Vorab
Laborwerte lassen sich nicht anhand von Tabellen aus dem Internet beurteilen. Dieser Artikel erklärt, was die einzelnen Parameter aussagen, damit Du einen Befund mit Deiner Tierärztin besser besprechen kannst. Er ist keine Anleitung zur Selbstinterpretation und ersetzt keine Diagnose.
Kurz gesagt: Die wichtigsten Leberparameter beim Pferd sind GGT und GLDH – beide weitgehend leberspezifisch – sowie AST, das aber auch aus der Muskulatur stammt und deshalb nur zusammen mit CK zu beurteilen ist. Ergänzend kommen Gallensäuren, Bilirubin und Albumin in Betracht. Der wichtigste Punkt: Die Leber verfügt über eine große Reservekapazität, klinische Zeichen treten erst bei erheblichem Funktionsverlust auf – ein Blutbild kann also lange vor sichtbaren Symptomen auffällig werden.
Auf einen Blick
- GGT: leberspezifisch, steigt und fällt langsam – geeignet für Verlaufskontrollen
- GLDH: leberspezifisch, reagiert schnell – Hinweis auf akute Zellschädigung
- AST: nicht leberspezifisch – ohne CK nicht interpretierbar
- Gallensäuren: empfindlicher Funktionsparameter, im Standardprofil meist nicht enthalten
- Bilirubin: steigt beim Pferd auch bei Futterverweigerung, ohne Lebererkrankung
- Werte verschiedener Labore sind nicht vergleichbar – für Verlaufskontrollen dasselbe Labor nutzen
Was die Leber leistet
Die Leber ist das größte innere Organ und bei einem 500-kg-Pferd etwa fünf bis zehn Kilogramm schwer. Sie erfüllt zahlreiche Aufgaben gleichzeitig.
Aufbau und Stoffwechsel
- Bildung von Plasmaproteinen, unter anderem Albumin und Gerinnungsfaktoren
- Speicherung von Glykogen als Energiereserve
- Bildung von Galle für die Fettverdauung
- Cholesterinsynthese
Abbau und Ausscheidung
- Umwandlung von Ammoniak zu Harnstoff
- Verstoffwechslung von Arzneistoffen
- Abbau von Hormonen
- Verarbeitung und Ausscheidung von Bilirubin
Die große Reserve – und ihre Kehrseite
Die Leber verfügt über eine erhebliche Reservekapazität. Deutliche klinische Zeichen treten in der Regel erst auf, wenn ein Großteil des funktionsfähigen Gewebes betroffen ist. Für die Praxis heißt das: Auffällige Blutwerte können lange vor sichtbaren Symptomen bestehen. Ein Routineblutbild ist damit weniger eine Bestätigung als eine Chance zur Früherkennung.
Die Parameter im Einzelnen
GGT – Gamma-Glutamyltransferase leberspezifisch
Ein Enzym, das beim Pferd im Wesentlichen in Leber und Gallenwegen vorkommt. Es steigt langsam an und fällt langsam ab – dadurch eignet es sich gut für Verlaufskontrollen über Wochen.
Erhöht unter anderem bei: chronischen Lebererkrankungen, Gallenstau, Belastung durch Arzneistoffe, Mykotoxinen im Futter. Bei chronischen Verläufen ist GGT nicht selten der einzige auffällige Parameter.
GLDH – Glutamatdehydrogenase leberspezifisch
Dieses Enzym sitzt in den Mitochondrien der Leberzellen und wird erst bei Zelluntergang freigesetzt. Es reagiert schnell und normalisiert sich ebenso schnell – ein Marker für akute Schädigung.
Erhöht unter anderem bei: akuter Leberzellschädigung, Vergiftungen durch Giftpflanzen oder Mykotoxine, Sauerstoffmangel im Lebergewebe.
AST – Aspartat-Aminotransferase nicht leberspezifisch
Früher als GOT bezeichnet. AST kommt in der Leber vor, ebenso in Skelett- und Herzmuskulatur, Nieren und Lunge. Ein erhöhter AST-Wert allein sagt deshalb nichts über die Leber aus – die Beurteilung erfolgt immer zusammen mit CK.
AP – Alkalische Phosphatase nicht leberspezifisch
Kommt in vielen Geweben vor, unter anderem in Leber, Knochen, Darm und Niere. Bei Fohlen und Jungpferden ist AP wachstumsbedingt physiologisch erhöht. Erhöhte Werte finden sich außerdem bei Gallenstau und bei Knochenprozessen.
