Pferde kommen mit Hitze besser zurecht, als man denkt – aber nicht mit jeder. Entscheidend ist nicht die Temperatur, sondern was die Luft noch aufnehmen kann. Bei SchwSch wüleuuml;le versagt die Kühlung, obwohl das Pferd schwitzt.
Auf einen Blick
- Schwüle ist gefährlicher als trockene Hitze
- Kaltes Wasser, reichlich, und nicht abziehen – der alte Rat ist widerlegt
- Trockene Haut trotz Hitze ist ein Alarmzeichen
- Der stehende Anhänger ist der heißeste Ort überhaupt
- Ungewöhnlich schwerer Sonnenbrand kann von der Leber kommen
Warum Hitze belastet
Alles hängt an der Verdunstung
Pferde kühlen sich über den Schweiß – genauer: über dessen Verdunstung, die dem Körper Wärme entzieht. Der Schweiß selbst kühlt nicht; er muss weggehen.
Daraus folgt das eigentliche Problem: Je feuchter die Luft, desto weniger kann sie aufnehmen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit läuft der Schweiß am Körper herab, ohne zu kühlen – das Pferd verliert Wasser und Elektrolyte, gewinnt aber nichts.
Und der Verlust ist erheblich
Pferdeschweiß ist salzhaltiger als menschlicher, und die Mengen sind größer: Bei intensiver Arbeit in der Hitze gehen mehrere Liter pro Stunde verloren. Wird das nicht ersetzt, sinkt die Leistung – und die Kühlung wird selbst zum Problem, weil die Flüssigkeit dafür fehlt.
Ab wann es kritisch wird
Eine Faustregel, die beide Faktoren erfasst
„Ab 30 Grad“ greift zu kurz. Gebräuchlich ist stattdessen eine einfache Summe: Lufttemperatur in Grad Fahrenheit plus relative Luftfeuchtigkeit in Prozent. Sie bildet ab, wie viel Spielraum zur Verdunstung noch bleibt.
| Summe | Einordnung |
|---|---|
| unter 130 | Unproblematisch – die Selbstkühlung reicht aus |
| 130 bis 150 | Meist unkritisch; bei hoher Luftfeuchte beobachten |
| 150 bis 180 | Kühlung eingeschränkt – Arbeit reduzieren |
| über 180 | Wärme kann kaum noch abgegeben werden – intensive Arbeit ist riskant |
Drei Rechnungen zum Mitnehmen
30 Grad bei 50 Prozent Luftfeuchte ergeben 136 – unbedenklich. Dieselben 30 Grad bei 70 Prozent ergeben 156 – Vorsichtsbereich. 35 Grad bei 85 Prozent erreichen 180. Dieselbe Temperatur, drei verschiedene Lagen: Die Luftfeuchtigkeit entscheidet.
Hitzestress erkennen
Die Atmung
Schnell und flach, und sie geht in Ruhe nicht zurück. Das ist das verlässlichste frühe Zeichen.
Die trockene Haut
Das wichtigste Alarmzeichen: Ein Pferd, das in der Hitze plötzlich nicht mehr schwitzt, hat seinen Kühlmechanismus verloren.
Das Verhalten
Mattigkeit und Teilnahmslosigkeit – oder umgekehrt Unruhe und Taumeln. Beides gehört ernst genommen.
Urin und Trinken
Dunkler, konzentrierter Urin bei gleichzeitig nachlassender Trinklust ist ein schlechtes Zeichen.
Die Werte in Ruhe
Temperatur 37,5 bis 38,5 Grad, Puls 28 bis 44, Atmung 8 bis 16 pro Minute. Der nützlichste Rat dazu: Diese Werte beim eigenen Pferd einmal bei kühlem Wetter selbst messen. Dann weiß man im Sommer, was Abweichung ist und was Normalbereich.
Hitzschlag – Notfall
Temperatur über 40 bis 41 Grad, Taumeln, Apathie, sehr schnelle Atmung oder ausbleibendes Schwitzen. Dann zählt jede Minute: in den Schatten bringen, sofort und großzügig mit kaltem Wasser kühlen – und parallel die tierärztliche Praxis rufen. Nicht warten, bis Hilfe da ist. Mit dem Kühlen wird sofort begonnen.
Richtig kühlen
Der Rat, der sich hartnäckig hält – und widerlegt ist
Lange galt: nur lauwarmes Wasser, und es zügig wieder abziehen, um einen Kälteschock zu vermeiden. Beides ist durch Untersuchungen widerlegt, die seit den Olympischen Spielen 1996 im Auftrag des internationalen Verbands durchgeführt wurden.
