durham A.E. et al.: Equine Endocrinology Group, Empfehlungen zu Diagnose und Behandlung der Pituitary Pars Intermedia Dysfunction
- de Laat M.A. et al.: Arbeiten zur insulinassoziierten Hufrehe und zur Rolle der Insulindysregulation
- Kristula M.A. & McDonnell S.M. (1994): Drinking water temperature affects consumption of water during cold weather in ponies. Applied Animal Behaviour Science