Bilirubin leberbezogen
Ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs. Indirektes Bilirubin ist noch nicht in der Leber verarbeitet, direktes bereits konjugiert; meist wird das Gesamtbilirubin bestimmt.
Eine Besonderheit des Pferdes
Beim Pferd steigt Bilirubin auch dann, wenn ein Tier nicht frisst – der sogenannte Inanitionsikterus. Ein erhöhter Bilirubinwert bei einem Pferd, das seit Stunden keine Nahrung aufgenommen hat, ist deshalb zunächst kein Hinweis auf eine Lebererkrankung. Die erste Rückfrage lautet: Hat das Pferd gefressen?
Gallensäuren Funktionsparameter
Gallensäuren werden in der Leber aus Cholesterin gebildet – nicht, wie gelegentlich zu lesen, aus Bilirubin. Sie gelangen über die Galle in den Darm, wirken dort bei der Fettverdauung und werden zum überwiegenden Teil wieder aufgenommen und zur Leber zurückgeführt.
Weil dieser Kreislauf eine intakte Leberfunktion voraussetzt, gelten Gallensäuren als empfindlicher Funktionsparameter. Sie sind im Standardprofil meist nicht enthalten, weil die Bestimmung aufwendiger ist – bei Verdacht lohnt die gezielte Anforderung.
Albumin leberbezogen
Ein in der Leber gebildetes Transportprotein. Erniedrigte Werte können auf eine verminderte Syntheseleistung hinweisen, ebenso auf Eiweißverluste über Darm oder Niere oder auf chronische Entzündungen. Ausgeprägter Albuminmangel kann zu Ödemen führen.
Warum Referenzwerte nicht übertragbar sind
Der wichtigste Vorbehalt
Jedes Labor verwendet eigene Messverfahren und ermittelt seine Referenzbereiche selbst. Werte verschiedener Labore sind nicht direkt vergleichbar, und eine Zahl ohne den zugehörigen Referenzbereich des messenden Labors ist nicht interpretierbar.
Für Verlaufskontrollen gilt deshalb: immer dasselbe Labor. Und für die Beurteilung gilt: Sie erfolgt anhand des Befundberichts, nicht anhand einer Tabelle im Internet – auch nicht anhand dieser.
Was bei der Einordnung zusätzlich zählt
- Referenzbereiche decken statistisch etwa 95 Prozent gesunder Tiere ab. Ein kleiner Anteil gesunder Pferde liegt naturgemäß außerhalb – ein leicht abweichender Einzelwert ist kein Befund.
- Rasseunterschiede sind beschrieben. In einer Untersuchung deutscher Referenzbereiche zeigten sich Unterschiede zwischen Rassen und Altersgruppen; bei Islandpferden werden häufiger höhere Werte ohne klinische Auffälligkeit berichtet.
- Fohlen sind ein eigener Fall. In den ersten Lebenswochen ist GGT physiologisch deutlich erhöht.
- Der Einzelwert zählt weniger als der Verlauf. Zwei Messungen im Abstand von Wochen sagen mehr als eine.
AST und CK – die entscheidende Kombination
Der häufigste Interpretationsfehler bei Leberwerten: AST wird isoliert betrachtet und als Leberwert gelesen. Da AST auch aus der Muskulatur stammt, ist das nicht zulässig.
AST erhöht, CK normal
Spricht eher für einen Ursprung in der Leber – aber nur unter Berücksichtigung des zeitlichen Verlaufs, siehe unten.
AST erhöht, CK erhöht
Spricht für einen Ursprung in der Muskulatur: intensive Belastung, Transport, Muskelschädigung.
Der Zeitfaktor, der oft übersehen wird
CK und AST verhalten sich zeitlich unterschiedlich: CK steigt nach einem Muskelereignis rasch an und normalisiert sich innerhalb weniger Tage. AST steigt langsamer und bleibt deutlich länger erhöht.