Was stattdessen gilt
- Punkt: Kaltes Wasser, und zwar reichlich – je kälter, desto schneller fließt Wärme ab
- Punkt: Über den ganzen Körper, besonders die großen Muskelpartien an Hals, Rumpf und Hinterhand – nicht nur die Beine
- Punkt: Nicht abziehen – das Wasser auf dem Fell kühlt weiter, solange es liegt
- Punkt: Immer wieder nachgießen, über mehrere Minuten, statt einmal abzuspritzen
- Punkt: Im Luftzug stehen lassen, wenn es einen gibt
Zur Sorge vor kaltem Wasser
Kaltes Wasser löst bei einem überhitzten Pferd weder Kolik noch Muskelschaden, Nierenproblem oder Hufrehe aus. Diese Annahme hält der Prüfung nicht stand – und sie kostet im Ernstfall genau die Zeit, auf die es ankommt.
Wann genug gekühlt ist
Nicht nach Gefühl, sondern nach Messung
Ein Pferd, das sich kühl anfühlt, kann innen noch heiß sein – die Haut kühlt schneller ab als der Körperkern. Wer deshalb aufhört, hört zu früh auf, und die Temperatur steigt danach wieder.
Deshalb wird zwischendurch gemessen – weiterkühlen, bis die Temperatur deutlich gefallen ist, dann nach einigen Minuten erneut messen. Steigt sie wieder, wird weitergekühlt. Im Notfall gibt die tierärztliche Praxis vor, bis wohin.
Transport bei Hitze
Der heißeste Ort auf dem ganzen Hof
Ein stehender Anhänger heizt sich in der Sonne massiv auf, und die Luft darin bewegt sich nicht. Dazu kommt, dass das Pferd eng steht, sich zum Ausbalancieren anstrengt und häufig den Kopf nicht senken kann – drei Belastungen auf einmal.
Praktisch heißt das: früh am Morgen oder abends fahren, im Schatten parken und niemals stehen bleiben ohne Durchzug, alle Klappen öffnen, unterwegs Wasser anbieten – und das Pferd nach der Ankunft aktiv kühlen, nicht nur abstellen (Pferdetransport).
Wenn ein Pferd nicht mehr schwitzt
Anhidrose
Manche Pferde verlieren die Fähigkeit zu schwitzen – teilweise oder vollständig. Damit fällt der wichtigste Kühlmechanismus aus, und schon mäßige Wärme wird zum Problem.
Zu erkennen an: trockener Haut trotz Hitze und Arbeit, auffallend schneller und anhaltender Atmung – das Pferd versucht, über die Atmung zu kühlen –, rascher Erschöpfung, mitunter schütterem Fell an Kopf und Hals. Mitunter schwitzt ein betroffenes Pferd nur noch stellenweise, etwa unter der Mähne oder am Sattel.
Was dann gilt
Das gehört tierärztlich abgeklärt, auch zur Abgrenzung von anderen Ursachen. Im Alltag bleibt vor allem: kühlen von außen, Arbeit in die kühlen Stunden verlegen, Schatten und Luftbewegung sicherstellen – und bei schwerer Ausprägung die Nutzung an das anpassen, was das Pferd noch tragen kann.
Sonnenbrand – und wann er mehr bedeutet
Der gewöhnliche Fall
Unpigmentierte Haut verbrennt – an Nüstern, Lippen, Augenlidern und an weißen Abzeichen. Betroffene Stellen werden rot, schwellen, schuppen und nässen. Was hilft: Schatten in den Mittagsstunden, eine Fliegenmaske mit Nasenschutz, und ein Sonnenschutz für die unbehaarten Stellen.
Und der Fall, der anders zu bewerten ist
Wenn ein Pferd ungewöhnlich schwer verbrennt – mit Nässen, Krusten und schmerzhaften Stellen, die sich scharf auf die hellen Hautpartien begrenzen –, steckt möglicherweise mehr dahinter. Bei der sogenannten hepatogenen Photosensibilisierung reagiert die Haut nicht einfach auf die Sonne: Ein Abbauprodukt des Blattgrüns, das normalerweise über die Leber ausgeschieden wird, reichert sich bei eingeschränkter Leberfunktion an – und macht die Haut lichtempfindlich.
Das Erkennungszeichen ist die scharfe Begrenzung auf unpigmentierte Bereiche, während die dunklen Stellen daneben unversehrt bleiben. Hier gehört die Leber untersucht, nicht nur die Haut eingecremt – und es lohnt der Blick auf die Weide, weil bestimmte Pflanzen dabei eine Rolle spielen (Leber-Haut-Achse).
