Vorab
Bei Verdacht auf einen Sehnenschaden gehört das Pferd sofort in tierärztliche Untersuchung und bis dahin in Ruhe. Dieser Artikel erklärt Hintergründe und Abläufe, damit Du Befunde und Rehabilitationspläne einordnen kannst – er ist keine Anleitung zur Selbstbehandlung.
Kurz gesagt: Bei einer Beugesehnenentzündung ist entweder die oberflächliche oder die tiefe Beugesehne betroffen – und das macht einen erheblichen Unterschied für Diagnostik, Behandlung und Aussichten. Typische Anzeichen sind Schwellung an der Röhrbeinrückseite, Wärme, Druckempfindlichkeit und Lahmheit, wobei letztere anfangs fehlen kann. Die Heilung braucht Monate, und den Takt gibt der Ultraschall vor – nicht das Befinden des Pferdes.
Auf einen Blick
- Oberflächliche Beugesehne: direkt unter der Haut, häufiger betroffen, gut im Ultraschall darstellbar
- Tiefe Beugesehne: liegt darunter, schwerer zu beurteilen, im Hufbereich oft nur im MRT sichtbar
- Die Bogensehne – die nach hinten vorgewölbte Kontur – zeigt an, dass bereits Schaden entstanden ist
- Der Ultraschall steuert die Rehabilitation, nicht der Kalender und nicht die Lahmfreiheit
- Tiefer Boden gilt als bedeutsamster vermeidbarer Risikofaktor
Die beiden Beugesehnen
An der Rückseite des Pferdebeins verlaufen zwei Beugesehnen übereinander. Welche von beiden betroffen ist, bestimmt den weiteren Weg.
Oberflächliche Beugesehne
Musculus flexor digitorum superficialis
- Liegt direkt unter der Haut und ist gut zu tasten
- Setzt an Fessel- und Kronbein an
- Die häufiger betroffene der beiden
- Typisch ist die nach hinten vorgewölbte Kontur – die Bogensehne
- Im Ultraschall gut darstellbar
Tiefe Beugesehne
Musculus flexor digitorum profundus
- Verläuft unter der oberflächlichen und ist schwerer zu tasten
- Setzt am Hufbein an
- Im Röhrbeinbereich seltener betroffen
- Schäden im Hufbereich lassen sich oft nur im MRT darstellen
- Insgesamt schwieriger zu beurteilen
Die Unterstützungsbänder
Beide Beugesehnen werden von einem Band unterstützt, das sie mit dem Knochen verbindet und bei Belastung entlastet. Auch diese Bänder können sich entzünden – man spricht dann von einer Desmitis.
Das Unterstützungsband der tiefen Beugesehne ist dabei klinisch bedeutsamer als das der oberflächlichen. Die Unterscheidung trifft die Tierärztin im Ultraschall, denn von außen fühlt sich beides ähnlich an.
Warum Sehnen langsam heilen
Sehnengewebe ist im Vergleich zur Muskulatur gering durchblutet. Das ist keine Schutzeinrichtung, sondern folgt aus dem Aufbau: Eine Sehne besteht überwiegend aus dicht gepackten Fasern mit wenigen Zellen dazwischen – für ein ausgedehntes Gefäßnetz bleibt schlicht kaum Raum.
Die Folge ist ein träger Stoffwechsel: weniger Nährstoffnachschub, weniger Reparaturzellen, langsamerer Umbau. Hinzu kommt, dass neu gebildetes Gewebe zunächst ungeordnet ist und über Monate in belastbare Struktur umgebaut werden muss.
Der Satz, der die meisten Überlastungsschäden erklärt
Sehnen passen sich langsamer an als Muskeln. Muskulatur wird binnen weniger Wochen kräftiger, Sehnen brauchen Monate. Nach einigen Wochen Trainingsaufbau kann die Muskulatur deshalb bereits mehr leisten, als die Sehne aushält – das Pferd fühlt sich fit an, und genau dann steigt die Verletzungsgefahr.