Daraus folgt: Die Konstellation „AST erhöht, CK normal" kann auch nach einem Muskelereignis auftreten, wenn CK bereits wieder im Normbereich liegt, AST aber noch nicht. Die Frage nach Belastung, Transport oder Stress in den Tagen vor der Blutentnahme gehört deshalb zur Interpretation dazu.
| Konstellation | Woran zu denken ist |
|---|---|
| GGT, GLDH und AST gemeinsam erhöht | Leberschädigung, akut oder chronisch – Abklärung angezeigt |
| Nur GGT erhöht | Chronisches Geschehen oder Gallenstau |
| GLDH deutlich erhöht | Akute Zellschädigung; unter anderem an pflanzliche Lebergifte zu denken |
| AST und CK erhöht | Muskulatur wahrscheinlicher als Leber |
| AST erhöht, CK normal | Leber möglich – Zeitverlauf und Vorgeschichte prüfen |
| Gallensäuren erhöht | Hinweis auf eine Funktionsstörung |
| Bilirubin erhöht, Enzyme unauffällig | Inanitionsikterus prüfen – hat das Pferd gefressen? |
Wie stark ist stark?
Die Einordnung nach dem Vielfachen des oberen Referenzwerts ist in der Labormedizin gebräuchlich: geringgradig etwa beim Zwei- bis Dreifachen, mittelgradig beim Fünf- bis Zehnfachen, hochgradig darüber.
Was diese Einteilung leistet – und was nicht
Das Ausmaß des Enzymanstiegs korreliert nicht unmittelbar mit der Schwere der Erkrankung oder dem Grad der Funktionseinschränkung. Ein hoher Wert zeigt an, dass viele Zellen geschädigt wurden – nicht, wie viel Leberfunktion noch vorhanden ist. Umgekehrt schließen mäßig erhöhte Werte einen fortgeschrittenen chronischen Prozess nicht aus, weil bei zunehmendem Gewebeuntergang weniger Enzym freigesetzt werden kann.
Die Funktionsleistung beurteilt man deshalb über andere Parameter – Gallensäuren, Albumin, Gerinnung. Und die Einteilung nach Vielfachen ersetzt keine Beurteilung, sie strukturiert nur das Gespräch.
Konstellationen, die zeitnah abgeklärt gehören
- GGT, GLDH und AST gemeinsam erhöht – auch bei nur mäßiger Erhöhung
- Ein einzelner leberspezifischer Wert deutlich über dem Referenzbereich
- Werte, die im Verlauf weiter ansteigen
- Erhöhte Gallensäuren zusammen mit erhöhten Enzymen
Ursachen erhöhter Werte
Futter und Umgebung
- Mykotoxine in Heu, Stroh oder Getreide
- Giftpflanzen, insbesondere Jakobs- und Wasserkreuzkraut
- Fehlgärungen in Silage und Heulage
- Große Kraftfuttermengen mit Verschiebung der Darmflora
Erkrankungen und Arzneimittel
- Längere Arzneimittelgaben, tierärztlich zu beurteilen
- Stoffwechselerkrankungen wie EMS und PPID
- Parasitosen
- Infektiöse und entzündliche Prozesse
Pyrrolizidinalkaloide – der belegte Fall
Pyrrolizidinalkaloide aus Kreuzkraut-Arten sind lebertoxisch, und Pferde gelten als empfindlich. Der Eintrag erfolgt über Beikräuter, die bei der Ernte mit ins Futter gelangen – im getrockneten Zustand sind sie nicht mehr erkennbar.
In einer Untersuchung waren rund 74 Prozent der Luzerneproben positiv. Häufig zitiert wird zusätzlich, dass alle untersuchten luzernehaltigen Pferdefutter positiv waren – dabei gehört dazugesagt, dass es sich um lediglich sechs Proben handelte. Das ist ein Signal, keine Marktübersicht.
Zu beachten ist außerdem: „Positiv" bedeutet nachweisbar. Für Futtermittel besteht bislang kein spezifischer Höchstgehalt; die Empfehlung lautet, den Eintrag so weit wie möglich zu minimieren.
Harmlose Ursachen – bevor Du Dich sorgst
- Fohlen: physiologisch erhöhte GGT in den ersten Lebenswochen
- Rasseunterschiede: bei Islandpferden häufiger höhere Werte ohne klinische Auffälligkeit
- Nach Belastung: AST und CK vorübergehend erhöht
- Futterwechsel oder Anweiden: moderate Veränderungen möglich
- Futterverweigerung: Bilirubin steigt ohne Lebererkrankung
Symptome
Weil die Leber lange kompensiert, treten deutliche Zeichen erst spät auf – dann aber ernst zu nehmen.