Haltung und Versorgung
Woran es sich lohnt zu arbeiten
- Punkt: Schatten sicherstellen – Baum, Unterstand oder belüfteter Stall; massive Gebäude bleiben tagsüber oft kühler als ein schattenloser Paddock
- Punkt: Wasser durchgehend und sauber; der Bedarf steigt bei Hitze und Arbeit deutlich über die gewohnten 30 bis 50 Liter
- Punkt: Weidezeiten verlegen – früher Morgen, Abend, Nacht; das schont bei empfindlichen Pferden zugleich den Stoffwechsel
- Punkt: Raufutter nicht streichen, sondern über den Tag verteilen und in die kühleren Stunden legen
- Punkt: Elektrolyte gezielt: Salzleckstein und Mineralausgleich reichen meist; zusätzliche Gaben bei starkem, langem Schwitzen – und nie ohne freien Zugang zu Wasser
- Punkt: Insektenschutz mitdenken – Hitze und Insektendruck fallen zusammen
Besonders empfindliche Pferde
Wer früher an Grenzen kommt
- Ältere Pferde – die Temperaturregulation arbeitet weniger zuverlässig
- Pferde mit PPID – dichteres, länger stehendes Fell erschwert die Wärmeabgabe (EMS und Cushing)
- Übergewichtige Pferde – mehr Isolierung, mehr Wärmeproduktion bei Bewegung
- Pferde mit Anhidrose – der Kühlmechanismus fehlt
- Pferde mit Atemwegsproblemen – schwüle Luft bringt sie schneller an die Grenze (Atemwege beim Pferd)
- Pferde mit viel unpigmentierter Haut – wegen der Sonne, nicht wegen der Wärme
Häufige Fragen
Wie viel Hitze verträgt ein Pferd?
Eine feste Gradzahl gibt es nicht – die Luftfeuchtigkeit entscheidet mit. Mit Schatten, Wasser und ohne Belastung kommen gesunde Pferde mit 30 Grad meist gut zurecht.
Kritisch wird die Kombination: Bei hoher Luftfeuchte verdunstet der Schweiß nicht mehr und kühlt deshalb nicht. Die Summe aus Temperatur in Fahrenheit und Luftfeuchte in Prozent gibt eine bessere Orientierung.
Darf ich mit kaltem Wasser kühlen?
Ja – und es ist das Wirksamste. Je kälter das Wasser, desto schneller gibt das Pferd Wärme ab. Die Sorge vor Kolik, Muskelschaden oder Hufrehe hält der Prüfung nicht stand.
Wichtig: reichlich, über den ganzen Körper, immer wieder nachgießen – und nicht abziehen.
Muss ich das Wasser abziehen?
Nein. Das Wasser auf dem Fell kühlt weiter, solange es dort liegt; Abziehen unterbricht genau diesen Effekt.
Im Notfall gießt man stattdessen gleich wieder frisches kaltes Wasser nach.
Woran merke ich, dass genug gekühlt ist?
Nicht am Gefühl. Die Haut kühlt schneller ab als der Körperkern – ein Pferd, das sich kühl anfühlt, kann innen noch heiß sein.
Deshalb zwischendurch messen und nach einigen Minuten erneut: Steigt die Temperatur wieder, wird weitergekühlt.
Was ist beim Transport zu beachten?
Der stehende Anhänger ist der heißeste Ort überhaupt – er heizt sich auf, und die Luft bewegt sich nicht. Dazu steht das Pferd eng, balanciert und kann oft den Kopf nicht senken.
Also: früh oder spät fahren, im Schatten parken, nie ohne Durchzug stehen, unterwegs Wasser anbieten – und nach der Ankunft aktiv kühlen.
Mein Pferd schwitzt kaum noch – ist das gut?
Nein, das ist ein Alarmzeichen. Manche Pferde verlieren die Fähigkeit zu schwitzen – damit fällt der wichtigste Kühlmechanismus aus.
Typisch sind trockene Haut trotz Hitze, auffallend schnelle Atmung und rasche Erschöpfung. Das gehört tierärztlich abgeklärt; im Alltag hilft Kühlen von außen und Arbeit in den kühlen Stunden.
Mein Pferd hat einen schweren Sonnenbrand – reicht Sonnencreme?
Beim gewöhnlichen Sonnenbrand an Nüstern und Abzeichen: Schatten, Nasenschutz und Sonnenschutzmittel.
Bei ungewöhnlich schweren Veränderungen mit Nässen und Krusten, scharf begrenzt auf die hellen Hautstellen, gehört die Leber untersucht. Ein Abbauprodukt des Blattgrüns kann sich bei eingeschränkter Leberfunktion anreichern und die Haut lichtempfindlich machen.
Braucht mein Pferd im Sommer Elektrolyte?
Das hängt davon ab, wie stark es schwitzt. Für die meisten Pferde genügen Mineralausgleich und Salzleckstein.
Zusätzliche Gaben sind bei intensiver Arbeit und starkem, langem Schwitzen sinnvoll – und immer nur bei freiem Zugang zu Wasser.
Weiterführende Artikel
Quellen
- Marlin, D. J. et al.: Arbeiten zur Kühlung hitzebelasteter Pferde im Auftrag der Fédération Equestre Internationale
- Hodgson, D. R., McKeever, K. H. & McGowan, C. M.: The Athletic Horse – Principles and Practice of Equine Sports Medicine. Elsevier
- Reed, S. M., Bayly, W. M. & Sellon, D. C.: Equine Internal Medicine. Elsevier
- Knottenbelt, D. C.: Pascoe's Principles and Practice of Equine Dermatology – zur Photosensibilisierung
- Arbeiten zur Anhidrose beim Pferd