Ursachen und Risikofaktoren
Eine Beugesehnenentzündung entsteht selten durch ein einzelnes Ereignis. Meist ist sie das Ergebnis vieler kleiner Belastungen, die sich summieren – der eine Fehltritt ist dann nur der Auslöser, nicht die Ursache.
| Faktor | Warum er wirkt |
|---|---|
| Tiefer Boden | Der Huf sinkt ein und wird verzögert abgefangen – die Zugbelastung auf die Beugesehnen steigt deutlich. Gilt als der bedeutsamste vermeidbare Faktor |
| Hohes Tempo | Die Belastung nimmt mit der Geschwindigkeit überproportional zu |
| Enge Wendungen | Ungleiche Belastung beider Seiten, zusätzliche Scherkräfte |
| Sprünge | Hohe Spitzenbelastung bei der Landung |
| Ermüdung | Nachlassende Muskelkraft verlagert Last auf die Sehnen |
| Hufstellung | Lange Zehen und niedrige Trachten verändern die Hebelverhältnisse |
| Vorschäden | Reparaturgewebe erreicht nicht die Qualität der ursprünglichen Sehne |
| Zu kurzes Aufwärmen | Sehnen sind bei Bewegung nachgiebiger als im Ruhezustand |
Die Bogensehne ist bereits ein Befund
Als Bogensehne bezeichnet man die nach hinten vorgewölbte Kontur des Röhrbeins – im Englischen bowed tendon. Sie entsteht durch Verdickung nach Schädigung des Gewebes.
Entscheidend ist: Eine Bogensehne ist kein Vorzeichen, sondern eine Folge. Wenn die Kontur sich verändert hat, liegt bereits Schaden vor – auch dann, wenn das Pferd nicht lahmt. Das ist immer ein Anlass, die Belastung zu überdenken und den Befund tierärztlich einordnen zu lassen.
Anzeichen erkennen
| Zeichen | Was auffällt |
|---|---|
| Schwellung | Verdickung an der Röhrbeinrückseite, teigig bis prall |
| Wärme | Im Seitenvergleich deutlich spürbar – oft das früheste Zeichen |
| Druckempfindlichkeit | Reaktion beim Abtasten, verglichen mit dem anderen Bein |
| Lahmheit | Unterschiedlich ausgeprägt – und nicht in jedem Fall vorhanden |
| Pulsation | Verstärkt tastbarer Puls an der Fessel |
Sofort handeln bei
- Plötzlicher, deutlicher Schwellung
- Pferd, das das Bein nicht belasten will
- Deutlicher Lahmheit nach der Arbeit
- Wärme, Schwellung und Druckempfindlichkeit gemeinsam
Erste Maßnahmen: Arbeit einstellen, Pferd ruhig stellen, kühlen und die Tierärztin rufen. Ob und wie lange gekühlt wird und ob Medikamente zum Einsatz kommen, entscheidet sie.
Der wichtigste Punkt zur Früherkennung
Nicht jeder Sehnenschaden lahmt. Beginnende Schäden fallen unter Umständen nur durch Wärme und Schwellung auf. Das tägliche Abtasten beider Vorderbeine im Seitenvergleich ist deshalb die wirksamste Früherkennung, die es gibt – und sie kostet zwei Minuten. Wer eine warme oder verdickte Stelle findet, stellt die Arbeit ein, auch wenn das Pferd taktrein läuft.
Diagnostik und Befund
- Vorbericht: Seit wann, in welchem Zusammenhang, welche Arbeit ging voraus
- Betrachtung und Abtasten: Kontur, Schwellung, Wärme, Schmerzhaftigkeit – systematisch an allen vier Beinen
- Bewegungsuntersuchung: Vortraben auf hartem und weichem Boden, Longieren, Beugeproben
- Ultraschall: das zentrale Verfahren – zeigt, welche Struktur betroffen ist, wo die Läsion liegt, wie ausgedehnt sie ist und wie das Gewebe beschaffen ist
- MRT: bei unklaren Befunden und bei Verdacht auf Schäden der tiefen Beugesehne im Hufbereich
Was der Ultraschall zeigt
Gesundes Sehnengewebe stellt sich hell und gleichmäßig dar, mit erkennbar parallelem Faserverlauf. Geschädigtes Gewebe erscheint dunkler, weil die geordnete Struktur unterbrochen ist und sich Flüssigkeit eingelagert hat. Beurteilt werden dabei mehrere Größen: die Beschaffenheit der Läsion, ihre Ausdehnung in der Länge, ihr Anteil am Querschnitt und die Lage.
Verbreitete Gradeinteilungen mit fest zugeordneten Heilungsdauern – Grad 1 gleich vier bis sechs Monate und so fort – geben eine Vorhersagbarkeit vor, die es nicht gibt. Wie lange es dauert, zeigen die Verlaufskontrollen.