Deutliche Warnzeichen
- Gelbfärbung von Schleimhäuten, Augen oder Haut
- Apathie und ausgeprägte Mattigkeit
- Anhaltende Fressunlust
- Gewichtsverlust trotz ausreichender Ration
- Kolik
- Verhaltensänderungen bis hin zum Kopfpressen gegen Wände – Hinweis auf eine Beteiligung des Nervensystems
Daneben gibt es unspezifische Zeichen, die viele Ursachen haben können: Leistungsabfall, stumpfes Fell, vermehrtes Gähnen, angelaufene Beine. Sie taugen nicht als Diagnose, aber als Anlass, genauer hinzusehen.
Wann zum Tierarzt
Sofort
- Gelbfärbung von Schleimhäuten oder Augen
- Apathie, ausgeprägte Mattigkeit
- Anhaltende Futterverweigerung
- Kolik
- Verhaltensänderungen, insbesondere Kopfpressen
Zeitnah abklären
- Mehrere Leberparameter gemeinsam erhöht
- Deutlich erhöhter Einzelwert
- Werte, die im Verlauf ansteigen
- Leistungsabfall oder Gewichtsverlust ohne erkennbare Ursache
Was die weitergehende Abklärung umfassen kann
- Erweiterte Blutuntersuchung: Gallensäuren, Albumin, Gerinnungsparameter
- Ultraschall: Größe und Struktur der Leber, Gallenwege
- Leberbiopsie: bei unklaren Befunden, zur Sicherung von Diagnose und Prognose
- Kotuntersuchung auf Parasiten
- Futtermittelanalyse auf Mykotoxine oder Pyrrolizidinalkaloide
Das richtige Vorgehen
- Ursache suchen. Blutbild einordnen lassen, Futter prüfen, Weide und Umgebung auf Giftpflanzen ansehen, Arzneimittelgaben und Belastung der letzten Wochen rekapitulieren.
- Ursache abstellen. Auffälliges Futter austauschen, Giftpflanzen entfernen, Medikation tierärztlich überprüfen lassen.
- Behandeln lassen, wo behandelt werden muss. Das richtet sich nach Diagnose und Befund und ist eine tierärztliche Entscheidung.
- Kontrollieren. Verlaufskontrolle im vereinbarten Abstand, im selben Labor.
Der entscheidende Punkt
Die Leber verfügt über ein erhebliches Regenerationsvermögen. Wird die Ursache beseitigt und ist die Schädigung nicht zu weit fortgeschritten, können sich Werte wieder normalisieren. Ohne Beseitigung der Ursache bleibt jede weitere Maßnahme wirkungslos – solange verschimmeltes Heu oder Kreuzkraut im Futter ist, ändert nichts anderes etwas daran.
Häufige Fragen
Welche Leberwerte werden beim Pferd bestimmt?
Die wichtigsten sind GGT und GLDH, die beim Pferd weitgehend leberspezifisch sind, sowie AST, das aber auch aus der Muskulatur stammt und deshalb nur zusammen mit CK beurteilt werden kann. Ergänzend kommen Bilirubin, Albumin und Gallensäuren in Betracht. Gallensäuren sind ein empfindlicher Funktionsparameter, im Standardprofil aber meist nicht enthalten.
Was bedeutet ein erhöhter GGT-Wert?
GGT kommt beim Pferd im Wesentlichen in Leber und Gallenwegen vor, ein erhöhter Wert weist also auf ein Geschehen in diesem Bereich hin. Weil GGT langsam ansteigt und langsam abfällt, eignet es sich gut für Verlaufskontrollen – bei chronischen Prozessen ist es nicht selten der einzige auffällige Parameter. Was die Erhöhung im Einzelfall bedeutet, ergibt sich erst aus dem Gesamtbefund.
Warum ist AST kein reiner Leberwert?
Weil AST außer in der Leber auch in Skelett- und Herzmuskulatur, Nieren und Lunge vorkommt. Nach Training, Transport oder Muskelschädigung steigt AST ebenfalls an. Deshalb wird immer CK mitbeurteilt: Sind beide erhöht, ist die Muskulatur wahrscheinlicher; ist nur AST erhöht, kommt die Leber in Betracht. Zu beachten ist der Zeitverlauf – CK normalisiert sich schneller als AST, sodass „AST erhöht, CK normal" auch einige Tage nach einem Muskelereignis auftreten kann.