Die Verlaufskontrolle ist das Steuerungsinstrument
Der Ultraschall dient nicht nur der Diagnose. Er bestimmt, wann die Belastung gesteigert werden darf – und das ist der Punkt, an dem sich Erfolg und Rückfall entscheiden. Die Abstände legt die Tierärztin fest; üblich sind Kontrollen in Abständen von einigen Wochen.
Behandlung und Rehabilitation
Der Ablauf folgt einem Muster, das sich an den Heilungsphasen orientiert. Die konkreten Zeiträume legt die Tierärztin anhand der Befunde fest – die folgenden Angaben zeigen die Größenordnung, nicht den Plan für Dein Pferd.
-
Akutphase
Ruhigstellung nach Vorgabe, Kühlung, gegebenenfalls Kompression und entzündungshemmende Medikation – letztere ausschließlich nach Verordnung. Dauer: Tage bis wenige Wochen.
-
Kontrollierte Schrittphase
Geführtes Schrittarbeiten, zunächst kurz, dann schrittweise verlängert. Nur geradeaus, ebener und fester Boden, keine Wendungen. Bewegung ist hier kein Zugeständnis, sondern notwendig – sie gibt den neu gebildeten Fasern die Richtung vor.
-
Erweiterte Schrittphase
Nach Freigabe längere Einheiten, auch geritten; große Wendungen und leichte Steigungen werden möglich.
-
Trabaufbau
Beginn mit sehr kurzen Trabreprisen, wöchentlich in kleinen Schritten gesteigert. Der überwiegende Teil der Arbeit bleibt weiterhin Schritt.
-
Galoppbeginn und Aufbau
Erst nach entsprechendem Befund, zunächst in kurzen Intervallen. Die Rückkehr zur vollen Arbeit steht am Ende eines Prozesses, der in Monaten gerechnet wird.
Der häufigste Fehler
Zu früh zu viel. Wenn Schwellung und Lahmheit verschwunden sind, ist die Sehne nicht geheilt – Schmerzfreiheit kommt lange vor Belastbarkeit. Das neu gebildete Gewebe braucht Monate, um belastbar zu werden. Genau hier entstehen die meisten Rückfälle: Orientiere Dich am Ultraschallbefund, nicht am Befinden des Pferdes.
Regeln, die durchgehend gelten
- Regel: Jede Steigerung erst nach Kontrolle und Freigabe
- Regel: Bei Wärme oder Schwellung sofort zurück auf die vorherige Stufe und Rücksprache halten
- Regel: Ebener, fester Boden – tiefer Sand ist in dieser Phase besonders ungünstig
- Regel: Geradeaus vor Wendungen
- Regel: Kontrollierte Bewegung statt Freilauf – ein Satz auf der Koppel kann Monate zunichtemachen
Weitere Behandlungsverfahren
In der Sehnentherapie kommen je nach Befund zusätzliche Verfahren in Betracht – unter anderem Behandlungen mit Eigenblutprodukten, Stammzellen, Stoßwellen oder Laser. Welches davon im Einzelfall sinnvoll ist, welche Belege dafür vorliegen und wie sie sich zueinander verhalten, beurteilt die behandelnde Praxis. Keines dieser Verfahren ersetzt die kontrollierte Belastungssteigerung.
Zur Prognose
Viele Pferde kehren nach einer Beugesehnenentzündung in die Arbeit zurück. Wie wahrscheinlich das im Einzelfall ist, hängt von mehreren Größen ab.
| Faktor | Günstiger | Zurückhaltender zu beurteilen |
|---|---|---|
| Betroffene Sehne | Oberflächliche Beugesehne | Tiefe Beugesehne |
| Ausmaß | Kleine, umschriebene Läsion | Großer Anteil am Querschnitt |
| Vorgeschichte | Erstmaliger Schaden | Erneuter Schaden an derselben Stelle |
| Nutzung | Moderate Anforderungen | Hohe Spitzenbelastungen |
| Rehabilitation | Konsequent nach Befund | Vorzeitig gesteigert |
Zu den Prozentzahlen, die kursieren
Man liest Angaben wie „60 bis 80 Prozent kehren in den Sport zurück" und „30 bis 40 Prozent Rückfallrate". Solche Zahlen stammen aus einzelnen Untersuchungen an bestimmten Populationen – überwiegend Rennpferden – und lassen sich nicht auf jedes Pferd übertragen. Je nach Disziplin, Struktur und Studiendesign fallen sie sehr unterschiedlich aus.
Belastbar ist die Richtung, nicht die Zahl: Das eigentliche Problem ist der Rückfall, nicht die Erstverletzung. Reparaturgewebe erreicht nicht die Qualität der ursprünglichen Sehne, und eine zu früh belastete Stelle ist die typische Schwachstelle. Deshalb entscheidet die Geduld in der Rehabilitation stärker über den Ausgang als jede einzelne Behandlungsmaßnahme.
Fütterung begleitend
Sehnengewebe besteht überwiegend aus Kollagen, und für dessen Bildung braucht der Körper bestimmte Nährstoffe. Das ist der sachliche Anknüpfungspunkt – mehr allerdings auch nicht.
Was beteiligt ist
- Eiweiß in ausreichender Menge – es liefert die Bausteine
- Vitamin C – wird für stabile Verbindungen im Kollagen gebraucht; das Pferd bildet es selbst, bei anhaltendem Stress sinken die Blutwerte allerdings
- Kupfer und Mangan – für die Vernetzung der Fasern und den Aufbau der Grundsubstanz
- Zink – an Gewebeneubildung beteiligt
- Silicium – natürlicher Bestandteil von Bindegewebe und Hufhorn
Traditionell verwendete Kräuter
In klassischen Mischungen für Bindegewebe und Bewegungsapparat stehen zwei Gruppen nebeneinander: Drogen, die Bausteine liefern, und solche, die über die Ausscheidung wirken.
Ackerschachtelhalm (Equiseti herba)
Die bekannteste siliciumreiche Heilpflanze.
Hagebutte (Rosa canina)
Enthält Vitamin C, Carotinoide und Flavonoide. Bemerkenswert ist vor allem die Galaktolipid-Fraktion, für die Untersuchungen zu knorpelschützenden Eigenschaften vorliegen.
Brennnessel (Urticae folium)
Im Arzneibuch monographiert und traditionell den harntreibenden Drogen zugerechnet. Über die verstärkte Harnausscheidung wird sie zur Unterstützung zur Ausscheidung der Stoffwechsel Abbauprodukte eingesetzt – dieselbe Linie, in der auch die Goldrute steht.
Goldrute (Solidaginis herba)
Harntreibend und entzündungshemmend. Über die verbesserte Harnausscheidung wird sie traditionell bei Stoffwechselthemen und begleitend bei Beschwerden des Bewegungsapparats eingesetzt – das ist die Linie, in der sie in solchen Mischungen steht.
Die Einordnung, die dazugehört
Dass diese Nährstoffe an der Kollagenbildung beteiligt sind, ist gut begründet. Ob eine Zufütterung den Heilungsverlauf einer geschädigten Sehne beim Pferd messbar verändert, ist damit nicht gezeigt – dazu fehlen Untersuchungen. Was den Ausgang nachweislich bestimmt, sind Diagnostik, kontrollierte Belastungssteigerung und Geduld. Bei laufender Medikation gehört eine zusätzliche Gabe mit der behandelnden Praxis abgestimmt.
Vorbeugung
- Maßnahme: Ausreichend aufwärmen – zehn bis fünfzehn Minuten Schritt vor jeder fordernden Arbeit
- Maßnahme: Boden beachten – tiefer Boden ist der bedeutsamste vermeidbare Risikofaktor
- Maßnahme: Training in kleinen Schritten steigern, mit Erholungstagen dazwischen
- Maßnahme: Abwärmen nicht abkürzen
- Maßnahme: Regelmäßige Hufbearbeitung, an die Stellung angepasst
- Maßnahme: Beine täglich abtasten – im Seitenvergleich, nach der Arbeit
- Maßnahme: Körperkondition im Blick behalten
Häufige Fragen
Was ist eine Beugesehnenentzündung?
Eine Schädigung mit Entzündungsreaktion an einer der beiden Beugesehnen an der Rückseite des Pferdebeins. Sie entsteht meist nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch die Summe vieler kleiner Belastungen – der Fehltritt ist dann der Auslöser, nicht die Ursache.
Was ist der Unterschied zwischen oberflächlicher und tiefer Beugesehne?
Die oberflächliche Beugesehne liegt direkt unter der Haut, ist gut zu tasten und setzt an Fessel- und Kronbein an; sie ist häufiger betroffen und im Ultraschall gut darstellbar. Die tiefe Beugesehne verläuft darunter und setzt am Hufbein an. Sie ist schwerer zu beurteilen, und Schäden im Hufbereich lassen sich oft nur im MRT darstellen. Diese Unterscheidung beeinflusst Diagnostik, Behandlung und Aussichten erheblich.