Sind Leberwerte verschiedener Labore vergleichbar?
Nein. Jedes Labor verwendet eigene Messverfahren und ermittelt seine Referenzbereiche selbst. Eine Zahl ohne den zugehörigen Referenzbereich des messenden Labors lässt sich nicht interpretieren. Für Verlaufskontrollen sollte deshalb immer dasselbe Labor genutzt werden.
Können erhöhte Leberwerte harmlos sein?
In manchen Fällen ja. Fohlen haben in den ersten Lebenswochen physiologisch erhöhte GGT-Werte. Bei Islandpferden werden häufiger höhere Werte ohne klinische Auffälligkeit berichtet. Nach intensiver Belastung steigen AST und CK vorübergehend. Und Bilirubin steigt, wenn ein Pferd nicht frisst. Ob eine Erhöhung im Einzelfall harmlos ist, entscheidet die Tierärztin anhand des Gesamtbilds.
Warum steigt Bilirubin, wenn ein Pferd nicht frisst?
Das ist eine Besonderheit des Pferdes, bekannt als Inanitionsikterus: Bei Futterverweigerung oder längerer Nahrungskarenz steigt das Bilirubin an, ohne dass eine Lebererkrankung vorliegt. Bei erhöhtem Bilirubin mit unauffälligen Leberenzymen lautet die erste Rückfrage deshalb, ob und wie viel das Pferd gefressen hat.
Warum werden Gallensäuren selten bestimmt?
Weil die Bestimmung aufwendiger und teurer ist als die der Standardenzyme. Gallensäuren sind allerdings ein empfindlicher Funktionsparameter: Sie werden in der Leber aus Cholesterin gebildet, gelangen über die Galle in den Darm und werden zum überwiegenden Teil wieder aufgenommen – dieser Kreislauf setzt eine intakte Leberfunktion voraus. Bei Verdacht lohnt es, sie gezielt anzufordern.
Sagt ein sehr hoher Wert etwas über die Schwere aus?
Nur begrenzt. Das Ausmaß des Enzymanstiegs korreliert nicht unmittelbar mit der Schwere der Erkrankung oder dem Grad der Funktionseinschränkung. Ein hoher Wert zeigt, dass viele Zellen geschädigt wurden – nicht, wie viel Funktion noch vorhanden ist. Umgekehrt schließen mäßige Werte einen fortgeschrittenen chronischen Prozess nicht aus. Die Funktionsleistung wird über andere Parameter beurteilt.
Kann sich die Leber wieder erholen?
Die Leber verfügt über ein erhebliches Regenerationsvermögen. Wird die Ursache beseitigt und ist die Schädigung nicht zu weit fortgeschritten, können sich erhöhte Werte wieder normalisieren. Entscheidend ist der erste Teil: Solange die Ursache fortbesteht, ändert sich nichts.
Was bedeuten Pyrrolizidinalkaloide im Futter?
Es handelt sich um lebertoxische Pflanzeninhaltsstoffe, vor allem aus Kreuzkraut-Arten, die über Beikräuter bei der Ernte ins Futter gelangen und im getrockneten Zustand nicht erkennbar sind. In Untersuchungen waren rund 74 Prozent der Luzerneproben positiv; die oft zitierte Angabe, alle untersuchten luzernehaltigen Pferdefutter seien positiv gewesen, beruht auf lediglich sechs Proben. „Positiv" bedeutet nachweisbar, nicht gesundheitsschädlich. Für Futtermittel besteht bislang kein spezifischer Höchstgehalt.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Köller, G., Gieseler, T., Schusser, G. F. (2014): Hämatologische und blutchemische Referenzbereiche bei Pferden unterschiedlicher Rassen und Altersgruppen. Pferdeheilkunde 30:381–393
- Rückert, C. et al. (2019): Pyrrolizidine alkaloids in commercial feedstuffs for horses. Equine Veterinary Journal 51(4):495–499
- Schwarz, B., Alber, G. (2021): Is it possible to avoid pyrrolizidine alkaloid contamination in equine herb-containing nutraceuticals? Equine Medicine 37(2):119–122
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Pyrrolizidinalkaloide in Futtermitteln – Zusammenstellung vorliegender Untersuchungen
- Laborprofil Leber – Interpretation beim Pferdepatienten, veterinärmedizinische Fachliteratur