Was ist eine Bogensehne?
So bezeichnet man die nach hinten vorgewölbte Kontur an der Röhrbeinrückseite, im Englischen bowed tendon. Sie entsteht durch Verdickung nach Schädigung des Gewebes. Wichtig ist die Reihenfolge: Eine Bogensehne ist keine Vorwarnung, sondern eine Folge – wenn die Kontur sich verändert hat, liegt bereits Schaden vor, auch wenn das Pferd nicht lahmt.
Woran erkenne ich eine Beugesehnenentzündung frühzeitig?
An Schwellung an der Röhrbeinrückseite, an Wärme im Seitenvergleich und an Druckempfindlichkeit beim Abtasten. Lahmheit kann anfangs fehlen – nicht jeder Sehnenschaden lahmt. Deshalb ist das tägliche Abtasten beider Vorderbeine im Seitenvergleich die wirksamste Früherkennung. Wer eine warme oder verdickte Stelle findet, stellt die Arbeit ein und ruft die Tierärztin.
Wie lange dauert die Heilung?
Monate – wie viele, lässt sich vorab nicht seriös sagen. Verbreitete Gradeinteilungen mit fest zugeordneten Zeiträumen suggerieren eine Vorhersagbarkeit, die es nicht gibt. Beurteilt werden Beschaffenheit, Ausdehnung, Querschnittsanteil und Lage der Läsion; Auskunft über den Verlauf geben die Ultraschallkontrollen. Den Takt gibt der Befund vor, nicht der Kalender.
Warum bestimmt der Ultraschall das Tempo und nicht die Lahmfreiheit?
Weil Schmerzfreiheit lange vor Belastbarkeit kommt. Wenn Schwellung und Lahmheit verschwunden sind, ist das neu gebildete Gewebe noch nicht belastbar – dieser Umbau braucht Monate. Genau in dieser Phase entstehen die meisten Rückfälle, weil das Pferd fit wirkt und die Belastung gesteigert wird. Nur der Ultraschall zeigt, wie weit das Gewebe tatsächlich ist.
Darf mein Pferd mit Sehnenschaden auf die Weide?
In der frühen Phase nicht – unkontrollierte Bewegung ist dort das größte Risiko, ein einzelner Satz kann Monate zunichtemachen. Wann ein kleiner, ebener Auslauf möglich ist und ab wann größere Flächen infrage kommen, entscheidet die Tierärztin anhand des Befundes. Die Rückkehr auf die große Koppel gehört ans Ende der Rehabilitation.
Kann mein Pferd wieder geritten werden?
Viele Pferde kehren in die Arbeit zurück. Wie wahrscheinlich das ist, hängt von der betroffenen Sehne ab – die oberflächliche wird günstiger beurteilt als die tiefe –, außerdem von Ausmaß und Lage der Läsion, von der späteren Nutzung und von der Konsequenz der Rehabilitation. Kursierende Prozentzahlen stammen meist aus Untersuchungen an Rennpferden und lassen sich nicht übertragen.
Kann ich die Heilung über die Fütterung unterstützen?
Sehnengewebe besteht überwiegend aus Kollagen, und für dessen Bildung sind unter anderem Eiweiß, Vitamin C, Kupfer, Mangan, Zink und Silicium von Bedeutung. Ob eine Zufütterung den Heilungsverlauf beim Pferd messbar verändert, ist allerdings nicht gezeigt. Was den Ausgang nachweislich bestimmt, sind Diagnostik, kontrollierte Belastungssteigerung und Geduld.
Wie beuge ich Sehnenschäden vor?
Ausreichend aufwärmen, das Training in kleinen Schritten steigern und Erholungstage einplanen, tiefen Boden bei fordernder Arbeit meiden, regelmäßig die Hufe bearbeiten lassen und die Beine täglich im Seitenvergleich abtasten. Der wichtigste Einzelpunkt ist der Boden – tiefer Untergrund gilt als bedeutsamster vermeidbarer Risikofaktor.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Stashak, T. S.: Adams' Lameness in Horses. Wiley-Blackwell
- Smith, R. K. W.: Tendon and Ligament Injuries. In: Equine Surgery
- Dyson, S.: Arbeiten zu Lahmheit und bildgebender Diagnostik. Equine Veterinary Education
- Brehm, W. et al.: Handbuch Pferdepraxis. Stuttgart: Enke
- Ross, M. W. & Dyson, S. J.: Diagnosis and Management of Lameness in the Horse